Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 1 (1.1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jkrg./Nr. 1 1, JBdUcb** OMMtedablatt ffr dto lYMgoy Owthidw ta PmlM/HordliluMnil ZMtroiiilarimg der Auswanderung In der Sitxung dei WanderungsauMcfcuMe, der Reichtvertretnng der Juden in Deuttchland vom 13. Deaenaber 1937 wurde die Notwendigkeit einer Verstärkung aller Bemühungen cur Förderung der Auswanderung festgestellt und die hierau möglichen Maßnahmen erörtert. Angesichts des starken Auswanderungsbedürfnisses und der nur beschränkt vorhandenen Einwanderungtmöglichkeiten müssen alle Kräfte angespannt werden, um die vorhandenen Auawanderungsmöglirhkeiten wahrsunehmen und neue au erschließen. Nachdem sich die Zusammenarbeit der im W anderungsausschuß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland suaammengesohloseenen Wanderungsorganisationen bisher voll bewährt hat, bestand Einmütigkeit darüber, daß künftig noch stärker die gesamte Wie der Hilfsverein der Juden in Deutschland erfährt, werden von der Ausweisungsgefahr in Brasilien voraussichtlich nur die noch nicht legalisierten Einwanderer betroffen werden; die guerat in Presseberichten genannte Zahl von 2000 Juden scheint viel au hoch gegriffen; sie dürfte in Wirklichkeit 500 kaum übersteigen. Der Leiter des Eraiehungsdepartements des Waad Leumi, Dr. Josef Lurie, ist im Alter von 71 Jahren in Jerusalem gestorben. * Anläßlich der Tagung der Advokaten- Kammer in Warschau wurden in die Leitung der Kammer auch einige Juden gewählt. * Auf dem in Warschau stattgehabten Kongreß der polnischen Kaufleute wurde eine Resolution angenommen, die sich die Ausschaltung der Juden aus dem polnischen Handel tum Ziel setat. e Der Präsident der Union rumänischer Juden W. Fildermann hat sein Amt niedergelegt. e Sir Charles T e g a r t, dem die Aufgabe angewiesen wurde, die Palästina-Regierung bei der Reorganisierung der Poliaei au beraten, hat seine Tätigkeit in Jerusalem aufgenommen. e Die Gemeindekörperschaften inLeipaig haben beschlossen, die Amtsdauer der Repräsentanten und Gemeindevorsteher bis Ende 1939 an verlängern. Der Leiter der polnischen Madagaskar- Expedition, Major Lepecki, hat einem Warschauer Journalisten gegenüber erklärt, daß nur der nördliche Teil der Insel von Europäern besiedelt werden könne; seiner Meinung nach könnten bis an 70 000 Per- Planung der jüdischen Auswanderung aentral ansammenaufassen ist. Es wurde daher im Wanderungsausschnß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland die Zentralstelle für die jüdische Answander n n g geschaffen, die in engster Zusammenarbeit mit den wie bisher selbständig bleibenden W anderungsorganisationen die einheitliche Lenkung und planveile Förderung der Einael- und der .Gruppenwanderung gewährleistet. Der Wanderungsausschuß wird der jüdischen Oeffentlichkeit über seine Arbeiten Bericht erstatten. In den Wanderungsausschuß wurden augewählt die Herren: Jakob Levy, Dr. Leo Löwenstein und Josef Schmeidler. Damit sind alle in der Reichsvertretung der Juden in Deutschland ausammengefaßten Organisationen auch im Wanderungsausschuß vertreten. sonen dort angesiedelt werden. — Der Expedition haben bekanntlich Polen und Juden angehört, unter den letzteren der jüdische Agronom Samuel Dyck. Die französische Regierung soll dem von der Kommission aufgestellten Programm grundsätzlich bereits zugestimmt haben. * Das Militärgericht in Palästina hat ein weiteres Todesurteil gegen einen Araber verhängt, ln der Gegend von Tulkerem und Akko wurde eine militärische Aktion durchgeführt. Verschiedentlich wurden wieder Kollektivstrafen verhängt und sonstige Strafmaßnahmen durchgeftihrt. Daf KU mb arger „Tempel" 1117—1957 „Eine leichtfertig« Geschichtsschreibung hat die Jadentaufen am Ausgang des 18. und Beginn de« 19. Jahrhundert« als eine rolge der Umgestaltung des Gottesdienstes hinzustellen gewagt und dabei die schlichte Tatsache auBer acht gelassen, daß diese Umgestaltung erst eiasetzte, als der Zersetzungsprozeß im Judentum bereits gefahrdrohenden Umfang erreicht hatte. Die falsch angeschuldigte ,.Reform" ist zu einem guten Teile als Gegenkraft gegen den Abfall zu betrachten. Sie ist als eine durchaos konservative Maßregel zu begreifen. Sie war eine erhaltende Tat, der erste Versuch, das wankend gewordene Gefüge des europäischen Judenhass zu befestigen." Diese stolzen Worte — aus der Feder des einstigen Hamburger Tempel-Predigers und fetzt in Stuttgart lebenden Rabbiners Dr. Paul R i e g e r — worden 1917 niedergeschrieben; sie stehen in der damals herausgegebenen Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Tempels, und sie mögen heute wiederholt werden als Beweis dafür, daß unter den mancherlei Synagogen- oder Gemeinde-Jubiläen, von denen man in jüngster Zeit hört, dasjenige des Israelitischen Tempels zn Hamburg eine Sonderstellung einnimmt, weil mit seiner Gründung vor nunmehr 120 Jahren eine Wendung für die gesamte Judenheit begann. Unter den Gründern befanden sich hochbedeutende Männer, von denen vier hier genannt seien» Salomon Heine, der große Philanthrop, Onkel Heinrich Heines; Jules Op per t, Professor der Assyriologie an der Universität Paris; Dr. Gabriel R i c 11 c'r und dessen nachmaliger Biograph, der Direktor der Hamburger Stadtbibliothek Dr. Meyer I s 1 c r. Die im ganzen 65 Männer, die damals den Grändungsauirui unterschrieben, «fochten sicherlich nur daran, für sich und ihre Familien oder für die Judenscbait ihrer Stadt etwas schaffen zu wollen; du m aber aus einem seelischen Notstand herans handelten, der überall der gleiche war and überall gleich stark in Erscheinung trat, so wurde Are Tat richtungweisend für die Jedes in ganz Mittel* und Westeuropa, Skandinavien, England und Amerika. Handelte ee sich doch sn nichts Geringeres als darum, den Jeden, die in dum Konflikt z wisch es den europäischen mnd den jüdischen Idealen meist den ersteren den Vorzug gaben, sn zeigen, daß es in Wahrheit gar nicht nötig war, das Judentum zu verlassen, wenn man dem Ghetto nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich entrann und Europäer wurde. Daß der Taufoettel nicht das Entreehillett zur modernen Kultur sei, wie Heinrich Heine geglaubt hatte — dies erwiesen zn haben, war die Tat des Briefmarken/FRITZ LEVIN BERLIN W35, LUTZOWSTRASSE 01 n Hamburger Tümpels; seit seinem Bestehen haben die Juden gelernt, daß man Europäer (und Amerikaner) werden und zugleich Jude bleioen konnte. Es tut der Bedeutung de« Hamburger Tempels keinen Abbruch, wenn man freimütig zugibt, daß damals und auch in späterer Zeit in EimzeAeiteu Fehler begangen worden sind (bei welcher menschlichen Institution wäre das nicht der Fa))?), aber sein methodisches Grundprinzip hat sich nahezu überall durchgesetzt; uud wo dies nicht der Fall, da klaffen moderne und altfromme Lebenshaltung noch heute hart auseinander. Ist Cs doch selbst im Heiligen Lande noch meist so, daß man glaubt, sich zwischen altfromm and unfromm, zwischen orthodox und anreligiös entscheiden za müssen. Die Konflikte sind heute sogar weit schwerer als vor 120 Jahren. Denn wenn man heute sich vielfach berechtigt glaubt, über die Reformen aus der Anfangszeit des religiösen Liberalismus spötteln zu dürfen, so deshalb, weil das gesamte jüdische Reformproblem zunächst nur an der Reform des Kultus sichtbar wurde. „Es handelte sich um die Orgel", sagt man und vergißt, daß in dem Hamburger Tempelstreit, der ein Jaihrzehat hindurch die Juden wirklich der ganzen Welt bewegte, den Gegnern der Orgel dies Instrument weit wichtiger war als Area Befürwortern. Inzwischen ist die Entwicklung dahin gegangen, daß man sicht: auch wo au die Orgelfrage überhaupt nicht gedacht wird, tritt doch im Leben außerhalb des Ghettos — und darum gerade auch in Palästina — die Notwendigkeit, Lehre uud Leben durch Reform der religiösen Uebung in Einklang zu bringen, immer wieder unebweirbar hervor. Und selbst die Kultusreformen des Tempels, wie z. B. Amtstracht des Rabbiners und de« Chasao, Knnstgesang von Chasan und Chor, Predigt in der Landessprache, Mädcbeneiasegnuag und vieles andere mehr ist heute Gemeingut nahezu aller Synagogengemeinden der Welt vom äußersten Liberalismus bis tu ganz orthodoxe Gemeinden hinein — von der über die Kultusreform hinausgehenden Reform der gesamten jüdischen Lebenshaltung in Kleidung, Namen, Bildung, Berufswahl usw. hier zu schweigen. Die Feier, die der Hamburger Tempel anläßlich seines 120jährigen Jubiläums -abhielt, war der Zeit entsprechend äußerst schlicht; auch dies soll ihm JULIUS M. BIER £ AN- UND VERKAUF VON GRUNDSTÖCKEN Stammhaus Qogröndnt 1690 Rnrtt», islpdisr Sfr. 31*32, Tel 134441 gedankt werden. Rabbiner Dr. Cäsar Sßlif nass, seit 1902 an die Frankfurter Gemeinde „ausgelichea", trat am Freitagabend wieder vor „seine" alte Tempelgemeinde; am Sabbatvormittag hielt Rabbiner^ Dr. Bruno Italiener die eigentliche Festprcdigt; Oberkastor Leon Xora'jtser waltete am Vorbeterpult seines Amtes; ein 99jihriger Glaubensbruder. der noch die EmweAuug des zweiten Tempeigcbäudes in der Poolstraße Im Jahre 1844 als Kind miterlebt hatte, wurde ab Rischo« aufgerufen; einige ganz wenige auswärtige Gäste (unter ihnen der Präsident der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. Leo B a e c k); die feierliche Einbringung dreier nener Tors-Rollen, die dem Tempel sn seinem Jubiläum geschenkt wurden; ein fröhlicher, rührender Oneg Schabhat der Jugend, die in dem 1931 eiageweAtca neuen Tempeigchände .in der Oberstraße über schöne, helle, nützliche Flame verfügt; ein privates ZusamiSenaein der auswärtig«* Gäste mit dem Tempehrorsitzenden, Herrn Daniel Münden, im Rabbinerhauae — das war das schlichte Programm dieses Jubiläums der Mattergemeinde des modernen Judentums aller Welt. Ge arge Gasts. 7b MtMQtto Wot&tto DAS SPEZIALHAUS für Stoffe Was die Kleidung Teppidie Gardinen Möbel AUSRÜSTUNG FÜR PALÄSTINA UND ÜBERSEE SdvifiRAt Amjr*ft» tut St Ührut-AMtümg h\ BXMUN Ca SPANDAU EX STRASSE