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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-03-01 · 3 (1.3.1938) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
3 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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llJhrgVNr.S OniiliJrtWi Ci dto l|M|«|i»-O—ind— In i/NottldMNacMaarf i.Mfa im „Lösegeld für seine Seele" Zur Hilfsaktion am 27. Februar 1938 ■U| in Frage kommen; alt typische Berufe können aie für untere Jagend aur Zeit nickt angesehen werden» An» dieeem karten Ueberblick ergibt sich, daß die Bernftcbaneen für Mädchen nicht ungünstiger liegen, alt für die männliche jüditche Jugend. Et itt in mancher Boaiehung tegar leichter für sie, Ausbildung«- Stätten au finden und die Zeit twischen Beruftautbildung und Autwanderung sinnvoll aut tu füllen, alt für die männlichen Altersgenossen. Eine Gefahr betteht darin, daB häufig die Frage der Mädchen-Beruftausbildüng nicht erntt genommen wird. Die Mädchen, die, wie eingaagt achon erwähnt, im Hauthalt „helfen“, im Getchäft „zur Hand gehen“ müssen, ohne die Anforderungen einet Berufet je kennen au lernen, tind ebenso au bedauern, wie diejenigen, die wieder eine „höhere Bildung“ in überlebtem' Sinne in Schulen 4« Inlands oder Auslandt über tich ergehen latten müssen. Wichtiger denn je ist auch für untere Mädchen die Schule alt Grundlage ihrer Bildung und Formung, alt Stätte, die et gemeinsam mit dem Elternhaus »ersteht, auch der weiblichen jüdischen Jugend den Weg au ihrer eigentlichen Aufgabe au weiten. Von den jüdischen Mädchen, die jetat die Schule verlassen, wird es wesentlich abhängen, ob eine neue jüditche Generation draußen in der Welt eine jüdische, Jleimat finden kann. Hannoh Karmin« lei Jugend-Alija geht ins dritte Tausend I Die seit 1934 bestehende Jugend-Alija kann tich rühmen, mit den letalen von ihr entsandten Gruppen die Grense swischen sweitem und drittem Tausend überschritten so haben. Für das erste Halbjahr 1938 ließ sich die Arbeit besonders erfolgreich an. Anfang Januar konnten 102 Jugendliche Deutschland »erlassen, nm nach Eres Israel au gehen; es handelte sieh dabei um je eine Gruppe für Kfar Jehoschua (das damit erstmalig Jugend-Alija aufnimmt), sowie für Mischmar Haemek und Ben Schemen. Im Monat Februar wurde eine weitere Jugend-AHja-Gruppe nach Palästina abgefertigt. Und swar ging erstmalig eine orthodoxe Gruppe »on 25 Jugendlichen in die landwirtschaftliche Schule Mikwe Israel. Weitere drei Gruppen werden im Märs abgehen und kommen in Siedlungen, die bereits einmal Jugend-Alija aus Deutschland zur zweijährigen Vorbereitung aufgenommen hatten und nach Ablauf dieser Zeit frei geworden waren. Es tind dies: Tel Chaj, Gescber, G inegar und Mitra. < 'Besonders erfreulich ist, daß einige Siedlungen diesmal sogar einer größeren Anzahl von Jugendlieben aus Deutschland Aufnahme und Vorbereitung gewähren können ab vor swei Jahren. Zn diesen Jungen und Mädchen, die im Februar und Märs aus Deutschland zur Ali ja gehen, kommen noch 11 Mädchen hinzu, die in der Misrachi-Hanshaltungstehule in Jerusalem Aufnahme finden werden; die Jewish Agency hat diese Jugend-Alija-Zertifikate nach Polen gegeben. Außerdem wurden 54 Schülerxertifikate für polnische Jugendliche bewilligt, die im Januar nach Ben Schemen gefahren sind. Es kann also festgestellt werden, daß für die Jugend-Alija in der Zeit »on Oktober 1937 bis Märs 1938 die erfreulich große Ansahl von 342 Zertifikaten durch die Mandatsregierung bewilligt wurde. 277 Zertifikate kommen davon der Jagendauswanderung aas Deutschland zugute. Die Jugend-Alija wird daher — bei Fortbestand ihrer günstigen Zertifikstssituation — auch einer großen Anzahl »on Jungen and Mädchen, dis an Ostern die Schule »erlassen werden, eine bedeutsame Chance bieten. Fremdartig genug mochte in früheren, geruhsamen Zeiten manch einer von dem Text berührt gewesen sein, der dem in diesem Jahre auf den 26. Februar fallenden Schabbat Sch’kalim den Namen gegeben und deshalb den darauf folgenden Sonntag als den Tag einer bisher wohl einzigartigen jüdischen Zähl- und Hilfsaktion hat geeignet erscheinen lassen: Der Ewige redete au Mose also: Wenn du die Zahl der Kinder Israels aufnehmen willst, so sollen sie jeder für seine Seele ein Lötegeld dem Ewigen geben, auf daß kein Sterben unter ihnen entstehe, wenn man tie zählt. Dieses sollen sie geben: jeder, der durch die Zählung geht, einen halben Schekel . . . Wie gesagt: ein merkwürdiger Text — so schien es uns früher. Aber es geht uns mit dieser Stelle der Heiligen Schrift wie mit mancher anderen: ganzen Generationen kann der Sinn »erborgen bleiben; und dann kommt der Tag, an dem dies scheinbar Bedeutungslose seine Bedeutung und seine Aktualität erhält. Denn indem die „Volkszählung“ an die an sich befremdliche Bedingung einer Geldabgabe geknüpft wird, wird sie in Zeiten der Not und Verarmung zu einem unvergleichlichen Mittel für den heiligen Akt der Gemeinschaftshilfe, auf „daß kein Sterben unter uns entstehe“. Wie groß heute die Verarmung ist, zeigen die wenigen Zahlen, die in dem Aufruf der Reichsvertretung genannt werden. Wir lernen daraus: die Seelenzahl unserer Gemeinden schrumpft zusammen, ihre wirtschaftliche Kraft nimmt ab, eines aber wird nicht kleiner: das sind die sozialen Latten. Verlangt nun ein jeder in einer solchen Zeit des ständigen Umbaus und der Wanderung, daß die leitenden Männer der Gemeinden, der Gemeindeverbände und der jüdischen Gesamtheit in jedem Augenblick die zweckvollen Maßnahmen ergreifen, so dürfen diese Männer verlangen, daß ein jeder, der zur jüdischen Gemeinschaft tich xählt, das biblische „Lötegeld für seine Person“ freudig gibt, um damit zu bekunden, daß er sich als Glied der Gemeinschaft fühlt und mitgezählt werden will unter denen, die hilfsbereit eintreten in der Stunde, die solche Hilfe erfordert. „Der Reiche und der Arme“ — beide werden in jener Schriftstelle zum Geben verpflichtet, und verlesen wird der Text an einem der Sabbate, die dem Purim-Fest vorangehen. Nun ist neuerdings ein Streit aus alten und ältesten Tagen neu entbrannt: seit der Zeit, da das Esther-Buch der Heiligen Schrift einverleibt und das Purimfest eingeführt wurde, hat es Stimmen gegeben, die beides. Buch und Fest, verwarfen, weil beides, Buch und Fest, der Ethik der Propheten, so sagten jene Stimmen, zuwiderlaufe. Ein jetzt in Jerusalem lebender Schriftsteller aus jüdisch-orthodoxem Lager, Schalom ben C h o r i n , hat in diesen Wochen in einer vielbeachteten Broschüre diesen Ruf erneut, und kein Geringerer als Professor Dr. Hugo Bergmann, der Rektor der Jerusalemer Hebräischen Universität, hat diese Schrift mit einer Vorbemerkung versehen, in der die Veröffentlichung als ein „großes Verdienst um die jüdische Religiosität“ hezeicknet wird. Nisin«nd wird erwarten, daß wir an dieser Stelle über eine so hochbedeutsame Angelegenheit kurzerhand ein Urteil fällen. Wir wissen, daß nicht die schlechtesten Juden, und zwar gleicherweise aus dem religiös-liberalen Lager wie ans dem der Orthodoxie, die schweren Bedenken ben Chorins teilen. Andererseits bekennt ben Che rin selber sieh an dem ah jüdisch ea Grundsatz „Freiheit des Denkens, Gebundenheit des Tuns“, so daß er die Verwirklichung seiner Forderungen durch ein eigens dazu in Jerusalem zu berufendet Synhedrium beantragt; solange dieser Weg nicht beschritten ist, sei die Abhaltung des Purimfettes und die von Mitchna und Talmud vorgeaehriebene Verlesung des Esther-Buches religiöse Verpflichtung. Das ist unzweifelhaft richtig und für die Jüdischen Gemeinden bindend. Ben Chorm fordert also — für den Augenblick wenigstens — nichts, was ihn in der Praxis von denjenigen Glaubensbrüdern trennen könnte, die seine Anschauungen nicht teilen und die die seit Jahrhunderten vorhandene Meinung, vertreten, daß das Esther-Buch swar nicht mit Tora, Psalmen und Prophetenbüchern auf gleicher Höhe, aber dennoch echt religiösen Geistes ist, so daß sieh Aufrichtung und moralische Stärkung aus ihm gewinnen lassen. Das „Schlach-Monaut- Senden“, wie man et volkstümlich nennt, die Austeilung von Gaben an Arme und Hilfsbedürftige, ist seit alters der vornehmste jüdische Purimbrauch, und so ergibt sich von selbst der Zusammenhang mit dem „Schabbat Sch’kalim“ und der an ihm zu entrichtenden Schekel-Abgabe zum Heile der Gesamtheit. Diese jüdische Gesamtheit aber ist eine durch ein einheitliches Schicksal unlösbar zusammengehaltene Gemeinschaft, woraus sich für jeden smahdingliche moralische Einsichten ergeben. Gerade in dieser Hinsicht steht in jenem Esther-Buche manches, was die Juden aller Generationen tich zu Herzen nehmen sollten. Ab Mardochai an Esther die Aufforderung ergehen läßt, sich mit ihrer Person für die Erhaltsmg ihres Volke« Israel einzusetzen, tut er es mH den Worten, sie solle sich nicht einbilden, daß sie in ihrem Wohlstände dem jüdischen Gesamtschicksal nicht unterworfen sei (Kap. 4 Vers 13). Die Wahrheit dieses Wortes ist gerade in unserer Zeit wieder deutlich geworden; der in ihr liegenden Mahnung wird sich keiner entziehen. Jeder wird fiat „Lösegeld für seine Seele“ geben, jeder wird sorgen, daß er unter die „hilfsbereiten Juden“ gezählt werde und daß wir die schweren Aufgaben meistern, die mit dieser Zeit der Umpflanzung uns gesetzt sind. Die Leser dieses Blattet aber werden sieh mit ganz besonderer Hingabe in den Dienst der Aktion des 27. Februar stellen, weil das Ergebnis, wie es in dem Aufruf der Reichs- Vertretung heißt, vor allem den uotleidenden Kleinnad Mittelgemeinden Hilfe bringen wird. Reßiemßs - KMkrcnz 18r AßSßcwMitrtc Anfang Februar hat in Genf in den Räumen des Völkerbundaaekretariats die zwischenstaatliche Regierungskoeferenx zur Beratung von sozialen Hilfsmaßnahmen für autgewanderte Personen stattgefuadesu Gegenstand der Erörterungen war insbesondere die Herstellung einer Konvention zwecks Legalisierung des Aufenthaltsstatns der noch m den europäischen Ländern befindlichen Auswanderer. In der Konferenz waren vertreten: Frankreich, England, Norwegen, Holland, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei, Polen, Portugal and Spanien. Einleitend befaßte sich die Konferenz mit dem Bericht des Oberkommissars für Auswandererfürtorge, Sir Neill Malcolm. An den Besprechungen nahmen weck die Delegierten der privaten Hilfsorganisationen für Auswanderer teil. Die Erörterungen or- 3

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