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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-06-01 · 6 (1.6.1938) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
6 (1.6.1938)
Date
1938-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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U. IfcryJNr. 4 »Bdhcfc«« C««9>pd9bl*t «r dto tymagog»« Owthdw hi Pr—•—/Hordd—t»cM—d fcJwNim Der Narr beschuldigt, wenn er gefehlt hat, andere; der Bußfertige sucht die Schuld bei sich. Bedauert einen Ehrwürdigen, der v erachtet wird, einen Reichen, der verafmt ist, und einen Weisen, der unter Narren geraten ist. Niemand bedarf mehr Mitleid, als der Weise, über den Törichte zu Gericht sitzen. Ein Mensch schmähte einen Weisen. Da sagte zu ihm einer seiner Schüler: Erlaube mir, gegen ihn vorsugehen. Der Weise aber sagte: Der ist nicht weise, der das Schlechte erlaubt. Das Ende jedes Streites ist die Reue, das jeder Nachgiebigkeit der Friede. Wer nicht die Geduld hat, ein Wort anzuhören. muß viele über sich ergehen lassen. Die Sorge über Ungeschehenes ist eine böse Krankheit. Für den, der nicht geschickt ist-, gibt es nichts Besseres als Geduld. Ein Narr ist leichter zu ertragen als ein halber Narr; das. heißt, ein Narr, der so tut, als sei er gebildet. Ein Mensch ohne Freunde ist wie Links ohne Rechts. Wenn dein Freund dir Unrecht tu, weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, hast du schon gewonnen. Hört er nicht auf dich, sage es ihm im Beisein Eines oder Zweier, daß sie die Worte hören. Hört er auch dann nicht, halte ihn für einen schlechten Freund. Der Weise sagte: Niemals habe ich jemanden zurechtgewiesen, der mir nicht den gleichen Dipetsf erwies. Ein Freund, der dir bei jedem Zusammensein unter vier Augen deine Fehler nennt, ist besser als ein Freund, der dir jedesmal ein Goldstück schenkt. Man soll nicht den zurechtweisen, der sich entschuldigt. U enn du jemanden zu deinem Gefährten machen willst, bringe ihn in Zorn. Wenn er auch im Zorn bei der Wahrheit bleibt, mache ihn zu deinem Gefährten; wenn nicht, verlaß ihn. Ich wundere mich über den, der mit seinem Geld Sklaven kauft, statt mit Wohltun freie Freunde zu erwerben. Wenn dich die Menschen mit etwas loben, was nicht in dir ist, sorge dich und freue dich nicht. W enn du siehst, daß jemand etwas Gutes über dich sagt, was du nicht besitzt, mißtraue ihm. Ein W eiser betet: Laß mich nicht die Schlechten nötig haben, und wenn ich eins von deinen Geschöpfen nötig haben 9 soll, sei es das beste von allen, die vornehmste Seele, die es gibt, der Mensch mit der besten Sprache, und nicht jemand, der mir seine Güte in die Erinnerung ruft Ein edler Mensch sagte zu seinen Freunden: Wenn ihr etwas von mir braucht, bittet mich nicht mündlich darum, denn ich möchte nicht sehen, wie ihr euch bei der Bitte schämt. Schreibt mir eure Wünsche in einem Brief! Für jede Feindschaft besteht die Möglich* keit, daß sie ihr Ende findet, nur nicht* wenn der Feind neidisch ist. n ' Von Schabbat su Schabbat L Sckabbat „B'midbar“, 4. Juni 1938 Die Wüste Das vierte Buch Moses führt den Namen „In der Wüste“. Die Wüstenwanderung ist von entscheidender Bedeutung für das Schicksal des Volkes Israel gewesen; denn das Leben in der Wüste nahm das Leben im Lande Palästina bereits vorweg. Die Organisation des Volkes Israel in der Wüste ist ein unvergleichbares Faktum in der Geschichte der Menschheit. In der Wüste entstand ein kleiner, geordneter Staat mit einem zentralen Heüigtum. Um das Heiligtum gruppierte sich geistig und räumlich das Volk. Die Wüste wurde so zu einer Vorstufe für das verheißene Land. 2. Schabbat „N««so“, 11. Juni 1935 Zwei extreme Menschentypen Diese Sidra zeichnet zwei Extremtypen: den Nasir, d. i. der Enthaltsame, ein Mensch, der auf Grund eines Gelübdes sich verschiedener Genüsse enthält. Und zum anderen die Sota, d. i. eine Frau, die ihrem Manne die Treue bricht. Nach der biblischen Vorschrift müssen beide — Nasir und Sota — ein Opfer darbringen. Beide Opfer sind Schuldopfer. Damit ist die Einstellung jüdischen Gesetzes zu beiden Typen klar gezeichnet. Beide werden abgelehnt. Der Weg des Juden ist ein „Weg der Mitte“, ein Weg des vernünftigen, geordneten, freudigen Lebens. 3. Schabbat „B'haalotcha“, 18. Juni 1938 Das Licht Es war die vornehmste Aufgabe des Priesters im alten Israel, das heilige Licht anzuzünden und den Leuchter zu ordnen. Die Priester waren zugleich Lehrer des Volkes und damit Verbreiter des „Lichtes der Tora“. In der jüdischen Symbolik spielt das Licht eine bedeutende Rolle. Es ist ein Sinnbild für die Seele, gemäß den Worten der Schrift: „Denn die Seele des Menschen ist ein göttliches Licht.“ Zum anderen ist das Licht Sinnbild der Lehre. Immer strebe die Seele des Menschen nach Vervollkommnung in der Lehre; denn das ist der Sinn idealen jüdischen Lebens. 4. Schabbat „Scbiach l’cha“, 25. Juni 1938 D a s G e b o t d e r „C h all a“ „Gott redete mit Mosche, wie folgt: Rede mit den Kindern Israel und sage ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, wohin ich euch bringen werde. Und wenn ihr von dem Brote des Landes esset, so sollt ihr dem Ewigen eine Hebe absondem; Eures Teiges Erstling, einen Kuchen sollt ihr als Hebe absondem; wie die Hebe von der Tenne, so sollt ihr sie absondem" — Von jedem Teige wird der erste Teil abgesondert und verbrannt. Ueber die Absonderung des Teiges spricht man einen Segensspruch. Um den Frauen die Möglichkeit zu geben, dieses Gebot zu erfüllen, ist es alter Brauch, am Rüsttage des Schabbat die Schabbatbrote selbst im Hause herzustellen. Daher tragen die Schabbatbrote in vielen Ländern auch den Namen „Challot". Kurt Klappholz. Der Hilf.vrrrin der Juden in Deutschland teilt folgendes mit: In letzter Zeit haben sich in Portagal gewisse Schwierigkeiten ergeben. Es muß deshalb allen jüdischen Auswanderern, die in dieses Land so gehen beabsichtigen, geraten werden, sich bald mit der örtlich zuständigen Beratungsstelle des Hilfsvereins in Verbindung zu setzen. DAS ECHO Von Arno Hersberg Es halte den ganzen Tag geschneit. Flocke am Flocke war aas dem trüben Zwielicht des Himmels in gemessenem Tempo auf die kahle Erde herabgefallen. Die weißen Kristalle tanzten in einem nie endenden Spiel in der verhangenen Luft herum. Das leichte Fächeln eines Windes ließ sie durcheinander wirbeln. Zentimeter um Zentimeter wuchs die weiße Schicht am Boden. Auf der Straße, wo die Briefmarken /FRITZ LEVIN BERLIN W35, LUTZOWSTRASftE 91 a Wagen fuhren, war eine schmutzig-weiße Masse. Auf den Gehsteigen war der Schnee hart getreten. Eine etwas erdfarbene Kruste hatte sich darüber gelegt und bildete eine Spur der Schritte. Jetzt am Abend streuten die schimmernden Laternen ihren Schein über die milchig-weiße Dämmerung. Der Mond stand am Himmel und goß sein Licht über die Dächer. Die Sterne funkelten in eisiger Klarheit. Der Schnee fiel nicht mehr. Es war eine klare Luft. Aber jedes Wort und jeder Hall war gedämpft, so wie es immer ist, wenn der Schnee liegt, und wenn die Abendschatten gefallen sind. „Es ist kalt“, sagte Ruth. Wir beschleii* nigtfen unseren Schritt. Wir rutschten ein wenig über die glatte Fläche des Schnees und machten eine kleine Schlidderpartie über jene Stellen, die der Schnee unberührt gelassen hatte. Wir freuten uns, daß wir das noch nicht verlernt hatten. Wir kamen gerade von Stunden, durch die die Worte eines Menschen hindurchgehallt Kalender für Juni Mi Juni 1 Siwan 2 Do n 2 99 3 Fr 99 3 99 4 [ScbawBOt Sbd 99 4 99 5 Btaidbir, Erew s‘g 99 5 99 6 1. T»| ScKawuot Mo 99 6 99 7 2. Tag Schawaot Di 99 7 99 8 Mi 99 8 9 Do 99 9 10 Fr 99 10 11 Sbd 99 11 99 12 Natto s,g 99 12 99 13 Mo 13 14 Di 14 15 Mi 15 16 Do 16 17 Fr 99 17 18 Sbd 99 18 99 19 B'haalotcha Stg 99 19 20 Mo 20 21 Di 99 21 22 Mi 22 23 Do 9t 23 24 Fr 99 24 99 25 Sbd 99 25 99 26 Sdrlaeh l'cba. s*g 99 26 27 Mo 27 28 Di 28 29 Mi 29 30 I.T. Roach Chodcacfc Do " 30 Tamus 1 IT. RotchChodesek

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