Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 6 (1.6.1938)
- Date
- 1938-06-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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y* * M-JfcrflJNr.C <iwiliJihliH Mr 4t fytgogtii Qi tltdtw la I 1.MMN \ CUubeniuiduauQg hat ei Gott M'pepliat, damit Simaon an die Philister . «-hdtankommen und ihnen Schaden xufücen kann. Es ist nicht das einzige philistäische We«b, mit dem sich Simson verbindet, wie ja immer 1a Volkienählnngen der Kraftatrogende auch in der Liebe sich hervortut, jjnd doch swingt ihn die Liehe. In swei rillen sind Tränen der Franen und ihre Bezweiflung seiner Liebe AnlaB zur Offenbarung des Geheimnisses, das ihn umwittert. Damit wird zulefet auch sein bitteres Ende begründet. In einer Palästinensischen Urbeiterhächc Von Dr. Willy Cohn, Breslau Im Kibbua geht das Leben des einzelnen seinen in den Gesamtablsaf des Tages eingeordneten Gang. Aber man darf nicht vergessen, daS in den großen Städten von Eres Israel eine sehr erhebliche Zahl jüdischer Arbeiter im Hafen, in der Industrie, anf dem freien Arbeitsmarkt tätig ist, deren tägliches Leben auch eine Regelang verlangt. Aus ihrem Alltag wird meist weniger berichtet als wie aus dem Leben der jüdischen Siedlung. Die jüdische Arbeiterschaft hat sich in vorbildlicher Organisation eine Reihe von Einrichtungen geschaffen, die dem Arbeiter das Leben erleichtern und ihm einen starken Zusammenhalt geben. Wie jeder Arbeiter, so nimmt aneh der jüdische Arbeiter Palästinas sich anf seine Arbeitsstelle Essen und Trinken für die kleine Pause mit. Die Mittagsmablzeit aber nimmt er, wenn es sich zeitlich ermöglichen läBt, in einer Arbeiterküche ein, und von solch einer Arbeiterküche, wie sie in Haifa, aber auch in Jerusalem und Tel Aviv vorhanden ist, soll im folgenden die Rede sein. Der flüchtige Tourist, der bei dem Besuch der Städte vielleicht nur durch die eleganten Hauptstraßen pendelt, könnte leicht vergessen, daB im Grande unser junges jüdisches Land ein Land ist, in dem der Arbeiter dem Werden seine Prägung aufdrückt. Es ist um die Mittagstunde. Wir treten <n die Arbeiterküche ein und lösen an der Kasse gegen Zahlung von 5 Piaster eine Karte. Anf dieser Karte, die , selbstverständlich nur in hebräischer Sprache gedruckt ist, sind diese 5 Piaster in einzelne Wertabschnitte eingeteilt. Kein Arbeiter ist Verpflichtet, etwa den Gesamtbetrag auszugeben, das bedienende Mädchen markiert auf de| Karte, für welchen Betrag Speisen entnommen worden sind, der Rest wird gegen Rückgabe der Karte beim Verlassen des Speisesaals zurückerstattet. Damit entfällt die Notwendigkeit, während des Essens Geld in die Hand au nehmen; selbstverständlich ist es auch, daB niemals ein Trinkgeld oder Bediennngszuschlag angeboten oder angenommen wird. Und nun lasseg wir uns an einem dieser sauberen Tische nieder und studieren die Speisekarte. Ein nicht unerheblicher Teil der jüdischen Arbeiterschaft ist dem Vegetariertum unbedingt ergeben, dem auch die Speisekarte weitgehend Rechnung trägt. Wenn man daran denkt, in welcher Fülle das Land Gemüse darbietet, so kann man diese Abwendung von der fleischlichen Ernährung wohl verstehen. Gespräche ergaben, daB die nur mit Pflanzenkost ernährten Arbeiter in ihrer Arbeitsleistung durchaus nicht hinter den fleischessenden Arbeitskameraden zurüekstehen. Die vorbildlichen Kühleinrichtungen auch in der Arbeiterküche machen selbstverständlich auch bei der größten Hitze den FleischgennB unbedenklich. Man nimmt zwanglos an einem Tische Platz, nnd andere setzen sich an denselben Tisch. Da gibt es häufig über einen Punkt Differenzen. Der Tourist aus den Ländern des Westens im besonderen ist gewöhnt, wenn er sich an einem Tische niederläßt, die dort schon Sitzenden mit dem schönen FriedensgruB Schalom au begrüßen, und er wundert sieh, daB die anderen das nicht tun. Spricht man darüber mit ihnen, so hört man sie die Meinung vertreten, daß man erst dann Schalom au jemandem sagen könnte, wenn man wüßte, mit wem man es au tun hat und daB man nicht diesen Gruß durch au häufiges Anwenden entwerten möchte. Beobachtet man alle diese jungen Leute beim Essen, so bemerkt man wohl auf der einen Seite, wie sebr sie aus verschiedenen Ländern hierhergekommen sind, und man erkennt wohl auch, daB nicht jeder immer damit gerechnet haf, Arbeiter zu werden- Und doch sieht man, wie aus diesen Menschen, von denen vielleicht ein nicht unerheblicher Prozentsatz einmal ganz andere Zukuuftspläne gehabt hat, nun ein selbstbewußter, in sich ruhig verankerter palästinensischer Arbeiterstand erwächst. Hier sitzen keine Menschen, die sich „deplaciert“ fühlen, weil sie auf dem Bau oder im Hafen mit Schwerstarbeit beschäftigt sind, hier sitzen Menschen, die ihr bescheidenes Mittagsmahl in dem Bewußtsein zu sich nehmen, daß ihre Arbeit nicht den schlechtesten Teil des Aufbaues des Landes darstellt. Im übrigen ist es hier durchaus Stil, über diese Selbstverständlichkeiten nicht zu sprechen. Dzs, was draußen in den Ländern der Zerstreuung in der zionistischen Propsganda immer wieder gesagt werden muB, darüber schweigt man hier gern, und es ist den meisten Arbeitern geradezu peinlich, wenn von ihrer Arbeitsleistung, die uns oft heroisch anmutet, viel gesprochen wird. Es fällt einem auf, daB diese jungen Menschen in der kurzen Pause des Mittags von einem gewissen Ernst erfüllt sind. Ein junger palästinensischer Arbeiter schrieb einmal in einem Brief: „Es ist ein schweres Land**, und das merkt man auch, wenn man die Gesichter studiert. Es fehlt das Geräuschvolle, das man sonst zu kören gewöhnt ist, wenn so viele junge Menschen zusammen sind. Licht und freundlich sind diese groBen Räume der Arbeiteiküche in Haifa-Hadar- Hakarmel. Licht flutet zu den weiten, großen Fenstern herein. Freundlich, still und ruhig sind die Bedienerinnen, die ihre Arbeit als kameradschaftliche Leistung auffassen. Selbstverständlich ist jeglicher AlkoholgenuB verpönt. -Ein Trinkzwang besteht in keiner Weise; wer es will, holt sich eines der herrlichen Fruehtgetränke oder ein Glas Tee. So wie wir hier palästinensische Arbeiter haben sitzen sehen, ab haben wir sie auch in anderen Orten beobachtet. In der Arbeitskleidung sucht man in der kurzen Pause seinen Eßraum auf und verläßt ihn wohl mit dem Gefühl, nun auch den zweiten Teil der Tagesarbeit gut bewältigen au können. DaB die Arbeiterschaft auf diese Leistung besonders stolz ist, kann man verstehen. Man muß bei ihrer Wertung im Auge behalten, daB es sich im Grunde um eine junge Arbeiterschaft handelt, die noch nicht in ihren Kassen die groBen Geldrücklagen hat, die ältere Arbeiterschaften durch jahrelange Ansammlung ihrer Beiträge besitzen. Gerade die Einrichtung der Arbeiterküchen trägt für die Gesunderhaltung der Arbeiterschaft in Palästina außerordentlich viel bei. Es sollte jeder Tourist wenigstens einmal in einer solchen Arbeiterküche sein Mittagsmahl eingenommen haben, um die Arbeitskamerzden hier in ihrer Muße kennen zu lernen und um einen Einblick zu tun, was das Wort bedeutet: Eres Israel haowedet, das arbeitende Erez Israel. Ans Meinen Jfldisdien Gemeinden \ Seit jeher hat gerade die Judenschaft kleiner Städte jüdische« Knnstgnt von reichem Umfang nnd besonderem Wert besessen und durch viele Jahrhunderte liebreich behütet. In ihren bescheidenen Tempeln trifft man häufig auf Kultgerät und Aussehmückungsstücke, auf historisch merkwürdige und künstlerisch reisvolle Arbeiten, wie sie die modernen Synagogen der großen Städte. kaum aufsuweisen haben. Zugleich haben sich in ihren Familien solche heiligen Dinge von Generation an Generation vererbt. Daneben ist es freilich auch früher vorgekommen, daß Srhätse dieser Art durch Unkenntnis oder Nachlässigkeit beiseitegestellt wurden und dann verschwunden sind. Heute aber, da die jüdische Bevölkerung in Deutschland so stark in Bewegung gekommen ist, manche Gemeinden sich aufgelöst haben oder sich in ihren gottesdienstlichen Raumen eine Beschränkung auferlegen mußten, geschieht es immer wieder, daß man auch beim besten Willen nicht mehr -in der Lage ist, den alten, pietätvoll gehegten Besitz zweckmäßig aufsubewahren. Um der Gefahr in begegnen, die dadurch entstanden ist, hat die Leitung dea Jüdischen Museums in Berlin eine Stelle geschaffen, wo alle diese Gegenstände sachkundige Betreuung finden. In kurzer Zeit hat bereits ein so starker Zustrom eingesetzt, daß Prof. Frans Landsberger, der Direktor der Kunstsammlung der Berliner Gemeinde, eine Aasstellung herrschten konnte, die den Titel trägt nAui kleinen jüdischen Gemeinden“. Diese Schau, ebenso wichtig wie interessant, hat gleich hei ihrer Eröffnung lebhafteste Aufmerksamkeit geweckt; die Besucher fühlen sich durch die Schönheit und Feinheit der dargebotenen knnstbandwerklieben Arbeit wie durch den Ausblick auf mannigfache Zusammenhänge, der sieh dabei öffnet. angexogen und überrascht. Der Synagogen^ saal des Museums mit dem spätklassisistischen, in iß und Gold blinkenden einstigen Inventar des Gotteshauses zu Schönfließ in der Mark Brandenburg — es kam als Schenkung des verstorbenen Sammlers Salli Kirschstein in Nikolassee bei Berlin hierher — ergibt einen vorzüglich passenden Rahmen der Ausstellung. Ihren schönsten Schmuck bildet eine Serie prächtiger Toravorbänge aus der Synagoge zu Märkisch-Friedland — von diesem Ort übersiedelte vor mehr als hundert Jahren die Familie Mas Liebermann nach Berlin. Immer wieder ist es erstaunlich, mit welcher Erfindungsgabe man bei diesen schützenden Verhüllungen der Thoraschreme ans Werk ging; so viele davon man auck zu Gesicht bekommt, der Eindruck ist immer ein anderer, die Wahl der Farben, die Verzierungen, die Technik der Stickerei, die Bortenumrahmung, die Anordnung der Teile, wobei Fragmente, oft nur Fetzen der verschiedenartigsten alten Gewebe geschickt verwendet wurden, das alles wechselt fortwährend. Die Märkisch-Friedländer-Sammlung stellt eine ehrwürdige Kollektion dar, die namentlich in erlesenen Farbensusam* menstellungen leuchtet. Da ist eine Tapisserie von 1824, gelber Brokat mit hellblauem Mitteieinsatz — eine andere von 1840, Grün mit Rot — ein Vorhang in edlem Blau, das durch die Zeit verschossen »st und so eine eigentümliche Patina angenommen hat, wieder mit rotem Mittelstück — ein vierter aus wundervollem dunkelblauen Samt, mit hell gestickten und bemalten Säulen, die die Inschrift flankieren — ein fünfter, aus verschiedenen Stoffresten bestehend, von einer fast heiteren Buntheit — ein sechster, 1845 gestiftet, für die Brit- Mila-Feier, aus roter Seide mit eifler rotgrün bestickten Blümchen horte, die aassieht s