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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-09-01 · 9 (1.9.1938) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
9 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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\ 1t. JfcrgJNr. 9 O—«tudabitt Nr dte ty—gogn O—lud— tä N—•»■/NorddaUcblttd 1. tfHtbt 1»M Eine Sprache wird lebendig! Hebräische Typen im Setzkasten Verkehrsschild „Litfassäule" in Tel Aviv Aufnehmen (3): Sonnenfeld «...T mMff.w.mimniniTmT-TrnnnrrTT-.iwwif«wwHwtwiitüiwwwHiinnnmtiHiiiwiaiiirimiffliimiiiiin«aiwwiaHtuMiiiHiiiiimMMi»iiminflettBWiniwffl»HiiwmiiiH»iitiHfUuiHimiii« •ein, sind jetzt durch Tausende von Meilen auseinandergerissen. Aber was Dich mit uns über Raum und Zeit verbinden wird, ist das Bewußtsein, das Ideal helfen zu können in die Wirklichkeit umzusetzen, für das wir Dich erzogen haben. Ich weiß, daß Du in diesem Augenblick vielleicht auch nicht ganz wehmütige Gedanken wirst unterdrücken können. Aber wir sind stolz auf Dich, daß Du diesen Weg gegangen l^ist. Wie oft hört man doch noch von törichten Menschen, von törichten Juden, die den Geist der Zeit nicht verstanden haben, daß nur diejenigen nach Erez Israel herübergehen sollen, die her* übergehen müssen. Nein, das ist grundfalsch? Nur der, der ohne es zu müssen, aus vollem Bewußtsein der Aufgabe, die er freiwillig übernommen hat, diesen Weg geht, wird der wirkliche Erwecker des Landes sein. Auch du hattest weiter die Schule besuchen und allmählich Dir irgendwo ein bescheidenes Plätzchen im Galut sichern, mindestens aber die Entscheidung auf Jahre kinauszögern können. Du bist den Weg der Entscheidung bewußt gegangen. Ich habe ihn Dir freigestellt, ich bin froh und glücklich, daß Du scheinbare Bequemlichkeiten hinter Dir gelassen hast, um in harter Arbeit, aber in körperlicher und seelischer Freiheit Dir ein neues Leben zu erkämpfen. Der Gedanke, daß wir hinter Dir stehen, auch dort, wo wir nicht bei Dir sein können, er wird Dir den Weg erleichtern. Unsere Verbundenheit kann nicht durch körperliche / and räumliche Trennung jemals aufgehoben " werden. Nun gehe hin und werde ein wahrhafter Arbeiter? Der Bruder an die Schwester: Der Schreiber dieses Briefes ist der Empfänger des vorigen. Nach Abschluß seiner Ausbildung durch die Jugendalija ging er nach kurzer Hachschara # in Raanana freivnllig in eines der während der Unruhen neu gegründeten Dörfer. Von dort aus schreibt er an seine jüngere, einstweilen noch in Deutschland lebende Schwester zu ihrem 13. Geburtstage; den 22.10.1937.. Liebe Ruth! Zu Deinem Geburtstage wünsche ich Dir % alles Gute! Ich hoffe, daß es Dir in der Schule gut geht. Es ist nicht so schlimm, wenn man nicht in allem gut steht. Jetzt bist .Da schon 13 Jahre alt. Ich kann mir das kaum vorstellen, für mich bist Du halt immer noch 11 Jahre alt. (Das ist keine Beleidigung.) Das heißt, daß auch Du bald herkommen wirst, wenn Du willst. Willst Du? Du mußt mir auch bald ein Bild von Dir schicken. Wie Du siehst, bin ich jetzt in . Das ist einer der neuesten Punkte im Lande. Ich arbeite manchmal mit dem Traktor. Wir bearbeiten hier Boden, der zum ersten Male seit vielen hundert Jahren von Juden wieder bearbeitet wird. Die Umgebung ist hier herrlich. Wir sind in einer großen Ebene gelegen, zu beiden Seiten sind sehr hohe Berge. Wir sind fast 300 Meter unter dem Meeresspiegel. Ganz nahe bei uns fließt der Jordan. Von uns aus sieht man ihn nicht, da er noch 600 Meter tiefer liegt als wir; hier ungefähr eine Landkarte. Depressionsauswirkungen in Argentinien Wie außerordentlich eng die Zusammenhänge zwischen der Einwanderungsfrage und der Weltkonjunktur sind, zeigen die neuen Einwanderungserschwerungen in Argentinien. Die argentinische Regierung hat in einer ausführlichen Begründung ihrer Maßnahmen darauf hingewiesen, daß die statistischen Ziffern zur Zeit eine erhebliche Schwächung der argentinischen Wirtschaft erkennen ließen und daß die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Lande eine Regulierung derEinwanderung erforderlich mache. Zweifellos ist diese Begründung insofern zutreffend, als die Entwicklung am Weltmarkt in der Tat erhebliche Schwierigkeiten und Spannungen für die Exportwirtschaft Argentiniens mit sich gebracht hat. Die argentinische Weizenernte war in diesem Jahre außergewöhnlich gering. Die hierdurch verursachte Minderung der Exporterlöse wird durch das Sinken des Weltmarktpreises für Weisen in ihrer Wirkung noch verschärft. Auch die Maisernte ist in Argentinien in diesem Jahre geringer ausgefallen als in normalen Jahren. Allerdings ist für Mais eine günstigere Gestaltung der Exportpreise festzustellen. Da die in schnellem Tempo sich vollziehende Industrialisierung Argentiniens in erster Linie aus den Ueberschüssen des Agrarexports finanziert worden ist, wird der Rückgang der Ausfuhrerträge eine Einschränkung der industriellen Investitionen und namentlich der sehr lebhaften Bautätigkeit zur Folge haben. Das bedeutet aber Zunahme der Arbeitslosigkeit, und diese zieht in den Einwanderungslandern fast immer WTir säen jetzt Getreide und Grünfutter und alles Mögliche. Hoffentlich werden wir es auch ernten. Unsere Felder sind nicht zusammenhängend, hier ein Stück, da ein Stück. Wir müssen mit dem Traktor manchmal mehr als eine Stunde fahren bis zu dem zu bearbeitenden Feld. Wir sind auch nicht weit von der Stadt Beisan. Es sind vielleicht 4 km. Aber die Stadt liegt viel höher. Der Boden fällt in 3 Stufen zum Jordan. Beisan liegt auf der höchsten, wir auf der zweiten Stufe und der Jordan auf der dritten. Die Stufen sind sehr deutlich zu erkennn. Die Stufe bei Beisan fällt fast senkrecht. Nun für heute Sehluß. Schalom und alles Gute für Dein neues Lebensjahr! A. eine Verschärfung der Einwanderungsgesetze nach sich. Wenn man also unter dem Gesichtspunkt der heutigen schweren Notlage der in Deutschland lebenden Juden die Verschlechterung der Einwanderungsbedingungen in Argentinien aufs schwerste beklagen muß, so wird man andererseits die auf die gegenwärtige konjunkturelle Lage des Landes gestützte Begründung der Neuregelung der argentinischen Einwanderungsbedingungen zur Kenntnis nehmen und würdigen müssen. Denn gerade sie läßt erhoffen, daß diese Bedingungen bei einer künftigen Belebung der argentinischen Wirtschaft einer Revision unterzogen werden. Bemerkenswert ist ferner, daß die argentinische Regierung ausdrücklich erklärt hat, eine Einwanderung, die landwirtschaftliche Gebiete neu erschließt, also eine Einwanderung von Landwirten und Siedlern, nicht nur nicht zu behindern, sondern sogar fördern zu wollen. Auch dos ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchaus begreiflich, denn neue landwirtschaftliche Siedler drücken weder auf den Arbeitsmarkt, noch erzeugen. sie zusätzliche agrarische Ausfuhrwaren. Sie vermehren ‘ vielmehr in erster Linie die binnenwirtschaft* liehe Produktion und sind als Konsumenten für den gewerblichen Sektor der argentinischen Wirtschaft wertvoll. Die Stellungnahme der argentinischen Regierung zugunsten der Einwanderung von Landwirten und Siedlern wird bet der künftigen Lenkung der jüdischen Auswanderung und bei der beruflichen^ Vorbereitung, der Auswanderer berücksichtigt werden müssen« Blick auf die Wirtschaft 4

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