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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-10-01 · 10 (1.10.1938) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
10 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ftf.Jkrg4Nr.lt twihtfrtliB Nb dtm tygrpra Owhfn h Autoreuhilfe zchaft m konztraierm, verapottet du rätaei* kaft anmutene!« Wort nF er da fuaa podkewea an ejnikel“, vat bedentet: der neue „Verwandte“ iat „ein Enkel Ton Huf vom Fuß meinea Pferdea“. Reckt nachdenklick aind die Sprichwörter „Aa men nenmt arana doa ferd fun atall, meg men dem atall farbrennen“, waa, wieder aekr draatiach. beaagt: nach der Hocbieit aind dem Ehemann die Schwiegereltern gleichgültig, und „Men aoll aich nit auaton, bia men lejgt aich achlofen“ — man Laubhüttenfett (alter Kupferstich) Aula.: Sonnenfeld / aoll aich nicht auaziehen, ehe man achlafen geht —j welchea davor warnt, aeine Habe bei Lebenszeiten anderen zu übergeben. .Hier iat schon ein Schuß Philosophie enthalten, der immer stärker wird, je mehr der Gedanke sich dem Metaphysischen nähert. „Gott is an alter kunzenmacher“ (Gott ist ein erfahrener Zauberer) entspringt aua mutigem Gottvertrauen in schwerer Not, ist also noch unkompliziert und ohne Hintergedanken. Wenn aber das Sprichwort Gott und den Menschen gegenüberstellt, ergeben sich tiefe, prachtvolle Antithesen. „Gott schtroft — de mensch ist sich nojken (Gott straft — der Mensch nimmt Rache), oder ,,Fsr gott hot men mojre — far menschen muß men aich hiten“ (Vor Gott hat man Furcht — vor Menschen muß man aich hüten) — das aind Worte von vernichtender Härte der Erkenntnis. Das deutsche, in dieser Fassung etwas verschwommene Sprichwort „Der Mensch denkt — Gott lenkt“ erscheint im Jiddiachen in der Form: „Der mensch tracht — gott lacht“ wie in ein grelles Scheinwerferlicht getaucht, das die lächerliche Fragwürdigkeit menschlichen Plauens unbarmherzig scharf aua dem Dunkel reißt. Und aua dem prachtvollen Wort „As gott wollt wojnen af der erd, wollten ihm die menschen die Fenster auageschlogen“ kann man Gedankenreihen über die Problematik des Menachseina in die Unendlichkeit spinnen, ohne eine Antwort zu finden. Da begnügt man sich schon besser mit der weisen Mahnung „Af gott tor men kejn kaachea nit fregen, worem er sogt: aa du willat wiaaen dem terez, komm zu mir“, das heißt: „An Gott kann man keine Fragen richten, denn er tagt: willat du die Antwort wiaaen, dann komm zu mir! Ein geistreicher Autor sagt einmal vom Humor der Oatjuden, daß er die Knüppel, die man ihm zwischen die Beine wirft, aufhebt, um aich aus ihnen eine Leiter zu bauen, auf der er übee sein Geschick, über seine Leiden, über seinen freudlosen Alltag hinwegateigen kann. Eine solche Leiter aind auch die Sprichwörter, und auf den Sprossen der heiteren oder wehmütig lächelnden Lebensweisheit und der tapferen Selbsterkenntnis bebt aich die unsterbliche jüdische Seele in die freien Räume des Geistigen. Diese Weisheit und Selbsterkenntnis findet auch für unsere Situationen das richtige Wort und mahnt uns« die wir sehenden Angee den Bankerott einer Idee, die Liquidation der Assimilationsgedanken erleben, uns klar zn machen, wo unser Ort ist —: bind’t mich aa Hand’ and Füß* and werft mich za den Meinigen! Auch das gesprochene Wort kann hohen Kulturwett in sich tragen. .Unmittelbarer und daher stärker als das gedruckte Wort vermag et, Seelen zn erheben und Freude zn verbreiten. Was jüdisches Schaffen gerade in dieser Form uns Heutigen bedeutet, wissen wir zumeist richtig einzuschätzen. Ob es Dauer hat und die Grundlage bildet, auf der später weiter gebaut werden kann, muß sieb freilich erst zeigen. Auf jeden Fall aber ist es Pflicht, unsere Schriftsteller, denen die Drucklegung ihrer Arbeiten so außerordentlich erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht wird, nach Kräften zu fördern, schon, damit nichts Wesentliches verlorengeht. Jede Gemeinschaft hat die Pflicht, ihre ideellen Güter zu wahren und zu mehren. Und entspricht et nicht uralten, besten Ueberlieferungen des Judentums, die mündliche Verbreitung seiner Literatur zu pflegen? Große, vielleicht die größten Bestandteile seiner Poesie sind uns auf diesem Wege erhalten worden. Ohne den Vortrag in aufnahmefreudigem Kreise wäre vieles von dem, was wir zu unserem Schönsten zählen, bereits von einer fernen Vergangenheit verweht worden, spurlos und unwiderbringlich. Wir ständen in der Weltliteratur erheblich ärmer da. Deshalb erscheint es ein begrüßenswerter Gedanke, sich noch mehr als bisher der Verfasser anzunehmen und sie genau so zu entlohnen, wie es bei denen der Fall ist, die uns ihre Werke vermitteln, wie es beim Buch Gesetz ist. Es spornt zu neuen Leistungen an, läßt manches sonst verschwiegene lebendig werden und kommt so allen zugute, die nach des Tages Mühen und Sorgen Erholung und Erhebung suchen. Richard May. Aufruf! In zahllosen jüdischen Veranstaltungen rezitieren die Vortragskünatler aut den veröffentlichten und unveröffentlichten Arbeiten der in Deutschland lebenden jüdischen Schriftsteller. Während alle Veranstalter es als eine Selbstverständlichkeit betrachten, daß sie den Vortragskünstlern hierfür ein Honorar zu bezahlen haben, sind bis jetzt die Schriftsteller, die bei diesen Veranstaltungen eine sehr wesentliche und unentbehrliche Rolle spielen, leer ausgegangen. Das moralische Recht auf einen Ertrag ihrer künstlerischen Arbeit, der ihnen heute nur noch in seltenen Fällen durch eine Drucklegung gegeben wird, wird den jüdischen Schriftstellern jeder zubilligen, der Nutznießung von dieser Arbeit hat, in diesem Falle also die Veranstalter neben den Vortragskünstlern und mit ihnen das jüdische Publikum. Alle diese Beteiligten werden darin übereinstimmen, daß dieses moralische Recht der jüdischen Schriftsteller von der jüdischen Gemeinschaft selbst in einen Anspruch auf eine Honorierung auch ihrer Leistung umgewandelt werden müßte. Die Vortragskünstler selbst mit einer solchen Abgabe zu belasten, ist angesichts der Notlage dieses Teils der jüdischen Künstlerschaft und der ohnehin knapp bemessenen Honorierung ihrer Arbeit nicht angzng'g- Wir schlagen daher vor, daß sämtliche Veranstalter, die in ihre Programme Vorlesung und Rezitation aus Werken in Deutschland lebender jüdischer Schriftsteller einfügen, hierfür an die Jüdische Künstlerhilfe, Hauptstelle Berlin Charlottenburg, Kantstr. 159, eine Abgabe entrichten, dia sie nach einem festgesetzten Schlüssel an die bei diesem Programm gelesenen Autoren verteilt. Die Höhe der Abgabe richtet sich nach der Größe der Veranstaltung, und zwar wären an zahlen: ' N Bei Veranstaltungen bis za 30 Teilnehmern 3 RMm von 30—100 Teilnehmern 5 RM., von 100-—200 Teilnehmern 10 RIL, von 200—400 Teilnehmern 15 RM., über 400 Teilnehmer 30 RM. Wir bitten daher alle Veranstalter, denen dieaer Aufruf von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, dem Reichsyerband der jüdischen Kulturbünde oder der Jüdischen Künstlerhilfe sugestellt wird, sich i n Anerkennung des Anspruchs der jüdischen Schriftsteller auf einen — Ertrag aus ihrer künstlerischen Arbeit bereitzuerklären, daß sie mit Wirkung vom 1. Oktober ab die hier aufgeführte Abgabe jeweils an die Jüdische Kümtlerhilfe sum Zwecke der Verteilung entrichten werden. Reichsvertretung der Juden in Deutschland Dr. Hirsch Reichsverband der jüdischen Kulturbünde / . Dr. Singer — Jüdische Künstlerhilfe Dr. Schildberger Jüdisch« Soxiaiarb«h«r-Tagung Die Reiehsvertretung der Juden in Deutschland hat am 9. und 10. September 1938 in den Raumen der Leßler-Schule in Berlin-Grunewald unter Leitung von Dr. Paul Eppstein und Dr. Georg L u b i n s k i eine Sozialarbeiter-Tagung veranstaltet, an der mehr als 100 Mitarbeiter der jüdischen Körperschaften und Organisationen teilnahmea. Die Tagung galt dem Versuch, Richtlinien für die jüdische Sosialarbeit der nächsten Zukunft zu gewinnen. Den Rahmen dafür zeichnete Dr. Otto Hirsch in einem Vortrag über den Einsatz der organisatorischen und finanziellen Kräfte. Er wies nach, daß nur mit stärkster Konzentration der Kräfte eine ständig wachsende Aufgabe von einer dauernd sich vermindernden und an Leistungsfähigkeit~verlierenden Gemeinschaft geleistet werden könne. In der Organisation, die, auf den Gemeinden aufbauend, Schritt für Schritt zentral ausgebaut worde» und nun durch die Schaffung des Reichsverbandes zu einem gewissen Abschluß Jugend baut sich die Laubhütte Agfa.: Abrsham mmmmmmmmmwmmmmmmmm gekommen sei, müßten auch dte noch gebliebenen Lücken durch interne Zusammenfassung von Verwaltungsstellen und durch engere Verbindung mit den jüdischen Organisationen ausgefüllt werden. Die finanzielle Grundlage messen wie bisher die Gemeindebeiträge und freiwillige Abgaben, insbesondere auch von Auswanderern bilden, neben den Zuschußleistungen der ausländischen s

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