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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-06-01 · 6 (1.6.1938) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
6 (1.6.1938)
Date
1938-06-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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H.Jfcr0jNr.< Mdhriiii OMMkMtobtatt Mr dte »ywagogn-O«whid— In hwrtw/NorJJ«tmM«nd i. *mi i»n vie ein Kiingelzog der Biedermeierzeit. Ein seltener Genuß für des Auge, diese Serie zu I «trachten. Völlig abweichend vom Gewöhntm ist sodann ein Toravorhang aus Horn* 1 erg im Harz: die Flache ist hier in drei I iorizontale Streifen geteilt, deren Abgreni nagen ebenso wie die von Strahlenbiindeln \ tmgebenen Symbole im Mittelpunkt der 1 Felder durch breite Goldborten mit glitzernden Pailletten geliefert werden. Ueppigen Iichmuck trägt ein Vorhang aus Gersfeld i ■ der Rhön von 1728 mit dem abgeblaßten, ] »einahe wie Silber wirkenden Gold der i leliefstickerei und der Inschriftlettern — :r gehört dem „Gesamtarchiv der Juden in! Jeutschland*4, das sich mit dem Jüdischen . duseum zu der Ausstellung vereinigt hat. Der genannte Brit-Mila-Vorhang von därkitch-Friedland paßt nun vortrefflich zu ler schon früher dem Mnseum zngeführten ilteren Beschneidungsbank von 1772 aus lemselhen Ort. Ein Seitenstück zu diesem Ftokoko-Kultmöbel bildet der Empire-Mohelituhl aus Schneidemühl von 1842, der gleichfalls schon vorhanden war — es lauerte in früheren Zeiten feine Weile, bis »in Modegeschmack in eine Provinzecke kam, die nicht gerade an der großen Straße lag, und es dauerte noch länger, bis er sich ibgeschleift hatte: so vereinigt der SchneM*'- nühler Beschneidungsstuhl von der M des vorigen Jahrhunderts, eine vortreffliche Kunsttischlerleistung, noch sämtliche Schmuckmotive des längst überlebten aapoleonischen Stils. Von allen Seiten sind bemerkenswerte Neuigkeiten hinzugekommen. Von der Synagoge zu Schwerin a. d. Warthe, die. geschlossen wurde, gelangte eine Tafel mit Hochzeitsgebeten von 1827 nach Berlin, eine Tabulatur aus pergamentüberzogenem Holz mit hübsch geschnitztem Rahmen, der oben in der Mitte zwei zierliche Hände aufweist, deren eine der anderen den Trauring über den Finger zieht: da* Gerät trägt deutliche Spuren von Regen und Verwitterung, die daran erinnern, daß Trauungen früher, wenn irgend möglich, im Freien vollzogen wurden. Aus Ellrich im Harz wurde ein funkelnder Tora-Schild geborgen, aus Arnswalde euarf’ Spendenbüchse für die Juden in Jerusalem, au* B e e s k o w eine hölzerne Jad, aus Jar o t s c h i n eine ganz urtümlich dreinschauende hölzerne Mazzotstampfe — man glaubt ein Stück der Mühle vor sich zu sehen, die der geblendete Simson drehen mußte. Manche* kam aus D e m m i n in Pommern, als Geschenk der Gemeinde zu Stralsund. welche die Demminer Gegenstände imrnmi Synegognoelnrlehtung aas ScMnfliatt ‘ (Neumark). Entstehungszeit 1849. An den i Wanden befinden sich Gegenstände aus anderen Kleingemeinden. Aula. Abrat am nach Schließung der dortigen Synagoge übernommen hatte: drei Wandblaker und ein geradezu herrlich gearbeitetes bronzenes Waschgefäß mit Wandkanne. Andere Metallarbeiten sind in einer Vitrine vereinigt. Kostbare Silbersachen, wie die Rokoko-Garnituren von Waschgefäßen aus Fl 11 o w, von angewöhnlichem Kunstwert, die reizende Bsomimbüchse in Turmform aus Krotoschin, oder der mit sorgfältigen Gravierungen versehene kleine Kidduschbecher von 1799 aus der Synagoge von ToroscM Id aus Ellrich. Aufn. Abraham. Stralsund. Dazwischen liegt der bekannte Tora-Wimpel aus Segeberg in Holstein (1751), dessen naive Figurenmalereien ungemein aufschlußreich sind; er gehört dem „Gesamtarchiv*4. Zwei große Chanukka-Leuchter fallen auf. Der eine, dessen Lichtarme den Zickzacklinien des Blitzes nachgebildet sind, stammt aus Königsberg L P. Der andere ist ein ans mehrfachen Gründen beachtliche« Stück: wir haben hier einen handgearbeiteten Messinglenchter vor uns, gefertigt 1843 von dem Hofklempnermeister Lonis Engel m Bütsow in Mecklenburg, dessen Vorfahren nachweisbar seit 1680 als Klempnermeister am gleichen Ort tätig waren, ein immerhin nicht alltäglicher Fall (auah der Sohn Louis Engels, der jetzt im Alter von 88 Jahren in Berlin lebt, übte denselben Beruf aus) — merkwürdig ist aber ancb, daß diese großformatige Chanukkalampe verblüffend modern anmutet und bereits die schlanke Klarheit der Formbildung anstrebt, die unseren heutigen Kunstgewerblern, etwa Ludwig Wolpert in Jerusalem, vorschwebt. Eine andere Vitrine, mit Büchera gefüllt, ist ganz vom Gesamtarchiv beigesteuert worden. Sie umfaßt Druckwerke verschiedenster Art, behäbige Urkundenbände und kleine Gebetbücher, Memorbücher aut Thalmätsing und aus Rheinberg im Rheinland, Mohelbücher aus Strausberg, Koblenz und Bunzenhausen, Statuten einer jüdischen Krankeninstitution aus S t r e 1 i t z, schließlich empfindsame jüdische Stammbücher der Empire- und Biedermeierzeit, aus Frankfurt a. O. (1812), wiederum aus Märkisch-Friedland (1809) und aus Züllichau — Altäre der Freundschaft sind hineinaquarelliert, eine innig-sorgsam gepinselte Inschrift lautet: „Wandele auf Rosen. Dein Bruder Louis Man sieht, e« ist eine sehr große Zahl von Gemeinden, die mit ihren kleinen Heiligtümern an der Berliner Ausstellung beteiligt ist. Jede einzelne von ihnen hat etwas Eigenes zu sagen. Wieviel gläubiger Sinn und Ueberlieferungstreue sprechen überall! Man mochte wünschen, daß im ganzen Reichsgebiet an den Stellen, wo sich eine Auflösung oder Umstellung der Gemeinden als notwendig erweist, an diese Zufluchtsstätte des Berliner Jüdischen Museums gedacht wird. Der Gewinn ist ein doppelter: das Museum in der Hauptstadt selbst wird dadurch bereichert, und wir haben die Sicherheit, daß von diesen vielfachen, für die Geschichte der Juden in Deutschland in jedem Falle bedeutsamen Dingen nichts verloren geht. Dr. Maz Oiborn. Blick auf die Wirtschaft Der weltwirtschaftliche . Rückschlag kommt in der Entwicklung der Umsatzziffern des zwischenstaatlichen Güter-Austausche« im 1. Vierteljahr 1938 deutlich zur Auswirkung. Der Weltaußenhandel hat sich nämlich um 13 Prozent, wenn man die Wertziffern, oder um 12 Prozent, wenn man das Volumen zugrunde legt, verringert. Selbst wenn man berücksichtigt, daß dieser Rückgang des Außenhandels teilweise durch jahreszeitliche Einflüsse-za erklären Ist, so bleibt dennoch ein erheblicher Rückgang des Güteraustausches unverkennbar. Weitaus am stärksten war er in den Vereinigten Staaten von Amerika, deren Einfuhr um 23 Prozent abgenommen hat. Demgemäß weist die Ausfuhr der überseeischen Rohstoffländer ebenfalls eine beträchtliche Verminderung auf. Rein äußerlich scheint die gegenwärtige weltwirtschaftliche Lage derjenigen vor der letzten großen Weltdepression sehr ähnlich zu sein. Demgegenüber gibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ.) in ihrem Jahresbericht der Meinung Ausdruck, es sei diesmal eine raschere und allgemeinere Gesundung der Weltwirtschaft zu erwarten, als während der Krise der Jahre 1929 bis 1931. Diese Hoffnung gründet sich in erster Linie auf die Tatsache, daß noch niemals so ausgedehnte Versuche, die wirtschaftliche Entwicklung durch staatliche Maßnahmen zu beeinflussen, gemacht worden sind wie jetzt. Auch in mancher anderen Hinsicht scheint sich die heutige Lage der Weltwirtschaft doch von der des Jahres 1929 zu unterscheiden. Vor allem sind die W e 11 v o r * r ä t e an landwirtschaftlichen Erzeugnissen wesentlich geringer als damals. Die Rohstoffvorräte beginnen zwar offenbar za steigen, ihre Höhe gibt aber gegenwärtig kaum Anlaß zur Beunruhigung. Die Vertrauenskrise, die zur Zeit die Weltwirtschaft lähmt, beruht auf ganz anderen, in der Hauptsache auf außerwirtschaftlichen Ursachen. Wenn es aber gelingt, das erschütterte Vertrauen wieder herzustellen und neue, tragfähige Grundlagen für den internationalen Austausch von Gütern und Leistungen zu schaffen, so wird die Weltwirtschaft sehr schnell wieder den Weg nach oben einschlagen. ★ Die Weltkonjunktur wird gegenwärtig zweifellos am stärksten durch die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten beeinflußt, die durch einen klar erkennbaren Rückgang der Weltwirtscbaftstätigkeit und des Güterverbrauchs gekennzeichnet ist. Aber gerade dort hat bereits die Durchführung eines zweiten umfangreichen Ankurb elungsprogramms eingesetzt. Durch eine mit sehr bedeutenden staatlichen Geldmitteln finanzierte, großzügige produktive Arbeitslosenfürsorge soll versucht werden, die Zahl der Arbeitslosen, die gegenwärtig auf nahezu 12 Millionen geschätzt wird, erheblich zu verringern and den Güterverbrauch der Bevölkerung auf diese Weise wieder zu erhöhen. Daneben werden Anstrengungen gemacht, die amerikanische Ausfuhr, die sich schon in den ersten beiden Monaten des Jahres 1938 um mehr als 20 Prozent gehoben hat, weiter an steigern« Die systematische Förderung des amerikanischen Warenexports, die mit dem schon erwähnten Rückgang der Einfuhr nach den 4

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