Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 2 (1.2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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M.JfcrgJNr.1 I« l>m<M/Mwdd«rt»cMM«l 1. Nbnui 19M Lande auf» engste verbanden ist. In dieser Zeit müß es sich erweisen, ob das jüdische Volk Vertrauen zu seinen Pionieren hat oder ob es in einem schweren Augenblick abwartet und zusieht, was aus dem^jüdisehen Palästina wird. Das Ringen um die freie Gestaltung jüdischen Lebens in Palästina ist in die entscheidende Phase getreten. Gelingt es, durch den Keren Hajessod die erforderlichen öffentlichen Mittel zu schaffen, so können wir die Probleme der Politik und der Wirtschaft meistern. Vierzigtausend Juden sind im Laufe der letzten vier Jahre aus Deutschland gekommen. Weiteren Tausenden kann Palästina neuen Lebens raum gewähren. Gerade die Juden in Deutschland sollten daher außerordentliche Anstrengungen machen, um die nächste Stufe der palästinensischen Entwicklung vorzubereiten. Die Frage von Erez Jisrael ist keine Frage guter oder schlechter Konjunktur, es ist die Sache der Wiedergeburt des jüdischen Volkes schlechthin. Uns schrecken keine Schwierigkeiten. Wir sind bereit, alles zu tragen, wenn wir dadurch dem freien Leben unseres Volkes in seinem Land den Weg bahnen. * Im Namen der aus Deutschland nach Palästina eingewanderten Juden rufen wir die Juden in Deutschland auf, sieb mit uns für die Zukunft von Erez Jisrael verantwortlich zu fühlen und ihre Solidarität durch ein wahrhaftes Opfer für den Keren Hajessod zum Ausdruck zu bringen. Dr. Elias Auerbach; Kurt Blumenfeld; Dr. Werner Feilchenfeld; Dr. Kurt Fleischer; Dr. Herbert Foerder; Dr. Salli Hirsch; Dr. Georg Landauer; Dr. Heinz Levinsohn; Rabb. Dr. Künftige Siedlerinnen lernen melken Auto. Sonnenfeld. Emil Levy; Geh. Kommerzienrat Berthold Manasse; Erich Mendelssohn; Prof. Dr. L. F. Meyer; Dr. Siegfried Moses; Dr. Meinhold Nußbaum; Dr. Ludwig Pinner; Prof. Rosenbaum; Felix Rosenblüth, Kurt Ruppin; Dr. Siegfried Salheimer; Salman Schocken; Dr. Werner Senator; Dr. Ernst Simon; Hans Wilhelm Steinberg; Michael Taube; Prof. Dr. Harry Torczyner; Kurt Tuchler; Dr. Oskar Wolfsberg; Prof. Dr. Bernhard Zondek; Prof. Dr. Hermann Zondek. Die Gesellschaft „ORT“ zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden hat beschlossen, ihre Arbeit in Polen weiter zu verstärken. Die ersten diesbezüglichen Maßnahmen unter Führung bekannter jüdischer Fachleute sind bereits ergriffen worden. Eine oon den Vielen „Ich bin nur eine von den wielen . beginnt eines der Gedichte, die Friede M e E 1 e r in ihrem Büchlein „Wir** tn einem Zyklus susammengestellt hat *), und sie hat recht damit: eine von den vielen jüdischen Frauen in Deutschland, deren Kinder bereits 1933 ganz oder fast erwachsen waren, inzwischen hinauazogen, draußen heirateten, nun auch schon selber Kinder haben« So sind diese hier verbliebenen Mütter Großmütter geworden — sie wissen es aus Briefen, vielleicht auch aus Photographien . Mein Enkelkind, so süß und so geliebt, Du bist so fern von mir, ich kenn dich nicht, Im Traum glanzt mir dein lachendes Gesicht . * , Mit Versen solcher Art spricht Frieda Mehler das aus, was sie, was Tausende erlebten und erleben, und wird so zur Repräsentantin, zum Mond einer ganzen Generation* Welch eine Generation dies ist? Wir haben schon davon gesprochen: die der Großmütter und Großvater; derer, die es bereits sind, und derer, die es bald sein werden. Ein ungewohntes Thema; es wird meist unter uns nur von der Jugend gesprochen, und das ist ght so. Denn unsere Jugend ist unsere Hoffnung, ihr gilt unsere Sorge, unsere Arbeit, die Sorge und Arbeit der Eltern, der Aelteren, der Alten. Und ist es nun nicht richtig, daß einmal auch von diesen Aelteren und Alten selber gesprochen, daß ihrem Schicksal, ihrem Erleben und Empfinden Ausdruck verliehen wird? Daß sie einmal auch in einem Buch von sich selber lesen und daß die Jugend von ihnen liest — es ist gewiß gut, wenn der Frühling, dem so viele Lieder gewidmet sind ringsum im Lande, einmal auch vom Herbste erfährt! Herbststimmung atmen diese Blätter von Frieda Mehler; mancher wird finden, es sei fast zu sehr Resignation. Aber das wäre ein falsches Urteil, denn es überwiegt doch die allumfassende, warme, mütterliche Liebe und Stärke: Wir wollen euch nicht halten und nicht hinden,- S) ..Wir**, Gedichte von Frieda Mehler; Berthold Levy, Jüdischer Bachverlag, Berlin 1937. 32 Seiten. t Wir schreiten untres Wegs und sehn euch eilen; Wenn ihr uns sucht, nur dann sollt ihr uns finden. Man sieht schon hier, an diesen wenigen Zeilen, auf welchem Wege Frieda Mehler zur Dichterin wird: ein tief fühlendes Frauen- und Mutterherz, und dann — spricht sic Zeile um Zeile das aus, was ist; einfach und klar, ohne Phrase, ohne Beschönigung, aber mit dem Herzensheldentom der jüdischen Mutter. Sie hat auch nicht nötig, ihr Judentum überbetont und unerträglich in jedem Satz hinauszuschmettern; sie ist ja keine von denen, die 1933 ihr Judentum neu entdecken mußten, so braucht sie nicht überflüssig davon zu reden. Sie ist Jüdin, und was sie als Mutter und als Frau ihrer Generation erlebt, ist jüdisch, gleichviel ob sie von allgemein Menschlichem spricht („wenn man Großmutter wird . . .**, „Einsam sind wir44), oder ob sie das besondere Schicksal der jüdischen Mutter und Großmutter schildert. Sie erlebt ihr Frauen- und Mutterschicksa! als Jüdin, sie erlebt ihr jüdisches Schicksal als Frau und Mutter. Das klingt beides überall ineinander, und nur ganz gelegentlich werden im engeren Sinne des Wortes jüdische Motive angeschlagen, auf eine merkwürdige Weise, die wohl ohne Vorbild ist: „An den Wassern Babylons saßen wir und weinten . . .u und „Was ist der Mensch, Herr, daß du sein gedenkest . . .** fangen zwei Gedichte an, die aber nicht etwa Uehersetzungen oder auch nur Paraphrasen der bekannten Psalm- und Spruchstellen sind, sondern aus der Stimmung und dem Grundgedanken jener Bibelworte sich erheben zu neuem, eigenem, hauchzart lyrischem Sang. Klein und schmal nur liegt dieses Büchlein, dieses Heftchen in Oktavformat und mit 32 Seiten, vor uns; unter der Fülle der jüdischen Bücher, die heut erscheinen, köunt man'» fast übersehen. Und doch ist meine Ueberzeugung: unter dem Wenigen, was von den literarischen Produktionen unserer heutigen jüdischen Generation dauern wird, werden <auch einige dieser Gedichte von Frieda Mehler sein, die man lesen wird; vielleicht wird man sie sogar singen, denn sie wären wert, ihren Liederkomponisten zu finden. George Goets. h fffft/yfft kfoHtk Für die Monate Januar bis März bat die Jngendalija von der Mandatsregierung insgesamt 322 Zertifikate erbalten, von denen über 250 der Jngendauswandernng aus Deutschland zugute kommen. Die günstige Zertifikate- Situation der Jngendalija eröffnet also insbesondere den Jugendlichen, die za Ostern die Schule verlassen werden, besondere Auswanderungsmöglichkeiten, die den Jungen nnd Mädchen gleichzeitig berufliche Vorbildung und Einordnnng im Lande sichern. * Auf einer Tagung des österreichischen Jungvolks wurde dargelegt, daß in Zukunft die jüdischen Jugendlichen dem allgemeinen staatlichen Jugendverband siebt mehr angehören nnd in einem * besonderen jüdischen Jugendverband zusammengefaßt werden sollen. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland und der Beirat der Jewish Agency in Deutschland haben anläßlich der Publikation des Weißbuches der englischen Regierung eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: „Bis znr abschließenden Regelung des gesamten PalästinnProblema besteht das Mandat in unanzweifelbarer Gültigkeit fort; es muß die Tätigkeit der Palästina-Regierung bestimmen. Wir erwarten, daß die vorübergehende Einführung einer politischen Höchstgrenze für die Alija am 1. April 1938 außer Kraft tritt und daß alsdann der gesetzlich festgelegte Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes als alleiniger Maßstab für den Umfang der Einwanderung wieder zur Geltung gelangt. Wir Juden in Deutschland erwarten, daß die Tätigkeit der Untersuchungs-Kommission mit äußerster Beschleunigung durchgeführt wird. Ihr Ergebnis muß unserer Lage angemessen sein.“ * Der Board of Jewish Deputies in England hat eine Entschließung gefaßt, die sich nachdrürklich gegen eine weitere Verschleppung der Palästina-Angelegenheiten durch die englische Regierung richtet. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit angenommen; andererseits haben Vertreter der einflußreichsten, meist niehtzionistisehen jüdischen Kreise Englands gegen sie gestimmt. 'Diese Opposition gründet rieh hauptsächlich auf den Wunsch nach dem Versuch einer direkten jüdisch-arabischen Verständigung. 4