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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-09-01 · 9 (1.9.1938) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
9 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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14. RvgJNr.9 fr dto tyMfloy Oiwilidii Iw i/Nuidd—McM—d 1. mt Ablauf der Jahreszeiten und Ebbe und Flut — du atebst vor dem W andelbar* Beständigen; du Zwerg; tröste dich. Fliege mit, wenn du kannst, habe teil, fliege mit, fließe mit — sebwebst du auf, so erstürmst du dir erhabene Minuten der Seligkeit! Das Ohrenklingen, durch die Meditation unterbrochen oder übertont, dringt wieder an, wird heftiger. Ist er ein Zufall, daß meine Hand nach dem Stein greift, der den Schreibtisch siert? Der schöne Moosachat mit der Aroethystumwalhmg — ein Geschenk von ihr, ein zartes Memgedenken aus fernem Lande; ^iud kommt es zurück als ein Demgedenken. Ich halte ihn gegen die Blendung der Tischlampe: lebensgrüne und riolette Lichter leuchten mir auf. Das eine wie Wiese in der Brautzeit der Verjüngung, das andere dunkel- und hellila schimmernd, gemischt wie aus Moll und Dur. In den Rillen der Kristalle sind Fäden sichtbar ron mildem Braun, als berge der Stein noch Reste seiner Heimaterde, als könne er nicht vergessen .. Ich sehe und erstaune, schweigsam vor dem Erschaffenen. Auch hier also ist Leben, wenngleich gewaltsam unterbrochen und künstlich geschliffen. Auch hier: Wachstum, Bildung und Umbildung, Beziehungen, Eingehen von Verbindungen, Ausscheidung des Nichtzueinanderstrebenden. Auch hier die Offenbarung desselben Gottes. Wer es leugnen wollte, müßte alles leugnen. Vielleicht sind die Kristalle Tränenwasser, zwielichtfarbene Tränen, hartgefroren, steingeworden — wer mag es wissen? Ich lege das Mineral auf den Tisch zurück; es erdunkelt. Ich komme nicht davon los: auch hier das gleiche Wunder aller Schöpfung, befähigt zu einer Wandlung, die wir nicht errechnen können. Maße dir nicht an zu sagen: nur Steinheim. Salomon Ludwig: Vom Bleibenden und Vergänglichen im Judentum, mit einem Vorwort von H. J. Schoeps, Berlin: Vortrupp-Verf. Jüdischer Buehverl. 1935, 59 S. Der fast vergessene Autor, ein philosophisch und religiös gestimmter Arzt, der von 1789—1866 lebte und als Hauptwerk eine „Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge44 schrieb, wird uns hier in einer charakteristischen, nur scheinbar bruchstückhaften, in Wahrheit von einer großen Idee beherrschten Auswahl nahegebraeht. Dem Heraasgeber ist es dabei nicht um eine bloße Ausgrabung zu tun; vielmehr glaubt er an die lebendige Wirkung des ihm selbst geein Stein! Oder: der kleine Stein da! Woher nehmen wir diese frevelhaften Maßstäbe? Was ist da klein? Was ist da groß? Was wissen wir von den Rätseln um uns und in uns? Dies ist mir eine Tempelstunde, so gut wie jede andere; überall ist, wenn wir wollen, heiliges Land. Wenn wir wollen —. Das Ohrenklingen wächst an zum Ohrendrohnen — was ist nur?! ln diesen hochgespannten Lebenssekunde vernehme ich ein Klingeln. Ist es i n mir, kommt es von draußen, ist es beides in einem? Es läutet Sturm. Kein Zweifel mehr! Ich stürze zur Wohnungstür. Was reißt mich jetzt, bei Einbruch der Nacht, aus meinem Frieden?? Mit dem Tag-Lauten hatte ich doch für heute abgeschlossen!? Unwillig, noch halb benommen, öffne ich. Durch den Spalt schiebt sich eine Hand; daun, eine Stimme, unbeteiligt: „Ein Telegramm für Sie!44 „Ein Teleg—??** Der Schreck fährt mir in die Glieder. Eine Hiobspost? — Nein. Nein; keine Hiobspost. Heute nicht. Nein, durchaus nicht. Eine Freudenpost! Sie kommt, sie! Sie meldet mir ihr Kommen! Sie hat das ferne Land (das der Seele so nahe) um eine Woehe früher verlassen, als ich erwarten durfte. Schau: auch zu ein paar zärtlichen Beiworten reichte der kurze Gruß noch hin. Welch schöne Begegnung im Geiste! Aber nun rüste dich, in anderthalb Stunden steht sie vor dir auf dem Bahnhof. Du mußt dich heute wohl noch mal rasieren, mein Junge. Wie, inwendig klingt es dir noch immer? Laß nnr, laß, bald wird es gestillt sein! Aber, aber . . . ich finde, du bist sehr ungeduldig, mein Ich; du zitterst ja vor Erregung! Hörst du etwa schon den Pfiff der Lokomotive in deinen Ohren? sinnungsverwandten und gerade heut wieder zeitgemäßen Geistes. — Das Zeitalter der Emanzipation ist abgeschlossen, und mit ihm hat nach Schoeps* Meinung der Rationalismus abgewirtschaftet; scharfe Worte fallen, wie schon bei Steinheim, so auch bei Schoeps besonders gegen Moses Mendelssohn, der nur den jüdischen Ritus als „offenbart44 hatte gelten lassen; so habe er die jüdische Offenbarungslehre „korrumpiert44, verflacht und verfälscht. Steinheim unterwirft sich mit leidenschaftlicher Gläubigkeit, mit einer „Frömmigkeit des Herzens44, die auf alle Fälle seine große Besonderheit und Auszeichnung ist, der übernatürlichen Herkunft der jüdischen Offenbarungslehre, die ihm durch jahrtausendlange Bewahrung und durch die wahre Feuerprobe des Martyriums bezeugt und he* wiesen ist. Der eigentliche Hers- und Kern* pnnkt dieser Lehre, an dem gemessen ihm das nur „Rituelle44 immerhin mehr äußerlieh und untergeordnet erscheint, ist ihm die Idee der sittlichen Freiheit, der mit der göttlichen Gnade zusammen wirk enden Seihst* bestimmang — und hiermit unlösbar ver« banden scheinen ihm die anderen beiden Briefmarken/FRITZ LEVIN BERLIN W55, LOTZOWSTRASSE 91m großen Leit-Ideen des Judentums: die Einheit der göttlichen Person und die Schöpfung aus dem Nichts. Diese drei Ideen zusammengenommen sind ihm der Kronschats der lebendig fortwirkenden jüdischen Ueberlieferung. Vom festen Boden dieser Glaubens- Überzeugung wird auch der zeitgenössischen Aufklärung und Philosophie Fehde angesagt. Gefordert wird „die Abtötung des Verstandes durch die höhere Vernunft im freien Entschluß durch vollbrachte Einsicht in die Wahrheit der Offenbarung44. Wie man sieb dazu stellen möge: schön und ergreifend vereint sich Stolz und Demut in starken Prägungen Steinheims wie dieser: „Israel ist ein unnützer Dornbusch, an dem die Herrlichkeit Gottes erscheint.44 Kurt Walter Goldschmidt. Liebermann, Max: Siebzig Briefe. Heransgegehen von Franz Landsberger, Berlin: Schocken-Verlag / Jüdischer Buchverlag. 1937. 87 S. Ein prächtiges neues Schocken-Bandchen, dessen Wert und Reiz durch die beigefügten gelungenen Wiedergaben köstlicher Liebermann-Zeichnungen noch erhöht wird! Dem Direktor des Jüdischen Museums, Professor Landsberger, darf man für die sieb klug begrenzende, sorgliche Auswahl dieser Briefe dankbar sein. Das uns längst vertrante Persönlichkeitsbild des Meisters wird dadurch nicht eigentlich erweitert, aber im einzelnen vielfach belebt und bestätigt. Ein „klassischer44 Briefschreiber ist Liebermann nicht; er war viel zu sehr geborener Maler, um sich mehr als nur nebenher in nichtbildnerischen Formen zu äußern — obwohl er, wie seine Kunstschriften beweisen, gelegentlich auch eine gute Feder führte und jedenfalls geistiger and „literarischer44 war als viele seiner Kunstgenossen. Aber von der Saftigkeit seines Wesens und Witzes, von seiner tiefen Kunstbesessenheit, von der Echt* heit seines sachlich schlichten and gemüt* vollen Menschentums und der unbeirrbaren Klarheit seines Urteils legen auch diese Briefe beredtes und erquickliches Zeugnis ab. Lieber* UNSER BÜCHERTISCH B. NEUMANN, Berlin, Korfurstendamm 205 hnnfi 91371* Fligel, Piaaosl Radio I Kiblschräak* neu und gebraucht | oder Marken | Batch, Frigidaire Willy Friedlander JUWELEN, GOLD- UND SILBERWAREN ■»p.r.l.r.. Muiuf Uwrfc.ll—gee Berlin W 50, TauentxJeu.tr. 9 Fgrnrvf 24 80 90 margaman fleMktr« M.S64813 Berlin-Wilmersdorf, Wittelsbacher Str. 33a rf. G.nin<l»blonw i <Mt 21. SgUrtir Tue die Dou*e alles bei Kurfürstendamm 36 TtuMfiU* amm 36 S S Inh. Borinski & Hirsch DAUflEHDECKEH-ATEUER (jCUfU&GUlH-Vütft / Ob^^fS?k«SSf^Aanr£ti»S - IT b«r.D«iin—rioitr«. hVinrtdl, BCRUN W, MJUtSUSOCft STRASS* Z / TELEFON 248902. 10

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