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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-11-01 · 11 (1.11.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
11 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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PUR Dil SYNAGOGIN-GIMIINDIN IN PRIUSSKN UND NORDDCUTSCHLAND Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. Nr. 11 Berlin, 1. November 1938 16. Jahrgang Herausgeber: Preußischer Landesverband jfidiseher Gemeinden Jüdische Winterhilfe Eröffnungsfeier Die Jüdische Winterhilfe begann am 9. Oktober das vierte Jahr ihrer Tätigkeit mit einer stark besuchten Eröffnungsfeier in der Synagoge Paiazregentenstraße in Berlin. Die fan Mittelpunkt der Feier stehenden Ansprachen dös Präsidenten der Reichsvertretung der Joden in Deutschland, Rabbiner Dr. Leo’ Beeck, unddes Vorsitsenden der 'Jüdischen Gemeinde so Berlin, Direktor Heinrich Stahl, wurden von eineqi musikalisehen Teil umrahmt. Das Orchester des Jüdischen Kulturbundes Berlin unter Leitung von Rudolf- Schwärs und die Sängerin Ruth Kisch-Arndt' (Köln) trugen durch ausgezeichnete Leistungen dasu bet, die Feier eindrueksvoH an gestalten. Rabbiner Dr. B a e e k gab in seiner Ansprache dem Dank an die Geber Ausdruck, die m den vergangenen Jahren der Jüdischen Winterhilfe su so aoBergewöhnKch großen Erfolgen verhelfen haben, und dankte ebenso auch allen denen, die das Geben lenkten und ordneten. Die Leistungen der ersten drei Jahre konnten nicht bessey und treffender gekennseichnet' werden als durch die Feststellung Dr. Baeeks, daff sie das gröffte Werk in dey Geschickte jüdischer Sosisla r b e i t dareteilen. 3*/s Millionen %/H seien im leisten Winter aufgebracht worden. Aber abgesehen von diesem äuBeren Erfolge, liege die besondere Bedeutung der Jüdischen Winterhilfe, so führte der Redner aus, in ihrer seelischen Einwirkung auf die Geber wie auf diejenigen, denen geholfen werden konnte. Innerlich aufrecht bleiben, die innere Sicherheit bewahren, das sei heute die Forderung, von deren Erfüllung alles abhänge. Wer gibt und hilft, der erhalte sich dadurch eine innere Gewißheit, die ihn stärkt und erhebt. Diese Gewißheit allein aber könne die Juden von heute vor der Gefyhr der Vereinsamung und -Isolierungbewahren. Dr. Baeck wies dann auf die große Zahl der alleinstehenden jüdischen Menschen hin, die heute die größte Gruppe unter den Unterstütsten bildeten.’ Ihnen gebe die Jüdische Winterhilfe -das Bewußtsein, daß sie in Wirklichkeit nicht vereinsamt und verlassen sind, sondern von der jüdischen Gesamtheit, su der sie gehören, nach Kräften gestütst werden. Die Ansprache klang in die Mahnung aus, im Helfen susammenzustehen. Dana werde die Jüdische Winterhilfe zum Sagen für die Empfangenden wie für die Gebenden werden. Direktor Stahl gab eine Uebersicht über -die Leistungen der Winterhilfe in den ersten drei Jahren ihrer Wirksamkeit und betonte nachdrücklich«!, daß das Jahr 1938/39 -die Organisation und die Helfer vor unendfleh schwerere Aufgaben als die bisherigen stellen werde. Unter den unzähligen jüdischen Menschen, die in den leisten Monaten ihren Erwerb verloren haben, seien viele,- die biaheu au den Gebenden gehört haben und die sich nun künftig als Nehmende würden melden müssen. Die Zahl der großen Spender habe sich verkleinert. Diese Schwierigkeiten und Hemmungen könnten nur dadurch überwunden werden, daß jeder nochgrößereOpferwilligkeit als jn den leisten' Jahren zeige, und daß sich immer' noch mehr Helfer in den Dienst der Jüdischen Winterhilfe stellen. Damit der wachsenden Zahl der jüdischen Menschen^ die in Not sind, geholfen werde weiterzuleben, sei jeder Jude und jede Jüdin, .die noch in der Lage dasu sind, in diesem Winterverpflichtet, nicht nur su spenden, sondern su opfern. Der Redner wies dann noch auf die große Zahl der Lieferanten hin, die durch die Jüdische Winterhilfe Arbeit und Aufträge erhalten, und teilte mit, daß hinsichtlich der äußeren Form der Sammlungen und auch der Unterstützungsleistungen einige Aenderungen gegenüber den früheren Jahren notwendig geworden seien. Am Schluß seiner Ausführungen betonte er besonders, daß fortan alle anderen Sammlungen gegenüber denen der Jüdischen Winterhilfe surückstehen müßten, und mahnte eindringlichst su opferwilliger, konsentrierter Zusammenarbeit im Dienste des großen sozialen Jüdisclen Winterbilfswerks 1938/39. Organisation Der . Herr Reichsbeauftragte für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes hat .angeordnet, daß die Sammlung und die Betreuung für die Winterhilfe unter den Juden durch uns selbst, wie in den Vorjahren, durchgeführt werden. Als monatliehes Pflichtopfer ist mit Genehmigung des Herrn Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes neben den regelmäßigen Sammlungen im Hause (Eintopfspende, Haussammlung, Pfundspende) festgeaetst: a) Lohn- und Gehaltsempfänger zahlen während der sechsmonatigen Dauer des Win terbilfswerks 1938/39 (1. Oktober 1938 bis 3L Mära 1939) monatlich mindestens 10 Pros, der abgeführten Lohnsteuer, mindestens 0,25 X7t monatlich, a) Lohn- und Gehaltsempfänger die wegen ihres geringen Einkommens nicht herangesogen werden, entrichten ein Opfer von monatlich 25 Pfennigen, e) Festbesoldete, die neben ihrer Lohnsteuerleistung noch zur Einkommensteuer veranlagt. werden, entrichten neben ihrer monatlichen Spende in Höhe von mindestens 10 Pros, ihrer Lohnsteuer ein monatliches Opfer in Höhe von 1 Pros, ihres für das Jahr 1937 veranlagten Ein- . koapmensteuerbetrages an die Jüdische Winterhilfe, soweit die Steuerschuld nicht durch Lohnabzug getilgt wird. Diese 1 Pros, werden -also lediglich von der Einkommensteamrschuld errechnet, die . (Fortsetzung auf Sette i) Werktag, Winter, Wanderung Vom 1. bis sum 23. Tischri dauert unsere jüdische Festeszeit, fast einen vollen Monat also, und gestärkt nimmt jedes jüdische Hera von den Festtagen Abschied, diente diese ganze Zeit doch dem Blick auf die G esehichte und auf die Lehre des Judentums, solcherart zeigend, daß und warum das jüdische Volk in allen Jahrhunderten immer wieder auf entbehrungsreiche Wüstenwanderung gehen mußte, immer wieder aber auch das Ziel dieser Wanderung erreichte! Zeitlos-ewige Idee des Judentums, Vergangenheit, Gegenwart und die so dunkel vor uns liegende Zukunft — alles dies fügen die Feiertage au einer einheitlichen und zuletzt doch hoffnungsvollen Betrachtung zusammen; diese Betrachtung ließ unsere Menschen, zahlreicher als noch vor wenigen Jahren, überall in die Gotteshäuser strömen und begleitet sie nun hinaus in den grauen Werktag und in den Winter, den wir am Sck'aaini Aseret, am vorletzten unterer Festtage, zeit ernstem Gebet begrüßt haben. Das „Göschemu-Gebet am Sch’zaini Aseret gilt aber nicht eigentlich dem Winter hier in Europa, es gilt, wie der Name, sagt, der Regenzeit im Heiligen Lande. Und so ist es heutzutage wieder aktuell geworden. Kein Jude in Deutschland, der nicht nahe und entfernte Verwandte in Palästina hat und mit ihnen die Hoffnung auf die so sehnlich erwartetet, unentbehrliche Regenzeit teilt, die aus jedem Briefe unserer Siedler spricht. Zugleich aber lenkt sich die_Aufmerksamkeit auf den Verlauf der allgemeinen Ereignisse in Palästina, die wir mit banger Sorge .verfolgen und deren Auswirkungen und Ergebnisse noch gar nicht absusehen sind. Jeden von uns erfüllt -. die Hoffnung, daß das Land bald wieder den Frieden erlangen möge und daß die Position der Juden keine Einbuße erleide — weder die Position derjenigen Juden, die schon * dort sind, noch auch die derer, die auf die Einwanderung warten! Der High Commis- •ioner, Sir MacMiehael, ist nach dem Abschluß seiner Verhandlungen in London wieder nach Jerusalem zurückgekehrt, und man hat aus den vorliegenden Meldungen den Eindruck, daß die beträchtlichen Streitkräfte, die England in Palästina jetzt zur Verfügung hat, zur Herstellung von Ruhe und Ordnung verwendet werden sollen. Andererseits hat he arabische Opposition einen erheblichen Umfang angenommen, und ihr Ziel ist unverhohlen die völlige Verhinderung jeder weiteren jüdischen Einwanderung. Die -Veröffentlichung des Berichtes der technischen Koasaaission ist der Ausgangspunkt -für' die’ - Entscheidung der britischen Regierung über die Durchführung des Peebchen Teiluugsplans oder seine Aufgabe zugunsten einer anderen Lösung. Angesichts dieser Sachlage haben.die jüdischen .Körperschaften, in eindrucksvolle». . Kundgebungen das Recht des jüdischen Volkes

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