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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-03-01 · 3 (1.3.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
3 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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1(.lhrg7Ni.l la Prid»«/Il»iddi»tic>h«il UMn im zu dem Lehrhausvorsteher, damit auch er sie prüfe. Drei Tage vor Schauruot oder an Chanukka erhielten die Knaben für das fleißige Lernen bestimmte Geldgeschenke.“ Dt. Hilde Ottenheimer. (Aus der Chronik „Ewen Mezulla“ des Natan Hannover.) Tffrff ifrffaiff Mit Artbur Eloesser, der Mitte Februar arhtuudsechzigjährig starb, ist ei«er der geistvollsten, kenntnisreichsten und schaffensfreudigsten Kopfe des in Berlin aufgesachdenra geistigen Judentums dahingegen* gen. Er war eine seltene Synthese von bedeutendem Gelehrten, scharfsinnigem Kritiker und — last not least — wirklichem Dichter. Als Gelehrter hat er eine ganze Reihe von Werken geschaffen, die ihn überdauern und seinen Namen noch kommenden Generationen vertraut machen werden. Einer in Berlin eingesessenen jüdischen Familie entstammend, in der Gegend des Alexanderplatzes geboren, wandte er sich alsbald nach Beendigung seiner Stodien der Literatur zu, war einer der begabtesten Schüler des Scberer’schen Seminars an der Berliner Universität und schrieb schon in jungen Jahren seine verschiedenen, bekannt gewordenen Bücher über Theater- und •Schauspielergeschichte. Der gereifte Mann ließ dann seine umfangreiche, zweibändige Literaturgeschichte erscheinen; es ist die „Literaturgeschichte des Wesentlichen44, die Darstellung der Dichtkunst als Persönlichkeitsbesitz, die große Rechenschaft der letzten Generation über die „ewigen Werte44, Von einschneidender Bedeutung für sehr viele jüdische Steuerpflichtige sind die ’Aenderungen des Einkommensteuergesetzes vom 1, Februar 1938 (Reichsgesetxblatt I S. 99/104). Im § 32, Ziffer 3 des neuen Gesetzes wird bestimmt, daß für Kinder. die Juden sind, Kinderermäßigungen nicht mehr gewahrt werden. Demgemäß kommen die Kinderermäßigungen für jüdische Kinder sowohl bei der veranlagten Einkommensteuer wie beim L o h n - Steuerabzug mit Wirkung vom 1. Januar 1938 ab in Wegfall. Die neue Bestimmung trifft auch diejenigen verwitweten oder geschiedenen Minner, die das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wenn aus ihrer Ehe jüdische Kinder hervorgegangen sind, und ebenso Frauen, die verwitwet oder geschieden sind, das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet und jüdische Kinder geboren haben. Sie werden nach den Vorihre kritische Scheidung von dem nur Zeitbedingten. AI« Kritiker hat EJoesser fast dreißig Jahre lefg als Theaterreferent gewirkt, ein kluger und gerechter Richter, „Speere werfend und die Götter ehrend44, wie er schersend von sich selbst sagte; aber seine eifernde Liebe zu allem Großen und Schönen trat stirker und häufiger hervor als mitunter sich äußernde Ablehnung, und die «nrnJIirh liebevollen Studieü und Bücher über Josef Kains, Elisabeth Bergner und manche aderen großen Künstler und Dichter legen beredtes Zeugnis von der außerordentlichen Begeisterungsfähigkeit dieses bei aller Spottlust im Grunde gütigen Menschen ab. Fast ist aber Eloessers weitausgedehntes wissenschaftliches und kritisches Schaffen sein Dichtertum zu kurz gekommen; allein in seinem wundervollen Erinnerungswerk „Die Straße meiner Jugend44, diesen autobiographischen Berliner Skizzen, ist er ganz und gar Poet, der seiner Zeit und allem mit ihm verbundenen Streben, Sehnen und Traumen ein dauerndes Denkmal setzte. ln den letzten Jahren hat sich Eloesser viel mit dem Judentum, an dem er Zeit seines Lebens hing, beschäftigt; er hielt im „Jüdischen Kulturbund44 vielbeachtete lite« rargeschichtliche Vorträge und schrieb seine etwas schwermütige und resignierte Geistesgeachiehte „Vom Ghetto nach Europa44. Das Leitmotiv des Eloessersrhen Hauptwerkes ist die Erkenntnis, daß es keine Gegenwart gibt, in der die Vergangenheit nicht unsichtbar lebt und befruchtend wirkt. „Die Fackel weitergeben— das war die letzte Mahnung des nun Verewigten, der sich bis zuletzt allem Geistigen tief verbunden fühlte. Dr. Ludwig Davidsohn. Schriften des neuen Gesetzes nunmehr steuerlich wie Ledige behandelt, was vielfach eine beträchtlich höhere Besteuerung ihres Einkommens zur Folge hat. Da die Bestimmungen des neuen Einkommensteuergesetzes, wie schon erwähnt, rückwirkend vom 1. Januar d. J. ab Geltung haben, sind die Lohnsteuerpflichtigen, denen bisher beim Lohnabzug für jüdische Kinder Kinderermäßigungen gewährt wurden, während sie diese nach dem neuen Gesetz nicht mehr erhalten können, nunmehr verpflichtet, die ihnen nach dem L Januar zu wenig abgezogenen Steuerbeträge nachzuzahlen. Die zweite Lohnsteuerdurchführungsverordnung vom 10. Februar 1938 bestimmt, daß diese Lohnsteuerpflichtigen ihre Steuerkarte bei der Gemeindebehörde ihres Wohnsitzes zwecks Berichtigung der Eintragung vorzulegen haben. Ist die Vorlegung der Steuerkarte bis zum 28. Februar erfolgt, so soll von einer Nachzahlung der Lohnsteuer abgesehen werden. Das gilt sowohl für die Lohnsteuerpflkhtigea, die bisher Kinderermäßigungen auf ihrer Steuerkarte zugebilligt erhalten hatten, als auch für diejenigen verwitweten oder geschiedenen Lohnsteuerpflichtigen, deren Steuerkarte bisher auf Grund der Berücksichtigung jüdischer Kinder mit dem Vermerk „Gilt als kinderlos verheiratet44 versehen war, und die nun beim Lohnsteuerabsug wie Ledige behandelt werden. Für beide Gruppen von Lohn- und Gehaltsempfängern werden sich fortan erhöhte Lohnsteuerabzüge ergeben. * Nach dem neuen Gesetz über das V e r Steigerergewerbe sind Juden künftig von der Betätigung in diesem Gewerbe ausgeschlossen. Die bisherigen an Juden erteilten Erlaubnisse erlöschen am 31. Juli 1938. Die Reichsregierang ist ferner ermächtigt worden, auch für die Betätigung von Versteigerungskommissionären, also von Personen, die gewerbsmäßig Versteigerern Aufträge vermitteln, ihnen Kauflustige zuführen oder unter Versteigerungsgutern bestimmte Gegenstände für andere heraussuchen oder das Bieten darauf übernehmen, entsprechende Zulassungsbestimmungen zu erlassen. Im Rahmen der Umschichtungen im Privatbankgewerbe sind die beiden bekannten jüdischen Bankhäuser Gebr. Amhold und S. Bleichröder von dem Bankhaus Hardy & Co. G. m. b. das der Dresdner Bank nahesteht, übernommen worden. Die Uebernahme erstreckt sich auf das gesamte laufende Geschäft sowie auf die industriellen Interessen der beiden Privatbankinstitute. Die Firma Gebr. Arnhold besteht seit dem Jahre 1864, die Firma S. Bleichröder seit dem Jahre 1803. Bekanntlich war das sädmsth-thüringisdie Gesdiäft von Gebr. Arnhold bereits vor zwei Jahren auf die Dresdner Bank übertragen worden. Ferner scheiden aus dem Bankhaus S. Merzbach in Offenbach a. M„ das bedeutende Interessen in der Offenbacher Lederwarenindustrie hat, die drei der Gründerfamilie angehörenden Inhaber ans, nachdem ihre Einlage von der Deutschen Effecten- und Wechselbank in Frankfurt a. M. übernommen worden ist. Eine neue Reichsmeldeordnung ist erlassen worden. Sie tritt am 1. Mai d. J. in Kraft. Jeder, der innerhalb des Reichsgebiets aus einer Wohnung auszieht oder in eine Wohnung einzieht, unterliegt künftig der Meldepflicht, auch wenn es sich hei der Wohnung nur um ein möbliertes Zimmer oder um eine Schlafstelle handelt. Hauseigentümer und Wohnungsgeber müssen sich davon überzeugen, daß der aus- oder ein* Blick auf die Wirtschaft Umzug« und Transport« feder Art nach crllon T«il«n dar W«lt Gepäckbeförderung / Lagorung / Vorpackung / Versicherung BRASCH & ROTHENSTEIN INHABER HARRY W. HAMACHKR Hauptgeschäft: BERUH NW 40. Lüneburger Straße 22 - - Zw>igiii«d«Hqiiimgtfl an atlm varkehrswichtigen Plötzen Ruf: 356641 6

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