Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-08-01 · 8 (1.8.1938) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
8 (1.8.1938)
Date
1938-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/10279739-10021755-10021750--220-3981601
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

MdhdMw Om»hd*hl«tl fflr (fl* Sywflog«« Owuhdw hi *•■-*■-/**—'-‘tirttrhlinrl 1. A«g«*t 19St gamicht vergessen kenen. Ich muß euch insovem vergessen, weil ich euch nicht kan sehen und sprechen. Ganz wird ich euch nie vergessen. Ich hoffe daß gleichen von euch. Ich glaube, ich kan keine so getreye Kamraten mer in der Welt finden — Sie werden mir uhnvergeßlich bleiben in meinem Herz. Sie haben mir will es gethan an meiner Abreisen. Nun ich sage euch dausend mahl Dank davir, bis ich es kan wider bezalen. Nun lebet wohl und glücklich auf Erden, bis wir uns widersehen und schreibet mir alle Neuigkeiten, was basird. Ich kan euch nicht mehr schreiben, daß gottlob gesund bin, ich von euch desgleichen hoffe. Euer bester Freund Wolf Samuel. S. J. Agnons Jobeljahr Von Rabbiner Dr. S. Samuel Wir wissen »war, daß es mit den Brach- und Jobeijahren der Bibel etwas anderes auf sich hatte, als mit den Lebensjahren des einzelnen Menschen; daß sie nämlich der Scholle dienten, die er bebaute. Zweifellos kam aber auch über den Menschen dann eine feierliche Stimmung, wenn die heilige Zahl von Jahren sich siebenmal vollendete, der Jobelhall ertönte und ein jeder zu seinem Besitztume und seiner Familie zurückkehrte. Dies hat der freischaffende Dichter Agnon nicht mehr nötig; von seinem Besitze, dem gottverliehenen Felde der Poesie, ist er niemals verdrängt worden; es hat vielmehr immer reichere Früchte dem Besitzer und allen Mitgenießenden hergegeben. Und wenn seine engere Familie nicht nur, sondern seine weitere die jüdische Gemeinschaft ist, so ist der Sohn der jüdisch-polnischen Stadt Buczacz, daselbst 1888 geboren, längst mit den Seinen nach Jerusalem, der heiligsten Stätte der Welt, übergesiedelt, in Erfüllung tiefer Sehnsucht. Schon einmal fand Agnon mannigfache Würdigung, als die sechsbändige Ausgabe seiner sämtlichen Erzählungen (kol sippurim) im Schocken-Verlage vorlag (5695). Sie geriimmfHimmraBm währte Ueberhtick über ein Schaffen, das aus ureigensten, bodenständigen, im weiten Bezirk des Judentums verzweigten Wurzeln seine Säfte zog, fast ausschließlich aus jüdischen Quellen, jüdischem Geist und Schicksal gespeist wurde, und für das die übrige Welt nur Randerscheinung war. Wer den jüdischen Bezirk klein, eng und armselig findet, besonders wenn er dabei an die polnisch-russische oder galizisch-ruthenische Umwelt denkt, die ihre Schatten -auf jenen warf, wird notwendig auch die Gestalten und Erlebnisse der Agnonschen Dichtungen, zumal in ihrem auf sie zugeschnittenen hebräischen Gewände gering anschlagen. Wer sich aber bemüht, unter der fremdartigen Hülle und altertümlichen Gebärde den Menschen zu finden, „aufs Herz zu sehen“, wird in eine Atmosphäre erhabener, seelischer Schönheit versetzt und von Sehnsucht, erfaßt, zu ihrer Gemeinschaft zu gehören. Und er wird zugeben, daß für alle diese Erzählungen die durch das heilige Schrifttum geweihte hebräische Sprache die angemessene ist, und letztere in ihrem Stil, ihren Eigentümlichkeiten und Schönheiten auch in der besten Uebertragung viel verlieren muß. Es war in den schwersten Kriegsjahren, wo mit so manchen jüdischen Erzählern auch Agnon bei uns bekannt wurde. Die Sammelschriften, die uns den Osten literarisch erschlossen, mochten „Treue“. „Chad gadja“, „Buch von den polnischen Juden“ oder wie immer heißen, nirgends fehlte ein Beitrag aus seiner Feder; sei es eine Skizze, ein Momentbild, eine Kurzgeschichte, letztere vielleicht nur wiedererzählt aus dem reichen Schatze jüdischer Folklore. Die billige Bücherei Schocken brachte schon in Nr. 5 einen Kranz dieser Kurzerzählungen heraus, in die schönste, die „Vom Kopftuch“, ist sicher ein Ausschnitt aus den Jugenderinnerungen des Dichters verwoben. Andre, wie der „Aufstieg“,. von einer Seele handelnd, die sich in Sehnsucht nach den lichtesten Gotteshöhen verzehrte und die den Körper wie ein zu schwaches Gefäß zerbrach, lassen ein Motiv aufklingen, das in späteren Dichtungen wiederkehrt. Ja, eine uns lieb gewordene Gestalt gewinnt einen neuen Namen; ihr Gedächtnis wirkt über den Tod hinaus in späteren Menschen. Mag sein, daß wir das jüdische Leben der Kleinstadt, die Gesellschaft in ihrer Gliederung und ihrem Erwerb, an ihrem Alltag, Sabbat und Festtag, mit ihren Typen, dem Rabbi, dem Vorsteher, dem Armen, dem Händler, dem Fuhrmann; vor allem das Lehrhaus und den Jünger, auch aus Perez, Scholem Aleichem, Frischmann, Asch und Mendele in liebevoller und realistischer Zeichnung eingehend kennengelernt hätten: ohne Agnon hätte ihnen aber die letzte Weihe gefehlt. Schon von dem 28jährigen Dichter schrieb Martin Buber an Leo Herrmann (am 25. März i Ftriaafrudan Aufn. (2): Sonnenfeld 1916): „Er ist berufen, ein Dichter und ein Chronist des jüdischen Lebens zu werden; des einen, das heute stirbt und sich verwandelt, aber auch des andern, werdenden, unbekannten. Galizier und Palästinenser, Chassid und Pionier, trägt er in seinem treuen Herzen die Essenz beider Welten im Gleichgewicht der W'eihe.“ Eine solche ist auch seinen größeren Erzählungen, Novellen und Lebensbildern auf- -gedrückt. Da gibt es ganze Zyklen, die der treuen, wartenden Liebe gewidmet sind; andre den Erinnerungen oder Hoffnungen Israels und der Sehnsucht nach dem heiligen Lande mit seinen Erinnerungsstätten und Verheißungen; wieder andre handeln von der W'underkraft der Gebete oder von den altjüdischen Pflichten, z. B. der Aufnahme von Gästen und der Ausstattung armer Bräute. Man hat behauptet, daß Agnon die chassidische Frömmigkeit und Lehre bevorzugt, daher dem kühleren, schulmäßigen, aber nicht minder werktätigen Judentum« nicht immer gerecht werde. Er müßte kein Dichter sein, wenn er die stärkere Lebensnähe und Volkstümlichkeit des Chassidismus nicht lieben sollte, ihre Innigkeit und Mystik, unterstützt durch Freude an Gesang und Rhythmus. Er verehrt den Alten von Mierzeborze, den Baalschem und den großen Maggid von Mesritsch; flicht häufig Aussprüche vom Berditschewer, Kosnitzer, Lubliner, Apter und Sassower ein und zitiert das Wrort: „Wrohl ist kein Unterschied zwischen Jude und Jude; aber ein solcher zwischen den Seelen. Es gibt vom Kopf regierte Seelen, d. h. nur vom Verstände; und sog. Fersenseelen, d. h. solche, die sich durch die gute Tat erweisen.“ Und diese findet er DAS SPEZIALHAUS für Stoffe Wäsche Kleidung Teppiche Gardinen Möbel A US RÜSTUNG FÜR PALÄSTINA UND ÜBERSEE Sdiriftlidu Anfragen an di* Übersee-Abteilung BERUN C% SPAN DAUER STRASSE KONIGSTRASSE 5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.