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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-06-01 · 6 (1.6.1938) · p. Seite 9

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
6 (1.6.1938)
Date
1938-06-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Mdbchet G«MM«blitt Hk <8e Synagogea-Geteeindee In ILJkt»/Mt.« i/Horrirtoii«»chlied I.JmilFU waren. Et war ein Abend wie jeder andere gewesen, und doch war er ander«. „Glaubst du, daß der Redner recht hat?*4 fragte ich Ruth. „Wer redet, hat recht“, antwortete sie in einer alltäglichen Selb«!Verständlichkeit und einer kleinen spöttischen Zerstreutheit. Es ist beinahe wie ein Vorwurf. Ruth sagt das wie die. kleinen Leute. Sie sagt das, wie man das so immer hört. „Ruth, das ist unsinnig“, rüge ich. Ruth schweigt. Ich sehe sie von der Seite an. In ihrem Gesicht ist die Schönheit und das lockend Unerforschte eines Menschen* antlitses. Da weiß ich: sie hat das nur gesagt, um — nichts zu sagen. Hinter uns, in weitem Abstande, geht der Redner, umgeben von einem Knäuel von Menschen. Ich denke daran, daß da ein Mensch vor uns stand und in uns etwas wecken wollte, was in diese Zeit hineingehört. Noch ist alles nahe, was in dieser Stunde gewesen ist. Noch ist ein wenig von dem Gebanntsein in uns. Noch spuren wir das Geheimnisvolle, das immer einen solchen Abend umweht. Aber morgen, wenn die Sonne aufgegangen sein wird, wenn wieder alles so ist, wie jeden Tag, dann wird sich die Welt mit anderen Augen aniehen lassen. Der Alltag wird wieder kommen. Die kleinen und großen Sorgen werden wieder da sein. Die Geringfügigkeiten um uns, mit denen wir uns au plagen haben, werden wieder lebendig werden. Es wird alles sein, wie es gewesen Ist. Und es wird so bleiben — trotz dieses Abends. Ruth scheint erraten zu haben, woran ich denke. Auch in ihr lebt der Zweifel. „Schade“, sagt sie, „daß so wenig bleibt von diesem Abend. Morgen werden nicht mehr alle daran denken.“ Sind Ruths Worte picht zu viel, denke ich da. „Die menschenverwandelnde Kraft eines solchen Abends“, so antwortete ich ihr, „ist nicht morgen gleich au sehen. Wenn ich es mir aber recht überlege, so sind Menschen immer nur durch das Wort und nur durch das gesprochene Wert Verwandelt worden. Nur das Wort ist kräftebringend und kräfteschöpfend. Und wann wären Kräfte tum Leben notwendiger gewesen als in dieser Zeit!“ Ruth schweigt. Aber in mir ist das Verlangen lebendig, den Zweifel tu vernichten bis auf den letzten Rest. Es hat doch alles sein Gutes und sein Schlechtes. „Kräfte“, sage ich weiter, „Kräfte brauchen wir hier in der kleinen Stadt mehr als dort, wo Juden in großer Zahl beisammen leben. Unser Leben verläuft eintönig. Es ist immer das gleiche. Wir sind so ausgehungert auf ein Wort.“ „Ja“, sagt Ruth, „aber weißt du nicht, wie hier die Leute von einem Vortrag gehen. Er hat gut geredet, sagen sie. Und wenn du sie morgen fragst, was er denn eigentlich geredet hat, dann sagen sie dir: er hat gut geredet. Viel sitzen bleibt nicht.“ „Du übertreibst“, sage ich Zu Ruth. „Du übertreibst. Ich kenne meine Leute so wie du. Ich kenne auch die Grenzen, die allem Worte gesetzt sind. Nicht um sie nachzudenken, werden vom Redner die Worte nur gesprochen, sondern um ihnen nachzufolgen. Dazu ist die Rede notwendig. Wenn überhaupt etwa*, so formt sie den Menschen. Auch hier in diesen Menschen muß der Funke entfacht werden. Denn wir brauchen nicht Menschen, die Juden sind, weil sie Juden sein müssen, sondern wir brauchen Menschen, die für ihr Judentum begeistert sind.“ „Und die vielen Versammlungen in all den Jahren?“ fragt Ruth. „Es ist nicht viel dabei herausgekommen.“ „O“, antworte ich, „vielleicht mehr, als du denkst. Wenn wir sie nicht gehabt hätten, wer weiß, wie es mit den Juden in Deutschland bestellt gewesen wäre. Viele dieser-Vcr- Sammlungen haben Schaden gestiftet, weil sie die Menschen statt zusammen-, auseinandergebracht haben. Aber im großen ganzen sind sie nicht nutzlos gewesen. Es bleibt ja immer etwas von dem haften, was gesprochen wird. Wenn das Wort und die Gedanken auch vergessen werden, der Eindruck bleibt. Und vielleicht hat e r Einfluß auf die Menschen. Auf diesen Einfluß, auf diese Haltung kommt cs aber an.“ „Ja, vielleicht ist es so“, entgegnet mir Ruth. „Vielleicht muß man nicht gleich auf den Erfolg sehen. Aber es ist doch so naheliegend, auf die Wirkung des gesprochenen Wortes im Alltag zu schauen.“ „Denke nicht so schlecht von unseren kleinen jüdischen Menschen in der kleinen Stadt“, sage ich Ruth, die immer gern sich etwas anderes dünkt als sie. „Unsere Menschen, das sind unsere Wirklichkeiten. Ihre Formung läßt sich nicht erzwingen. M*» muß Geduld haben. Ich glaube an sie, wie ich an den jüdischen Menschen glaube.“ Ruth schweigt. Wir gehen und gehen durch die Straßen. Der Schnee ballt sich unter unseren Füßen. Die Nacht umhüllt alles Leben. Das Schweigen liegt über den Straßen. Baduvorzchriften fttr Judwfi In Bad Klttbigen In Bad Kissiagen sind am 2. Mai seitens der Behörden die Bestiaunnngen bekanntgegeben wordea, welche dea Kargebrauca der jüdischem Kurgäste regele. Diese Aaordnongeo enthalten zwar eine Reihe von Einschränkungen für den jüdischen Kargast; es ist diesem aber Gelegenheit gegeben, in den konzessionierten jüdischen Häusern za wohnen and eine Trink- und Badekur in der ron Arzt angegebenen Weise zu gebrauchen. WELT FOR DAMEN -SIALEK MODE UND HERREN KurfOratsndomm 216 SariinW Tauantzianstr.il SnilgM (OdlschM Schuhgaschaft dar Tauantzianstr. HiKsvarein der Juden in Deutschland e.V. Wohin answtmdem? DvmnMut and*einti dänische Auswanderung Ausgabe Frühjahr 1936: Nordamerika,Cuba.Ptilllpplnen. |Mi ■ um 1,50+0,40 Porto) Ausgabe 1936« ~ SOaafnerfkaheft jetzt wieder verfügbar. iÄSJÄu^tand u.a. «Wa^Hk^Nadrt^rasj Zo bnWm durdi don MMworaio dw Mra hi MiM fct. (orttii W35, LaüainluiffMi 30, PotfKhodckonto Wn.16312 u. durdi all« |0d. SvdivMtrfebo Willy Friedländer JUWELEN.. GOLD- UND SILBERWAREN Serfln W50, Tauantzianstr. 9 . Fernruf 248090 s \ §§ Bettwäsche Tischwäsche Hausand Kfichenwasche Aussteuern i» «ii« rnhiopn and Zttiimmcnitellsages Landeshuter Leinen- und Gcbildwebcrei F. V. GRÜNFELD Größte« Spesialgeachlft für Leinen nnd Wische Berlin W8, Leipziger Str. 20-22, Ruf 120030 Berlin W60, Knrfitntendanun 227. Köln, Hohe Straße 77-79 Fabrik« Landeahut in Schleaien Taraand nadi aufwärts von M Ä.— au portofrei /btxefffcnsehJafi der nJkdistirt Aasv+be des QemctndebUttesi Douncntaj, AS. fani 9

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