Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 1 (1.1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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JOdUcIta« GwMhdtblatt für die Spagogcn^MMhidM In PraaSan/Norddaatsdiland i. hiMM ini 4 7hrg./Nr. 1 Hundert Jahre Synagoge Bad Ems Mit den za Chanukka üblicken Gedenken an die drei HeiligtumseiAweihungen in biblischer and makkabaiqcher Zeit konnte die Synagogengemeinde Bad Eni das Gedenken an die Einweihung ihres eigenen, vor! handert Jahren vollendeten Gotteshauses verbinden. Bezirksrabbiner Dr. Laopheiner zeichnetf in seiner Festpredigt ein eindrucksvolles Bild derl inneren and inneren Entwicklung der Gemeinde. ScUoa für Ende des 18. Jahrhundert*. so führte Dr. Loupheimer aus, lassen sich die ersten Vorbereitungen zum Bau einer Synagoge nachweisen. Die damit zuständigen Regierungen, die von Hessen und die' von Nassau, hatten 1792 einen Plan genehmigt, derl aber nicht zur Ausführung kam. Vielmehr dauerte es bis zum Jahre 1835, bis neue Vorbereitungen zur Errichtung einer Synagoge getroffen weiden konnten, die dann im Jahre 1837 vollendet und eingeweiht wurde. Das genaue Datum dieser Einweihung ist aber nicht mehr bekannt. Die GemeMdeakten sind in geschichtlicher Hinsicht überaus lückenvoll. Der Synagogenbau fällt in die Zeit, da in Ems eine besonders rege Bautätigkeit herrschte, offenbar mit dem Ziel, den Ort Ems mit der Kur Emfi baulich zu verbinden. Das äußere Gesicht dieses Baues ist im grollen und gaozen bis heute dasselbe gebjlieben. Die jüdische Gemeinde in Ems war nie sehr groß, weqn sie auch bestimmt sehr alt ist. Der Durchschnitt der Seelenzahl dürfte im ganzen 19. Jahrhundert bei etwa 110 Seelen liegen. Der Berufsschichtung nach waren es neben Händlern meist Handwerker und Gewerbetreibende. Wir finden die Berufe der Bäcker, Metzger, Schuster, Hutmacher, GoMarbeiter, Optiker und das Gewerbe der Wirte (dem Badeort entsprechend) hier vor. Die Hand* wei kerfamilien entwickeln sich aber gemäß der grö leren Ausdehnung!- und Bewegungsfreiheit, die das 19. Jahrhundert mit sich bringt, immer mehr nach der kaufmännischen Richtung bin und verschwinden bis auf die Metzger und Wirte schließlich ganz. Die individuelle Entwicklung des vorigen Jahrhunderts trägt auch die Tüchtigsten und Fähigsten zu gehobener Stellung und Wohlstand empor, der Aufschwung des Bades nach der zweiten Hälfte des 19. ^Jahrhunderts bringt zunehmend Gehobenheit auch unter die jüdischen Bürger. Rückgang der Kur durch Kriegs- und Nachkriegszeit bringt in gleicher Welse eine rückläufige Bewegung. {Der individuelle Aufstieg ist aber nicht immer gleichbedeutend mit einer Stärkung der ‘ Gemeinschift. so sehr diese auch durch die Nassauischen Gesetze (Instruktion für die Vorstände der Israelitischen Kultusgemeinden des Herzogtums Nassau vom 7. Januar 1852) zusamaengefaßt worden ist. Die Gemeinde ist vielmehr ein mehr oder minder loses Gebilde, dessen Zusammenfassung sich oft nur auf die Synagoge und den Gottesdienst beschränkt. Eine Stärkung erfährt sie, als im Jahre 1847 ein moiern organisiertes Rabbinat errichtet wird, das zunächst Dr. Hocbstetter bekleidet. Er yar bis ’ 1887 in Ems tätig und zugleich auch ein Mittelpunkt für Lehrerausbildung. Ihm folgte 1888 der nacpmals in Beuthen zu Berühmtheit gelangte Rabbiner Dr. Kopfstein, aber nur auf die kurze Spänne von zwei Jahren. Sein Wirken als außergewöhnlich guter Redner ist 'auch außerhalb unserer Gemeinde noch in Erinnerung. Als dritter folgte ihm 1890 Dr. Weingarten, der erst in diesem Jahre verstorben ist. Zusammen mit Sanitätsrat Dr. Arjontohn ist er der Begründer des Jüdischen Mädchen-Waisenhauses und des Sanatoriums Emser Heilquelle, einer Institution für kurbedürftige arme Israeliten, die inzwischen nach langem segensreichen Wirken eingegangen ist. Das Waisenhaus ist im Juni 192y an die Lehrer übergegangen, die das Haus als ein Erbolungs- und Altersheim für Jüdische Lehrer und Kantoren weiterführen. Unter den vielen Lehrern, die im letzten Jahrhundert hier im Gottesdienst und an der hiesigen Rel gionsschule sowie au denen des Bezirkes wirkten, ist in erster Linie Wilhelm Essel tu nennen, der 38 fahre lang hier den Dienst versah. Ueber seine Voi ginger und Nachfolger war näheres nicht mehr za era ittein. War Bad Ems ursprünglich nur der Sitz eines Bez irksrabbinates, das auf die Laadratsiater St. Go< rshausen, Unterink«, Unterwesterwald und Limkur ( beschränkt w«, so ist es seit dem 1. Januar 193: , d. i. seit dem Antritt des kentigeo Bezirksrab >iaers Dr. LaupReimer Sitz des erweiterten Besirl srabbiaates Bad Ems—Weilburg und damit auch Ve« wahungsort Kr die zna alten Bezirhsrabbiaat Weflburg gehörende« Gemeinden der frühere« I naidratsimter Marienberg—Okerwesterwald, Usingen, «ad der heutigen Landratsämter Weilburg «md Weäterbvrg, sowie der Gemeinden Herkoni and Haiger im Dillkreia. Daa Bezirhsrabbiaat ist eine mit Hille des Preußisches Landesverbandes und des Zeotralkultusfoads bei der Regierung Wiesbaden durchgeführte Verschmelzung und Vereinheitlichung der beiden genannten früheren rabbiaatlichea Verwaltungsbezirke. Religiös war die Gemeinde in Ems im 19. Jahrhundert, wie viele andere Gemeinden in Deutschland, unter der Wirkung der Aufklärung und des Rationalismus in rückläufiger Bewejgung. Die damit verbundene geistige Haltung war kein Ersatz für das „gehobene Ethos des Ghettos und die alte Herzensinaigkeit” (Elbogen). Dagegen kämpfte schon Dr. Weingarten an, indem er der Gesetzestreue stärkere Wirkung zu verschaffeo suchte. In seine Zeit fällt aoeh der innere Ausbau der Synagoge; an £telle des Ankleideraums für den Rabbiner wurde eine Mikwe gebaut, für die links und rechts vom Eingang placiertet» Frauen wurde eine Empore in dem Gottesdienstraum über den Männerplätzen errichtet. Schließlich wurde Ende der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts der Almemor in den Kaum der Beter hineinverlegt. Das Wirken der Kultusvorsteher der Gemeinde beschränkte sich in der Hauptsache auf die Verwaltung uod die Aufrecbterhaltung der Ordnung im Gottesdienst gemäß ihren Aufgaben nach dem Nassauischen Judengesetz. Erst in jüngster Zeit hat sich in der Persönlichkeit des heutigen Kultusvorstebers Dr. med. Cohn ein Mann gefunden, der dank seiner Hingabe und seiner Begabung vor allem in der heiligen Kunst des Vorbetens vorbildliches geleistet hat. Der Gottesdienst in Ems ist so zu einem vor allem auch unter den Kurgästen geschätzten und gerühmten geworden. Noch einmal ist so im letzten Jahrzehnt ein Ansatz zur religiösen Verlebendigung in der Gemeinde zu verzeichnen, dem nur in der heutigen Zeit dadurch allzufrüh eine Grenze gesetzt ist, daß die Altersstruktur der Gemeinde sich wesentlich zu ihren Ungunsten verschoben bat. Immerhin ist diese Verlebendigung zugleich auch der Grund für eine Stärkung der Gemeinschaft. So schwer die Gemeinde heute finanziell zu ^impfen hat, so hofft sie doch zusammen mit dem Preußischen Landesverband noch auf lange Jahre hinaus das Gotteshaus, das die Väter uns gebaut haben, erhalten zu können, zu Ehren Gottes und einer jüdischen Gemeinschaft des Geistes und der Herzen! Von Schabbat zu Schabbat I 1. Schabbat „Waera“ 1. Januar 1938 ln diesem und dem folgenden ffochenabschnitt findet sieh eine Darstellung der zehn Plagen, mit denen Gott den König Aegyptens und sein Reich heimsuchte. Es ist eine einmalige Offenbarung der Macht Gottes über die Menschen. Die Bibel erklärt den Zweck der Plagen in den Worten, die Gott Moses an Pharao richten läßt: Jiätte Ich jetzt Meine Hand ausgestreckt und dich und dein Volk mit der Pest geschlagen, so wärest du von der Erde hinweggetilgt. Aber darum habe ich dich erhalten, um dir Meine Allmacht zu zeigen, und daß man Meinen Namen verkünde auf der ganzen Erde.“ — Mitten in einer Welt wüstesten Wahnglaubens und Götzendienstes, in dem Lande eines Königs, der sich als ein Gott verehren ließ, sollte Gottes Name erkannt werden. Träger dieses Gattesgedankens aber war das Volk Israel. 2. Schabbat „Bo“ 8. Januar 1938 Das JTefillin“gebot. „Lnd es sei dir zum Zeichen über deinem Arm und zum Denkmal oben zwischen deinen Augen, damit die Lehre des Ewigen in deinem Munde sei, denn mit starker Hand hat dich der Ewige aus Aegypten geführt.“ Die TefiUin dienen also zur Erinnerung an den Auszug aus 'Aegypten. Diese* einzigartige historische Ereignis verpflichtet den luden zur Bundesschließung mit Gott. Des Reichest über dem Arm“ — die Hand-„Tefillin“ —■ liege» dem Herzen gegenüber. Am linke» Arm werden sie angelegt. Die Kopf-„Tefilin“ legt man an die Stirn, dem Sitz des Gedankens. Mit dem Denken und mit dem Herzen — das ist die ethische Lehre des TefUingebotes — verpflichte sich der Mensch auf den Dienst an Gott. Kalender für Januar So Jan. 1 Tewet 28 Wa€ra, Neumondtw. So 99 2 99 29 Mo 3 Sch'wat 1 Neumond Di 4 99 2 Mi 99 5 99 3 Do 99 6 99 4 Fr 99 7 99 5 So 99 8 99 6 Bo So 99 9 99 7 Mo 10 8 Di 99 11 99 9 Mi 99 12 99 10 Do 99 13 99 11 Fr 99 14 99 12 fSchabbat schira So 99 15 99 13 B’schallach, So 99 16 99 14 Mo 99 17 99 15 Chatnischa assar Di 99 18 16 Mi 99 19 17 Do 20 18 Fr 99 21 99 19 So 99 22 99 20 Jitro So 99 23 99 21 Mo 24 22 Di 99 25 99 23 Mi 26 24 Do 99 27 99 25 Fr 99 28 99 26 [Neumondsweihe So 99 29 99 27 Mischpatim, So 99 30 28 Mo 99 31 99 29 3. Schabbat „Bcschalladi“ 15. Januar 1938 Aus dem ,£,iede am Meer“. ,J)em Herrn will ich singen, denn hocherhaben ist Er, Roß und Reiter stürzte Er ins Meer. Er ist mein Gott, ich will Ihn preisen, der Gott meines Vaters, ich will Ihn erheben. Wer ist gleich Dir, Herr, unter den Mächtigen? Wer ist gleich Dir, gewaltig in Heiligkeit, furchtbar im Ruhm, Wundertäter? Du führst gnadenvoll dies Volk, das Du erlöst, Du leitest es mit Deiner Macht in Deine heilige Wohnung.“ 4. Schabbat „Jitro“ 22. Januar 1938 Aus der Sidra. „Und nun, wenn ihr auf meine Stimme hören und meinen Bund hüten werdet, so werdet ihr mir ein Kleinod unter allen Völkern sein; denn mein ist die ganze Erde, Ihr aber sollt mir ein Reich von Priestern sein und ein heiliges Volk.“ „An jedem Ort, wo ich meinen Namen anrufen höre, will ich kommen und dich segnen.“ 5. Schabbat „Mischpatim“ 29. Januar 193S „Witwe und Waise sollt ihr nicht bedrücken. Wenn du sie bedrückst und sie zu mir rufen, so werde ich ihren Ruf erhören. — Leihst du einem Armen aus meinem Volke Geld, so sei gegen ihn nicht wie ein Schuldherr, du sollst ihm keinen Zins auferlegen. Pfändest du das Kleid deines Nächsten, so sollst du es ihm bis Sonnenuntergang wiedergeben; denn es ist seine einzige Decke; worauf soll er liegen? SahlOzfcarfaa fOr alla llaloa za Orlglaalpralsaa Vlub TSIagM^wanCibwaHaMpt ■■■■Ha and anvorbindlidi booatwortot M. B. M. MUN Wlt KUtFOISTCMDAMM 224. 11 f r a r a I 913123/24