Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 3 (1.3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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li.MwgJNf.3 la PrwSM/NorddMtKMMd 1. Min m« jSyuagoge za Oporto. Hier beten portugie- 1 »ieehe Marranen gemein**» ait m Deatsek- Und eingewandertea und am Osteurnpa •tammenden Jaden* Der lefardiiche Ritus des Gottesdienstes gleicht dem der Alten Synagoge in Livorno. Eine innere Assimilation indischer Menschen von verschiedenster Herkunft bahnt sich an. In den Nebenraumen der Synagoge unterrichtet Barros Basto mit den beiden von ihm herangebildeten Lehrern die 'junge Generation. Jüdische Geschichte, Hebräisch. Palastinakunde, jüdisches Brauchtum werden mit besonderer Liebe gepflegt. Am Sabbat lesen sie alle gemeinsam aus den Torsrollen, die der neuen Synagoge geschenkt worden sind. Aus Barbados und London, aus Livorno und aus der aus Berlin, die in feierlichem Gottesdienst von unserem Heimgegangenen Rabbiner Dr. Freimann in der Synagoge Heidereutergasse für diesen Zweck geweiht worden war. Wundervolle Stunden waren diese Stunden der Einweihung der Synagoge. Ans ganz Portugal waren Vertreter der Judenbeit anwesend, die führenden Männer und Frauen! aus Lissabon, aber daneben auch die von den Bergen herabgestiegenen Bauern und Hirten. Als Barros Basto das Ewige Licht entzündete, als ein junger Marrane unser altes Mmchagebet vorbetete, als zum Schluß der er- Vor kurzem erschien in der Jüdischen! Presse ein Aufruf des Hilfsvereins der . Juden in Deutschland, in dem „mehr Frauenaus Wanderung*4 gefordert wird, ln diesem Aufruf wird ausgefnhrt, welche Mißstande |sirh daraus ergeben haben, daß'bisher überwiegend männliche Jugendliche ausgewandert sind, denen die Möglichkeit fehlt, sich in der Fremde ein jüdisches Hehn zu gründen. Die jüdische Jugend — und die Generation ihrer Eltern — wird leicht davon zu überzeugen sein, daß die gemeinsame Auswanderung junger Menschen seelisch den besten Halt gewährleistet, aber oft hört man den Einwand, daß es vom wirtschaftlichen Standpunkt . nicht verantwortet werden könne, den jungen Mann von vornherein mit der Sorge für eine junge Frau zu „belasten4*« Darum will — oder soll — er „zunächst" vorangehen, und das Midchen, die Frau, soll warten, bis es ihm gelungen ist, eine Existenz zu gründen. Vor einer solchen Einstellung muß man in der Regel warnen. Denn abgesehen davon, daß die Gesetzgebung einiger Lander der Nachwanderung von Brauten oder Ehefrauen Schwierigkeiten bietet, abgesehen von der Gefahr der Entfremdung nach kurzer Bindung, ist auch der wirtschaftliche Standpunkt meist nicht stichhaltig. Die Erfahrung lehrt, daß in vielen Fällen der weibliche Teil eher einen Broterwerb findet, so daß auch der materielle Existenzkampf durch eine Eheschließung vor der Auswanderung eher erleichtert als erschwert wird. Tatsächlich war die Berufs- Schichtung der jüdischen Frauen und Mädchen auch vor 1933 gesünder -als die der männlichen jüdischen . Bevölkerung, und zwar galt das besonders für die handwerklichen Berufe. Aber auch die tüchtige Schneiderin und Putzmacherin wird im Ausland heute meist nicht gleich in ihrem Beruf Verwendung finden: als Durchgangsbernf wird für sie wie für die Frau überhaupt zunächst der hanswirtsehaftliche Beruf in Frage kommen. Dieser Beruf wurde bi« 1933 von jüdischen Mädchen selten gewählt, aber dank der Bemühungen des Jüdischen Frauenbundes und der jüdischen Berufsberatungsstellen wurde doch vielen eine hauswirtaehaftlkhe Schulung zuteil, die sich nun als nützlich erweist, sei es, daß die». greifenden Feier von allen Anwesenden, auch den Nachkommen der uralten Marr an engeschlechter, voller Begeisterung das Lied der Hoffnung unseres Volkes, die Hatikwa, gesungen wurde, empfand man tief die Grüße des Augenblicks und fühlte Ehrengäste bei der Einweihung Privstaofnshm« man die unvergängliche Lebenskraft jüdischen Geistes und jüdischen Volkstums. Selten wohl ist bei der Einweihung eines neuen jüdischen Gotteshauses mit gleicher Bewegtheit der alte Segensspruch gesagt worden, der sich an den wendet, der uns diesen Tag hat erleben lassen. Dr. Hans Klee. ses Können zunächst in v Deutschland — in der eigenen Familie oder einem fremdeu Haushalt — angewandt werden muß, weil der bisherige Beruf keine Chanee mehr bietet — sei es in einem fremden Land. Deshalb ist die erste Forderung, die an die Berufsausbildung der Mädchen zu stellen ist: Erlernung der Hauswirtschaft. Der Nachdruck biegt hierbei auf der Forderung des Erlernen s. Eine solche Lehre kann der elterliche Haushalt oder ein anderer Privathaushalt sein, wenn eine verantwortliche sachgemäße Anlernung gewährleistet ist, die zur Selbständigkeit führt. Abzulehnen ist die Form der Haustochterstellung, die keine geregelte Arbeits- und Freizeit kennt. Eine gewisse geldliche Entschädigung sollte auch für die im elterlichen Haushalt arbeitende Tochter unbedingt zur Regel werden. Unerläßlich ist, daß auch beim Hanshaltlehrling — handele es sich um die eigene oder fremde Haustochter — die allgemeine und jüdische Fortbildung wichtig genommen wird, daß sie Sprachen lernen, Sport treiben und Anschluß an Altersgenossen Hoden kann. Mädchen, die im Haushalt „anterM-gehen, werden weltfremd and verlieren den Elan. Sie sind entweder zu behütet oder zu angespannt, und beides macht sie untauglich für das Leben. Die für die Jugend dieser Altersstufe gemäße Lebensform wird durch Kollektivausbildungsstättea, die es auch zur Erlernung der Hauswirtschaft gibt, eher gewährleistet, und dort erfährt man auch leichter jene Bindung an die Gemeinschaft, die bet der Wahl des Berufes entscheidend sein sollte. In den jüdischen Haushaltung«schulen (in Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Leipzig, Wolfratshansen) wird neben praktischer Anleitung auf allen Gebieten der Hauswirtschaft auch theoretischer Fachunterricht erteilt. Es gibt Sprachkurse, Fortbildung in jüdischen Fächern und vor allem kommt in den mit einem Internat verbundenen Schalen das frohe Gemeinschaftsleben an seinem Recht« Daneben bilden eine Reihe von Kinderheimen t Hauswirtschaft«- Schülerinnen ans, und für die sionistische weibliche Jugend kommen auch die Ausbildungsstütten der Mittleren-Haehschara in Frage. Diese, sowie die Ansbtldtmgsgüter Neuendorf, Ahlem, Groß-Breesea nehmen Mädchen auf, aad geeignete Mädchen kennen nach der haoiwirtachaftÜchen Ausbildung in einem »weiten Lehrjahr eine erweiterte Ausbildung aur Siedlerin erhalten. Auch heute darf für die jüdische Frau die Hauswirtschaft nicht der emsige m Frage kommende Beruf bleiben. Fähigkeit und Neigung beanspruchen gerade in einer Zeit, in der schon junge Menschen gans anf sich selbst gestellt sind, ihr Beeht, und abgesehen von diesem Recht des Individuums anf Entfaltung von Anlagen liegt es im Intere*». der jüdischen Gemeinschaft, daß für die pflegerischen, die sosialen, die pädagogischen Berufe geeignete Kräfte sur Verfügung stehen. Alle diese Berufe verlangen eine hauswirtschaftliche Grundausbildung, and da man die Ausbildung sur Kindergärtnerin nnd Säuglingtpflegerin frühestens mit 17 Jahren, Krankenpflege nnd Lehrberufe erst mit 18 oder 19 Jahren beginnen kann, bleibt nach der Hanshaltslehre Zeit anr praktischen Anwendung des Könnens in Familie und Heimbetrieb sowie an ergänsenden Fortbildungskursen. Für all diese Berufe, auch für die Hauswirtschafts- und Gewerbe- Irhrerin, besteht sowohl in Deutschland wie im Ausland Nachfrage, für die meisten Ausbildungssweige sind auch in Deutschland noch Aasbildungsstätten sur Verfügung. Hanswirtsehaftliche Grundausbildung sollte auch als unerläßliche Vorbedingung gelten für die zweite große Berufsgruppe, die für unsere jüdischen Mädchen in Betracht kommt: die handwerklichen Berufe. Eine Umfrage über Berufsand Ansbildangswünsche. die die Reichsvertretang der Jaden in Deutschland durch ihre statistische Abteilung vor einem Jahr an alle Jugendlichen gerichtet hat, die April 1937 jüdische Schulen verlassen haben, ergab, daß 24,72 Prosent der Mädchen sich eine handwerkliche Ausbildung gewünscht haben. 19,74 Prosent wollten Schneiderin oder Näherin werden; Puts, Modeseiehnen, Frisieren wird außerdem häufig gewünscht. Leider maß angenommen werden, daß diese Berufs wünsche nicht alle in Erfüllung gehen konnten, nnd für die jüdischen Mädchen, die im April 1938 eine handwerkliche Ausbildung beginnen wollen, scheinen die Ausbildungsmöglichkeiten noch ungünstiger zu sein. Zwar gibt es in manchen Orten, z. B. in Berlin, noch Lehrstellen hei jüdischen Schneidermeisterinnen (durch die Städtischen Arbeitsämter), die ortsansässigen Mädchen deutscher Staatsangehörigkeit anr Verfügung stehen, aber die Nachfrage der Provinz ist damit nicht gedeckt. Einen gewissen Ersatz bieten die Fach kl aasen rar Schneiderei an den jüdischen H enthalten gssebulen in Frankfurt a. M., Breslau und Hamborg and die jüdischen Fachschulen für Schneiderinnen in Hamburg nnd Köhs. E. wäre au prüfen, ob für handwerkliche Spezialbernfe, wie Korsettnähen, Nähen von Berufskleidung, nicht Ansbildungtuaögliebkeiteu geschaffen werden könnten. Modeseiehnen kann nur hei überdurchschnittlicher Begabung und nur in Verbindung mit Schneiderei empfohlen werden (Ausbilduagsstätten in Berlin). Für den Beruf der Friseurin besteht bedauerlicherweise zur Zeit keine Ausbildungamöglichkeit. Groß ist sur Zeit der Andrang der Mädchen rar jüdischen Handelsschule, und noch gibt es für junge, gut aasgebildete Kräfte An- ■tellungsmöglicixkeiten in jüdischest Betrieben. Aber im Hinblick auf die Zukunft kann der kaufmännische Beruf nur dann empfohlen werden, wenn eine ausgesprochene Begabung, aneh m fremdsprachlicher Hinsicht, vorliegt nnd dnreh Verbindungen im Aaslud anf eine Anstellung gerechnet ■ werden kann. Eine Keibe weiterer Berufe: Volksschullehrerin, Gjmnustiklehrerin, Laborantin und technische Assistentin werden für einzelne Mädchen bei besonderer Neigung nnd Eig- Fraacsiicnilc - Francnanswandcronö 2