Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 16 (1938)
- Issue
- 1 (1.1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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t|»»|)ny» (1 iwiliilu In hwlwi/HuiJdwt«cM>id 1. tl )bg./Nr. t üdbefcw OmmMMMI Mr dk -1--- tMsvezbaad geaduffene Einrichtung der BeliHonkkiinU ermöglichte Tätigkeit sei — der Redner — nickt zuletzt anek l gewaltiger Erziehungsfaktor für die Rah- Wührand der Knwdgkbtwifl von links nach rechts: Kamm«rg«richt$rat a. D. Wolff, R.-A. Dr. Kl««, Rabbiner Dr. Seligsohn (Bonn) Aafa. SoMcaltld. bäner selbst, die dadurch lernen, ihre Arbeit dem einseinen Menschen snsuwenden, denn darauf müsse ja alle rabbinisehe und alle jüdische Tätigkeit zuletst hinauslaufen: auf den Dienst an jeder einzelnen jüdischen Seele. Der Landesverband ab Kalturfaktar Rabbiner Richter (Stettin) schilderte mit ergreifenden Worten den Rückgang und allmählichen Schwund der einzelnen Gemeinden. Abwanderung und Tod vermindern die Seelenzahl, Hand in Hand damit erfolge Abbau und Liquidation der Einrichtungen. Auf diesen unabänderlichen geschichtlichen Vorgang habe der Landesverband die klassische jüdische Antwort gegeben: das Leben der Juden als jüdiscbes Leben zu halten bis zum Leuten. Nicht große Worte über Möglichkeiten der Neuschaffung einer jüdischen Kultur wolle er hier sprechen, vielmehr nur die arhliehte Tatsache aussprechen, daß der Landesverband mit den von ihm geschaffenen Einrichtungen: Bezirksrsbbinate, Kulturfshrtei, Wanderbäche r e i und Jüdisches Ge; Üieindeblatt jedem einzelnen Juden die Möglichkeit eines lebendigen Anschlusses an das jüdische Geistesnnd Kulturleben biete and erhalte. Nicht Gelehrsamkeit sei das Ziel dieser Bildungs- und Kulturarbeit, sondern die Erreichung und die Aufrufung des von Sorge und Last bedrückten, einsam gewordenen jüdischen Menschen: daß er den Sinn und das in allem jüdischen Schicksal waltende göttliche Gesetz erkennt und weiß, er steht nicht allein, nnd alles, was er in der schrumpfenden Kleingemeinde erlebt, ist in Wahrheit kein Abbau, sondern eine Umpflanzung, schmerzvoll, aber notwendig und darum zuletzt doch segenvolL Landesverband und Aaswanderung Diesen Gedanken führte der letzte Redner des Abends, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, in seinem Schlußwort „Unser Landesverband Und die Wanderung“ weiter. Bei der Gründung des Landesverbandes nnd noch Jahre Spüler wäre wohl iedeai aaasSglich erschienen, dag über eia solches Theasa ieuuls gesprochen Jwrdea höaae. Nua sei es Tatsache. Die Arbeit des Landesverbandes wag dazu führen, dag alles, was Wir aaseren Menschen hier an Erziehangswerten and Sonstigem Mischen Gut geben, sich dränge* bewährt- Alles hiev Eatpiaugeae mmt in de* köaftigen Reimatlüadera fruchtbar werden. Die wirtschaftliche Fundierung der Ans wnnd« i nngr nihert ist nicht unsere Ansgehe: sie gebürt ine Arfgnfaengehiet der Reichs- Vertretung, des Pnlüstma-Amtes, des Hilfsvereins nnd wird dort vorbildlich geleistet. Aber für eines haben wir vom Landesverhand aas zu sorgen: wir wollen, daß sich draußen, überall, wo neue« jüdisches Leben entsteht, ein ungebrochenes Judentum entwickelt, und daß unsere Menschen das Bewußtsein hinüber bringen, Träger neuen jüdischen Aufbaus zu sein. Diese Aufbaustimmung wird aber nur dann vorhanden sein, wenn jedem Auswandernden von uns klargemacht werden kann, daß das Judenleben von morgen dort dasselbe sein muß wie das Judenleben von heute hier. Denn wie leben wir heute hier? Ein jeder Jude weiß wieder, daß er Jude ist, Jude zu sein hat, seiner Gemeinde und allen ihren Einrichtungen angehört. Wenn unsere Menschen nach Amerikay nach Australien oder wohin sonst kommen und ihr früheres Einzeldasein fortsetzen wollen, sich vielleicht gar bemühen, als Juden nicht erkannt zu werden, dann wehe einem solchen zukünftigen jüdischen Geschlecht, wehe, wenn nicht alle von dem Makkabäergeist mit hinübernehmen, dessen wir uns in diesen Tagen wieder in allen jüdischen Gotteshäusern und Familien erinnert haben. Der jüdische Geist aber, der unsere Menschen überall jenseits der Grenzen und Meere beseelen soll, ist der Geist hier der Pergamente in dem Heiligen Schrein. Auch Torarollen haben ja ihre Schicksale. Ich sah eine Torarolle, die von der alten sefardischen Gemeinde auf der Insel Sarbados nach London gekommen war, und die nun von dort der nenen portugiesischen Marranengemeinde in Braganza gestiftet wurde. Das Ideal wäre, wie Herzl es, gleichsam in einer Vision, geschildert hat, als er seinen Judenstaat schrieb: daß Gemeinden wandern, ihre Rabbiner nnd Lehrer mit den Torarollen voran. Nun, die Wirklichkeit ist ein wenig anders, nnd doch ist Herzls Schau für uns eine Mahnung. Ez darf nicht sein, wie?■ jüngst unter den 12 oder 15 Juden ans Deutschland, die sich fetzt in Am 7. Dezember 1937 fand in Berlin die Tagung dea Großen Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Am Vorabend war in der Berliner Synagoge Fasanenstraße eine Kundgebung veranstaltet worden, über die gesondert berichtet wird. An der geschäftlichen Sitzung nahmen nahezu alle Berliner und auswärtigen Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Großen Rates teil, ferner die Vertreter der angeschlossenen nichtpreußiachen Landesverbände sowie die Vorsitzenden oder Vertreter der Provinzialverbände. — Der Präsident des Rates, Kammergerichtsrat L R. Leo Wolff, gedachte in seinen Eröffnungsworten der seit der letzten Sitzung verstorbenen Mitglieder des Rates und des Verbandstages, darunter des ehemaligen stellvertretenden Präsidenten des Verbandstages, Rechtsanwalt Köllenscher. Bezirksrabkinate Nachdem der Präsident des' Rates einen kurzen Ueberblick über die Tagesordnung gegeben batte, erteilte er ala erstem Referenten das Wort an Rabbiner Dr. G a 11 i n e r. Dieser gab bekannt, daß seit seiner Uebemahme des Dezernats die Zahl der Besirksrabbinafe von 3 auf 36 angewachsen sei, durch die zur Zeit insgesamt 55 000 jüdische Seelen in zum Teil kleinen und kleinsten Orten rabbinisch betreut werden. Der Plan sei noch nicht völlig dnrehgeführt; es werde noch eine Reihe von Beairksrabbinaten hinzukommen, doch müsse dabei die bisherige Unterscheidung von Haupt- und nebenamtlichen Bezirksrabbinern aufgegeben werden, denn der ‘ Landesverband könne es künftig nicht zolassen, daß eine Gemeinde ihrem Geaaeinderabbiner eine Tätigkeit innerhalb dea umliegenden Bezirkes verwehre. Sehr fühlbar sei der Mangel an Rabbinern konservativer Richtung; die Gemeinden seien Juwav ma einer japanisches Großstadt szÄslten, ftvnca Ist: einer eeplisf die Neckricht vom Tode aeizes Vaters, eher er konate Iceiacn Kaddiech Sprechern lassen, weil mieasand da wer, der vorbetea koente — aaaa muß die tieie Trafik ermessen, die ia solchem Vorkommnis lieft. Darum: Pflefe des jüdischen Geistee, Pflefc der heiligen hehrfisebea Sprache, aack der Umfanfssprachel Aber des allein reicht sieht aus. Man wird eon mir nicht flanken, daß ich die Bedeutung des Hebriischen als Umfanfasprachc unterschätze. nicht nur iss Hcilifsn Land, sondern überall sollen die Juden sie pflefen; aber sie sollen nicht in neuen Ländern sich als ,.Jaden ans Deutschland" von den übrifen abschließen, sondern sich mit all den jüdischen Erziehnnfswerten, die sie mitbrinfen, sieh dem jüdischen Leben nnd dea Gemeinden ia ihren nenen Ländern anschließen. So erkennen wir es als unsere Aufgabe: wir haben unsere Menschen geistig auf ihr jüdisches Leben in ihren künftigen Landern vorzubereiten. Auch die Torarollen unserer Kleingemeinden gehen auf die Wanderschaft. Wir bekamen gerade gestern einen Brief aus Australien, mit dem eine dort neugegründete Gemeinde sich dafür bedankte, daß wir ihr von hier Torarollen übersenden konnten — so soll der ewige Geist Israels neues Leben gewinnen und fortdauern für alle Zeiten! ★ Ein bedeutendes musikalisches Programm verschönte den Abend: das Orchester der Künstlerhilfe, unter seinem Dirigenten Dr. Hermann Schildberger, spielte Mendelssohns kraftvolle „Athalia^-Ouvertfire; Godfried Zeelander brachte Volkmanna melodiöses Larghetto für Cello, gemeinsam mit dem Streichorchester, in Gehör, und Wilhelm Guttmann (Bariton) sang Jeremias Gesang ans Hillers „Zerstörung Jerusalems** und ließ den Abend mit Handels Arioso („Dank sei dir, Herr**) machtvoll ausklingen. nicht in der Lage, freigewordene konservative Rahbinatsstellen zu besetzen. — Eine neue Bedeutung habe die Tätigkeit des Rabbiners in Verbindung mit der jüdischen Volksschule erhalten; für solche Rabbiner, in deren Gemeinden die Errichtung jüdischer Volksschulen bevorstehe, habe der Landesverband Fortbildungskurse abgehalten, die au einer ständigen Einrichtung ausgebaut werden sollen. Lehrerbildung nnd Schule Rabbiner Dr. Galliner äußerte sich sodann über Lehrerbildung nnd jüdische Schule. Die im September abgehaltene Prüfung von Absolventen der Lehrerbildungsanstalt dea Landesverbandes habe ein günstiges Resultat gehabt: von den 24 sum Examen vor der staatlichen Prüfungskommission sngelaasenen Hörern hätten 23 das Examen bestanden, obwohl die fachlichen Anforderung«! auf allen Gebieten einschließlich Musik nnd Sport sehr erheblich seien, weil die Ausbildung nicht allein im Hinblick auf den Lehrerbedarf ia Inland, sondern auch mit Rücksicht anf die Auswanderungsmöglichkeiten der jungen Lehrer erfolge. Die Prüflinge sind fast alle bereits im. Amte. Die Frage, ob für die Aufnahme die bisher geltende Abiturientenklausel aufrechterhalten werden könne, wird noch erörtert. Die Bearbeitung der Schulsachen soll nach einem Beschlüsse des Rates bei der Reichs- Vertretung von dieser anf die Landesverbände übertragen werden; die Vorarbeiten für die Durchführung diese« Beschlusses. seien im Gange. In Preußen seien von 26000 schulpflichtigen jüdischen Kindern 18000 in jüdischen Schulen. Die Gesamtzahl der jüdischen Schulen ist seit 1933 zurückgegangen, dies sei anf die Beseitigung aahlreieher Zwergschulen sarücksnführen. Kleingemeindenarbeit 1938 Großer Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden tagte