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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-04-01 · 4 (1.4.1938) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
4 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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I 16. JfcrgJNr.4 Mditdiii OiaihidthlH ir dto tyi»|BgM 0<nlwdn i» hiilM/Moi6dirt«dilMid 1. April 19S6 sondere» Verständnis für alles das bezeigt, was mit jndiseher Kunst und Künstlern au* sammenhängt — das Letzte und Tiefste seines Wesens tritt immer dann leuchtend und warm hervor, wenn über das Schicksal von Kindern und Jngendlichen beraten wird. Den Alten, den Jungen und eilen hart arbeitenden jüdischen Menschen ein Vater — das ist Heinrich Stahl, in schwerster Zeit an der Spitse der größten jüdischen Gemeinde stehend, ihm gilt unser Dank und unser aufrichtiges, herzliches Wünschen! Rabbiner Dr. Esdielbadier Ein Jubiläum sieht ein andere» nach sich: berichteten wir vor einigen Wochen, daß 25 Jahre verstrichen seien, seit Dr. B a e c k als Rabbiner von Düsseldorf an die Berliner Gemeinde berufen wurde, so müssen wir nun heute berichten, daß vor ebenso langer Zeit sein Nachfolger an die Gemeinde Düsseldorf berufen wurde: Rabbiner Dr. Max Eichel* b a c h e r. Die Gemeinde Düsseldorf wird an diesem Tag ihren Gottesdienst festlich ausgestalten, des Jubilars mit herzlichen ■ Wünschen gedenken aber wird ein Kreis, der weit größer ist als der seiner engeren Gemeinde. Eschelbacher ist eine der begnadeten rabhinischen Persönlichkeiten, die gründlichste Allgemeinbildung und profundeste jüdische Gelehrsamkeit mit der Fähigkeit zu aktiver, lehens- und -Wirklichkeitsnaher Sozialarbeit verbinden. Wer einmal dies individuell geprägte Antlitz gesehen hat, weiß wie sich darin der Gelehrte, der Arbeiter, der Jude und der lebendige Mensch vereinigen. Max * Eschelbacher hat an dieser Stelle oft zu den Lesern unseres Blattes gesprochen; im Großen Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden ist uns sein lebendiges, stets aktivistisches, stets fruchtbares, stets nur um der Sache willen gesprochenes Wort unentbehrlich geworden. Wir beglückwünschen ihn und seine Gemeinde zu seinem Ehrentage und »wünschen, daß er mit seiner ungebrochenen Kraft noch lange tätig bleibe — wie bisher so fernerhin: zpm Segen Vieler. Die neue Marranen-Gemeinde und ihre Vorgeschichte lieber die Einweihung der neuen Synagoge in Oporto ist in der vorigen Nummer dieses Blattes ausführlich berichtet worden. Aber man darf sagen, daß weit über deu Kreis unserer Leserschaft hinaus die gesamte jüdische Öffentlichkeit in allen Ländern der Welt die Wiedereröffnung einer jüdischen Gemeinde in Portugal nach so vielen Jahrhunderten als ein Ereignis allerersten Ranges empfunden hat. Diesem Empfinden trug u. a. die Jüdische Gemeinde zu Berlin dadurch Rechnung, daß sie sich nicht mit den schriftlichen Berichten begnügte, sondern in der im Berliner Westen belegenen Synagoge „Friedenstempel“ einen Vortragsabend veranstaltete, zu dem die Gemeindemitglieder in ungewöhnlich großer Zahl zusammenströmten. Der erste Redner des Abends war der vielleicht gründlichste Kenner der Geschichte der Marranen, Professor Ismar E 1 b o g e n. Er schilderte zuerst, wie in Spanien nach dem Beginn der Verfolgungen und nach der gewaltsamen Bekehrung der Kampf gegen die Neuchristen einsetzte, so daß außer in Mallorca etwa um 1710 das Scheinchristentura in Spanien aufgelöst war. In Portugal dagegen verlief die Entwicklung zunächst anders. Der damalige König hatte den aus Spanien geflüchteten Juden zunächst die Tore des Landes geöffnet, nicht um sie aufzunehmen, sondern um ihnen die Möglichkeit des Weiterwanderns zu geben. Sein Nachfolger Manuel aber ließ durch ein Dekret die Juden des Landes verweisen, doch bevor diese Portugal verlassen konnten, führte er ihre Kinder der Taufe zu; schließlich wurden Zehntausende von Juden getauft. Etwa zwanzig Jahre hindurch lebten die Marranen in- Portugal nahezu unangefochten, aber allmählich setzte auch hier eine Gegenbewegung ein, bis schließlich auch die vordem auf Spanien beschränkt gebliebene Inquisition in Portugal eingeführt wurdet. Der Name Marranen ist ein Schimpfwort und bedeutet soviel wie „Schweinehund“; aber trotz aller Gefahren während der fast 200 Jahre dauernden Inquisitionhaben die Marranen ihr jüdisches Leben gesucht und mit bewundernswertem Stolz und Mut an ihrer Vergangenheit und ihrem Glauben festgehalten. Sie hielten Peßach- und Versöhnungsfest, und an Hand der lateinischen Bibel, da sie die hebräische nicht lesen konnten, wurden sie bibelfest in dem Glauben an das enge Verhältnis zwischen Gott und seinem Volke. Die Treue und Standhaftigkeit ist nun durch die Wiedergeburt einer jüdischen Gemeinde in Oporto und durch den Bau der Synagoge auf das schönste belohnt worden. Als zweiter Redner sprach R.-A. Dr. Alfred Klee (Berlin), der im Aufträge des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und der Reichsvertretung der Juden in Deutschland an der Einweihung der Synagoge in Oporto teilgenommen hat (vgl. das in der vorigen Nummer hier veröffentlichte Bild von der Einweihungsfeier). Dr. Klee erinnerte daran, daß die im Kol Nidre enthaltene Bitte um die Erlaubnis, gemeinsam -t«t- Am Rutfceeberg-Weifc, Zeichnung von Ludwig Schwerin r f . ‘ f mit Abtrünnigen zu beten, in Portugal bis heute ihre Bedeutung gehabt habe. Seit Bestehen der Synagoge in Lissabon erscheinen am Versöhnungstage zum Gottesdienst Marranen, die aus den Bergen heruntersteigen, um gemeinsam mit der Gemeinde den Versöhnungstag zu begehen. Nun ist die neugeweihte Synagoge in Oporto ein Symbol für das neüerwachende jüdische Leben der Marranen, die sich wieder offen zum Judentum bekennen. Der Mann, dem das neue Aufblühen jüdischen Geistes und die Wiederverbindung des Marranentums mit dem Judentum unserer Tage zu danken ist, ist der portugiesische Offizier Kapitän Barros Basto, der, selber Sproß einer alten Marranenfamilie, in den Norddistrikten Portugals eine Reihe jüdischer Betstuben und in Oporto eine Schule für Marranen errichtet hat, die ihrerseits wieder den jüdischen Gedanken zu den Marranen in den Dörfern und Weilern des Landes tragen. Die neue Synagoge in Oporto vereinigt alle Juden der Stadt; nach dem Ritus von Livorno beten Juden aus Deutschland, Ostjuden und Marranen, gemeinsam und lesen aus Tora-Rollen, die aus aller Welt stammen. Bei der Einweihungsfeier wurde von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eine noch zu diesem Zweck von dem inzwischen verewigten Rabbiner Freimann geweihte Tora-Rolle aus der Synagoge Heidereutergasse übergeben. Die Eingliederung der Marranen, so schloß Dr. Klee seinen z. T. durch Lichtbilder erläuterten Vortrag, ist ein Beweis für den Ewigkeitscharakter unserer Religion und unseres Volkstums; Palästina und Jerusalem sind den Marranen durch die Jahrhunderte bitterster Not und tiefsten Leids höchstes Ideal der Zukunft gewesen. Oberkantor N e u m a n n bereicherte den Abend stilvoll durch den Vortrag sefardischer Gesänge, und der Chor unter Chemjo W i n a w e r vollendete die künstlerische Abrundung der wohlgelungenen Veranstaltung, von der wir sicher sind, daß sie weit über Berlin hinaus das Interesse der jüdischen Allgemeinheit findet. das uttstm Die Wohnung-eines jüdischen Gemeindevorstehers im 15. Jahrhundert „Von außen war das Haus ein schwarzgrauer, moosiger Steinhaufen mit unregelmäßigen, verstaubten Fenstern, kaum wohnlich erscheinend. Ein achtzig Fuß langer, nur sparsam erleuchteter Gang mit nassen, schmutzigen Wänden führte zu einer halb verfallenen Wendeltreppe. Sobald man aber eine wohlverwahrte Pforte düs Hintergebäudes öffnete, trat man in ein Gemach, das mit Blumen freundlich geschmückt war und einen behaglichen Eindruck machte. An den Wänden war es mit fein poliertem Holze getäfelt und geziert mit bunten, wellenförmig verschlungenen Vorhängen und künstlichem Schnitzwerk. Es war der Haustempel, in dem der Sabbat begangen wurde. Ein wertvoller bunt-bilderreicher Teppich bedeckte den blank gescheuerten Boden, eitle brennendrote, feinwollige Decke den runden, auf vergoldeten Füßen ruhenden Tisch. Darüber schwebte, an glänzender Metallkette befestigt, der siebenarmige Leuchter, blinkend wie aus dem Gusse und aus sieben Lampen einen Lichtstrom aussendend. Der Festmahltisch war geschmückt mit schweren Bechern, ihn umstanden Stühle von hohen, goldverzierten Lehnen und Polstern von geschorenem Samt. In einer Nische lud das massiv silberne Waschbecken mit dem reichvergoldeten Hahne zu den gesetzlichen Handwaschungen ein, und feinstes Linnen, seidendurchwebt, trocknete die Hände. Bin meisterhaft eingelegter Eichentisch mit Blumengewinden 5

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