Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 10 (1.10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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1C. IfcrgJNr. 1t «Mhdi— Oei—htd«btaw fflr dfe Syn*gog»n-G*me«fKf«i In Pr«a6«i/Hordd—HcMawd 1. Oktober INI In wenigfen Worten Märchenstunde in der Laubhütte Aofo.: Soaaeaield mmmmmmmmmmmmmmmummmmmm jüdischen Hilfsorganisationen. Um die er« forderliche Leistungssteigerung an ermöglichen, wird daher zu einem Notopfer aufgerufen werden müssen. Das zweite Verhandlungsthema galt der Auswanderung in der Planung der jüdischen Sozialarbeit. Dr. Pani Eppstein berichtete über die trotz aller Schwierigkeiten noch erzielte Steigerung der Auswanderung in diesem Jahre, die hauptsächlich auf den Altren-Transfer und die durch den Altreufonds bewilligten Darlehen an Minderbemittelte zurückzuführen ist. Die Konferenz ▼on Evian scheine sich als eine Zisnr zwischen zwei Auswandernngsphasen darznstellen, deren Zweite auf noch stärkerer Lenkung der Auswanderung beruhen dürfte. Es wurden dann die Voraussetzungen gekennzeichnet, unter denen durch eine Einwirkung auf die Einwanderungslander die Auswanderung der Juden aus Deutschland im nichsten Jahre noch weiter gesteigert werden könne. In der Aussprache wurde insbesondere die Amerikawanderung, die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, die Frage der Gruppenwanderung sowie die Zusammenarbeit der Fürsorgestellen mit den Wanderungsorganisationen erörtert. Dann behandelte Dr. Georg Lubinski die Einbeziehung der beruflos werdenden Personengruppen in die jüdische Sozialarbeit. Er gab einen Ueberbliek über die zum 1. Oktober zu erwartenden Auswirkungen des Gewerbeverbots und des Berufsverbots für die Aerzte. Er erliuterte die Möglichkeiteh einer Berufsumschichtung in kurzfristig erlernbare Berufe, um auch die Aelterea auswanderungsfahig zu machen, legte aber dar, daß für eine erhebliche Anzahl der beruflos werdenden Personen und ihre Familien die soziale Fürsorge werde eintreten müssen. Für Jugendliche muß versucht werden, Ausbildungsplitze im Ausland zu gewinnen, ln Deutschland selbst muß jede Gelegenheit praktischer Arbeitshilfe ausgenutzt werden. An diesen Vortrag schloß sich eine ausgedehnte Aussprache, in der ein Erfahrungsaustausch der Fürsorger stattfand. Dabei wurden u. a. Fragen der Binnenwanderung und des Zuzugs, der Lkpiidation von Kleingemeinden, der Errichtung von Altersheimen erörtert. Am Freitagabend fand ein Zusammensein der Teilnehmer statt, bei dem Rabbiner Dr. B a e c k in einer Ansprache eine Würdigung der Sozialarbeit und der Aufgaben der Sozialarbeiter gab. Die Teilnehmer der Tagung waren von dem Bewußtsein der Einsatznotwendigkeit tief durchdrungen und legten ein einmütiges Bekenntnis ihrer Bereitschaft dazu ab. In die Tagung fiel der Abschied von Dr. Georg Lubinski, der nach Palästina auswandert. Alle Mitarbeiter brachten zum Ausdruck, was die jüdische Sozialarbeit in Deutschland, zumal in den letzten Jahren, Georg Lubinski verdankt. Seine Leistungen, vor allem auf den Gebieten der Berufsaus* Die polnischen Verwaltungsbehörden haben die Aussiedlung von Juden aus dem polnischen Grenzgebiet an der polnischen Ostküste verfügt. In diesem Zusammenhänge hat der Kommissar von Gdingen 100 jüdischen Familien eine Anordnung inkommen lassen, innerhalb von 14 Tagen die polnische Hafenstadt zu verlassen. ★ Der Verband der polnischen Bauingenieure, der in Gdingen seine vierte Tagung abhielt, beschloß die Einführung des Arierparagraphen. ★ Die Schweizer Zentralstelle für Flüchtlingshilfe hielt in Genf eine Beratung mit anderen Organisationen ab, in der beschlossen wurde, an den Oberkommissar für das Flüchtlingswesen die Bitte zu richten, einen Ansscbnß einzusetzen, der die Verbindung mit den privaten Hilfsstellen aufnimmt. ★ Der Ackerbauminister von Kanada erklirte in einer Rede, daß Kanada nützliche Einwanderer brauchen könne. Drei Fünftel seines urbaren Bodens, 30 Prozent seiner Bodenschätze and Waldungen liegen westlich von Manitoba, wo auch Erdöl und Erdgasquellen gefunden worden sind. Dieses Gebiet sei der reichste, zugleich aber auch der am dünnsten bevölkerte Teil des englischen Welthandel und Weltmärkte Die rückgängige Entwicklung des Welthandels ist noch nicht zum Stillstand gekommen. Im zweiten Vierteljahr 1938 haben sich die Umsätze im zwischenstaatlichen Handelsaustausch nochmals um 6 Prozent vermindert. Da im vergangenen Quartal ein Umsatzrückgang um 14 Prozent festgestellt worden war, so hat sich das Tempo der Welthandelsschrumpfung immerhin sehr wesentlich verlangsamt. Die Preisrückgänge an den meisten Weltrohstoffmärkten haben sich ebenfalls fortgesetzt. Ein andauernder Preisdruck lastet insbesondere auf den internationalen Agrar markten. Der Ernteausfall war in der ganzen Welt gut. Aber gerade das ruft Besorgnis hervor, weil dnreh ein verstärktes Angebot das Gleichgewicht an den Agrarmärkten noch stärker als bisher gestört werden kann. Getreide, Kaffee, Baumwolle und einige andere wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse werden voraussichtlich in diesem Jahre m so großen Mengen geerntet werden, daß der Weltverbrauch mit dem Angebot sicher nicht wird Schritt halten können. Allerdings sind mit den steigenden Absatzschwierigkeiten auch die Abwehrkräfte, die die Regierungen zur Regulierung der Märkte einsetzen, erheblich gewachsen. Man greift namentlich in Amerika hildung und der Wohlfahrtspflege, fanden ebenso dankbare Anerkennung wie seine Verdienste um die Gestaltung der gesamten jüdischen Sozialarbeit und der inneren Beziehungen des Sozialarbeiters zu seinen besonderen Aufgaben in dieser Zeit. An die Sozialarbeiter-Tagung schloß sich am 12. September eine Besprechung von Sonderfragen der Jüdischen Kredithilfe, an der unter Leitung von Dr. Pani Eppstein Sozialarbeiter und Leiter jüdischer Darlehnskassen teilnahmen. Auf Grand eine« einleitenden Referats von Dr. Bruno Mendelsohn (Berlin) wurde insbesondere über die Aufgaben gesprochen, die sich auf dem Gebiete der Liqnidationskredithilfe, der Wirtschaftshilfe and -fürsorge ergeben. Imperiums, wo der Einwanderer große Möglichkeiten harrten. Vorerst müßte er jedoch englisches Kapital und die englische Industrie in Manitoba Betätigung suchen. ★ Aus Anlaß des Regierungsjubiläums der Königin der Niederlande fanden in allen Synagogen Sondergottesdienste statt. ★ In Italien werden gemäß einer ministeriellen Verfügung für Kinder jüdischer Rasse besondere jüdische Schulen eingerichtet. ★ Im Zusammenhang mit der Sitzung des Völkerbundsrates, die in Genf stattfindet, begann eine Anzahl syrischer Araberwdie in der Schweiz ansässig sind, mit der Herausgabe einer vierseitigen Monatszeitschrift, genannt ^Revne dn Monde Arabe“. Die erste Nummer enthält mehrere Artikel über die Lage in Palästina, in denen gegen den Teilungsplan protestiert wird. Weiter werden die bekannten arabischen Forderungen vorgebracht. ★ In Rio de Janeiro hat sich eine neue Jüdische Gemeinde auf gesetzestreuer Basis gebildet. jetzt auf das alte biblische Hilfsmittel zurück, die überreichlichen Ernten der guten Jahre für kommende schlechte aufzuspeichern und dadurch die Märkte zu entlasten. Wie große Aufgaben einer Regelung von Produktion und Konsum auf weltwirtschaftlichem Boden gegenwärtig gestellt sind, zeigt u. a. auch eine Uebersicht über die Produktionssteigerupgen auf dem Gebiete der Erzeugung von Textil rohstoffen, die kürzlich von einem textilindustriellen statistischen Büro in den Vereinigten Staaten veröffentlicht worden ist. Danach hat sich die Welterzeugung der wichtigsten Textilfasern Baumwolle, Wolle, Kunstsseide, Zellwolle, Flachs und Seide seit dem Jahre 1930 um nicht weniger als 25 Prozent erhöht. Die Banmwoll gewinnung allein hat sogar um nahezu 50 Prozent zugenommen, während sich die Welterzeugung von Kunstseide und Zellwolle in dem gleichen Zeitraum mehr als vervierfacht hat. Die Weltproduktion von Wolle sowie die von Flachs hat dagegen nur eine verhältnismäßig geringe Steigerung erfahren, und die Erzeugung von Seide hat sich sogar etwas vermindert. Wenn man jedoch das Gesamtergebnis der Entwich- Iung der Weltproduktion von Textilfasern ins Auge faßt und richtig würdigt, so wird man es verstehen, daß dieser allzu schnellen Produktionssteigerung der Verbrauch nicht oder jedenfalls an langsam nachkommt. Konjvnkturankarbolung In USA. Von maßgebendem Einfluß auf die Weltkonjunktur ist zurzeit die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Ob and in welchem Maße es dem Präsidenten Roosevelt gelingen wird, eine nachhaltige Konjunkturbelebung hervorzu rufen, läßt sich gegenwärtig noch nicht übersehen. Mehr als drei Milliarden Dollar hat der Kongreß, bereits zusätzlich für die Durchführung öffentlicher Arbeiten bewilligt, und wenn man die sonstigen für die gleichen Zwecke zur Verfügung gestellten Fonds mitrechnet, so werden insgesamt sogar nahen 4%Milliarden Dollar für die Be« lebnng der Besch1f t i gung•kon• Blick auf die Wirtschaft 6