Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-04-01 · 4 (1.4.1938) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
4 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/10279739-10021755-10021745--150-3981535
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1! «6-)br»/Nr.« Qgm«lnUefcln«l I >!■ hMta^h ji&tkai Gnatheil i. n. hrtk die ungeheure Armut 4e« größten Teile» 4er etwa 200000 Juden Österreich» neue schwierige Aufgaben gestellt. Ea gibt ein Glück, da» wehtut, und e» gibt Erschütterungen, die anletat doch tröitlick sind. Undurchbrechbar ist das gesckichtliebe Gesetz, das über deaa Sekiekaal der jüdieekea Geuteiuacbaft waltet. Die inner jüdischen und die außerjüdischen Geschehnisse dieser Zeit haben uns den Sinn dafür geschärft, da£ in allem Neuen doch nur längst verschüttete Vergangenheit in veränderten Formen wieder sum Leben surüekkehrt. Das ist im Grunde ein gut jüdisches Thema: Gott in der Geschichte. Nun rüsten wir uns — in* mitten all unseres Trennens und Losreißen» au neuer Wanderung — auf das Fest, an dem wir von unserer alten Wanderung lesen werden. Und das gibt uns die Gewißheit: auch wer heute noch nicht weiß, ob er kommenden Jahre m Jerusalem** oder wo sonst er sein wird, der darf dennoch in einem gana neuen Sinne bibelgläubig sein. Auch in der alten Peßach-Hagada lesen wir von den Erschütterungen einer durch äußeren Anlaß aufgenötigten Wanderung „anuß al-pi kaddibbur**, „er sog hinweg, geswungen durch göttlichen Befehl**. Was anderes könnte mit solchem Wort gemeint sein als diesm: daß die lenkende Hand der göttlichen Vorsehung, das über Israels Geschichte waltende Gesetz, keinen Zufall und keine Zufälligkeiten kennt, daß, wie es in einem bekannten Haggada- Kommentar andieser Stelle heißt, „manches, was uns schlimm erscheint, nur Vorbereitung ist au künftiger Erhebung**. Es gibt ein Glück, das wehtut. Und es gibt ein Weh, das führt sum Glück. Jüdische Auswanderung int Jahrel937 6. Bericht dmr MildMlMi für AviwcRid#fuviQt Quartal Oktober* Dezeaber 1937. — Von Max Birnbaum, Berlin Mit dem vevKegendew Bericht kann die Meldestelle sum ersten Male die statistische Erfassung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland für eia ganses Jahr absehließen. Das Jahr 1937 brachte tiefgehende Veränderungen der Auswandenmgsmöglichkeiten: Nachdem Südafrika Eiawandenmgsbcschränkungea erlassen' hatte, die einer Sperre nahrlromman. folgte Brasilien mit ähnlichen Maßnahmen und setate damit den verschiedenen Gruppenwanderungsprojekten, die diesm Land sum Ziel hatten, ein unerwartetes Ende. Gleichseitig erlitt die Einwanderung nach Palästina nicht nur durch die effektive Beschränkung der Zertifikate, sondern mehr noch durch die Ungewißheit der weiteren Entwicklung, die dem Peel-Bericht folgte, und die damit verbundene wirtschaftliche Stagnation eine empfindliche Einbuße. Es seugt für den starken Willen -der jüdischen Bevölkerung in Deutschland, die als notwendig erkannte Answanderung durchsuführen, daß trota all dieser Hemmnisse der Gesamtumfang der Auswanderung fast auf gleicher Höhe mit 1936 geblieben ist. Diesm Ergebnis konnte nur dadurch ersieh werden, daß es im Laufe des JahrM gelang, sur Kompensation der Ausfälle neue Immigrationsmöglichkeiten su erschließen. Neben der sum ersten Male nennenswerten und sich ständig steigernden Auswanderung nach Australien sind in diesem Zusammenhang die Ica-Auswanderungea nach Argentinien und die erweiterte Auswanderung nach Columbien ansuführeu. Vor allem aber hat sich auf Grund der vorhandenen verwandtschaftlichen Besiehungeu die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten erheblich gesteigert. Im einseinen werden weiter unten die Verlagerungen näher untersucht werden; im ganzen kann das Jahr 1937 als Jahr des Uehergangs bezeichnet werden; des Uebergangs auch hinsichtlich der inneren jüdischen Entwicklung in Deutschland: noch nie hat ein Jahr so im Zeichen der Auswanderung» Vorbereitung gestanden wie dieses. Die volle Auswirkung dieser inneren und äußeren Umstellung wird sieh erst in den kommenden Monaten zeigen, in denen auch wieder Palästina den ihm gebührenden Platz in der Gessmtauswanderung entnehmen wird. Bei der Erleichterung, die hier und in anderen Fällen der Kapitalisteneisiwsnderung gewährt wird, muß auf die gehebene Bedeutung des Transferprob]«us für die Steigerung der jüdischen Answanderung hingewiesen werden. Angesichts disper Vielfältigkeit der Wirkungsfaktorea, die die Auswanderung nach Richtung und Umfang bestimmen, ist es doppelt wichtig, daß alle an der Auswanderungsarbeit beteiligten centralen Organisationen laufend genaue zahlenmäßige Unterlagen über die Auswanderung erhalten. So 1. Auswanderung au« den Großgemeinden, Provinzen und Ländern^ Gebiet Zakl 4 vaaiei Jaa. Mt f’egt er A«*- er 1937 Ofct-ki* Oer. Um auwei im Jak Per» Batitfcraag le 1937 *0 Oitprenfleß MS «7 Mt M Bfiadtibuff iss 17 US M Pomaera IN M MS M Grtßzaurk St N 41 •X NiedcrsckL o. Bretlao n M Ml M ObcncUcut« m m MS U Prov. Sachsen m M MS •X Sckleswig-Holsfeia m 7 » M Prov. Haiia, o. Hub. m 7# HS A» Westfalen MS IM MS M HcbmB'Nmbbo« fU|- Bm. Kam«] M7 S» 7SS M HtMU-NßiUB, Rai** Box. Wi—bßdw, oUN Frankfurt i. M. S17 US 4M IX Rkeiaprov. okae Köla, Düsseldorf, Easea IM me UM M Prüf, okae GroBgem. MM am MM «W Berlin ms IBM* SWS «M Fraakfurt a. M. nu MS SSM Brtslaa nt IM SM M KAks aaa MS tMS M Düsseldorf M7 s* MS M Esaea 197 m SM IX Haaaorer m » US V Grofifca. ia PreuBea oon Ml INS» «M PreaSea ftßsat um mat MM7 MX Saartatnet u. Prsufeu aataacbl. Verblad« tn US «11 Land Heseen Mt MS IST» «X Hastet* sse SS S7S •X Laad Sach», o» Leipaig IN a S57 M Laipxlg SM 77 SSt IX Ml m UN Al Bayern4 UM 4M 177» »X Wlrttembert S7f IM 771 M Hackßckara- «.uaatit AasbÜdmagaatellea «7 » US UM Ustssant um MM* MN -e •) Daria 572 Nacbtrit»' aas früher«* Qaartalsa H37. •) Dar Haapttcd der Meldoatea Hr das latste Quartal stakt laidar noch aas. . ») Seit Jali 1S37 aas tachaiscbaa Gründen aar anvoUstfndit» MeMaagaa. *) Okae dis Meldungen aas dar Pfalz, di« biskar aoeh fahlaa. •| Darin'MO Nachfelds aas früharaa Qaartalsa, 1932. kommt den Festeteilungen der Meldestelle gerade in dieser Periode schneller und wechselnder Entwicklung erhöhte Bedeutang SU. Daher werden seitens der Meldestelle immer neue Bemühungen unternommen, um eine optimale Erfassung der jüdischen Eaaigration su ermöglichen; unter anderem wurde für das Jahr 1937 neben den regelmäßigen Abstimmungen mit dem Palästina-Amt und Hilfsverein noch eine Abstimmung mit den Unterlagen der in die Reichsvertretung eiagegliederten Hauptstelle für jüdische Wander-Fürsorge (Rückwanderung) vorgenommen. i Diese Abstimmung und zahlreiche . Nachtragameldungen aus Berlin haben dasu geführt, daß bn Bericbtsguartal Oktober/ Dezember 1937 insgesamt 880 Nachträge au» früheren Quartalen mita nage wiesen werden. Die Verteilung der Auswanderung nach Herkunftsländern ergibt sich im einaelnan aus Tabelle 1. Danach sind im Jahre 1937 insgesamt y 2 2 766 Meldungen registriert worden. VJn dieser Zahl sind allerdings 3524 Personen enthalten, die als „unbekannt** oder „auf Hessen“ verzogen gemeldet wurden. Liegt in der Hinzurechnung dieser Meldungen sur Auswanderung ein gewisser Unsicherheit»- Sektor, so muß andererseits berücksichtigt t^erdsn, daß leider auch noch nennenswerte Lücken des Meldewesens su verzeichnen sind: aus Hamburg können seit Juli 1937 die Meldungen nnr unvollständig erstattet werden; _ man wird hier mit mindestens 300 Mehraus Wanderern rechnen können; aus Düsseldorf fehlen noch fast alle Meldungen für das letzte Quartal, die voraussichtlich im nächsten Bericht als Nachtrag gebracht werden können; Dortmund kann regelmäßig nur einen Bruchteil der Auswanderer erfassen; schließlich hat die Pfalz leider als einziges Gebiet das Meldewesen bisher nicht eingeführt. Zn berücksichtigen ist weiter, daß verschiedene Großgemeinden von den Auswanderungen sum Teil erst mit erheblicher Verspätung erfahren, und daß deshalb für das Jahr 1937 noch mit etwa 600 bis 1000 Nachtragsmeldungen gerechnet werden kann, während in der Gesamtzahl nur rund 400 Nachträge aus 1936 enthalten sind. Setzt man schließlich die unvermeidlichen Lücken jedes freiwilligen Melde- ’wesens in Rechnung, so wird man bet vorsichtiger Schätzung für das Jahr 1937 mit einer jüdischen Gesamtauswanderung aus Deutsch- 2. Auswarvderungsziel« Jan. bis Oktbis Insgesamt Aaawandenmgnlel SeptlMT Des. U8T 1937 Pers. 7t Per». 7t Per*. 7t Westeuropa Mitte- 9. Nordeorop. [Oeeterreick. ItaL, uagara, Sckweix, Tsckeckoelowskei, S» t«4 TM iAI Al MM IA» A» USO 8.4 SM Oit- «. S4do»tearop. 4M •4 TH A< MB M Paliatisn MSI 1AS 419 Al -"3 *M Soastiies Asien M Sbl S AI M sss A* M V 447 M Sonstige* Afrika SS 4MSj tt AI m 71 MM M *M Argentinien CM7 »4 Brasftfea MSI AI M Al 9M M M AI So ästig es Amerika/ Mn Al Mi AI am M Aastraliea «ad sonstige Uebereee US U tu A> MX IX 1SSC1 10M UM UM tSMft um Aoslandshicbarkara „sabekaaat” oder 141 - n US — „aaf Reisea** akgeaaeldet -r SM MM - hifcuat um - — — 3<T» *e\ land von etwa 23 500 Personen rechnen können. Der Anteil der einzelnen Herkunftsgebiete an der Auswanderung ist im lotsten Quartal fast unverändert geblieben. Da- 5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.