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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-04-01 · 4 (1.4.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
4 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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H.Jh*»/Mr.4 CmmWiWM Nr dk Gemeinden In «. April mt geschickte ackt besitzen, mfen 4a* S4idutl Ti«l«r Wirtsvölker aiterlod«, Tide Kaltarea miterleben, langsam erloschen. Daran nennen sie aaBer einer göttüeben Lehre, die sie aatgättlickt kaltem, aa eiels nickt asekr am sie kemähea aa müssen, knltnrell aichts ikr Eigen, nickt* ikre jüdische Wirklichkeit, daraal wollen sie nickt« tob einer Messias-Verheißung wissen, in später Zeit einmal, wie früher, ein eigenes Land, eine eigene Kultur au besitzen und eine eigene Ges«hi«hte aa erleben, und darum klammern sie sich am so fester aa fremde Kulturen, an fremde Erfahrung und Erinnerung und an fremde Zukunft und verleugnen alle* Jüdische, weil es ihnen eine Scheidewand scheint, die sie hindert, sich als Gegenwartsmenscken auszuleben, und darum ist es ihnen auch jetat, da die Wirtsvölker sich wehren, sie an ihrer Kultur teilnehmen au lassen, nicht möglich, in dem Aufbauwillen eines jüdischen Volkslebens in Eres Jisrael die Sichtbarwerdung jüdischer Wirklichkeit au sehen, obwohl die gesamte Kulturwelt voll Bewunderung auf dieses Werk jüdischen Fleißes and jüdischer Intelligena hinblickt. Sie stehen — wie gesagt — mit leeren Händen und ratlos am Wege, der ihre Kinder au dieser Zukunftswirklichkeit fährt. Nach der Bewegung an urteilen, die der Zionismus in Deutschland innerhalb der Jugend aasgelöst hat, scheint diese im Gegensata aa ihren Eltern die jüdische Wirklichkeit bis weit in die Zukunft hinein erkannt zu haben und gewillt aa sein, ihr Leben danach einaarichten. Wenn man aber unter ihr weilt, um sie ein Stück Weges aum Ziele hin an begleiten, muß man sehr bald enttäuscht erkennen, daß auch sie sich der jüdischen Wirklichkeit nicht bewußt ist. Wohl hat sie eines vor den Alten voran«: Die Tat Erea Jisraels; die Idee Erea Jisrael aber, das Wirken, das notwendig ist, um die jüdische Wirklichkeit an* dem 2000jährigen Sehnsuchtstraum aa erlösen, fehlt ihr völlig; ebenso wie ihre Eltern glaubt im Grunde diese Jugend nicht oder denkt nicht an eine spezifisch jüdisch-kulturelle Mission. Sie schleppt die erprobte Knltar des Wirtsvolkes mit in die neue Heimat hinüber, um sich dort wie „zu Hanse1* zu fühlen. So ist das, was in Eres Jisrael aufgebaut wird, wohl sichtbar jüdische Tat, die Kräfte aber, die da wirksam sind, entspringen keiner einheitlith sichtbar geistigen Idee, die erst das Zusammenleben von Menschen sinnvoll und sielbaft macht und dem leicht auseinanderbrechend Zufälligen enthebt. Man wird den Eindruck nickt los, auch hier bereits in den Hachscbara-St eilen nickt, wenn man die jüdische Jugend bei der Arbeit sieht, daß diese sich nar au einer Scbicksalsgemeinschaft zusammengefunden hat, za ein an der getrieben durch «las politische Gesritter, das um sie hertun tobt. Nur die Disziplin gesellschaftlicher oder genossenschaftlicher Unterordnung einigt sie, nickt aber die Idee einer jüdischen Wirklichkeit, wie sie ans ausdem Geistesgut oder dem überlieferten Gebrauehatum unserer Vorväter noch heute lebendig and verpflichtend entgegenleuchtet. Wohl leben wir, nach Seheier, im Zeitalter des „Kultarausgleichs1*. Und doch ist letzten Endes jedes Volk organischer Träger der ihm ureigenen Kulturkraft, and wo diese fehlt, ist eben kein Volk vorhanden and kann keines entstehen. Und ansere Jagend, die berufen wäre, wieder ein Volk zu werden, hat — wenigstens der größte Teil von ihr — z. T. auch durch die Schuld ihrer Eltern und Lehrer keine Wirklichkeit vor ahh, die ihr «len Halt gibt, im Leben aa bestehen; denn die Kluft swischen der Welt des Aufbaus und der Glaubenswelt der Vergangenheit, die wie eine nicht zu entfernende Patina die Landschaft Palästinas überglänzt, ist erschreckend groß. Die jüdische Wirklichkeit aber, das waa dem Volke als Aufgabe van Anfang an gegeben ward und waa ihm ainst and jotat überhaupt erst die Daseinsberechtigung gab and gibt, ist das Darleben einer einzigartigen Glaubenskultur. Der Midrasch sagt: „Als unser Vater Jaakew den Traum von der Himmelsleiter träumte, lag er nicht nur auf einem kleinen Landstrich Erea Jisraels, sondern Gott hatte das ganze Land zusammengefaltet unser sein Haupt gelegt. Darum heißt es: Das Land, auf dem du ruhst, werde ich dir und deinen Nachfahren geben.1* „Der heutige Chaluz träumt vom Land and nar von dem Land, er hat meist nidst gelernt, auch vom Himmel au träumen und auf seiner Erde die Pforte zum Himmel zu entdecken.1* (Rabb. Dr. Altmann a. a. O.) Und damit iat die Wunde kloßgelegt, die das Dasein des heutigen Judentums so schmerzvoll macht, der Schnitt aufgezeigt, der die Schicksalsfäden von Eltern au ihren Kindern zerriß nnd die Erwachsenen verurteilt, mit leeren Händen ratlos an dem Wege zu stehen, der ihre Kinder von der engen Schulstube fort in die weite unübersehbare Wirklichkeit führt. I«h weiß, daß diese Feststellung von sehr vielen modernen Juden ab gegenwartsfremd and rückwärtsgerichtet, ja vielleicht sogar als unwahr abgelehnt wir«L Dabei scheinen diese aber au vergessen, daß sie dann alle Kulturnationen der Erde als rückwärtsgerichtet und gegenwartsfremd verurteilen müßten; denn wo gibt es eine Nation, «lie ihre Kultur und ihre Zukunft trotz allen „Kulturausgleichs1* nicht auf Ueberlieferung und Geschichte aufbaute? Wo gibt es eine Nation, die zu sagen wagt: „Ich erkenne kein^Wergangenheit meines Volkes an, ich baue aus Die Entwicklung der Jugend-Alija Aata. Abraham meiner Zeit heraus und nur aus der Tendenz meiner Zeit heraus eine neue Wirklichkeit auf?** Selbst die radikalsten Völker vermögen dies nicht. Und ebenso müssen wir Juden endlich wieder wie ein selbst- und verantwortungsbewußtes von seiner Erdenmisaion erfülltes Volk bandeln lernen, um uns eine neue Wirklichkeit aut den Trümmern einer hohlen auf Sand gebauten satammengestürzten Vergangenheit au gestalten. Wenn dann die Eltern ihre Kinder in die Zukunft entlassen, werden sie das beruhigende Bewußtsein m ihr vereinsamtes Heim zurückträgen, daß sie von ihren Kindern nicht ratlos und mit leeren Händen Abschied nahmen, sondern ihnen ab heiligste« Gut die Tradition ihre« Volkes mit in die neue Wirklichkeit hinübergaben, nnd daß also kein Schicksalsfaden zwischen ihnen zerrissen ist und sich daa Gotteswort erfüllen wird, das durch Jesaia verkündet ward: „Und dein Volk — Fromme sind sie allesamt, für ewig werden sie das Land in Besiu nehmen; es ist meiner Pflanzung Sproß, meiner Hände Werk zur Verherrlichung. Der Kleinste wird au einem Tausend, und der Jüngste zu einem mächtigen Volk!1* (Kap. 60, 21/22). OiiliUiMtf JUu*d (Fortsetzung von Sci'e 1) falb hat der Ktilonialminister Oruiky- Gore erklärt, daß die Regierung an der Durchführung der Teilung festhalte. Während abdr alle diese Dinge zur Hauptsache — wenigstens jetzt noch — nur Gegenstand von Beratungen sind, ist wenigstens eine feststehende Tatsache au verzeichnen, das sind die inzwischen bekanntgegebenen Einwanderungsbedingungen für April bb September 193S: 2000 Kapitalisten-, 1000 Arbeiter-Zertifikate und keine zahlenmäßige Beschränkung für direkte Angehörige und für ausaubildende Jugend. Jedermann wird verstehesL, daß gerade diese leiste Bestimmung ein allerer freulidist es Positivem bedeutet, daa unserer noch hier befindlichen Jugend unerwartete Möglichkeiten bietet. Nicht einverstanden dagegen wird man vom jüdischen Standpunkt ans mit der schon im vorigen Halbjahr gültig gewesenen und nun wieder erneuerten Anweisung an den High Commissioner sein, die Einwanderung nach der politischen Höchstgrenze zu regulieren, wodurch die immer noch terrorisierenden Elemente unter den Arabern au neuen Taten ermutigt werden; mH allen jüdischen Stellen sind wir der Meinung, daß die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit der Gesichtspunkt für die Einwanderungsregulierung sein müßte. Die unbegrenzte Zulassung für auszubildende Jugend nach Palästina kann ‘ sich nicht nur für uns bisher sehon in Deutschland lebenden Juden segenvoll auswirken, sondern die darin liegenden Möglichkeiten werden zweifellos auch von denjenigen Juden in Anspruch genommen werden, die bisher nicht der Schicksalsgemeinschaft der in Deutschland lebenden Juden angehörten: in Oesterreich. So sind auch diese in die eine, alle Juden in allen Ländern umfassende Scbicksalsgemeinschaft einbezogen. Wir fühlen «lie materiellen und seelischen Erschütterungen dieses Wandels aus tiefster Seele mit; aber wir wissen auch, daß zuletzt und zutiefst ein ungeheurer Trost in der undurchbrechbaren Gesetzmäßigkeit liegt, in der die einheitliche jüdische Geschichte in ällen Ländern und in allen Zeiten — vergangenen und zukünftigen — sich abspielt. Noch wissen wir nickt, auf welchem Wege die organisatorische 7im«mmrn*rhiirBnng der Juden und der jüdischen Gemeinden in Oesterreich mit den jüdischen Ceusetudeverbinden und Körperschaften des bisherigen Reichsgebietes sich volbiehen wird. Nur so viel können wir sagest, daß das bisher vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden nnd den übrigen mit ihm vereinigten Jüdischen Landesverbia« den Nordnnd Mitteldeutschlands angestrebte Ziel, angesichts des einheitlichen Schicksab aller Juden in Deutschland auch für die jüdische Gemeindearbeit die einzelnen deutschen Laudesgrenxen an überwinden, durch die neueste Entwicklung ungeahnten Auftrieb erhalten bat. Im übrigen sind der 2

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