Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 9 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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14. JhsffJMr.ff IMhrtw •nmnhdnhlnl«»»Iw rin 1. im In wenigen Worten Schneiderin, aber allein, sie macht eine neue Taille und ea wird wieder «ehr schön. Mit dem Gesellschaftskleid« läßt ea Lieael, aie lißt aich ihr Brautkleid färben (rotbraun). Ich maß Dir tchon allea erzählen, weil ick weiß, daß Da feen über allea unterrichtet bist. Gertrud . . hat aich beim Diner aekr gut amüsiert, etwaa weiterer habe ich noch nickt erfahren können, am Sylvester iat in der Erholung Souper and Tana, ich weiß aber nickt, ob die Beteiligung groß iat. Papa kommt eben sam Abendbrot und da Ernat einen Graß hinan fügen will, ao grüße and küsse ick Dick teurendmal Deine Matter. Die Graflmulter an ihren Sehn: Die Schreiberin diese« Briefe» ist die Empfängerin de» vorigen Briefe». Sie hatte einen Großkaufmann geheiratet, der aus einer Stadt der Provinz Posen stammte. Dadurch war sie in ein jüdisch positiveres Milieu gekommen. Ihr Mann brachte ihr aus »einer ersten Ehe — seine erste Frau war gettorben — drei Söhne mit. Sie selbst hat ihm drei weitere Kinder geboren. Der Empfänger dieses Briefe» ist ihr ältester leiblicher Sohn. . . , den 21.7.16. Mein geliebter V, ich sende Dir meine innigsten Glückwünsche sam Eisernen Kreits, wie ich mich darüber freue, daß Dir diese Anerkennung Deiner Leistungen zuteil geworden ist, kann ich Dir nicht beschreiben. Ala mich E. heute früh antelefonierte und ea mir mitteilte, da dachte ich mir, wenn ich Dich nur hätte bei Empfang dieser Ausseichnnng sehen können, denn ich weiß, daß Du es Dir sehr gewünscht hast und Dich sehr damit freuat. Du hast ja auch, mein geliebter V, stets Deine Pflicht in Tollem Maße getan ’ und bist nun schon swei Jahre im Kriege, da haat Du es Dir redlich verdient. Ich habe ea bald M., H. und F. mitgeteilt und auch E., die Freude wird überall groß sein. R. will ich ea jetst schreiben, er wird es aich anch wünschen, aber er soll ea nur abwarten and glücklich sein, wenn er gesund ist, ich habe es Dir ja auch immer geschrieben. Jetst haben schon swei Söhne das Eiserne Krens, wie atols wäre der geliebte Vater gewesen, wenn er ea erlebt hätte. Frau G., bei der der Urlauber auch war, war ao liebenswürdig, mir telefonisch su gratulieren, sie hat sich ebenso wie wir über die Gottlob guten Nachrichten sehr gefreut. Bleibe nur gesund, mein geliebter V., und komme wohl und munter mit Deinem Eisernen Krens nachhaus, das ist mein innigster Wunsch. . . . Deine Schwiegereltern, Deine Großmutter and M.s haben sich kolossal gefreut, sie haben mir alle telefonisch gratuliert. — Habt Ihr dort auch so schlechtes Wetter, wie wir hier? Es gießt in Strömen, wird das Getreide durch die Nässe nicht leiden? Die Ernte ist doch von höchster Wichtigkeit, die muß gut werden. — Wie atols wird Wölfel, wenn er ein großer Jnnge sein wird, anf das Eiserne Krens seines Vaters sein! Das ist anch eine Ausseichnnng, die eine Ehre für Kinder und Kindeskinder ist. — Ich denke jetst viel an die „Deutschland** (Anm. d. Redaktion: das U-Boot-Handelssehiff, das damals glücklich nach Amerika fahr), die nun wohl ihre gefahrvolle Reise angetreten hat, wenn sie glücklich in der Heimat anlangt. was Gott geben möge, so bedeutet das einen großen Sieg, aber wer weiß, man muß abwarten. — Hier wurde ersählt, daß Dein Vereinsbruder . . . gefangen wäre, bast Du es anch gehört? Ich nabe Dir, mein geliebter W., durch Postanweisung 10 M. geschickt, weil ich annehme, daß Du doch su Ehre des freudigen Ereignisse« etwas snm Besten' geben' wirst. Bleibe gesund, Gott be- Chile. Der Minister für Kolonisation überreichte im Namen der Regierung der Kammer ein neues Einwanderungsgesets snr Beratung. Die Bestimmungen unterscheiden swischen freier Einwanderung und der Einwanderung im Interesse der Kolonisation. Es ist eine Quotenverteilung auf die verschiedenen Nationen vorgesehen. Das Gesets erstrebt die Einschränkung der Einwanderung von ungeeigneten Elementen. Die Einwanderung von Spesialarbeitern soll erleichtert werden. Es wird versucht, eine Vermehrung der Bevölkerung" durch Bevorsngung solcher Einwanderer an erreichen, die durch ihre Arbeit das kulturelle Niveau des Landes su heben imstande sind. Die Einwanderer sollen nach Möglichkeit swischen lß und 55 Jahren alt sein. ★ In einer Verordnung snr Durchführung des Gesets es über die Aendenmg von Familien- und Vornamen vom 17. August 1938 sind neue Bestimmungen für Jüdische Vornamen erlassen worden. .Danach dürfen Juden nur solche Vornamen beigelegt werden, die in den von dem Reichsminister des Innern herausgegebenen Richtlinien .über die Führung von Vornamen aufgeführt sind. Das gilt jedoch nicht für Jaden ausländischer Staatsangehörigkeit. Soweit Juden ändere Vornamen führen, müssen sie vom 1. Januar 1939 ah susätslich einen weiteren Vornamen anuehmen, und swar männliche Personen den Vornamen schütte Dich. Viele innige Grüße und Küsse von Deiner Mutter. Der Vater an seinen Sohn: Der Schreiber dieses Briefes ist der Empfänger des vorigen. Im Jahre 1935 ging der Empfänger dieses Briefe» mit der Jugendalija nach Erez Israel, nicht aus äußerem Anlaß, sondern aus innerer Entscheidung. Der Junge hatte schon viele Jahre vor dem Umbruch einem chaluzischen Bunde angehört. Der Vater widmete dem Sohne zum Abschied den folgenden Brief: Nun sind es nnr noch wenige Tage, und das Schiff wird Dich auf das Mittelmeer hinausführen, an dessen Ostufer das Land liegt, dem Du Dein Leben weihst. Was der Bund Dich viele Jahre gelehrt hat, und was Dir selber Ziel Deiner Sehnsucht gewesen ist, das soll nun Tat werden. Wohlvorbereitet gehst Du hinans! Dn hast Deine Hachschara nicht nur körperlich, sondern auch seelisch hinter Dir, Du weißt, daß Dir da drüben kein bequemes Leben bevorsteht. Du hast Dir gelobt, auf dem Lande su bleiben und Dieb keinesfalls verlocken so lassen, in die Stadt au gehen, weil dort größere Verdienstmöglichkeiten winken. Dn willst unserem alten Jadenvolk mit Deiner Hände Arbeit eine sichere Wohnung bereiten und glaubst, daß dies der einsige Weg ist, unserem Volke Ruhe au verschaffen und ihm das Ansehen nnter den Völkern an erringen, auf das es Anspruch hat. Die Tage der Ueberfahrt werden Tage des Besinnens sein. Du stehst swischen swei Erdteilen. Noch einmal wird an Deinem geistigen Ange all das vorübenrieben, was Dir Deine Jagend, Dein Elternbaus und Deine Geschwister gewesen sind. Von Deinen Freunden trennst Du Dich ja nicht, sie sind Dir schon sämtlich verausgegangua, und die Gemeinschaft Deiner Gruppe wird sieh drüben aufs neue bilden. Nun stehst Du, wenn Du diese Zeilen liest, am Rande des Schiffes als Wanderer swischen swei Welten. Hinter Dir versinkt das ahe Europa mit seiner reichen Zivilisation, aber mit seinen Nöten and mit der Israel, weiblich« Personen Sara. Für die Annahme des susätslichen Vornamens besteht eme Anmeldepflicht, deren Verletzung unter Strafe gestellt ist. ★ ln Tel Aviv feierte Menschern Uss i s e b k i n seinen 75. Geburtstag; er gehörte mit Hersl einst su den Gründern des Zionismus und ist heute Präsident der sionie tischen Aktionskomitees nnd des Keren Kajemet. Schon 1882 ist der aus Rußland stammende Organisator sum ersten Male nach Palästina gereist and hat dann seine ganae Lebenskraft- und Arbeit der sionistischen Aufbanarbeit gewidmet. Eine der schönsten Straßen Tel Avise heißt nach ihm. ★ Das gleiche Alter von 75 Jahren erreichte Geheimrat Professor Dr. Ludwig Borehardt, der in Zürich starb. Borchardt, ein Bruder des Dichters Georg Hermann, war ursprünglich Architekt in Berlin. Seine Werke über die Nilbanten der alten Aegypter brachten ihn erst im Mannesalter mit der Aegyptologie in Berührung; er wurde schließlich auf diesem Gebiete ein Gelehrter von Weltruf, veröffentlichte mehr als hunder Schriften über Geschichte und Kunst der alten Aegypter, entsifferte viele bisher unerforschte Keilinschriften und wurde schließlich Direktor des staatlichen ägyptologischen Museums in Kairo. Not, die die unsere ist, unserer Judennot! Allmählich steigt am Horizont die Küste des Landes empor, und wenn Du seinen Boden betreten wirst, beginnt das Ringen om Dein neues Dasein. Es werden Dir viele Juden begegnen, die die innere Erschütterung, die Du in Dir durchgemacht hast, nicht erfahren haben; sie haben Europa verlassen, “Weil sie glaubten, drüben ein materiell besseres Fortkommen su finden. Sie werden das Land der Väter wieder verlassen, wenn auch hier einmal eine Krise kommen sollte. Du sber und Deine Freunde, Ihr wollt in diesem Lande in guten and schlimmen Tagen dienen. Ihr seid Euch bewußt, daß nur einmal im Laufe der Weltgeschichte uns Juden diese große Gelegenheit gegeben worden ist, su unserem Boden surücksnkehren und ihn mit unserer Arbeit su erlösen. Auf Euch sind nicht nnr die Blicke Eurer Eltern und der ganzen Juden der Welt gerichtet, anf Euch sehaaeu auch alle die Anderen, die sehen wollen, oh der Jude wirklich sur Arbeit zurückfindet. Wenn nun über Euch der Rausch dieses Landes kommen, wird mit seiner südlichen Sonne, wenn Ihr in endloser Horrah die Kraft Eurer Jugend erprobt, wenn Ihr draußen stehen werdet im sumpfigen ParSeß und Setzlinge pflanzt oder in glühend heißer Sonne anf dem Traktor sitzen werdet, braun gebrannt, stark und sehnig, dann wird es wie ein ferner Tranm hinter Euch liegen, daß Ihr einstmals unter ganz anderen Bedingungen in Europa gelebt habt. Es sollen Ench gewiß nicht trübe Gedanken begleiten. Einer Aufgabe kann man hur ganz gereckt werden, wenn man freudig und unbeschwert sich ihr widmet. Vielleicht ist es ein Abschied fürs Leben, vielleicht werden wir niemals nachkommen können, wir Aelteren, die für dieses Ideal gekämpft haben und die wir doch nicht mehr die körperlichen Kräfte besitzen, um selbst Bauern an werden. Zwischen Dir nnd «ns liegen non viele Tagereisen. Aber die Welt ist für ans Juden in den letzten Jahren recht klein geworden. Ueberaü sind wir auf dam Erdball zerstreut, und Menschen, die gewohnt waren, täglich und stündlich beieinander zu S