Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 9 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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1t. Jhrp/Nr. 9 OMMtaMMUr dto lyMga|t»8«MWM Ir 1, 19» kebrlitdiei Gel>etodtr Stadierboch uf, {0 dem biographische Deteou Geburten voo Kindern, Sterbe« Uft roa EStem, Großeltern and Urgroßeltern in hebräischen Lettern verzeichnet weren — and die Fonduag wer über den toten Pnnkt kitvaUe* kommen. In den vielen kleinen Gemeinden, die jetzt zassmmenschnunpfen and zum Erliegen kommen, finden lick unzählige hebräische Bäcker in den kleinen Synagogen and ihren Lernzimmern. Ei gekört ebenfalls in dae Gebiet dee Arcbivscbnizee, daB man diese Bäcker, ob sie nnn gut erhalten oder schon stark zerlesen sind, daraufhin genau durchsteht, ob eie hebräische oder deutsche handschriftliche Eintragungen enthalten. Aach die Bächer mit solchen Eintragungen oder wenigstens die entsprechenden Sie war so zart —, viel so zart. Jedes krasse Wort, selbst wenn es nickt gegen sie gerichtet war, umflorte ihr den Blick. Gab jemand in ihrer Gegenwart den herben Erscheinungen des Daseins die passenden Namen, so konnte sie unvermittelt aufspringen, hinauslaufen and mit einem heftigen Ruck die Tür hinter sich ins Schloß schlagen, „Si« müssen meine Tochter entschuldigen,44 bat Rechtsanwalt Silbermann in solchen Fallen, ein wenig verlegen, „Hanna ist ohne Mutterliebe aufgewachsen, kränklich, und wir — mein Sohn Joseph und ich — haben sie wohl etwas verwöhnt. — Das ist verständlich, nicht wahr?44 Manchmal ging er dann mit großen Schritten im Zimmer auf und ab, verharrte einen Augenblick regungslos vor dem Bilde seiner Frau und wiederholte leise, sich dem Besucher wieder suwendend: „Sie finden doch auch, daß es verständlich ist?!44 Sein Blick aber schien sich auf ein fernes, unbekanntes Ziel an richten. Hanna war jetzt neunzehn Jahre alt, von durchsichtiger Schönheit und noch immer weit- und lebensfremd. Der alte Onkel Blätter — natürlich mit genauer Herkonftznngabe — mätzen erkalten, gerettet werden, weil sie vielleicht nützliche Aufschlüsse gewähren könnten. Unter den Sorgen dee Tages mag die Sorge um Akten, Register, Beschneidangsbücher, Torawimpeln und Bucheinträge merkwürdig und klein erscheinen, es wäre aber eia verhängnisvoller Fehler und bewiese einen sträflichen Mangel an Voraussicht und Gemeinsten, wollte man sich dieser Sorge verschließen. Jener Gemeindevorsteher, der erst kürzlich, bevor er nach Amerika auswanderte, das Arckivgut seiner Gemeinde unaufgefordert dem Gesamtarchiv überwies, hat jedenfalls die Zeichen der Zeit verstanden und mag allen denen, die es angeht, zum Muster hingestellt sein. Martin, von dem man sich erzählte, daß er außerhalb seiner geschäftlichen Tätigkeit heimlich Verse in sein Tagebuch schreibe, nannte sie einmal „die schmerzliche Erinnerung an den zu früh erloschenen Glanz eines überirdischen Glückes.44 Ja, sie war merkwürdig genng. Stundenlang saß sie oft am Fenster und blickte auf die Straße. Sie liebte die Sonne nicht; sie war glücklich, wenn der Schein der Laterne vor ihrem Hanse nur einen kleinen Umkreis so erhellen vermochte nnd — darüber hinansstrebend — kraftlos an der Dunkelheit zerbrach. Zuweilen schlug ihre Schwermut für eine kurze Zeit in eine übertriebene Ausgelassenheit um, die jedoch ahnen ließ, daß eine ungenützte Aktivität des Willens hier nach Entfaltung drängte. Bis eines Tages jenes Ereignis eintrat, welches das gesamte Judentum an die Glaubensstärke seiner Väter gemahnte. — Rechtsanwalt Silbermann verlor sein Notariat; allmählich entzogen die angegriffenen Nerven auch der Gesundheit nnd dem letzten psychischen Halt die wichtigsten Stützpunkte. JULIUS M. BIER & AN- UNO VERKAUF VON GRUNDSTÖCKEN Stammham g^rinM 1890 tarlia, lolpxlnac Sfr. *1-32. Tal. 16 4441 Joieph, knn Tor dem Doktorexamen au, de* Bahn geworfen, „rebellierte“ _ in extremer Auswirkung de, Begriffe» — durch „Resignation“. Nur Onkel Martin, selbst gebeugt, kam hin nnd wieder ins Hans nnd brachte Rnhe, allein dnreh seine Gegenwart. Mit großen, wie Tor Schreck geweiteten Augen ging Hanna unter dem Druck der drohenden Düsternis umher. „Onkel Martin“, klagte sie einmal, „mein Kopf tut mir so weh.“ -J* — dein Nacken ist xu schwach, mein Kind“, erwiderte er nnd blickte an ihr vorbei.- Diese Antwort nnd der fremde Klang seiner Stimme ließen sie nicht mehr los. Ein unaufhörliches Brennen in der Brust, das sie sich nicht xn deuten wußte, machte sie ruhelos. Tag and Nacht! Tag nnd Nacht! Was war es, was sie qnälte? Und plötalich hob sie die tragen Hände mit einer jähen Geate erschütternden Begreifens: Scham! Sie schloß sieh ein bis sum Abend. — — Joseph hob erstaunt den Kopf, als sich ein kurier, fester Tritt seiner Tür näherte. Konnte das Hanna sein?? Sie war es. „Störe ich, Joseph?“ Als er verneinte, schritt sie zuerst unschlüssig xwisehen den Möbeln umher, schob ein Kissen xurecht, rückte ein Bild gerade, nahm schließlich ein Bach ans dem Regal, in dem sie scheinbar eifrig blätterte. „Wolltest da mir etwas sagen, Hanna?“ „Nein“, entgegnete sie kanm hörbar, als koste es sie Mühe, xu sprechen — nnd stellte das Buch wieder an seinen Plate. Ohne ein weiteres Wort, ihm freundlich xnnickend, giqg sie, ein wenig erschöpft HANNA Von Hertha Rosenfeld Wilhelm Grassow Marfestr. It-tl Sammel-Nr. 49 09 17 Vertrags-Spediteur des Palästina-Amtes agerhauser ■ ■»•«•••• Inhaber M. & J. Peyser M. d. J. G. Möbeltransport — Spedition MLd. Berlin - Wilmersdorf Wilhelmsaue 36 A, SCHÄFER Möbeltransport j.» Möbeltransporte, Umzüge, Lagerhäuser — Spez.i Ausland - Ubersee Tel. U72M o#gr. 1S51. Vertrat—8 In New Verfci Dt. HMa Haiti—. 1* Waat 44 tfc. ««ree» ________ INTESHATIONAIES SPEOIIIONSEOEO BROKERHOFF & LIPSCHUTZ tS . tltUN CS, nOM*MUnASuia, «0.22 •*-’SS’tfX Hans Fass ff Co« IB*i!ujL^sljiT^!SSdeft,M ««HtttOM-TriBtum ___ - - - -— —— M Telefon S8MIT. Mau«|t BIP mtFraBUTZr SMSS ZI —t peraSaRaber Leitung Paul Puss 6 Ce. ES M. d. J. G. ~ (Nike BayariaAar Platz) Telefon 710 S8 Erledigung d. FormaUtttan u. Zollabfertigung / UrazSge «rat. perxönl. Leltmng hm» Je SCHNEIDER & CO. 1 Rafi *92462 SRRLIN NWSI Essener3tr.32 1 Fin Af „nfr tli Uoy4 Trla-ns I , AURIAN0 - RALKSTINA — UBIRSIR | SpeddiM nnd Lagerung „MERKUR“ 1 h*ehert Laapeld Abreheaa 1 I SRRLIN N, INVAIIDIM3TRA33I 3* TIIRFOM «2 04 »3 1 II ■ i ■ ■ 4 MÖBELTRANSPORTE 7