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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-01-01 · 1 (1.1.1938) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
1 (1.1.1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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1<. Jhrg./Nr. 1 Wdbciiii Otnnlndtbtatt (Sr dl«! ^irtjw/NftrHrtidtcMwd 1. Smmmt IfSi gemeinde, die ihrer schweren Stunde ent* gegeniahen, Amulette, die vor Unglück be* wahren sollten, verteilt hatte. Beim Oeffnen eines Kemia wollte man dann Schriftzeichen gefunden haben, die auf sabbatianische Bestrebungen Eibeschütz* schließen ließen. Sofort begann Emden den Kampf, der allerdings seinen Grund nicht nur in der vermeintlichen sabbatianischen Gefahr, sondern mindestens ebenso stark in den persönlichmenschlichen Differenzen und nicht zum wenigsten in der von Emden und Eibeschüts benutzten, um nicht zu sagen ausgenutzten sozialen Spannung innerhalb der Gemeinde hatte. Die Zahl der Autobiographien ist in der jüdischen Literatur außerordentlich klein. Jakob Emdens hinterlassenes Buch „Megillat Sefer" ist ein Selbstbekenntnis eines eigen* willigen, zu keinen Kompromissen geneigten, argwöhnischen Mannes, der von seiner einmal gefaßten Meinung durch nichts abzubringen ist und der doch gleichzeitig das Bild einer innerlich zerrissenen Persönlichkeit bietet. Daneben ist aber au<h seine Selbstschilderung eine reiche Quelle der Kenntnis des jüdischen Lebens seiner Zeit. Aber das tiefere Verständnis für den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Hintergrund, auf dem sich der Amulettenstreit abspielte, haben wir erst durch die wertvollen Veröffentlichungen aus den Hamburger Archiven durch M. Grunwald gewonnen. Es ist hier nicht der Ort, um auf die Einzelheiten des Streites zwischen den beiden Rabbinen einzugehen. Die Frage nach Schuld, Unschuld oder Teilschuld von Eibeschütz, dem gelehrten Verfasser verschiedener Kommentare zu WIHfflWMWfllHmitlffl Aut dar Ausstellung Im Burllnur Jüdischen Musuum: *100 Jahr« Jüdisch« Kunst" Eduard Magnus: Bildnis seiner Nichte Aula. Abraham. frv-'vH _,***,-, rabbinischen Gesetzbüchern, bleibe dahingestellt. Graetz, Dubnow und viele andere jüdische Geschichtsforscher haben darüber verschieden berichtet und geurteilt. Das Neue, was Cohen in seinem Buche bietet, das ist die interessante starke Herausarbeitung der sozialen Motive eines Kampfes, der nicht nur das gesamte Judentum in Erregung versetzte, sondern von dem auch, wie die Veröffentlichungen in nichtjüdischen Druckschriften und Anzeigen der Zeit beweisen, die außerhalb des Judentums stehenden Kreise mit Interesse Kenntnis nahmen. Die sozialen und ökonomischen Kräfte sind daher von den Gelehrten, die sich mit der Geschichte der Juden beschäftigen, vielleicht etwas stiefmütterlich behandelt worden. Das literaturgescfaichtliche oder das politische Motiv standen zumeist im Vordergründe. Für Cohen, den modernen amerikanisch-jüdischen Wissenschaftler, sind das Bedeutsame, wenn nicht das Entscheidende bei der Beurteilung des Problems „Emden-Eibeschütz“ die so* zialen Spannungen und Entladungen in den damaligen jüdischen Gemeinden. Der „Amulettenstreit" ist, wenn man von den persönlichen Momenten absieht, ebenso wie er ein Kampf des Rabbinismus gegen den Mystizismus ist, ein Kampf der ärmeren, sozial niedrigeren Klassen gegen die reichen und einflußreichen Kreise innerhalb der Gemeinden. Eibeschütz und Emden sind die Exponenten Ats uff fff fff fimrfflrtfff Aus den ältesten Statuten einer Chewra Kaddischa Nach einem alten, auf den Hohen Rabbi Löte zurück gehenden Vorbild wurden in Prag im 17. Jahrhundert Salzungen festgesetzt, aus denen auszugsweise folgendes mit geteilt sei: 1. Jedes Mitglied der Chewra Kaddischa ist bei Strafe verpflichtet, morgens und abends in die Synagoge zu gehen. 2. Kein Mitglied dieser Genossenschaft darf in ein Gasthaus zu einem Nichtjuden gehen; auch soll kein Mitglied in dem Hause eines Nichtjuden spielen bei Verlust seiner Mitgliedschaft. 3. IVenn ein Mitglied sich unwürdig benimmt, wird es nach dem Beschluß der A ehesten des Vorstandes ausgeschlossen. Wenn er jedoch hierauf Buße tut und die Verachtung und Strafe, die man über - ihn verhängt, verträgt, kann man ihn wieder aufnehmen. Er wird jedoch wie ein Fremder betrachtet. 4. Jeder Streit unter den Mitgliedern soll von den ehrenwerten Gabbaim (Vorstehern) entschieden werden. 5. Wenn jemand — es möge kein Leid Vorkommen — ein Vierteljahr nicht auf dem Friedhof war, sollen die Gabbaim mit fünf Sekenim (Aeltesten) Zusammenkommen und ihn abschaffen. 6. Wenn der Wochenmann (der Diensthabende) eine Mizwa geringschätzig behandeln sollte, soll er gleich in die Büchse fünfzehn Kreutzer geben. 7. Wenn ein Gabbai mit dem Tode abgeht, sind die Genossen verpflichtet, die Bahre vom Tore des Friedhofes bis zum Grabe zu tragen, und kein Fremder, der nicht zur Chewra gehört. Wenn ein Saken mit dem Tode abgehen sollte, sind alle Genossen verpflichtet, in Hellrock und Barett zu kommen. 8. Wenn jemand in die Chewra auf genommen werden will, muß er acht Jahre warten, bis er definitiv aufgenommen wird. 9. Es können jährlich nicht mehr als vierzig Mitglieder provisorisch und vier definitiv aufgenomen werden. 10. Wenn jemand auf genommen werden will, muß er ein ganzes Jahr dazu gehen, und die Diener müssen bezeugen, daß er ein Jahr dazu gegangen ist; vor Erteilung des Definitivums wird er über die Beerdigungsbräuche befragt; wenn er die Fragen nicht gut beanwortet, hat er ein Jahr, diese Bräuche gut zu lernen. 11. Es ist beschlossen worden, fremde arme Leute nicht mehr an unsere Genossenzweier nach entgegengesetzten Seiten drehenden soziologischen Kräfte. Ez i«t die Zeit, da der Kampf um die Führung, um die Herrschaft in den Gemeinden mit aller §chärfe zum Auadruck kommt. Die an der Macht waren, wollten sie nicht aus den Händen geben, aber neu heraufkommende ökonomische und gesellschaftliche Kräfte drängten aut dem Dunkel an das Tageslicht. DaS gerade Hamburg der Schauplatz besonders starker Gegensätze war, hatte seinen bestimmten Grund: Das Erdbeben von Lissabon 1755 hatte zahlreiche wohlhabende jüdische Kaufleute aus dem Export- und Importhandel zu zrmen Leuten gemacht. Mit ihrem Vermögen hatten diese auch ihren bis dahin ausgeübten EinfluB bei der Führung der Gemeindegeschäfte verloren. An ihre Stelle traten die Unbemittelten, die nunmehr versuchten, mit den überkommenen Privilegien der alten „Pamassim“ und Rabbiner aufzuräumen. Es war ein leidenschaftlicher Schaft zu weisen, um ihnen Wegzehrung zu geben, denn die Stadtarmen werden dadurch verkürzt. Es sind dies alte Worte, befestigt wie Felsen, von Versammlungen ausgehend, von den Redlichen, Vornehmen, Gottesfürchtigen, Wohltätigen, einer heiligen Vereinigung. Bei Vollversammlung wurde das Für und ff ider erwogen, und sie sind nach ihrer Einsicht und nach ihrem Wissen übereingekommen, zu vollführen den Willen ihres Schöpfers; alle einem Hirten entstammend, bezeugten sie Größe ihrem Schöpfer. Aus dem Jüdischen Centralblatt. Aus einem jüdischen Testament 1. Meine Söhne und Töchter, ich warne euch vor der Trägheit und vor der Betrübtheit; werdet nicht mißmutig, wenn Gott nicht alle eure Wünsche erfüllt, es ist alles zum Guten. 2. Denket daran, daß jeder Mensch vor allem seinem Munde Zaum und Zügel entlegen muß, denn der Mupd ist die Ursache oder doch der Ort für viele leichte und schwere Sünden, für Lügen, böse Zunge, Heuchelei, Spötterei, miissiges Geschwätz usw. O, enthaltet euch doch nur ja des Zankes und des üblen Redens über die Menschen, seid darum nachsichtig bei Unbill, die ihr erfahren, und hat euch jemand hart behandelt, duldet ein wenig, es ist dies das geringere Uebel und hat den Vorteil, daß euer Gegner desto schneller sein Unrecht einseheit wird. 3. Wenn ihr an einer Versammlung für Gemeindeangelegenheiten teilnehmt, sagt euere Meinung frei, ohne Parteilichkeit und persönliches Interesse, sagt aber nicht: Ihr müßt durchaus meine Meinung annehmen! denket vielmehr, daß nach dem Gesetz unserer Lehrer der Rechtsspruch gilt: J9twh der Mehrheit ist zu entscheiden.“ < 4. In Betreff der Erziehung eurer Kinder lege ich euch ans Herz, leitet sie mit Milde, lasset ja kein Schimpfwort eurem Munde entfahren, weiset sie mit verständigen Worten zurecht, die sicher eine zarte Empfänglichkeit finden. 5. Meine lieben Söhne und Töchter und Enkel! Ich bitte euch sehr, seid gewissenhaft in der Abgabe des Zehnten, führet darüber genau Buch und gewöhnet eure Kinder daran, denn das ist die beste Anleitung zur Wohltätigkeit überhaupt. Um Gottes willen aber, haltet Friede unter euch selbst, unterstützet euch in allen Dingen und nach größter Möglichkeit, und traget einander nichts nach. Aus einem Privatdruch. (Mitgeteilt von Hilde Ottenheimer.)

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