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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-11-01 · 11 (1.11.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
11 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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IC. JhrgyNr. 11 HdbdMt Q>mtod»bl»a Mr dk lymgogw-Ot—Inekn In Prstißsa/Norddsotsciilaiid 1. Novnmbnr Iflt ynf Einwanderung und freie Entfaltung her* vargebeben. Alle, die hier auf ihre Einreiseerlaubnis nach Palästina sehnsüchtig warten, werden diese Empfindungen teilen. a Aus einer Mitteilung des Hilfsrereins der Juden in Deutschland, die wir an anderer Stelle veröffentlichen, ist su entnehmen, daß auch die Regierung von Kolumbien sich au einer Erschwerung der Einwanderung ent* schlossen hat. Es ist besonders schmerzlich, daB gerade nach Beendigung der Konferenz von E v i a n einige Ueberseestaaten Verschärfungen ihrer Einwanderungsbestimmungen vornehmen, wahrend man von Evian doch im Gegenteil eine weitgehende Erleichterung erhoffte. Es mag sein, daB manche Staaten •ich su solcher Erleichterung erst entschließen, wenn die praktischen Verhandlungen mit dem Ständigen Büro in London hierzu die Voraussetzungen geschaffen haben. Aber selbst eine vorübergehende Erschwerung bedeutet eine schwere Schädigung der für die Abfahrt bereitstehenden jüdischen Massen. Das Ständige Büro in London sollte daher Anlaß nehmen, sich mit der Frage zu befassen, inwieweit für die entfallenden Einwanderungsmöglichkeiten anderwärts Ersatz geschaffen werden kann, auch wenn die klimatischen und sonstigen Bedingungen nicht ht dem Maße den Anforderungen entsprechen, die man unter normaleren Verhältnissen im Interesse der Auswanderer stellen wurde. Im Hinblick auf die dauernd steigende Zahl der Auswanderungskandidaten sind selbst provisorische Lösungen unvermeidbar, wenn die Verhandlungen, die das Ständige Büro mit den Einwanderungsländern zwecks Aufstellung eines definitiven Wanderungsplans führen muB, noch auf Schwierigkeiten stoßen nnd eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen sollten. e Die soziale Arbeit der jüdischen Gemeinden in Deutschland hat auch wahrend der dreiwöchigen Festesceit nicht einen Tag lang geruht. Sie steht vor allem im Zeichen der Auswanderungsförderung und sodann — angesichts des nahenden Winters — im Zeichen der Jüdischen Winterhilfe, über deren Eröffnungwir an anderer Stelle des Blattes berichten. Auch hier aber soll daran erinnert werden, daß es gilt, mit verringerten Mitteln immer größere Schichten su unterstützen. Immer größer wird der Kreis der Berufslosen unter uns; der vergangene Monat hat das wieder deutlich fühlbar gemacht. Aber es war derselbe Monat, der uns die Festeszeit, ihre Erhebung und ihre Ermahnung brachte. So ist uns gleicherweise durch unsere religiöse Lehre wie durch unsere Wirklichkeit die Aufgabe gestellt — möchte jeder einzelne Jude in Stadt und Land an dieser Aufgabe sich bewähren! JOdische Winterhilfe (Fortsetzung von Seite 1) durch Vorauszahlung and die Abschlußzahlung getilgt worden ist, mindesten« 1 Mt monatlich. d) Gewerbetreibende u p d Angehörige freier Bernfe sowie sonstige Einkommenbezieher, die zur Einkommensteuer veranlagt werden, entrichten monatlich ein Opfer in Höhe von 1 Pros, de« für das Jahr 1937 veranlagten Einkommens tenerbe träges an die Jüdische Winterhilfe, mindestens 1 Ml monatlich. e) Inhaber von offenen Handelsgesellschaften nnd Kommanditgesellschaften entrichten monatlich . 1 Pros, des für das Jahr 1937 veranlagten Einkommenstenerbetrage« an die Jüdische Winterhilfe, mindestens 1 Mt monatlich. d) Gewerbetreibende nnd Angehörige freier Berufe sowie sonstige Einkommenbesieh er, die nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden, opfern einen Betrag von mindestens 1 Ml monatlich während der Däner der Winterhilfe. g) Personen, die nur zur Vermögensteuer, nicht aber zur Einkommensteuer veranlagt sind, entrichten monatlich ein Opfer in Höhe von 1 Proz. des für das Jahr 1937 veranlagten Vermögensteuerbetrages an die Jüdische Winterhilfe. Personen, die sowohl zur Ein- Zunehmende Gütererzeugung. Wenn man die gegenwärtige weltwirtschaftliche Lage zutreffend kennzeichnen will, so muß man zwischen Gütererzeugung und Handelsaustausch sorgfältig unterscheiden. Die Welterzeugung von Bedarfsgütern nimmt ohne Rücksicht auf Konjunktur- und Preisschwankungen ständig zu. Die Statistik weist für das Jahr 1937 eine SachgüterprodulAion aus, die um 7 Prozent größer als die des vorangegangenen Jahres und um 14 Prozent größer alt die des Jahres 1929 ist. Zieht man in Betracht, daß im Jahre 1929 die Weltkonjunktur im Zenith ihrer Bahn stand, so zeigt sich, daß infolge der fortschreitenden Industrialisierung der Welt die Sachgütererzeugung stetig wächst. Besonders bemerkenswert ist hierbei die Tatsache,' daß die Güterproduktion in den außereuropäischen Ländern in erheblich schnellerem Tempo zunimmt als in den europäischen. Die Industrialisierung der außereuropäischen Länder schreitet offensichtlich rasch voran. Während Europas Anteil an der Weltproduktion im Jahre 1913 noch 47 Prozent betrug, also dicht an die Hälfte heranreichte, betrug er im Jahre 1937 nur noch 38 Prozent. Das wirtschaftliche Schwergewicht verlagert sich also immer mehr auf die außereuropäischen Länder. Der zwischenstaatliche Warenaustausch bewegt sich dagegen zurzeit noch immer in absteigender Linie. Infolgedessen steht ein Teil der Weltwarenmärkte unter dem Druck von Absatz- und Verteilungsschwierigkeiten. Der Weltverbrauch kann mit der steigenden Produktion nicht gleichen Schritt halten. Hieraus ergeben sich Störungen, die auf manchen Marktgebieten immer wieder die Oberhand gewinnen. An einer Reihe wichtiger internationaler Märkte häbdn sich jedoch in dem letzten Monat auf Grund der beruhigten weltpolitischen Lage die Aufsehwungstendenzen kräftig durchsetzen können. Das gilt namentlich für die Metallmärkte. Aber auch die Baumwoll- und Kautschukmärkte sind wieder fester geworden. Gewiß spielen an allen diesen Märkten spekulative Tendenzen eine erhebliche Rolle. Aber die Grundstimmung ist jetzt auf allen Märkten wieder optimistisch, weil man überzeugt ist, daß Absatz und Preise wieder steigen werden. Konjunkturbelebung in USA. Von entscheidender Bedeutung für die Beurteilung der Weltmarktlage ist nach wie vor die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Hier hat sich, angetrieben von den Konjnnkturstütznngsmaßnabmen der Regierung, die Produktionstätigkeit auf der ganzen Linie belebt. Der Produktionsindex des Federal Reserve Board, die wichtigste Meßziffer für den amerikanischen Wirtschaftsstand, ist von 88 im Monat August in den letzten Wochen auf über 100 gestiegen und ist damit von dem Tief stand, der mit 76 im Mai d. Js. erreicht worden war, weiter entfernt, als von dem auf 117 errechneten Höchst stände des Vorjahrs. Schon ist also die Hälfte der Depression der ersten Jahreshälfte 1938 wieder auf geholt. Sicherkommenals auch zur Vermögensteuer veranlagt sind, entrichten 1 Proz. des veranlagten Vermögensteuerbetrages, wenn die auf dieser Grundlage errechnete Summe höher ist als der auf Grund der Einkommensteuerveranlagung zu errechnende Betrag, mindestens 1 Ml monatlich. Für Familien aus Mischehen zwischen Deutschblütigen und Juden ist die Jüdische Winterhilfe sowohl in der Sammlung von Geldspenden als auch in der Betreuung zuständig, wenn der Haushaltungsvorstand Jude im Sinne des Reichsbürgergesetzes ist. lieh wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die amerikanische Wirtschaft den Haussepunkt wieder erreicht haben wird. Auch darf man nicht unberücksichtigt lassen, daß die Belebung bisher in den amerikanischen Verbranchsgüter Industrien wesentlich kräftiger als in den Kapitalgüterindustrien war. Aber die amerikanische Stahlindustrie wies z. B. schon Ende September mit einer Kapazitätsausnutzung von 47 Prozent den höchsten, in diesem Jahre festgestellten Konjunkturstand auf. Inzwischen hat sie die Kapazitätsrate von 50 Prozent bereits überschritten. Bei 55 Prozent wird sie wieder ohne Verlust arbeiten. Die amerikanische Automobilindustrie, die bekanntlich eine der wichtigsten Schlüsselindustrien ist, berichtet über einen steigenden Eingang von Bestellungen. Besonders stark belebt hat sieh die Bautätigkeit in den Vereinigten Staaten, die durch die staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen kräftig gefördert wird. Andere Wirtschaftszweige, wie z. B. die Eisenbahngesellschaften und die Elektrowirtschaft, bleiben in der Aufwärtsbewegung noch zurück. Andererseits aber weisen selbst Industrien, die unter dem Druck einer Uebererzeugung von Rohstoffen stehen, wie insbesondere die Baumwollindustrie, eine Erhöhung des Beschäftigungsstandes auf. Die Absatzziffern des amerikanischen Einzelhandels bewegen sich wieder langsam nach oben. Dabei haben sich zweifellos die großzügigen staatlichen Hilfsmaßnahmen bisher erst teilweise praktisch auswirken können. Eine Gefahr für die weitere Entwicklung bildet das Sinken der Farmereinkommen infolge der niedrigen Weltmarktpreise des Weizens und der Baumwolle. Durch die „Agricultural Adjustment Act“ von 1938 versucht die Regierung der Vereinigtes Staaten Anbauflächen und Ahsata dieser beiden wichtigen Agrarerzeugnisse planmäßig zu regeln und zu kontrollieren. Die überschüssigen Erzeugungsmengen, die der Konsum nicht aufzunehmen vermag, werden von dem Markt ferngehalten, um die Preise nicht noch weiter absinken zn lassen. Die spätere Verwendung der Uebererzeugung bleibt freilich eine ungelöste Frage. Zunächst aber scheint es in den Vereinigten Staaten gelungen zu sein, den toten Punkt der Depression zu überwinden und die gesamte Produktion erfolgreich anzukurbeln. Buchführungspflieht im deutschen Einzelhandel In dem Bereich des deutschen Handwerks besteht bekanntlich schon seit dem 1. April d Js. die Verpflichtung su einer bestimmtes Mindestbnchführung. Vom L Januar 1939 ab wird es nun auch für den geaamten Einsehhandel eine Buchführungspflieht geben. Durch eine Anordnung des Leiters der Wirtschaftsgruppe werden alle Einzelhandelskaufleute verpflichtet, Bücher sn führen, di« bestimmten Mindestanforderungen genügen. Geführt werden muß ein Ceaehäftstagebuch, in das Einnahmen nnd Ausgaben ans der Kasse, sowie Zuging« Blick auf die Wirtschaft: 2

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