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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-10-01 · 10 (1.10.1938) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
10 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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tt.llw9JNr.ia OwMMrblMl Mr 9* tr»igoy O wlndm Iw 1. Oktober 19» junktir in den Vereinigten Staaten ein» gesetzt werden. Aber swiachen der Bewil. ligung der Mittel, der Ausarbeitung der Pläne far ihre Verwendung, der Vergebung der Aufträge und dem tatsächlichen Beginn der zusätzlichen Produktion liegen naturgemäß längere Zeiträume. Ea wäre daher verfrüht, schon heute ein endgültiges Urteil über den Erfolg der amerikanischen Ankurbelungsaktion fällen zu wollen. Bis jetzt ist offenbar nur eine verhältnismäßig geringe Besserung der Beschäftigungs- An einer kleinen Feier hab ich jüngst teilgenommen: sie war wohl etwas wehmütig, aber doch auch mit Frohsinn dabei und viel Stärke der Beteiligten. Es' war eine Feier ganz neuer Art, die ich bisher nicht kannte. Und weiß dennoch: ich bin nicht der einzige, der sie nun kennen lernte; sehr viele machen jetzt die Bekanntschaft mit diesem neuen Brauch. Mit diesem jüdischen Brauch, der aber einstweilen noch in keinem jüdischem Buch verzeichnet steht: nicht im Schulchan Aruch und nicht in den liberalen Richtlinien, nicht im alten Siddur und nicht im modernen „Einheitsgebetbuch**, das unser Landesverband schuf, nicht in Eibogens „Geschichte des jüdischen Gottesdienstes** oder der vor mehreren Jahrzehnten erschienenen „Agende für Kultusbeamte** und nicht in „The Rabbi’s Manual**, das die Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner 1928 herausgab. Unter allen Amtsfunktibnen, die mit einem wenig schönen Wort als „Kasualien** bezeichnet werden, kam dieser Brauch bis jetzt nicht vor. Und ist doch bereits allerorten gang und gäbe. Wie ich dazu kam? Nun, es fing eigentlich genau so an, wie solche Sachen auch früher schon anfingen: ich kannte die Braut und ihre Eltern, und daap lernte ich anch den Bräutigam und seine Eltern kennen. Und als einige Monate später Hoctfkeit gemacht wurde, war ich eingeladen, und man bat mich auch, ich solle eine kleine Rede halten. Das habe ich denn auch getan, und — nun, dies alles war der neue jüdische Brauch! „Was?** fragen meine Leser, „das soll ein neuer Brauch sein?! Von Hochzeiten haben wir ja wohl schon früher einmal gehört, und bei unserer eigenen Hochzeit sind wir sogar selber dabei gewesen!** Wo also ist das Neue, das hier so pompös angekündigt ward? Lieber Leser, das ist es ja eben: bei deiner eigenen Hochzeit bist du selber dabei gewesen; und du hättest nur oben meinen Satz genauer lesen oder ganz ermessen sollen. „Als einige Monate später Hochzeit gemacht wurde, da war auch ich emgeladen“, hab ich geschrieben; ich habe aber nicht erzählt, von wem ich eingeladen wurde, wer außer mir alles da war und: wer nicht da war! In jenen paar Monaten war nämlich allerlei passiert: der Bräutigam war ansgewandert, hatte drüben sehr bald Stellung gefunden, hatte die Braut auf Heiratsvisum nachkommen lassen, und — kurz: als nach diesen mehreren Monaten i n New York Hochzeit gemacht wurde, da war ich in Berlin eingeladen; die beiden Elternpaare und einige ganz wenige Freunde waren da; das Brautpaar war nicht da! Es läßt sich nicht leugnen: g a n s neu ist diese „Hochzeit ohne Brautpaar** nicht; es ist in allen Zeiten gelegentlich vorgekommen, daß'Kinder in die Fremde gingen und sich dort verheirateten, ohne daß die Eltern dabei sein konnten, ohne daß sie den neuen Schwiegersohn oder die neue Schwiegertochter kannten. Aber das war früher Aus- ■shasa, heata ist es, wem auch gottlob'nicht konjunktur festgestellt worden. Eine Belebung weisen vor allem die Verbrauchsguter Industrien auf, während die Produktionsgüterindnstrien sich nur langsam über den Tiefpunkt wieder zu erheben vermögen. Aber der Güterverbrauch nimmt offensichtlich wieder zu, und der Handel füllt seine geleerten Läger wieder anf. Für die weitgespannten Hoffnungen auf einen langfristigen Konjunktnraufs c h w u ng freilich sind noch keine stabilen Grundlagen vorhanden. Dr. H. N. das Uebliche, so doch längst nicht mehr ungewöhnlich. -Und noch etwas anderes ist anders als früher: es werden von den Ausgewanderten vielfach nicht mehr Ehepartner „von drüben** ausgewählt, die also im Einwanderungstfend zuhause sind, sondern, da Jungen und Mädel von hier auswandern, so finden sie sich entweder schon hier oder aber, auf Grund ihrer gemeinsamen Kindheitserinnerungen, Kultureindrücke und Sprache, drüben zusammen. Dann ist es entweder so wie in dem oben geschilderten Falle, daß die Elternpaare einander bereits kannten und wenigstens bei der Verlobungsfeier die Eltern und das junge Paar noch beisammen sein konnten, oder — nun, oder die Eltern Cohn bekommen eines Tages einen Brief aus Tel Aviv oder Ajelet Haschschar, aus Kapstadt, Buenos Aires, Rio de Janeiro, New York, Shanghai oder Sidney: „Ich habe mich mit Rita Lcvy verlobt; die Hochzeit ist am 17. nächsten Monats, und Ritas Eltern wohnen im selben Stadtteil wie Ihr, Telefon 24 65 12**, und mit gleicher Post erhalten die Eltern Levy einen Brief von ihrer Rita, sie habe sich mit Erich Cohn verlobt, die Telefonnummer der Elternsei 12 65 24. Alsdann ruft man sich gegenseitig an, fühlt sich sogleich verwandtschaftlich befreundet, Fotos von den Kindern werden gezeigt, Geschichten aus der ~Kinderzeit der beiden nunmehrigen Brautleute erzählt, vielleicht sogar eine entfernte Verwandtschaft entdeckt, kurz die Gespräche reißen nie ab. Und am 17. nächsten Monats, „zur Hochzeit“, da ist man zusammen, selbstverständlich, und — „feiert mit“. Ein bißchen wehmütig sind diese „Hochzeiten ohne Brautpaar“, aber doch nicht ohne Frohsinn, und mit viel Vertrauen in die Zukunft. Jawohl: daß man die Kinder fortgeben mußte, ist schwer; aber daß sie nun drüben sind, .das stimmt zukunftsfroh, das erfüllt mit Vertrauen. Und, da es doch ein jüdischer Brauch ist, * von dem wir sprechen, ein , richtiger, wenn auch ganz neuer Minhag, so fehlt es auch nicht an biblischer Weisheit, die hier anzuwenden ist. Findet diese Art „Kasualien“ doch einmal Eingang in irgendeine „Agende“ oder in „The Rabbi’s Manual“, so mögen zwei Stellen in die „Liturgie“ aufgenommen werden: ein Segen für das ferne junge Paar: Jesaia 65, 17—25, und ein Segen für die beiden Elternpaare: 1. Buch Mose 48,8—-11. Diese beiden Schriftstellen geben in aller Wehmut: Frohmut; in . allem Trennungs- „An der Wende der Jahre ist es uns geboten, deutlich das zu sehen, was ist, und klar zu erkennen, was sein soll. Lastender noch als in früheren Jahren war jetzt Monat um Monat die ■Schwere des Geschehens auf uns gelegt. Keinem ist es erspart geblieben. Alles Aeußere unseres Daseins wurde davon erfaßt und bedrückt, und immer wieder drohte es auch das Innere unseres Lebens zu ergreifen, unserer Seele den Atem zu nehmen. Wie oft haben uns Zweifel umringt, wie oft hat fast Verzweiflung uns überwältigen wollen. Wir wiesen um alles, was gekommen, um alles, was da ist. Um so fester und bestimmter wollen wir deshalb unseren Blick dahin richten, wo unsere Geschichte es uns klar zeigt, wie in allen unseren Generationen Versunkenes wieder zur Zukunft geworden ist, wie sich uns stets das Leben, das beendet schien, erneuert hat. Auch wir sehen es jetzt, wie neue Stätte der Heimat überall auf Erden von unserer Jugend errungen wird, wie damit auch für die Aelteren ein Platz sich zuzurüsten beginnt. Wir dürfen stolz auf das sein, was unsere jüdischen Menschen, in neuen Formen des Daseins arbeitend, für sich und für uns alle vollbringen. Wohl ist es ein langsames Werden und ein mühevoller Weg; aber alles, was bestehen soll, verlangt seine Zeit und fordert sein Bauen, Stein um Stein. Wir Juden sind das Geschlecht, das, zu erwarten vermag; die Geduld ist unsere Kraft. Von einem hängt altes ab, davon, daß wir wissen, was sein soll. Wir sollen unseren großen Glauben, den Glauben unseres Judentums, in uns wahren, in uns lebendig erhalten. Das bleibt uns doch gegeben, daß wir in ihm leben, in ihm unsere Kinder erziehen können. Und nur wo er ist, wird uns wahrhaft Stätte unserer Zukunft bereitet sein. In ihm wollen wir alle fest sein, in Schlichtheit und Geradheit, in Echtheit und Rechtschaffenheit, die einen zur Ferne hinausziehend, die anderen ein« Stunde, die auch sie zu Neuem führt, erhoffend. In unserem Glauben haben wir immer aufrecht dagestanden. Wir Juden sind das Geschlecht, das des Ewigen gewiß ist So wir mit Gott sind, wird Gott mit uns sein." Die Reiehsvertretimg der Jaden In Dentsdiland Baeck Hirsch Ein neuer jüdisdier Brauch Von George Goetz r

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