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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-03-01 · 3 (1.3.1938) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
3 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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14. Jhrg^Mt. S Mdhrtw ft*a»lnd«bhm Hir di* »ygogm OwnlidM I« >mln/llwdd«rtirtilMd I.KMrx im / hohen Stargagen. ’ Die Reichsvertretung brauchte «ich (wenigstens dieses Mal) nicht die Haare au raufen, denn weder Stars, noch die dasugehörigen Gagen gibt es im „Schaffenden Willen“, Menschen wie du und ich sind hier die Akteure, d. h. Menschen des Alltags in ihrer gewohnten Umgebung, und ihre Kunst besteht darin, nicht die Stute, lieB sich nicht filmen, war so lange scheu, bis sie schließlich scheute und davonrannte. Alles andere Getier hingegen ignorierte die Filmleute völlig, auch die Hähne nahmen keine Notiz von ihnen, pünktlichst genau um 5 Uhr früh ertönte ihr Weckruf. Viehfütterung und Milchwirtschaft konnten Die Eßtafel wird gefilmt Aufo Sonnenfeld. künstlich zu sein. Das ist leichter gesagt als getan, denn die meisten Menschen verlieren ihre Natürlichkeit, wenn sie sich beobachtet fühlen, und ihre Bewegungen werden gekünstelt, wenn sie das Auge der Filmkamera auf sich gerichtet sehen. Um also keine „gestellt“ wirkenden Aufnahmen zu erhalten, ist es die schwierige Aufgabe für Kameramann und Spielleiter, gewissermaßen unsichtbar zu bleiben. Doch wie bleibt man unsichtbar, wenn die Ankunft einer ganzen „Film-Expedition“ beispielsweise im Landwerk Neuendorf (wo ein großer Teil der Aufnahmen gedreht wurde) eine solche Sensation unter der Belegschaft hervorruft, daß man meisten könnte, Lubitsch selbst sei in Neuendorf eingetroffen? Und nun wirklich lebendige, ungezwungene Aufnahmen zu erwischen, bediente tnan sich der seltsamsten Mittel. (So sei hier den inzwischen Gefilmten verraten, daß nicht alles filmt, was schnurrt; wenn also auch das Federwerk der Filmkamera lief, so war das mitunter „Blindlauf“, und gerade dann, wenn Ihr Euch besondere Mühe gegeben habt, wurde oft gefintet,- stattdessj-n vor- oder nachher gefilmt, wenn Eure Mimik „normal“ war.) So kam es vor, daß der Kameramann Deckung nahm hinter einem Misthaufen, und, um eine bessere „Einstellung“ zu erhalten, nahm er auch Platz in demselben. So wurde die entfesselte Kamera mal überhaupt nicht sichtbar, dann wieder auf dem Dach des Wirtschaftsgebäudes, mal in einer Erdgrube oder getarnt auf einem Baum und einmal sogar in erfrorenem Zustande. Es war so kalt, daß das Federwerk tatsächlich einmal einfror. Trotzdem gab es heißes Blut: ein Stier schien nicht gut gelaunt, was er dadurch zart andeutete, daß er wild mit rollenden Augen auf den Kameramann losstürmte. Wie ganz anders war doch Erna; Erna war sanft und scheu. Wenn sie die Filmleute sah, machte sie einen großen Bogen und um den -Kameramann noch einmal extra einen. Erna, auf diese Weise bereits in der Morgendämmerung gefilmt werden, so daß 50 „Meter“ Melken und 30 „Meter“ Hühnerfüttern gedreht waren, bevor noch die Belegschaft an der Frühstiickstafel saß, die ja auch. schon wieder gefilmt werden mußte. Frühmorgens ist man schlecht gelaunt — sobald aber die Scheinwerfer aufflammten und die Jupiterlampen den Eßsaal erhellten, erhellten sich auch alle Mienen, und alle Gesichter machten „recht freundlich“. Nur nicht die Filmleute, denn die müssen wieder weiter zu den einzelnen Arbeitsstätten, um die Umschichtler bei ihrer Arbeit zu treffen. „Umsrhichten heißt zupacken“, so lautet ein Zwischentitel des “V Der Film wird geschnitten und geklebt Aula. Soanealeld. Films, ein anderer: „Auch Mädchen und Frauen yerden ausgebildet! Sie lernen all das, was eine Siedlerfrau auf sich seihst gestellt können muß“. Wir erfahren also, daß auch die Mädchen zupacken müssen. Der theoretische und Sprach-Unterricht wurde leider nicht tonfilmisch erfaßt, sonst könnten wir erfahren, was z. B. Mistbeet auf englisch, spanisch oder auf hebräisch heißt. Nun soll sich dieser Film natürlich nicht nur darauf beschränken, die Berufsausbildung und Umschichtung aufzuzeigen, die ja bekanntlich nur einen Teil des Gesamt- Schaffens der Reichsvertretung bildet, sondern es wird auch an Hand von graphischen Darstellungen ein Gesamtüberblick über deren umfangreiches Aufgabengebiet ge- **igt- (Es ist ferner beabsichtigt, einen Zyklus von Filmberichten zu schaffen, wodurch also der jetzt fertiggestellte Film seine Fortsetzung finden würde mit den Themen „Wanderung“, -„Altersfürsorge“). Nachdem die Außenaufnahmen beendet waren, gingen die Filmleute ins Atelier, um den Film zu bearbeiten. Auf dem sogenannten „Tricktisch“ liegen bereits die graphischen Darstellungen und Zwischentitel. Ein wichtiger Mann tritt in Funktion: in der einen Hand_eine Schere, in der anderen die Klebepresse, klebt er mit der linken Hand wieder zusammen, was er mit der rechten zerschnitt. Unwichtige und zu lang ausgebaute Szenen werden herausgenommen; auf diese Weise wird der Film immer kürzer, worin bekanntlich die Würze liegen toll. Endlich ist es so weit. Der Film wird in seiner endgültigen Fassung vorbesichtigt und begutachtet und dann der jüdischen Oeffentlichkeit vorgeführt. Und nun erleben wir es mit: Juden werden Bauern und Handwerker“, und: Jüdische Jugend schmiedet ihre Zukunft selbst“. Mit diesen Worten schließt der erste Film der Reichsvertretung. Herbert Sonnenfeld. uhmtt ¥ui$dfttiic „LeriWn" Jn jeder Gemeinde hielt man Lehranstalten. Den Vorstehern gab, man großes Gehalt, damit sie sich ohne Sorge den Studien hingeben können und die Tora ihre einzige Beschäftigung sei. Jede Gemeinde unterstützte die jungen Bachurim (Studierenden) und reichte ihnen allwöchentlich eine bestimmte Summe, damit sie lernen können. Für jeden Bachur hielten sie ■ zwei Knaben, die bei ihm Unterricht nahmen und denen er auswendig mitteilte, was er gelernt hatte. Den Knaben reichten sie ihren Bedarf aus verschiedenen Büchsen. Jeder Vorsteher hatte einen Diener, der täglich alle Studienzimmer besuchte. Er ermahnte die Knaben, die ganze Woche zu lernen und sich nicht auf der Straße herumzutreiben. An jedem Donnerstag mußten alle Knaben vereinigt zu dem Gab bai (Gemeindevorsteher) gehen, der das Studium der Lehre überwachte. Er prüfte sie über das, was sie in der Woche gelernt hatten. Wer nichts ßon dem Gelernten wußte oder wer sich auch nur einmal irrte, wurde von dem Diener auf Anordnung des Vorstehers mit großen Ruten geschlagen und in Gegenwart aller übrigen Knaben noch auf andere Weise beschämt. Am Freitag gingen alle Knaben DAS SPEZIALHAUS für Stoffe Wäsche Kleidung Teppiche Gardinen •Möbel A US RÜSTUNG FÜR PALÄSTINA UND ÜBERSEE Sdiriftlidu Anfragen an di* Übers**-Abteilung BERLIN Ca - SPAN DAUER STRASSE KONIGSTRASSB 5

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