Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 10 (1.10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Mw^JNr. 1« WJhdm CwihJifchWilr Jb «r-yg»» Of»hii«« In PceeSee/Motdde«tecMud 1. Otmbn tW tekmers: Hoffnung; in aller Unikkerheit mehr als Hoffnung: Gewißheit. Aber was diese beiden Schriftstellen ent* kalten, das wird hier nicht verraten: ich will nun einmal haben, daß jeder Jade eine Bibel im Hanse hat und selber nachschaut. Liebe Brautleute, alle beide, drüben auf der andern Seite des Globus, und liebe Braut* eitern hier, alle vier: die Bibel ist für Euch geschrieben, und wenn Ihr diese zwei Schriftstellen nachlest: sie werden für Euch aktueller sein ab alle Tagesnachrichten! Ich lerne englifch Als der erste Silberstreifen am Horizont auftauchte — das waren nämlich amerika* ttisrhe Bekannte, die möglicherweise ein Affidavit zu vergeben haben — begann ich mit englischem Unterricht, nachdem ich in achtzehnjähriger Pause so gut wie alles ver* schwitzt .batte. Gehlieben war mir nnr emo „pronunciation", die meine in dieser Sprache bewanderten Freunde zur Verzweiflung brachte. Also los, von neuem an die Arbeit! Nun gebe ich seit Wochen mit englisch umher. Und ich bin eigentlich erstaunt, wie gut es geht, wenn auch die Hilfsverben und das Passiv und die Präpositionen und die vielen Idioms — na, Sie wissen ja selbst! Aber sonst geht es sehr gut. Sie kennen vielleicht folgenden Witz: ein junger Mann ist aus Polen nach USA. eingewandert, und seine daheim* gebliebene Mutter möchte gerne wissen, wie es mit der Sprache geht. Zuhause habe er jiddisch gesprochen, nun spräche er amerikanisch, das müsse doch sehr schwer sein. Der Sohn aber schreibt ihr zurück, es Sei gar nicht schwer. „Bei uns sagt man ySchich* (Schuhe), in Amerika sagt man ,boots*; und von solchen Wörtern gibt es hier noch ein paat tausend.4* Wofern es mir gelingt, meine Lehrerin, eine alte Englinderin, zu unterbrechen — ihre stehende Redensart ist: wait a minute! — quaßle ich frech darauf los. Mitunter ver* steht sie mich deutsch besser ab englisch. Aber das hemmt mich weiter nicht. Ich habe sie anfangs auch nicht verstanden, wir stehen also pari. Ich habe ein Taschenlexikon, das ich nie aus der Tasche lasse, es sei denn, daß die Jacke ein Loch bekommt. Mein Sprechfimmel wichst zusehends und ist nahe daran, meine Mitmenschen zu tyrannisieren. Werde ich etwas gefragt, so antworte ich prompt mit „yesM. (Meist allerdings mit „no**.) Nachts fahre ich urplötzlich aus den Kissen und schlage in meinem dictionary mir un* bekannte Wörter nach, um dann beruhigt in die Daunen zurückzugleiten, «selig liebelnd wie ein satter Säugling** — falb andere Sorgen mich im Augenblick nicht quälen. Einige Wörter entfallen mir immer wieder, ich weiß nicht warum, mit konstanter Bosheit. Da setze ich mich in eine Ecke und nehme übel. Aber getrost, auch sie hat man eines schönen Tages intus. Ob man sie damit im Satzzusammenhang schon anzuwenden weiß, ist allerdings eine andere Frage. Versuchen wir es mal mit der Wörtlichkeit: nothing to make — nichts zu machen! 0, wie schauerlich! Jedesmal, wenn ich das Lexikon aufschlage, fallt beim Blättern mein über die Seiten eilender Blick auf einige Vokabeln, die mich herzlich wenig interessieren und die ich nach menschlichem Ermessen in den nächsten Jahren kaum gebrauchen werde. Jedesmal. Bitte, urteilen Sie selbst, ob z. B. Landauer (kein jüdischer Name, sondern ein Gefährt) für einen Anfänger besonders wissenswert ist. Jedesmal, wenn ich in der Wortlandschaft zwischen den Buchstaben 1 und N etwas nacbblättere, sehe ich diesen — noch dazu permanent stilbtehenden — Landauer (landau) vor mir. Nächstens werde ich ihn streichen, das hat er dann von seiner Aufdringlichkeit! Spaß beiseite, das Sprachenlernen macht mir Freude, und fast möchte ich sagen, es geht leichter voran ab früher, weil heute das Muß dahintersteht, weil man ein wenn auch fernes Ziel vor Augen hat. Ich spüre, nur die Arbeit kann einen retten vor dem Leerlauf seines Ich und damit vor jener Misere, die unweigerlich andere Miseren nach sich sieht. Fangen wir also, solange noch Hoffnungen und Kräfte da sind, von neuem an — what do you think about it? Your» sincerely Werner Bukofzer. ,Jk9o-AUu, Basdbtck Mr die jfidisebe Aaswandernd“ nennt sich ein Nachschlagewerk, das die mannigfachen Tatsachen and Fragen, die den jüdischen Aaswanderer hier and vor allem drauften beschäftigen, erstmalig in einem Bande genieinverstindlich darstellt and demnächst in der Reihe der Philo-Lexika erscheint (Philo G. m. b. H., Jüdischer Bachverlag und Bochvertrieb, Berlin W 15, Pariser Strafte 44). Neunzehn vielfarbige, zn diesem Zweck eigens bergestellte Landkarten vorwiegend der überseeischen Länder bilden die Grundlage des Baches. Aaf etwa 200 Textspalten, in mehr als 600 Stichwörtern — von Caracao bis Ozeanien, von Elektrizität bis Weltzeitahr, von Höhenkrankheit bis Trinkwasser, von Anforderung bis Zollverschluß — werden die Länder der Welt behandelt; neben der geographischen Lage kommen vor allem zur Darstellung Klima, Ernährung und Gesundheitswesen, Wirtschaft, Verkehr and Reeht, Einwanderungsbestimmungen nnd Arbeitsmöglichkeiten, nicht zuletzt das jüdische Leben. Ein umfangreicher Tabellenteil enthält Uebersichten z. B. über die Währungen, die Lebenshaltungskosten, die Preise für Passage, Frachten und Postsendungen, die gebräuchlichsten Medikamente, die Verteilung der Jaden über die Erde. An dem handlichen Nachschlagewerk, heraasgegeben von Dr. Ernst G. Löwenthal, arbeiteten Fachleute namentlich ans dem Mitarbeiterstab des Hilfsvereins der Jtfden in Deutschland und des Jüdischen Central-Vereins mit, so n. a. Dr. Berthold Altmann, Max Goldstein, Rudolf Gräopuer, Dr. Alexander Gutfeld, Dr. Arnold Horwitz, Dr. Eugen Ludwig Loewe, Hans Oppenheimer. Dr. Arthur Prinz, Dr. Eva Reichmann-Jangmann, Cretel Wiesenthal und Herbert Wiesenthal. Der Preis des Baches, das in seiner Gestaltung dem bekannten nnd weitverbreiteten Pbilo-Lexikon entspricht, betrügt etwa RM 3,85. Kalender für Oktober Sbd Okt. 1 Tischri 6 ISchawA Waielecb. Schabbat S«g *1 2 ft 7 Mo 3 tf 8 Di 4 9 Mi 5 10 Erew Jom Kippur Do 6 11 Jom Kippur Fr n 7 *t 12 Sbd 8 »t 13 Ha’asina Stg 9 tt 14 Erew Sakkot Mo 10 *i 15 1. Tag „ Di 11 tf 16 2. Tag „ Mr 12 tf 17 |. Tag Chol hamoöd Do. 11 13 tf 18 2. Tag „ „ Fr. »i 14 *t 19 3. Tag Sbd 15 ff 20 4. Tag .. Stg 16 21 Höschen* Rabba Mo 17 22 Sch’mini Azeret Di 18 23 Simchat Tora Mi 19 24 Do 20 ff 25 Fr r» 21 26 [Neumondsweihe übd ** 22 ff 27 B’rcschit S«g n 23 ft 28 Mo 24 ft 29 Di 25 30 Rösch hachodesch I Mi 26Cheschwan 1 Rosch hachodesch 11 Do n 27 2 Fr ff 28 ff 3 Sbd ff 29 ff 4 Noach Stg 30 ff 5 Mo tt 31 ff 6 Die Gastspiel-Oper der Jüdischen Kunst« lerhilfe hat für die Kulturbünde im Reich einen reizenden Singspiel-Abend her« ausgebracht, dessen Erstaufführung am 17* September in Berlin begeisterte Zustimmung eines zahlreichen Publikums fand. Zur Darstellung gelangten: «Das Mädchen von Elizondo** von Offenbach and «D i e schöne G« 1 a t h e e“ von Suppe. Der musikalische Charme der beiden melodiösen und spritzigen Werkchen kam dureh die sauber gefeilte Einstudierung (Musikalische Leitung: Werner Fabian, Regie: Kurt Rahmer) zu voller Geltung. Ein besonderer Vor* zug der humorvollen Inszenierung ist ihre Durchführbarkeit auch auf kleinsten und primitivsten Saalbühnen. Häufiger Applaus bei offener Szene und viele Vorhänge nach beiden Stückschlüssen dankten dem Solistenquartett (Edith Bock, Trude Mirauer, Fritz Engel, Kurt Rahmer) und den beiden Begleitern (an zwei Flügeln: Werner Baer, Werner Fabian). Ein glückverheißender Start, dem man eine lange Vorstellungsserie im Reich wünschen möchte! Umzüge für Auswanderer und Transporte jeder Art nach allen Teilen der Welt / Gepäckbeförderung / Lagerung / Verpackung / Versicherung BRASCH & ROTHENSTEIN INHABER HARRY W. HAMACHER Hauptgeschäft: BERLIN NW 40, Lüneburger Straße 22 - - Ruf: 356041 Zweigniederlassungen an allen verkehrswiditigen Plätzen 8