Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 9 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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14.Hw*/Nv.t ... )idlnlit Q»wl«d«bUtt Wr /dkm Mymmgogmm OihHiJh In Pr< \/\ 1. f.tlU •ach dann noch, wenn da« Kind längs! kein Kind mehr, wenn es schon erwachten i«t: es bleibt doch die Gewohnheit, die liebe und unentbehrliche Gewohnheit, daß die Menschen der Umgebung, das sind die Eltern, sich für ihr Kind „interessieren“, seinen, d. h. des Kindes Egoismus zu einem Teil ihres eigenen Egoismus machen — wen das Wort nun immer noch stört, der stelle sich eine Art geteilten, allen Hausgenossen gemeinsamen Familienegoismus vor. Aber nun kommt das „Kind“, das langst ein erwachsener Mensch ist, plötzlich in die Fremde. Unter lauter andere Erwachsene. Unter lauter andere Egoisten. Unter Egoisten, zu deren Egoismus es nicht (wie man’a zuhause bei den Eltern gewohnt gewesen war) dazu gehört, sich für das „Kind“ zu interessieren. Nun steht dieser junge Mensch, der von sich selber auch nicht weiß, daß er ein Egoist war und ist, plötzlich allein; allein in einer feindlichen, zumindest aber doch uninteressierten, kalten und schon darum also doch feindlichen Welt. Niemand liebt ihn, niemand sorgt für ihn, niemand rät ihm. Niemand gibt ihm das größte Stück Kuchen, und niemand sagt ihm, wo und wie er seinen angemessenen Lebensweg finden könne. Ganz allein muß er sich alles erspähen, ergründen, erobern. Ganz allein? Aber da ist ein anderes junges Menschenkind, dem es genau so geht. Auch dieses Menschenkind Nr. 2 war zuhause, bei den Eltern, umsorgt und umhegt und fühlt sich nun verstoßen und einsam. Und nun sprechen sie beide miteinander — voneinander! Und fühlen sich so sehr seelenverwandt — ohne Ahnung davon, daß in diesem Punkt mehr oder minder alle jungen Menschen seelenverwandt sind. Und nun schließen sie sich aneinander — ohne zu prüfen, ob sie wohl zuhause, ohne die Qual und Gemeinsamkeit des Alleinseins sich auch aneinander geschlossen haben, ja ob sie einander auch nur bemerkt haben würden! Aber hier in der Fremde, unter lauter feindlichen, eiskalten Egoisten, diese zwei Verlassenen, die nicht wissen, daß auch sie — gleich allen Lebewesen dieser Erde — Egoisten sind: wie interessieren sie sich einer für den anderen; wie glauben sie, daß sie, weil in einem Interesse ihres Egoismus zeitweilig übereinstimmend,'* sie in allem und für immer übereinstimmen. Und wie herbe kann die Enttäuschung sein! Weshalb dies ausgesprochen wird? Weil gesagt werden soll: Herrlich und schön, wenn zwei Menschen einander finden, zwei Menschen, die zueinander gehören! Aber zwei Menschen, die zueinander gehören, die finden sich nur dann, wenn man nicht vorher schon an jemand anders sich gebunden hat; wenn man also von vornherein weiß, daß nicht die erste Sympathie gleich die ewige Bindung bedeutet. Sympathie aus Gemeinsamkeit der äußeren Lebensbedingungen ■— die äußeren Lebensbedingungen ändern sich, und dann erst zeigt sich, ob die Sympathie aus äußerlicher oder aus echter Zusammengehörigkeit herquoll. Darum: wer in der Fremde und Einsamkeit die Sehnsucht nach Lebenskameradschaft fühlt — und wer fühlte sie nicht —, findet er ein Menschenkind, mit dem er glaubt, sich verständigen zu können, so prüfe er eich und den andern: wie würden wir zwei zusammenpassen, wenn wir zuhause, bei den Eltern, in friedlicher, zu uns gehörender Umgebung wären? Sagt das Herz — und der Verstand — nach solcher Prüfung immer noch ja, dann ist das Ja richtig. Sonst aber: jede Bindung, je länger sie dauert, desto größer die Verantwortung, desto schwerer die Trennung, falls sie überhaupt möglich, desto aufreibender die unweigerlich kommenden Konflikte, desto gefährlicher die Störungen des beruflichen Fortkommens. Und darum hier die Mahnung und der Rat: Ihr jungen Egoisten, wenn ihr hinauskommt in die fremde, unter lauter andere, feindliche Egoisten: haltet nicht den ersten Lampenstrahl für die ewige Sonne, denkt nicht zu viel über euch selber und euer Alleinsein nach, sprecht nicht — sie schließt den Tag ab, der noch in dir ist mit seinen Geschäftigkeiten, mit seinen Verpflichtungen, seinen Drangsalen und allem weltstädtischen Brausen, dessen Gequirl — dir von ferne noch im Ohr — dem Verlangen nach Sammlung wenig Raum ließ. Manches, vor Stunden noch mit bedrohlichen Gewichten behängen, tritt nun zurück und räumt anderem, das bei vollem Tageslicht gering schien, den Platz. Das Zimmer ist gegen die Straße abgedichtet, kein Glanztropfen eines Sterns dringt herein. Der Winterwind, feuchtkalt, hat abgedreht, kein Geräusch außer meinem Atmen ist verblieben — und jetzt ein sanftes Klingen im Ohr. Wer denkt? Wer mag sich erinnern? Ich wiege mich in diesem unbestimmbaren Gefühl, es will mich glauben machen, daß ich da bin, nicht für mich allein. Sonst aber — es ist, als sei die Welt nur in diesem Zimmer vorhanden; ihr Drauüber euch selber, sondern nehmt euch ein für allemal vor, daß ihr euch stark machen wollt, um euern Weg allein zu gehen, um allein zu sein. Wenden andere, in ähnlicher Lage wie ihr, sich an euch, dann helft ihnen, stützt sie, sprecht mit ihnen von ihren Sorgen und von ihrem Alleinsein, aber hütet euch, heimlich die süße seelische Gegengabe zu verlangen oder zu genießen. Stützt ihr den anderen nur, weil ihr selber hilfsbedürftig seid, so wird aller Voraussicht nach Enttäuschung und berufliches Hemmnis die Folge sein. Nur wenn ihr — in der Stärke des Alleinseins — euren beruflichen Weg verfolgt, alle freie Zgit, wie es für uns Juden heute notig, zur Weiterbildung benutzt und dabei allerdings auch allen Hilfsbedürftigen in echter zuvorkommender Kameradschaft als liebende Menschen zur Seite steht, nur dann werdet ihr eine« Tage« auch den Menschen finden, der euch von dem lang geübten Alleinsein befreit und erlöst. Wer, nur ans eigene Glück denkend, vorzeitig es sich schaffen will oder hei der ersten Annehmlichkeit glaubt, nun sei es da — der wird es vielleicht nie erlangen. Wer jedoch stark ist, seinen Weg rüstig und arbeitsam vorangeht, dabei aber das Kommen de« Glücks abwarten kann — nun, es ist eine alte Wahrheit: alle Dinge kommen zu dem, der warten kann! ß e n nehme ich nur noch von innen her wahr. Darf ich es mir eingestehn? Nach all dem Turbulenten nun diesen Abend so mit mir selbst zu sein, ist mir nicht unangenehm; kein Gefühl einer Vereinsamung steigt in mir auf, kein Sentiment, kein Ressentiment, ich habe Appetit auf die greifbar nahen Dinge um mich, es ist eine Einsamkeit der Fülle, wie jede sinnvolle Einsamkeit. Es ist eine Pause vorhanden, aber kein Luftloch, «licht« fällt in die Leere. Schönes und Häßliches schiebt sich ins Blickfeld des Erinnern«, ein Kommen und Gehen, Lustiges kommt und Trauriges geht, Lustiges geht und Trauriges kommt, ja, das Traurige verweilt länger, ganze Völkerzüge von Traurigkeit kommen — —* banne sie, wenn du kannst, banne sie: denn die Welt i»t da, tröste dich: denn wir sind nur ein Bruchteil vom Bruchteil, blick hinaus ins Dunkel der Nacht: billionenmal war schon dieses Dunkel der Nacht und die Helle des Tages und der Andacht, Von Werner Bukofzer | Familienanzeigeii | irten Greiel Schloß Paal Rotenberg ^t * Verlobte m rfl K WelfenbSttel Halle-Saale .ZtHalkdul. Geietstr. 21 Fried ridistr. 11 a ( Flora Mayer Rabbiner Dr. Herbert Finkekrberer Verlobta Offenbar, (Baden) Stettin HUdaatr. 66 Kalaer-Wilhelm-Str. V ntduden QemehtdebLtttes t M. September SOSO Sonntag vormittaff versdüed nadi sAwerem Leiden mein treuester Lebenakamerad, der beste Vater seiner Kinder, der trübere Apothekenbesitzer Louis Ladung Hainau im 66. Lebensjahre. SdimerzerfUlt im Namen der Hinterbliebenen EU« Nathan geb. Wiener * Berlln-Halen.ee und B. S.A. Joadilm-Friedrieh-Str. < Beileidsbesudle dankend .verbeten Für die mir beim Heimgänge meine* beben Vaters erwiesene Teilnahme spreche ich hiermit meinen aufrichtigen Dank ans. Stettin Dr. Brna Deaaemua Für die una erwiesene henlidie' Anteilnahme beim Hinadieiden unseres lieben Sohnes K ff R T danken wir herzlidist. Moritz Cohen u. fräs Irsu es« Büdesheimer Str.37 zweaflw■. m ist das IrztUdi empfohlene ■Inden-Kersett .Eriva’ D-R-G.lt. Getraoea bei Seakaa«. Hiamleib, .nAOferatioeea bei Ma«ea-. Aeber-.BnitbleiieB.GmSeAss.ebl ' i. Kenelettea, Bi«teakalt. Feiaste IHBaaierti«. Viele AMrkeaaaa«. Henriette Ottenber* eom. Krastel leUe-AlUaece-FL 7. bpi. .17 69 96 Familien-Nachrichten jeder Art werden bekannt dnrtk dm Gemeindeblatt *.