Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 8 (1.8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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1«.)hrg7Nr.l HMIscIms 0»w*liiJ*bl»H Ar «fl« t|»*8ögw O whid«« tai 1.A«gmt 1919 In wenigen Worten nicht nur bei Chassidiin, sondern ebenso bei ihren Widersachern, den Misnagdim. In den anfänglich so heftigen, unbrüderlichen Streitigkeiten beider Gruppen steht der Dichter auf Seiten der Chassidim, die damals nicht als Zerstörer des Bundes, Trunkenbolde und Taugenichtse geächtet werden durften. Auf seinem liebevollen Verständnis für die um ein inneres Licht Kämpfenden beruht seine erschütternde Erzählung „Der Verstoßene**, in der ein vornehmer Jüngling, R. Gerschom, von der Hohen Schule bereits mit der Krone in der Tora geschmückt, und verlobt einer edlen Jungfrau, unter dem Fluche des gekränkten Zaddik, Rabbi Uriels, dahinsiecht, dessen Lehre sein Herz angesogen und gleichsam gesprengt hat. Aber der stille Held der wunderbaren Novelle „Und das Krumme wird gerade*4 (deutsch von Max Strauß) ist durchaus kein Cbassid, sondern ein schlichter, frommer Jude. Menasche Chajim Ha-Kohen muß sein -Weib Kreindel Tseharne verlassen, um auf der Wanderschaft von milden Gaben soviel zu sparen, daß er sein herabgekommenes Hauswesen wiederherstellen könne. Unterwegs verkauft er sein gutes, auf seinen ehrlichen Namen lautendes Empfehlangsacbreiben an einen gewissenlosen Bettler, verliert aber den Erlös im Rausch in einer Schenke. Er muß länger wandern; jener Bettler stirbt; man findet bei ihm das Empfehlungsschreiben; Menasche Chajim gilt fortan als tot. Seine vermeintliche Witwe heiratet einen andern, wird von diesem Mutter eines Kindes; der Totgeglaubte kehrt zurück und sieht, daß sein Weib unwissentlich in Sünde lebt. Da vollbringt er die große Entsagung, sich in die Einsamkeit eines Friedhofs zurückzuziehen, durch Fasten und Kasteien seinen Körper dem Tode näher zu bringen und seinen Tod als Gnade gu erbitten und zu empfangen. — Auchdie köstliche Erzählung „Im Herzen der Meere** handelt zwar von der Fahrt einer kleinen Gruppe von Chassidim nach dem heiligen Lande; doch ihr Held, R. Chananja, vollbringt seine edelste Tat, indem er nach Zeugen für den Tod eines übel beleumundeten Mannes erfolgreich sucht, um die Witwe nach rabbinischer Vorschrift der „Verlassenschaft*4 zu entreißen. Das neueste, größere Werk Agnons liegt ganz auf dem Gebiete der Folklore; es heißt „Jamim noraim44, d. h. Die Hoehtage, im Lichte der Ueberlieferung und Legende. So wollen wir denn auch nicht Voraussagen, was dieser reiche und edle Geist in Zukunft uns noch schenken könnte. Genug und übergenug ist es bereits, ihm zu danken mit Jejascher kochacha. Köetfa/Poat. Kurz aach Vollendung seines 81. Lebensjahres verstarb am 22. 6. plötzlich und unerwartet Herr Paul Sabatzky. Der Verstorbene war lange Jahrzehnte hindurch Vorsitzender der Repräsentanten-Versammlung, wie auch der Chewra Kadischa. Sein Hsnscheiden bedeutet einen unersetzlichen Verlust für unsere Gemeinde, in der sein uneigennütziges, stets hilfreiches Wirken unvergessen bleiben wird. Bch. Professor Dr. Ismar Elbogen, seit 39 Jahren Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, verabschiedete sich, um einem ehrenvollen Ruf nach den Vereinigten Staaten Folge zu leisten. * Ara 20. Tarnmus (19. Juli) dieses Jahres jährte sich zum 34. Male der Todestag von Theodor Herzl. Auf Veranlassung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland fanden aus diesem Anlaß in allen jüdischen Gemeinden des Reiches Gedenkkundgebungen statt. In Berlin wurden in allen Gemeindesynagogen im Rahmen des Sabbat- Gottesdienstes des großen jüdischen Volkserneuerers gedacht. * Claude G. Montefiore, der noch vor wenigen Wochen aus Anlaß seines 80. Geburtstages Ehrungen aus allen Teilen der Welt entgegennehmen konnte (vgl. auch den Artikel in der Juli-Nummer unseres Blatte») ist am 9. Juli in London gestorben. * Dr. F. Rottenstreich, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, starb am 7. Juli nach kurzer schwerer Krankheit. Sein Tod wird in ganz Palästina und darüber hinaus tief beklagt. e Die Synagogen-Gemeinde Breslau ist durch das Ableben von Rabbiner Dr. Sänger in tiefe Trauer versetzt worden. * Die schweren Ruhestörungen in Palästina, die auch wieder zahlreiche Opfer forderten, bildeten im britischen Unterhaus Gegenstand mehrerer Anfragen. « Der als Judenfreund bekannte britische Abgeordnete Colonel Wedgwood hat sich in einem Brief an den Präsidenten des Verbandes ehemaliger jüdischer Offiziere in Tel Aviv für eine Art kollektiven passiven Widerstands der Juden in Palästina ausgesprochen. Die Verbreitung dieses Briefes in Palästina wurde verboten. Colonel Wedgwood selber hat sich in einem späteren Brief veranlaßt gesehen, gewissen Mißdeutungen seines ersten Briefes zu widersprechen und sieb schärfsten» gegen jeden Terrorismus zu erklären. v Eine Kairoer Zeitung berichtet, daß die Regierungen von Transjordanien, Irak, Saudi-Arabien und Syrien bereits Einladungen zu einem panarabischen Kongreß, der im Oktober in Kairo stattfinden soll, angenommen haben. Angeblich sollen 200 Mitglieder des ägyptischen Parlaments inoffiziell daran teilnebmen. * In einer der letzten Sitzungen der Stadtverwaltung von Tel Aviv wurde bekanntgegeben, daß der Kontrakt für die Errichtung eines Flugplatzes in Tel Aviv am Nordufer des Jarkon soeben vergeben worden sei. Rabbiner Dr.LRosenthal Ueber 40 Jahre ist Dr. Ludwig Rosent h a 1, Gemeinderabbiner der Synagogengemeinde Köln gewesen; seitdem in der Synagoge Roonstraße liberaler Ritus und Orgel eingeführt waren, hatte er nur noch in der Synagoge Glockengasse gepredigt, aber jetzt, im Tode, erweist sich, welche Kraft und Wirkung von seiner allzeit gütigen Toleranz ausging, da die ganze Gemeinde, unterschiedslos, wie um den Heimgang eines Vaters trauert. Das kam u. a. auch zum Ausdruck in den Worten, die der der religiös-liberalen Richtung angehörende Amtskollege des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Kober, bei der Trauerfeier dem Heimgegangenen nachrief: „Er war ein Erwählter, ein Begnadeter, ausgestattet mit Vorzügen, die häufig nur getrennt erscheinen, aber bei ihm sich harmonisch verbanden. Konservativ und modern, streng in der Auffassung vom Religionsgesetz und duldsam gegen andere. Formgefühl und Wahrbeitsstreben waren in ihm vereint: er war ein Weiser im Sinne des Talmud und betrachtete die Welt mit den Augen des Künstlers.44 Welch großen Verdienste der Verewigte sich auf allen Gebieten der Seelsorge, der Sozialarbeit, des Schulwesens und des Religionsunterrichts erworben hat, das kann hier nur angedeutet werden. Der wiedererwaebten jungen hebräischen Kultur Mit sein Interesse ebenfalls in hohem Maße; durch Uebersetzung von Werken Bialiks und anderer hebräischer Dichter suchte er dies Interesse auch unter den Juden in Deutschland zn verbreiten. — Wie in seiner engeren Gemeinde Köln, so entfaltete Rabbiner Rosenthal auch im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und in dessen Körperschaften: Rat, Verbandstag, Konservative Fraktion und Konservativer Kultusausschuß eine überaus segensvolle Tätigkeit, sein Rat wurde gesucht nnd befolgt, seine gütige Art erfüllte jeden mit Zutrauen und Hochschätzung. Sein Rat und seine Arbeit werden uns allen bei den kommenden Aufgaben des jüdischen Gemeindelebens fehlen. Sein Andenken aber wird zum steten Segen sein. Umzüge für Auswanderer und Transporte jeder Art nach allen Teilen der Welt / Gepäckbeförderung / Lagerung / Verpackung / Versicherung BRASCH & ROTHENSTEIN INHAIEI HARRY W. HAMACHER Hauptgeschäft: BERLIN NW 40, Lüneburger Straße 22 - - Ruf: 3S6641 Zweigniederlassungen an allen verkehrswichtigen Plätzen «