Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 4 (1.4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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1t. ÄrgjMr. 4 JMidii» Qfiiiidihlatt ffir di« lygiga« Oiniadiw In Frnngnn/MnrddnUchland 1. April mt gegen spiegelt Tabelle 2 die schon oben behandelten Verlagerungen hinsichtlich der Wanderungixiele deutlich wieder. Der höhere Anteil der Auswanderung nach Mittel- und Osteuropa, bei der es sich im wesentlichen um Rückwanderung handelt, dürfte zum Teil auf die erst im Berichtsquartal erfolgte Abstimmung mit der Haupt- Stelle für Wanderfürsorge (s. oben) zurückzuführen sein; das hieße also, daß hierin .Nachträge aus früheren Quartalen enthalten sind. Daneben aber ist zweifellos in der zweiten Hälfte des Jahres 1937 — u. a. im Zusammenhang mit dem Ablauf des Oberschlesienabkommens — eine Erhöhung der Rückwanderung eingetreten. Bei der Auswanderung nach Westeuropa muß berücksichtigt werden, daß es sich hier vielfach nur um eine Etappezur Ueberseewanderung handelt, deren Anteil mithin noch höher als ausgewiesen sein 3. Berufsgliederung der Auswanderung Berabfripfc Ob B. Lkis Del. 1937 w. | ns.{ •» Insgesamt 1937 m. | w. | m. | Kautlleate ■SIS 44 1882 2U «814 162 4788 2*5 Angestellte 291 177 448 81 MM 858; 1711 8,1 Handwerker SS4 M M V 1248 2481 14M 7,1 Gtbilla 28 1 27 •i 88| 5| M M Arbeiter 68 IS 99 u im 29 IM M *r*tr 94 S 72 u 28t St! 2M w Ssast fr. Benfe IM SS 2M s,J 7991 SM; IMS M H&ssaages teilte t 198 178 •p! 18 87« «8» M Laadwirtsrkaft M n 1«2 M 877! 115 782 8,7 Kinder, Scäiler. Stadestes 181 988 744< 1*1 18M 1417! 558» 14*6 Ebefr. o. Ben? — 1189 MM* -! 4M* 438»{ 282 SoMt., „ m SM 717 12,1 88»; lMt| Ml IM 2915 5661 ’ IM Iltis 99M21294 IM Aigiba 299 167 4S8 — 987 676; 1682 — lasgesaut I2M2 MM4 227M - *) Davon 610 (293 minol., 317 weibl.) io Begleitung der Eltern oder eines ElterateiU. *) Davon 894 in Begleitung des Mannes. dürfte. Innerhalb der Ueberseewanderung lag Palästina im letzten Vierteljahr 1937 infolge der Zertifikatschwierigkeiten besonders schwach; dagegen ist die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten, wie schon erwähnt, ständig im Steigen begriffen. Diese Steigerung bleibt allerdings fast ausschließlich auf die westlichen und südlichen Teile des Reiches beschränkt; östlich der Elbe bleibt der Anleil der Nordamerika-Auswanderung unter 15% der Gesamtauswanderung. — Die Argentinien - Auswanderung ist erst im letzten Quartal stark angestiegen: die umfangreichen und sorgfältigen Vorbereitungen der ICA zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland auf den ihr gehörigen Böden beginnen sich jetzt auszuwirken. — Schließlich ist der Anteil Australiens in den vier Quartalen von 0,8 Prozent über 1,0 Prozent und 1,1 Prozent auf 2,2 Prozent gestiegen und hat sich damit fast verdreifacht. Es kann an dieser Stelle nur die Erwartung ausgesprochen werden, daß auch in anderen britischen Dominien mit dünner Bevölkerung, wie z. B. in Kanada, sich entsprechende Einwanderungsmöglichkeiten erschließen lassen. 4. Altersgliederung der Auswanderung Jiii bis Seft 1937 Alter in Jahren Januar bis Jasi 1937 Okt. bis Der 1937 Issges. 1937 Per*. | •/» unter 6 6 bis vnter 14 14 20 20" „ 30 30 „ „ 40 40 45 45 „ „ 50 50 „ 65 65 Jahre and mehr ohne Angabe SIS 2*4 1 lfU4 586 / Imm SOS SSM I4M 2*12 1296 ««» 2t SM S28‘j 197 448 67» 124« 12S2 579 4M 792 IM X?14j M 488Sj IM 5274 24,6 «4 IM l«,7 21667 Insgesamt 81 «411 199,9 c *> J- (GemcmdebUt« t. J. I. 38,?;'J, ,,eh infolge eines Druckfehlers hier die Zahl 348. Die Tabellen 3—6 geben, wie üblich, einen Einblick in die innere Struktur der Auswanderung. Sie zeigen im allgemeinen eine gewisse Kontinuität. Im Altersaufbau läßt sich erfreulicherweise eine stetige Steigerung des Anteils der höheren Jahrgänge feststellen, für die die Auswanderungsmöglichkeiten naturgemäß schwieriger sind, die aber offenbar im Wege der Nachanforderung jetzt auch allmählich erfaßt werden. Damit einher geht die Erhöhung des An- 5. Familienstand der Auswanderer Paailies- Jassir bis Sepiemb.1937 Oktober bis Detemb.1937 Iasges. 1937 stand Per*. •/. Per*. */o Pers. % Ledis Verheiratet Verwitwet Geseh. o. getr. 841» SM2 715 288 51,5 4,4 1.8 2854 2664 287 92 58,8 «8,6 4,8 M 11884 9488 982 881 514 42,7 4,4 1.7 ohae Angabe 1882« 1M,9 4M; — 6M7 1S7 1994 22198 199,9 678 — Insgesamt 1(7(2 89M - 2Z7M — teils der Verheirateten von 40,9 Prozent im ersten auf 43,5 Prozent im letzten Quartal. Schließlich ist entsprechend der oben erwähnten Steigerung der Rückwanderung der Anteil der Ausländer und Staatenlosen größer geworden. 6. Staatsangehörigkeit der Auswanderer Staatsangehörigkeit Jaaoi Septem Per*. r bi* b. 193 7 °.o Oktobi Detern Pers. er bie [>.»937 ». Insges Pers. 1937 •/. Deutsche Pole» Staatenlose Sonstige Ausland. 12814 1887 748 788 79,8 11,1 44 »4 4M8 987 899 8M 75,2 IW *7 »,* 18967 2M4 1866 1182 77,9 IM 6,1 5,7 ohne Angabe 16248 1619 199,9 6875 829 1M4 29818 2148 IM,» Insgesamt 18782 - «994 - 22788 - Dem Jahr des Uebergangs, als das sich 1937 uns zeigt, wird in 1938 ein Jahr konzentrierter und systematischer Anstrengungen zur weiteren Steigerung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland gefolgt sein. Heinrich Stahl zu seinem 70. Geburtstag Im Schulchan Aruch (Orach Chajjim { 93, 4) gibt es einen Satz: „W er sich mit Gemeindeangelegenheiten befaßt, gleicht demjenigen, der die Glaubenslehre studier I.“ Der Sinn istklar: werToralernt, derverbreitet auch Tora, und wer durch Sorge für die Gemeinde das Tora-Lernen ermöglicht, der sorgt ebenfalls für Verbreitung der Tora und ist also dem Gelehrten gleichzuachten. Es ist nicht im Ueberschwange eines Festartikels — der zum Ernst der Zeit schlecht passen würde — sondern es geschieht aus dankerfüllter, aber absofut sachlicher Würdigung der Persönlichkeit von Heinrich Stahl, wenn wir aus Anlaß seines 70. Geburtstages am 13. April hier feststellen, daß das angeführte Wort auf ihn im vollsten Umfange zutrifft. Heinrich Stahl stammt aus einer kleinen jüdischen Gemeinde in der Nähe von Berlin. Seit Ende 1933 ist er der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, der größten Gemeinde unseres Landesverbandes, und da nun unsere Aufgabe vornehmlich in der Betreuung der kleinen Gemeinden besteht, so empfanden wir es stets als glückliche Fügung, daß der „Vater44 der Berliner Gemeinde als Kind einer Kleingemeinde immer ein besonders herzliches Verständnis für unsere Tätigkeit bewiesen und sie im Rahmen der Berliner Gemeindekörperschaften stets unterstützt hat. Den Titel eines „Vaters44 der Berliner Jüdischen Gemeinde hat er sich in einem ganz besonderen Sinne verdient. Er gehört zu den Männern, die aus angestammter Liebe zum Judentum und auf Grund ihrer Erziehung im Elternhause jahrzehntelang still und unsichtbar für die jüdische Gemeinschaft wirken, ohne nach außen in Erscheinung zu treten. Bis zum Jahre 1930 wußten nnr die Leute „vom Bau44, und auch die nicht alle, ilaß Heinrich Stahl nicht nur für Kifnst und Künstler, 'sondern auch für jüdische Altersheime ein ebenso stiller wie wirkungsvoller Schutzpatron war. Als er im Jahre 1930 infolge seiner^ Wahl in den Gemeindevorstand zum ersten Male in äußerlich erkennbarer Form in die Gemeindearbeit ein-, trat, war es wieder eine Kennzeichnung seiner Persönlichkeit, daß unter den ihm übertragenen Dezernaten sich vor allem das Jüdische Wohlfahrtsamt befand. Von diesem Platz aus rückte er im Dezember 1933 als Nachfolger von Direktor Kleemann zum V orsitsenden der Gemeinde auf. — Ge- Direkter Heinrich Stahl, Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Aufo. Sonnenfeld. wählt worden war Stahl seinerzeit auf der Liste der religiös-liberalen Partei, aber es entspricht nur seinem gütigen und wohlwollenden Wesen, daß er, der für die Nöte und Probleme eines jeden Herz und Ohr hat, sich sehr bald zu einer jüdischen Persönlichkeit von überparteilichem Charakter entwickelte. Er hatte in verhältnismäßig jungen Jahren Palästina bereist, nun sah er es 1935 wieder und war von der durch jüdische Pioniere geleisteten Aufbauarbeit so ehrlich begeistert, daß er in einer Reihe von Vorträgen das Gesehene schilderte und sich mit der ganzen ' Autorität des Vorsitzenden der größten jüdischen Gemeinde in Deutschland für das Paiästinawerk einsetzte — immer in dem Gedanken auch an die Zukunft unserer Jugend. Daran mag überhaupt hier erinnert sein: Höinrieh Stahl, der in allen jüdischen Körperschaften, deren Mitglied er ist, vor allem also auch in der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, stets seinen ganzen Menschen zur Verfügung stellt, und der auf Grund seiner ganzen Vergangenheit auch be- 4