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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-09-01 · 9 (1.9.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
9 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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U.Jhr*/Mr-* OwlndiMnitWr i/MllddwtKMMd 1. 1111 Schützt Euer Archivgut! Von Dr. Jacobson, Leiter des Gesamtarchivs der Juden in Deutschland Typische ihrer Bewohner schon absolut selbstverständlich. Diese Schildbürger sind alle schon jüdische Männer und Frauen; alle Funktionäre erscheinen und alle Berufe, der Parneß und der Schamine*, der Schuster und der Schneider, und natürlich in starkem Maße der Row, den sonst die humoristische jiddische Volksersählung ziemlich respektvoll behandelt, der aber hier nichts anderes sein kann als Narr unter Narren. Jedenfalls ist seine Entscheidung in der entzückenden Geschichte von den Dielen des Badehauses, über die sich die Parteien der „Gehobelten*4 und „Ungehobelten*4 nicht einigen können, — die Entscheidung nämlich, die Dielen zu hobeln, aber mit der gehobelten Seite nach unten zu legen, in ihrer grandiosen Losung, die beiden Teilen gerecht wird, leuchtender Weisheit voll Natürlich sind auch die Anlässe zu den Geschichten und ihre Schauplätze rem jüdisch geworden: man zählt fürs Minjan in Schul die Anwesenden mittels einer Sandkiste, die Frage, wie man dem Schaumes das Schulklopfen in der Früh erleichtern kann, wird auf geniale Weise gelost, und was sich mit der sich beispielloser Beliebtheit erfreuenden Mikwe abspielt, ist voll tiefquellenden Humors. Ueberhaupt ist die humoristische Haltung der Geschichten —- der guten natürlich, denn es gibt auch alberne und witzlos boshafte — gutmütig nachsichtig und von einer warmen Heiterkeit des Herzens. Die Geschichte z. B., welche erzählt, weshalb in'der Chelmer Gemeindeehronik für alle Zeiten verzeichnet ist, daß ein Melamed keinen Koffer auf Rädern besitzen dürfe, ist eine Perle goldenen Humors in schönster jüdischer Fassung. Ueberall im ostjüdischen Bezirk entstehen immer neue Chelmer Geschichten, in denen sich oft die Schauplatze der fortschreitenden Kultur und Technik anpassen. So hat schon im Jahre 1917 Noach Prilutzki eine — übrigens wenig geistreiche — Geschichte aufgezeichnet, worin ein Chelmer Apikores am Schabbes im Auto fährt. Die Chelmer Naronim sind unsterblich geworden und wandeln mit uns durch die wechselnden Zeiten. Und das Walten lebendigen jüdischen Volkshumors wird uns bald Geschichten bescheren, worin die Chelmer am Radio, im Flugzeug oder gar in der Stratosphäre ihre lustigen Possen treiben werden. Bekanntmachung! Aus der Jakob-Plaut-Stiftung sind Zinsen an jüdische Verwandte zu verteilen. Als verwandt sind solche Personen anzusehen, die von dem Ehepaar Herz-Cosel Plaut, geboren in Reichensachsen und Caroline Plaut geh. Blach in ehelicher direkter Linie abstammen. Meldungen sind binnen eines Monats zu richten an das Kuratorium der Jacob-Plaut- Stiftung, Berlin C 2, Rosenstraße 2—i la den Zeiten, die hinter ans liegen, war es aicht immer leicht, Verständnis für die Arbeit za erwecken, die ein indisches Archiv za leisten hat. Der Wechsel der Verhältnisse hat auch darin gründlich Wandlung geschaffen. Neigung and Notwendigkeit haben gerade in den letzten Jahren am endlich Viele veranlaßt, dem Ursprung ihrer Familien nachznforschcn and Verwandtschaltsverbiltnissc urkundlich nachzuweiten, and täglich wichst der Kreis derer, die sich Papiere über ihre Abetammnng beschaffen müssen oder mit Hilfe solcher Papiere jahrzehntelang abgerissene Familienbezi«hangen wieder ankmüplen wollen. Sic > alle wissen heute, was et zu bedeuten hat, daß in jahrzehntelanger Sammelarbeit das Schriftgut so mancher alten jüdischen Gemeinde geborgen wurde, deren Existenz in unseren Tagen abgeschlossen ist oder früher schon abgeschlossen war. Sie können aber auch ermessen, wie durch die Vernachlässigung des Archivschutzes nie wieder gut zu machender Schaden angerichtet wurde, und werden deshalb begreifen, daß ferade jetzt Unterstützung des Archivschatzes die flicht der Stunde ist. Daß die jüdischen Archive dieser Pflicht zu genügen suchen, ist selbstverständlich, und man braucht kaum besonders hervorzubeben, daß sie alles tun, was in ihrer Macht steht, am rechtzeitig die Akten und Register aafzufangen, die heute in jüdischen Gemeinden Deutschlands frei werden. Antrieb für diese Bemühungen ist für das jüdische Archiv natürlich auch der Wunsch, in verstärktem Maße den Anforderungen genügen so können, die von der täglichen Praxis gestellt werden. Jeder Archivbestand and jeder Archrmgang wird mit danach bewertet, was er an peraouen- und familiengeschichtlich Bedeutsamem und Auswertbarem enthält. Und wie vielseitig ist das Material, das in günstigem Falle aus dem Archivgut jüdischer Gemeinden für familiengeschichtliche Nach Weisungen zur Verfügung gestellt werden kann! In erster Linie sind da die sogenannten Per* sonemstandsr eg iiter, jene Register, in denen die Geburten. Trauungen und Sterbefille eingetragen* sind. Dazu kommen Personenstandsaainakmen über den genauen mit Geburtsdaten versehenen Bestand einer Gemeinde in einem bestimmten Augenblick ihrer Entwicklung und auf der anderen Seite Griberverzeichniese. — Steuer- und Wählerlisten, Schülerand Gewerbeverzeichnisse, Masterangsrollen and Register über den Erwerb der SynagogeupUtze, Zugangs- und Abvtoderisf tliitea, Akten mit Per* soualnotizen, sie alle werden dem willkommen sein, der den Spuren seiner Vorfahren nachgeht and Nachweisungen über Leben und Stellung seiner Eltern beiznbringen hat. Dankbar wird er es begrüßen, wenn er für seine Forschungen einen festen Rückhalt dadurch gewinnt, daß er den Namen der Ahnen in Listen wiederfindet, die aus der Zeit stammen, als die Juden feste Familiennamen an- ' nahmen. Führt die Ahnenreihe aber, wie so häufig, nach der Provinz Posen, so treten an die Stelle der Namenslisten jene Akten und Listen über Naturalisation and Duldung, die im Zuge der Soodergesetxgebung für die Provinz Poeen (1833 bis 1848) entstanden. Je mehr Akten und Register dieser Art an einer Stelle vereinigt sind, desto leichter wird es sein, einen großen Kreis von Menschen mit Amkunftserteilungen, Urkundenau'sstellnngen and Urkondenbescheffangen behilflich za sein. Wenn also das Gesamtarchiv der Jndea in Deutschland drei Jahrzehnte hindurch Akten, Familienregister and Namenjlisten gesammelt hat, so sicht es heute seine Semmelarbeit dadurch belohnt, daß es Wege weisen and helfen kann. Und wenn es sich weiter bemüht, das Archivgnt jüdischer Gemeinden in Deutschland zu retten und vor Verzettelung zu sichern, so ist das ein notwendige* und berechtigtes Bemühen. Diese Semmelarbeit des GesemUrchivs aber läßt sich nur daun erfolgreich durchführen, wenn all« sie fördern, die es können und die ee müßten. Man möchte kaum aunebmen, daß heute noch auf Böden, in Speichern, in Truhen, in Schränken alter Gemeindestaben wichtige Gemeindeakten und Personenstandsregister aus älterer Zeit unbeachtet lagern und verkommen. Es dürfte trotzdem nicht zu viel verlangt sein, werna man anregt, daß überall, nicht bloß in den kleinen Gemeinden« noch einmal alle Stellen durchstöbert würden, wo sieb möglicherweise altes Archivgut finden könnte. Man ist da früher nicht immer mit der nötigen Sorgfalt vorgegangen und hat es leider seihet dann versäumt, das Archivgut im Sicherheit zu bringen wenn Synagogen und Gemeindehäuser veräußert wurden. Verluste wichtigen und unersetzlichen Schriftgutes sind nur dann wirklich zu verhüten, wenn rechtzeitig die Dokumente der Gemeinden dem Schutz des Archivs übergeben werden. Es ift jedenfalls höchst unzweckmäßig, die einer ganz besonderen pfleglichen Aufbewahrung bedürftigen Geburts-, Trauung«- und Sterberegister such dann noch in Zwerggemeinden zu belasten, wenn nur wenige jüdische Familien noch am Ort sind oder gar nur noch eine einzige jüdische Familie dort wohnt. Es ist nicht immer leicht, diejenigen, die in solchen Zwerggemeinden über das Archivgut, besonders die Personenstandsregister, verfügen, davon zu überzeugen, daß es ihre Pflicht ist, jetzt sofort das Archivgnt den Archiv-Sammelstellen, in erster Linie dem Gesamtarchiv im Berlin zuxuführea. Viele, die aus diesen beute zu Zwerggemeinden zusaamengeschrumpften jüdischen Gemeinden stammen, wohnen jetzt in größeren Gemeinden, nicht xoletzt in Berlin. Ein Zusprach von ihrer Seite wird gewiß Gehör finden und Scheingründe falsch verstandener Pietät besiegen. Wenn erst überall begriffen wird, daß Archivschutz nottot und alle verfügbaren Hilfsmittel der Familienforschung gesichert und eusgeautxt werden müssen, dann wird wohl auch noch manch ein wertvoller Aktenband und manch wichtiges Register, das bisher in Privatbesitz verblieben war, der Allgemeinheit darch Uebergebe an das Archiv zur Verfügung gestellt werden. Dann werden auch, wie man hoffen darf, in weit größerem Maße alt bisher aus dem Erbgut jüdischer Familien die alten B e - schneidungsbücher auitauchen, in denen fromme Vorfahren sorgfältig die von ihnen vorgenonmenen Beschneidangen aufgezeiebnet haben. Die jüdischen Archive müssen diese Bücher zumindest kennen. Sie müssen sich Abschriften von ihnen anfertigen können, wenn sie sie nicht zn erwerben vermögen. Dean gerade die Nachrichten dieser Beschneidungsbücher sind häufig ein Schlüssel zur Erforschung schwieriger Femilienzusammenhänge. Sie sind besonders wichtig für die Familiengeschichte der verstreut auf dem Lande ansässig gewesenen Jüdischen Familien und aufschlußreich f*r die Wanderungsgeschichte der Juden. Zeitlich über sie hinaus reichen häufig noch die Torawimpeln, die besonders in Mittel-, West* und Süddeutschlsnd üblich waren. Auf diesen bemalten oder bestickten Torabändern finden sieb die Geburtsdaten der Knaben, in deren Namen dies« Wimpeln dem Dienste der Synagoge geweiht wurden. Sic stellen daher einen, allerdings mit Schwierigkeiten deutbaren Ersatz für alte Geburtsregister dar und müssen deshalb wenigstem« soweit es jidt um ältere Studie handelt, vor der Vernichtang geschützt werden. Im Gesemtarehiv der Juden in Deutschland sind Taosende dieser Wimpeln — besonders aus Hessen-Nassau — aufbewahrt. Diese Sammlungen zu vermehren, ist ebenfalls Aufgabe des Archivschatzes, und each hierbei kenn das jüdische Publikum durch Einwirkung auf die Heimatsgemeinden helfend mitwirkeu. Häufig schon schien eine familieageschichtliche Forschung rettungslos versanden zu müssen, da tauchte plötzlich eia bisher nicht beachtetes Umzug« für Auswanderer und Transport« («der Art nach allen Teilen der Welt / Gepäckbeförderung / Lagerung / Verpackung / Versicherung BRASCH & ROTHENSTEI INHAIEI HAUT W.HAMACHII Hauptgeschäft: MERLIN NW 40, Lüneburger Straße 22 - - Zweigniederlassungen an allan verkehrswichtigen Platzen Ruf: 3S6641 6

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