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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-09-01 · 9 (1.9.1938) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
9 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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li. JfcrgJKr.f. Wdlidin Qiwihdiblitt fir dl« : i/NorM«MlMd I.Snp—IMt Die Ausbildung einer möglichst großen Ansaht von jüdischen Landwirten und Siedlern, die für die Alija bekanntlich schon immer gefordert wurde, wird auch für die Auswanderung nach Argentinien und anderen überseeischen Landern noch mehr als bisher in den Vordergrund gestellt werden müssen« Langsame Belebung in USA« Die Wirtschaft der südamerikanischen Länder ist bekanntlich in hohem Maße ron der Konjunktur in den Vereinigten Staaten abhängig, denn diese sind der größte und wichtigste Abnehmer der in Südamerika erzeugten Rohstoffe. Nun sind zwar die vielfach .allzu hoch gespannten Hoffnungen auf einen neuen großen Konjunktiiräufschwung in den Vereinigten Staaten bisher noch nicht in Erfüllung gegangen. Die wirtschaftliche Belebung in USA. setzt sich nur langsam durch, und es fehlt nicht an allerlei Hemmungen, zu denen vor allem die Absatzschwierigkeiten für Weizen, Baumwolle und andere landwirtschaftliche Produkte sowie die sinkenden Weltmarktpreise dieser Erzeugnisse gezählt werden müssen. Aber alle Berichte aus USA. stimmen doch darin überein, daß die konjunkturelle Entwicklung drüben wieder aufwärts geht. Die Ankurbelung beginnt wirksam zu werden. Namentlich in den amerikanischen Konsumgüterindustrien sind wieder steigende Produktionsziffern festzustellen. So war z. B. sowohl der amerikanische Kupferwie der Gummiverbrauch im Monat Juli beträchtlich höher als in den vorangegangenen Monaten. Die Regierung Roosevelt macht große Anstrengungen, durch Anbaubeschränkungen und andere Maßnahmen dem Preisverfall agrarischer Erzeugnisse an den Weltmärkten Schranken zu setzen. Daher darf man wohl — trotz der erneuten Schwächeanfälle der amerikanischen Wertpapierbörsen — damit rechnen, daß sich die Wirtschaftserholung in den Vereinigten Staaten schließlich doch als nachhaltig erweisen wird. Die Verzeichnisse jüdischer Gewerbebetriebe In den Ausführungsbestimmungen des Reichsministers des Innern zur Dritten Verordnung zum Reichsbürgerrecht wird die Anlegung der Verzeichnisse jüdischer Gewerbebetriebe geregelt. In diese Verzeichnisse sollen alle an einem Ort vorhandenen jüdischen Betriebe nach der Buchstabenfolge oder, soweit hierfür ein Bedürfnis vorliegt, auch nach Geschäftszweigen geordnet eingetragen werden. Neben dem Namen des Inhabers (bzw. wenn eine juristische Person Inhaber ist, den Namen der jüdischen Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats) soll der Gegenstand des Gewerbes sowie der Umfang des Betriebes in der Eintragung vermerkt werden. Die Verzeichnisse werden bei derjenigen Behörde geführt, bei der gemäß der Gewerbeordnung Gewerbebetriebe angemeldet werden müssen, also in Preußen bei der Gemeindebehörde. Wenn die Eintragung eines Betriebes in das Verzeichnis verfügt ist, so erhält der Betriebsinhaber eine Mitteilung hierüber und kann binnen einer Frist von zwei Wochen Beschwerde erheben. Erst nach Ablauf der Beschwerdefrist bzw. nach Abweisung einer etwa erhobenen Beschwerde ist die Eintragung rechtsgültig. Veräußerung jüdischer gewerblicher Betriebe Der Uebergang eines jüdischen Gewerbebetriebs in arischen Besitz bedarf einer polizeilichen G e n-.e h tn i g u n g. Sie wird von* der zuständigen oberen Dienststelle der Polizei erteilt. Ist für die Ueberaahme eine Genehmigung auf Grand des Einzelhandelsschuttgesetzes erforderlich, so ersetzt deren Erteilung die besondere polizeiliche Genehmigung. Anträge auf polizeiliche Genehmigung zur Arisierung eines jüdischen Gewerbebetriebs müssen in vierfacher Ausfertigung eingefeicht werden. Dem Anträge sind außer den Personalien des jüdischen Verkäufers der Ariernachweis des über- Menschlicbe Einfalt und Dummheit dem Gelächter preiszugeben, ist eine behagliche, lohnende und gern geübte Tätigkeit, und so mag es wenige Sprachen und Literaturen geben, welche nicht jene x lächerlichen Geschichten und Stichelschwänke kennen, die wir als „Schildbürgereien44 bezeichnen. Mit dem Anschein glaubhaften Ernstes werden diese Geschichten auf irgend eine Stadt lokalisiert, und weder das Abdera des klassischen Altertums, noch die zahlreichen Schauplätze des deutschen Motivkreises, ebensowenig wie etwa die Stadt Tarascon in Südfrankreich wissen, woher ihnen der zweifelhafte Ruhm erblüht ist, von Narren bewohnt zu sein. Auch der ost jüdische Kulturkreis hat seine Schildbürger, und es ist besonders interessant zu betrachten, wie in diesen Geschichten von den „Chelmer Naronim44 ein uraltes, allgemein menschliches Motiv im jüdischen Milieu eine Färbung von ausgesprochener Eigenart gewinnt. „Chelmer Naronim44 —: auch hier läßt sich nicht feststellen, welche Kräfte gerade die Stadt Chelm ins Scheinwerferlicht des Spottes gerückt haben. Chelm, eine Stadt in der Woiwodschaft Lublin, ist eine durchaus achtbare ehrwürdige Khilla, eine der ältesten in Polen. Sie führt ihre Geschichte zurück« auf das Jahr 1492, und große Gelehrte und Rabbiner, wie der berühmte Talmudist R. Samuel Elieser Edels, den man unter dem Namen „Maharscha44 kennt, haben in ihr gewirkt. Das alles hat nichts geholfen, die Chelmer vor dem Ehrentitel „Naronim44 (d. i. das deutsche Wort „Narr44 mit hebräischer Pluralendung) zu bewahren, und ein richtiger Chelmer wird auf die Frage eines Fremden, woher er stamme, niemals antworten: „Aus Chelm44, sondern in weiser Voraussicht allen Schlußfolgerungen die Spitze abbrechen, indem er auf sotane Frage, nicht ohne Resignation, erwidert: „Gut, gut, seid Ihr ein Chochom!44 Die Geschichten von den „Chelmer Naronim44 lassen sich in zwei Gruppen teilen, in diejenigen, die aus dem Motivkreis der deutschen Schildbürgergesrhichten stammen und diejenigen, die im jüdischen Osten aus eigenem Volkstum nen entstanden sind. Erstere angehend, so sind sie, oft wörtlich, dem Scbildbürgerbuch entnommen, welches unter diesem Titel 1598 erschienen ist. Die nehmenden Käufers, eine Bilanz sowie der Kaufvertrag (im Original oder in beglaubigter Abschrift) beizufügen. Werbeantworten und Postwurfsendungen Nach einer Verfügung des Reichspostministeriums sind Juden von der Versendung von W erbeantworten ausgeschlossen. Postwurfsendungen jüdischer Absender sind nur zugelassen, wenn sie ausschließlich an jüdische Gewerbebetriebe verteilt werden sollen. Arische Absender von Postwurfsendungen können bestimmen, daß die Sendungen nur an arische Empfänger verteilt werden. Dr. H. N. ursprüngliche Ausgabe von 1597 hieß noch „Laienbuch44 und es ist kurios, daß sein Verfasser sich hinter dem Pseudonym „M. Aleph Beth Gimel44 versteckte. Es ist anzunehmen, daß diese Geschichten lange vor ihrer Drucklegung mündlich in deutschen Landen im Schwange waren, und ihr Weg in den jüdischen Osten ist mit den Wanderungen der Juden aus Deutschland nach Osteuropa hinreichend erklärt. Dort finden wir nun all die schönen Geschichten wieder, wie das Mondlicht in Säcken gefangen wird, oder der ganze Mond im Wasserfaß, die Mären vom Mühlstein, der sich bergab selbständig macht, von den unentwirrbar verschlungenen Beinen, die der Fremde mit einem Stockhieb zur Raison bringt und der darum als Zauberer hochgeehrt wird, und vieles andere mehr. Diese Geschichten sind aus dem Schildbürgerbuche einfach ins Jiddische übersetzt, ohne daß das jüdische Milieu sich bemerkbar macht. Anders wird es schon, wenn bestimmte Baulichkeiten in Erscheinung treten, wie das Rathaus der schwergeprüften Schildbürger, das ohne Fenster und Türen, dreieckig und gegen alle schweißtreibenden Bemühungen unverrückbar in den Geschichten steht. An Stelle des Rathauses {ritt bei den Chelmern die sie ungleich wirksamer repräsentierende Schul, und die Schul ist es auch, die dann der große Brand vernichtet, den in der Schildbürgergeschichte der „Mäushund44 entfacht. Aber hier, in der Chelmer Fassung, spricht schon an einer Stelle die jüdische Gaß* mit und bringt einen spezifisch jüdischen Ton hinein, nämlich dort, wo die Chelmer auf die verrücktesten Lösungen verfallen, um die Katze umzubringen. Da wird auf der Gemeindeversammlung beschlossen, die Katze durch Herabwerfen vom Dach zu töten, vorsorglich aber bestimmt, vorher den Schammes mit der Katze zusammenzubinden. Der Schammes bricht sich natürlich das Genick, und die Volksgeschichte unterläßt nicht, an dieser Stelle einen pietätvollen Nachrnf einzuschalten: „Den Schammes hat man nebbich begraben müssen — gefallen als Korban (Opfer) für ganz Jisroel.44 Zu diesen übernommenen Geschichten hat der. jüdische Volkshumor immer wieder neue ersonnen, deren Zahl Legion ist, und in diesen ist das Milieu der jüdischen Gaß’ und das Die Jüdischen Schildbürger . Von Dr. SallyRabinowitz DAS SPEZIALHAUS für Stoffe Wäsdie Kleidung Teppiche Gardinen Möbel A VS ROSTUNG FÜR PALÄSTINA UND ÜBERSEE Schriftliche Anfragen an di* Obersee-Abteilung BERLIN C» SPAN DAUER STRASSE KONIGSTRASSE S

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