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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-01-01 · 1 (1.1.1938) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
1 (1.1.1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Jß»»/Mr.! WbckM Mr «Rn •(■■••••»OmmMm In PrNlM/MwdMKMHi 1. Jnnnur 19M lieber die raun* referiert« Herr Adolf Seboyer und berührte dabei auch die Frage, wie bei Gemeindeauflösungen die vorhandenen Vermögenswerte erbalten werden können. Er wiee auf die Maßnahmen bin, die der Landes- ▼eruand getroffen hat, um einen Verluet der materiellea und religiöeen Werte an Verbindern. Von Bedeutung eei ferner die Eingemeindung lebensunfähig gewordener Gemeinden in die größeren Nachbargemeinden, die sich dieser Pflicht nicht entaiehen dürften, selbst wenn eine gewisse finaniielle Belastung dadurch entstehen könnte. Mit Entschiedenheit sei gegen den Versuch einiger Gemeinden Stellung au nehmen, die größeren Zensiten einer Nadibargemeinde au veranlassen, unter Hinweis auf besondere Steuererleichterungen in ihren Beairk au aiehea. Gesteigerte Aufmerksamkeit müsse der von den Gemeinden au treibenden Finanz- und Sparpolitik gewidmet werden. Die Höhe der deraeitigen Steaereingänge dürfe über die kritische Lage der Juden und ihrer Einkommensverhältnisse nicht hinwegtäuschen, nnd es entstehe die Frage, ob man sich auf den früher oder später mit Sicherheit au erwartenden Rückschlag schon jetat durch radikalen Abban gewisser Gemeindeeinrichtungen vorbereiten solle. Kulturarbeit Der Syndikus des Landesverbandes Dr. Hermann Schildberger wies in seinem Bericht über die Kulturdeaernate unter Hinweis auf die in der Kundgebung des Vorabends erstatteten Referate darauf hin, daß der Landesverband mit den von ihm geschaffenen Einrichtungen der Gemeindeabende, der Wanderbücherei und des Gemeindeblattes sich als jüdischer Kulturfaktor ersten Ranges erwiesen habe. Der Wanderbücherei sei eine Jugendbücherei von 300 Bänden angegliedert worden. Immer weitere Um den Mitgliedern des Rates die Landesverbandsarbeit nicht nur vom Standpunkt der Berliner Zentrale aus darausteilen, sondern ihnen einen unmittelbaren Eindruck von der Verbandsarbeit im Lande selbst au geben, waren diesmal zwei, Vertreter von Provinzialverbänden aur Erstattung von Referaten aufgefordert worden. Rechtsanwalt Dr. Willy Kataenstein (Bielefeld) hob die Bedeutung der vom Landesverband ständig erfolgenden Beratung der Klein gerne indes» in Steuer-, Kultus- und Beamtenfragen hervor nnd ebenso die Beratung bei notwendig werdenden Liquidationen von Gemeinden. Die Kulturfahrten hätten außerordentlichen Anklang gefunden; diese Arbeit verdiene jede Förderung. Dr. L n z (Breslau) ergänste diesen Bericht über die Arbeit im Lande nach seiten der Finanannd Sosialarbeit. Auch er erwartet über kan oder lang einen rapiden Steuerrückgang, doch ist der Referent nikt der Meinung, daß radikales Sparen im Augenblick die geeignete Maßnahme sei, jedoch müsse alles getan werden, um sieh auf dieses Ereignis vorzu bereiten. In der Soaialarbeit bekennt sich der Redner als Anhänger der ehrenamtlichen Arbeit, glaubt aber, daß unter den heutigen Verhältnissen kein Ehrenbeamter der Unterstütmmg durch Fachkräfte entraten kann. Eine Zentralisierung der gesamten Wohlfahrtsarbeit sei ansustreben. Abschließend sprach Dr. Klee über die Auswanderung. Es sei festzustellen, daß von Januar bis September 1937 etwa 19 000 Mensehen ans jüdi- Gemeiaden bäten mn Einrichtung von Bücher' stellen, und sogar die Belieferung von Hachschara-Plätsen mit Büchern sei notwendig geworden. Bisher seien insgesamt 47 Bezirks- Stellen aait 190 Gemeinden durch die Bücherei versorgt worden. — Mit den Kulturfahrten setae der Landesverband seine kulturelle Betreuung bei denjenigen Menschen und Gemeinden ein, die von anderen jüdischen Bildungsorganisationen nicht oder unsnreirhend erreicht werden können; diese Einrichtung sei ein wesentlicher und unentbehrlicher Bestandteil der Kleingemeindearbeit geworden. Es sei nicht selten, daß die ganze jüdische Bevölkerung einer Gemeinde sich an den Kulturabenden in der Synagoge versammle. Ueber die Binnenwanderung der Juden in Deutschland referierte der Leiter der beim Landesverband eingerichteten Meldestelle für Binnen- und Auswanderung, Max Birnbaum. Nachdem er zunächst die negativen Auswirkungen dieser Wanderung — die Auflösung zahlreicher Klein- und Kleinstgemeinden und das Hilfsbedürftigwerden von Mittelgemeinden, die noch bis vor kurzem Träger des gemeindlichen Lasten au sgleichs waren — an einigen Beispielen dargelegt batte, gelangte er au der Feststellung, daß auf der anderen Seite der aus der Binnenwanderung sich ergebende Zuzugsgewinn der Großgemeinden nur ein scheinbarer ist. In der Regel sei die Binnenwanderung nnr eine Vorstufe zur Auswanderung. Als echter Zuzugsgewinn verbleiben den Großgeinemden vornehmlich die alten und erwerbsunfähigen Personen. Da aber die Auswanderung auch den Großgemeinden gerade die leistungsfähigsten Steuerzahler nehme, führe die Binnenwanderung zu einer Verschiebung des beruflichen nnd altersmäßigen Aufbaues der Großgemeinden, die bei der Beurteilung der weiteren Entwicklung nicht außer acht gelassen wurden dürfe. sehen Gemeinden ausgewandert seien. Dr. Klee faßte an Hand eines der Versammlung vorliegenden Zahlenberichtes dessen Ergebnisse zusammen nnd forderte, daß bei der Finanzierung von Auswanderern in Zukunft eine stärkere Heranziehung von ausländischen Verwandten erfolgen müsse. Im Verlauf der Aussprache, die sich an die Referate anschloß, wurde der dem Rat vorgelegte Haushaltsplan für 1938 durchberaten. Haushaltsplan und Umlage 1938 Der vom Finanzdezernenten Bruno V.oyda ausgearbeitete Voranschlag 1938 zeigt sich gegenüber den Zahlen des Vorjahres nur wenig verändert; Einnahmen nnd Ausgaben balanzieren zeit 553 000 RM. Von dieser Summe entfallen n. a. auf den Lastenansgleich für leistungsschwache Gemeinden einschließlich der Zuschüsse für Bezirksrabbinate 255 000 RM, Beamte im Ruhestand, Beamtennotfonds und Pensionskasse für Beamte 120000 RM., für Kulturarbeit (Lehrerbildung, Fortbildung, Kulturfahrtea ' usw.) 84 000 RM. Der Haushaltsvoranschlag wurde einstimaaig sngenoszmen, ebenso auch der vom Finanzdesementen beantragte Umlagebeschluß, demzufolge für das Rechnungsjahr 1938 erheben werden: L für den Landesverband: a) 1,25 Prouent des Reichseinkommensteuersolls der Mitglieder der Syw agogengemeinden für das Jahr 1936; h) 3 Prozent vom Vermögen satencraoll 1936 der Mitglieder der Synagogengemeinden, jedoch nicht mehr als 10 Prozent des Zuschlages zur Reichsvermegenseteuer, den die Gemeinde selbst erhebt. 2. für die Reichsvertretung: a) 1,1 Prozent des Reieheeinkommen- Steuersolls 1936; b) 0,40 RM. Kopfgeld. Das Kopfgeld errechnet sich nach dem Ergebnis der Volkszählung 1933 abzüglich 25 Present. Wahlweise kann das Kopfgeld in Höhe van 0,40 RM. nach der Be- Völkernngseahl vom L Oktober 1937 gezahlt werden. Zur Annahme gelangte ferner folgender Antrag, der von einer großen Anzahl van Ratsmitgliedem eingebracht worden war: „Nachdem durch den Anschluß der kleineren norddeutschen Verbände der Preußen verband etwa 4/a der Juden m Deutschland umfaßt, beschließt der Rat, das Dezernentenkollegium zu ermächtigen 1. dem Preußischen Landesverband einen den veränderten Zuständen entsprechenden Namen zu geben, 2. nunmehr mit den noch nicht angeschlossenen Verbänden (einschließlich des Halberstädter Verbandes) in offizielle Verhandlungen einzntreten, die den Zusammenschluß aller Gemeinden bzw. Gemeindeverbände in Deutschland zu einem Verband der Jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich zum Ziel haben. Mit einem Dank des Geheimrat Falkenheim (Königsberg) an den Präsidenten für ' die Leitung der Sitzung schloß die inhaltreiche Tagung, die von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags gedauert hatte und durch die der jüdischen Gemeindearbeit für das kommende Jahr die Wege gewiesen worden sind. Die am Schloß des vorstehenden Berichte« erwähnte Entschließung des Rates erstrebt die Vereinigung und Zentralisierung der Gemeindearbeit. In der Debatte wiesen die Befürworter des Antrages u. a. darauf hin, daß die jetzige Zersplitterung — d. b. die Aufteilung der Arbeit unter teils nach territorialen, teils nach religiösen Gesichtspunkten geschiedene C emeindeverbände — oft zu Unzuträglichkeiten geführt habe, die im Interesse der notwendigen einheitlichen Regelung des Lasteuausgleicks und angesichts der jüdischen Gesamtlag« in Deutschland unbedingt überwunden werden müßten. Deshalb sollte durch den Antrag, der ans der Mitte der Ratsmitglieder gestellt wurde, den Berliner Dezernenten die Ermächtigung gegeben werden, in der von dem Beschluß gewiesenen Richtung tätig zu arm Die Entscheidung darüber, wann und in weicher Ferm die Dezernenten von dieeer Ermächtigung Gebrauch machen werden, steht zurzeit noch aus. Bei dieser Sachlage wäre es naheliegend gewesen, daß die übrigen Gemein de verbände zunächst abgewartet hätten, ob der Preußiecbo Landesverband sich an sie wanden würde, nun über'den Zusammenschluß aller Gemeinden und Gemeindeverbände im Deutschen Reich zu verhandeln. Es muß auffällig erscheinen, daß di« süddeutschen Landesverbände solche abwartende Haltung nicht abigcuemmau, sondern es für angezeigt gehalten haben, sich von vornherein in eine Abwehrstellung zu Die Arbeit im Lande f

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