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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-03-01 · 3 (1.3.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
3 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR OIE SYNAGOGEN-GEMEINDEN IN PREUSSEN UND NORDDEUTSCHLAND lO Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Voiksaufkiärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. Nr. 3 Berlin, 1. März 1938 16. Jahrgang Herausgeber: Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Die neoe Synagoge In Oporto Wir haben Synagogen gebaut and .Synagogen verlassen; in froher Hoffnung gebaut, mit Wehmut verlassen. Schicksal des wandernden Volkes, das erst jetst wieder anfangen kann, sein Geschick selbst zu schmieden. Auch von der Höhe der Kathedrale in Oporto sieht man eine solche von uns verlassene Synagoge. Sie ist seit Jahrhunderten eine Kirche: Säo Bento da Vitoria. Wenn heute im Norden Portugals; im Zentrum der Marranenbewegung, wieder eine Synagoge eingeweiht wurde, so ist das für die geistesgeschichtliche Entwicklung unseres Volkes ein historischer Augenblick, so sparsam man auch mit diesem Wort umgehen soll. Annähernd 500 Jahre Scheinchristentum haben nicht vermocht, die Kraft jüdischer Religion und jüdischen Volkstums in diesen Menschen auszulöschen. Und nun erscheint Prlvataufiialkmä' nach Jahrhunderten ein Mann, Offizier der portugiesischen Armee, tapfer bewährt im Kriege, Enkel eines marranischen Großvaters, und erinnert sich in nachdenklichen, stillen Stunden, daß an bestimmten Abenden sein Vater sich zurückzog, in alten Büchern las und alte Gebete sprach. Er geht zu seinen Brüdern und findet oben in den Bergen des nordportugiesiscben Grenzlandes Hunderte, die gestimmt sind wie er. Sie gehören äußerlich der Kirche an, sie sind getauft und haben in der Kirche geheiratet. Aber sie wissen, daß sie Nachkommen jener Juden sind, die nach der spanischen Verbannung vbn 1492 eingewandert waren und sich in den unwirtlichen, damals nur von engen Bergpfaden durchzogenen Dörfern und Weilern der Nordprovinzen angesiedelt haben. Sie erinnern sich dunkel, daß man die Kinder ihrer jüdischen Urväter getauft hat und daß auch diese dann, um sich von den Kindern nicht trennen zu müssen, zum Christentum übergetreten sind, und sie bewahren, vom Vater auf den Sohn vererbt, geheim geübt, die Traditionen aus <fer Zeit der Ahnen. Diese Traditionen haben sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt. Die hebräische Sprache ist verschwunden; sie pflegen hätte den sicheren Tod bedeutet. Man betet portugiesisch, aber ' dies« Gebete atmen den alten Geist jüdischer Psalmen und rufen Adonaj an, den Ewigen. Manche der Feste sind vergessen, heilig bleibt der Versöhnungstag mit Kasteiung und Fasten. Dankbar wird des Auszugs aus « ZäMang der lüHsbereifen Juden Die Zählung der hilfsbereiten Juden in Deutschland, die die Jüdische Winterhilfe am Sonntag, 27. Februar 1938, in Form einer Haussammlung in.allen jüdischen Gemeinden des Reiches durchführt, dient der Aufgabe, den Juden in den besonders notleidenden Klein- und Mittelgemeinden eine zusätzliche Hilfe zu bringen. Die Not in vielen Klein- und Mittelgemeinden hat sich «in diesem Jahr außerordentlich verschärft. Der fünfte Teil der von der Jüdischen Winterhilfe Unterstützten könnte von ihr ohne Hergabe zentraler Mittel nicht versorgt werden. Eine starke Abwanderung ist in vielen Gemeinden zu verzeichnen; wenn auch die absolute Zahl der Hilfsbedürftigen in diesen Gemeinden im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist, so ist doch eine Zunahme des Anteils der Jlilfsbedürftigen an der jüdischen Gesamtbevölkerung zu beobachten und somit eine Zunahme der Not. Es betrug der Anteil der Hilfsbedürftigen in Schleswig-Holstein in Pommern in Ostpreußen in Hessen-Nassau im Landkr. Friedbg.-Hessen 1936/37 1937/38 19,6% 31,1% 25,1% 29,1% 30,9% 35,8% 28,7% 36,1% 29,3% 45,6% ln einzelnen Kleingemeinden sind weit mehr als die Hälfte, in einem Fall fast 90 Prozent der Gemeindemitglieder hilfsbedürftig. Hierfür seien einige Beispiele angeführt: Alt-Landsberg: 140 Gemeindemitglieder, davon 70 Hilfsbedürftige; Johannisburg/Opr.: 59 Gemeindemitglieder, davon 54 Hilfsbedürftige; Neidenburg: 60 Gemeindemitglieder, davon 45 Hilfsbedürftige; Krojanke: 61 Gemeindemitglieder, davon 38 Hilfsbedürftige; Neuruppin: 35 Gemeindemitglieder, davon 30 Hilfsbedürftige; Bezirk Trier: 504 Gemeindemitglieder, davon 203 Hilfsbedürftige. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, die neben der Leitung der gesamten Jüdischen Winterhilfe insbesondere der Versorgung der Juden in den Notstandsgemeinden ihre Aufmerksamkeit züwendet, ist nicht imstande, die Hilfsbedürftigen in diesen Gemeinden ausreichend zu versorgen, wenn sie nicht zusätzliche Mittel erhält. Die Zählung der hilfsbereiten Juden in Deutschland am 27. Februar 1938 dient der Aufbringung der erforderlichen zusätzlichen Mittel. Diese Zählung knüpft an das Gebot der Zählung des Volkes (2. B. Moae 30,11—14) an, das in dem Wochenabschnitt enthalten ist, der am Sonnabend, 26. Februar 1938, verlesen wird. » Jeder, der gezählt wird, soll ein Sühnegeld geben, ohne Unterschied, ob arm, ob reich. Alle die jüdischen . Männer, Frauen und Kinder, die selbst oder für andere einen Spendenschein erwerben, werden als „hilfsbereite“ Juden gezählt. Der Gegenwert des Spendenscheins dient zur Betreuung der Hilfsbedürftigen in den Notstandsgemeinden. „Werkdienst am Zelt der Gegenwart“ nennt die Schrift die Hingabe einet Opfert bei der Zählung. Werkdienst am Zelt, das die Jüdische Winterhilfe schützend über ' die Hilfsbedürftigen unserer Gemeinschaft spannt, ist die Einordnung in die Zahl der Helfenden. Die Zählung der hilfsbereiten Juden in Deutschland Teilet die Jüdische Winterhilfe ein in die große Tradition des Helfent. Sie gibt jedem 'Juden in 'Deutschland die Möglichkeit, Solidarität zu üben mit denjenigen, die vereinsamt in den mittleren und kleineren Gemeinden leben.; . Wir wissen, daß diese Hilfe' längstens nicht mehr nur materielle Not lindert, sondern daß sie. die Einsamkeit aufhebt und dem einzelnen das Gefühl der Geborgenheit in seiner Gemeinschaft gibt. 4 Aegypten gedacht, freilich am dritten Tage unseres Festes, an den beiden ersten forschten die Häscher der Inquisition. In unserem portugiesischen , Offizier,? Capjtano de Barros Bas to, wird der Funken jüdischreligiösen Empfindens sur, lodernden Flamme, er zieht von Ort zu Ort, predigt denen, die unter schwierigsten Verhältnissen ihr Judentum, wenn auch in verändeter Form; sich bewahrt haben. Er errichtet in Oporto eine Schule. Junge Menschen folgen ihm: ein Hirt aus den Bergen lernt hebräisch und betet in der, kleinen Synagoge in Oporto vor; ein .Bauernsohn vertieft sich in jüdische Lehre und Philosophie und wird sein getreuester Mitarbeiter, aiUfr' iü der von ihm Ißqtecsr qo: für die Marranen herausgegebenen Zeit» schrift „Halapid“, die Fackel. . , Barros Basto treibt keine Mission. K«di* kommen jüdischer Ahnen, die in der* Kirche aufgegangen sind, sind nicht das Ziel seiner Arbeit. Aber den tausenden Kryptojuden, die unter der Herrschaft, des Santo Officio ausgeharrt haben, will er ein Wegweiser sein in die jüdische Gegenwart, aus dem Krypto* Judentum sum offenen Bekenntnis, aus der Isolierung sum Zusammenschluß mit dem ge* samten Israel, seinen Hoffnungen und seinen Zielen. Für. diese Marranenbewegung ein Zentrum su schaffen, ist der Sinn der Errich* tung der neuen, pr|chtvoll ausgesteuerte»

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