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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-01-01 · 1 (1.1.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
1 (1.1.1938)
Date
1938-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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FÜR DIE SYN ADODEN-OEMEI NDEN IN RREUSSEN UND NORDDEUTSCHLAND Angemeldet beim Sonderbeauftragten da* Reichsministers für yolksaufklürung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. Nr. 1 Berlin, 1. Januar 1938 16. Jahrgang Herausgeber: Preußischer Landesverband jödischer Gemeinden Eine Brücke wurde geschlagen.. Die Kundgebung des Preufiischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Berlin Fragt man, was das Bedeutsamste an jener Kundgebung war, die der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden — als Auftakt zu seiner Ratssitzung — am Abend des 6. Dezember in der Berliner Synagoge Fasanenstraße veranstaltete, so muß eine zunächst vielleicht seltsam anmutende Antwort gegeben werden —: die Gesichter der Berliner jüdischen Zuhörer waren das Wichtigste! Um es deutlicher zu sagen: es gibt unter denen, die in der Berliner jüdischen Gemeindearbeit stehen, keinen einzigen, der nicht um die Nöte der Glaubensgenossen in den Kleingemeinden weiß; aber alle andern, die große Masse der in Berlin lebenden Juden und Jüdinnen, weiß nur sehr wenig von den Brüdern und Sehwestern draußen im Land. So viel auch gerade im Lauf der letzten Jahre in jüdischen Blättern über das Leben in den Kleingemeinden geschrieben wurde, so fehlt doch wohl bei vielen Großstadtjuden die rechte Vorstellung und mit dieser das Mitempfinden, die brüderliche Verbundenheit. All dies ist aber auf jener Kundgebung geweckt worden. Man konnte es von den Gesichtern der Zuhörer ablesen: die Juden Berlins haben Gelegenheit, an manchen deij artigen Veranstaltungen teilzunehmen, immer ist von unser aller Sorge und Not die Rede, immer auch von der Arbeit an unserer aller Zukunft — und doch werden die in der Synagoge Fasanenstraße Versammelten selten so viel Neues gehört haben wie an jenem Abend. Da traten Redner vor sie hin, die mitten in der Kleingemeindearbeit stehen, die ihnen ein Bild von den Brüdern und Schwestern in der Kleinstadt zeichneten, so daß sie sie wie lebendig vor sich sahen! So blieb die Wirkung nicht aus, und es gab wohl keinen, der nicht die Bedeutung dieser Stunde fühlte: „Eine Brücke soll geschlagen werden zwischen den Juden -Berlins und denen der Gemeinden draußen“, hatte der Präsident des Landesverbandes, Kammergerichtsrat i. R. Leo W o 1 f f , in seiner Begrüßungsansprache gesagt; dieser für das Leben unserer jüdischen Gesamtheit so notwendige Brückenschlag ist gelungen, das fühlte, das sah man, wenn man während der Vorträge die Mienen der Versammlungsteilnehmer beobarhetete oder ihren Gesprächen lauschte, die sie anderthalb Stunden später, beim Verlassen, des Gotteshauses, miteinander' führten.- Und dieses Ergebnis ist der schönste Gewinn. Die Voraussetzung aller jüdischen Arbeit Die erste Anspreche hielt, als Präsident des Landesverbandes, Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff. Er begrüßte die außer* ordentlich sahireich erschienenen Zuhörer, unter denen sich die meisten Berliner und auswärtigen Ratsmitglieder, viele Bezirksrabbiner, ferner Rabbiner Dr. Leo B a e c k und Dr. Otto Hirs-ch vom Präsidium der Reichsvertretung, sowie Vertreter des Vorstandes und der RepriUentantenversammlung der Jüdischen . Gemeinde Berlin befanden. Diese Kundgebuaf, so führte der Redner ms, solle handeln vos den Sorgen and Nöten der Nichtberliner, deren Leben in vielen Beziehungen gsoi anders daherflicBt als das der Berliner Juden. Wenn such die Schuhe, die man auswärts trägt, den Onsrigea gleichen, sie drucken doch nicht an denselben Stellen, sondern oft ganz woanders. Die Probleme der jüdischen Kleingemeinden und ihrer Menschan haben stets die tätige Aufmerksamkeit der Berliner Jüdischen Gemeinde gefunden; sie sind es such, die den Preußischen Landesverband beschäftigen. Der gleiche Geist des Gemetnsinas. der vor jetzt genau 25 Jahren dies schöne Gotteshaus in der FssaaenstruBe Berlins erstehen ließ,' läßt ans auch der vielen Syaagogenbaoten draußen im Lande gedenke«, die — ob nun erhaben oder schlicht — in jeden Falle doch die Zierde «ad den Mittelpunkt ihrer Gemeinde bilden, «ad von denen manche verfallen sind, manche nach, zwar äußerlich unversehrt, doch von ihren Gemeinden nicht mehr erhalten werden, manche schließlich tu unser aller Kssuser veräußert werden maßten* So spiegelt sich in dem Schicksal der Synagogen oft das Schicksal der Gemeinden und in diesen wieder das ft rer Menschen. Daß einmal einzelne Gemeinden schwach werden würden, hatte man nach .früher vorausgesehen and deshalb, zom Zwecke des Lasteaausgleichs, die Landesverbände gegründet, unter denen der Preußische sehr bald auch seiner Gründung die erste Stelle einnahm, so daß sjch ihm im Zöge der Zeit nahezu alle Landesverbände in Nord- und Mitteldeutschland anschlossen. In der heutigen Zeit erweist sich die einstige Gründung der Landesverbände als eine Tat, für die wir nicht dankbar genug *e'n können. Abgesehen von den der Reichsvertretung der Juden in Deutschland vorbehaltenen Aufgaben gibt es kein Gebiet jüdischer Arbeit, auf dem wir nicht helfend und regelnd eingreifen müssen. D.ie nachfolgenden Einzelreferate werden teigen, daß der Landesverband ein Sammelpunkt aller jüdischen Gemeindearbeit geworden ist. Die Existenz der Gemeinden aber ist die Voraussetzung aller jüdischen Arbeit überhaupt, denn für alles und jegliches sinddie Gemeinden mit ihren Menschen und Einrichtungen die örtlichen Arbeitsträgeg. ( Wenn nun nach alledem der Landesverband sieh berechtigt glaubt, seine Arbeit als ersprießlich Und segensvoll anzusehen, so führt er das zurück auf die rege Anteilnahme nnd Opfer- Willigkeit weitester Kreise unserer jüdischen Gesamtheit. Es sei, so schloß KGR. Wolff, der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß unsere gemeinsamen Kräfte ausreichend um auch in Zukunft die vön uns betreuten Gemeinden vor Schaden zu bewahren und in ihrer von wahrem Gottvertrauen getragenen Zuversicht zu stärken. Die Lehre und das Lernen Rabbiner Dr. Julias Galliner (Berlin) ergänzte die Ausführungen des Vorredners nsrh der kulturellen Seite bin. Auch er erinnerte zunächst daran, daß es ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Berliner Jüdischen Gemeinde bedeute, die Gründung des Landesverbandes vor nun bald 15 Jahren vorbereitet und begonnen zu haben. Die Früchte solcher Vorausschau und des Verantwortungsgefühls der Berliner sowie aller anderen Großgemeinden zeigten sieh beute: sobald Gemeinden in Gefahr geraten, Gottesdienst, Religionsunterricht, Seelsorge aus eigener Kraft nicht mehr aufrechterbalten zu können, so komme der Landesverband und sorge, daß alles bestehen bleibe. In den ersten Jahren sei das einfach durch Gewährung von Zuschüssen an Gemeinden und Beamte geschehen, die neue Zeit habe dann neue Wege erfordert: Zusammenlegung der Gemeinden, der Lehrerbezirke, der Rabbinate. Die Zahl der Bezirksrabbinate konnte vom Landesverband von 3 auf 36 gebracht werden und wird sich noch weiter erhöhen, 55 000 Menschen werden schon jetzt durch sie ständig betreut. Immer umfangreicher werde auch die Arbeit auf dem Gebiete des jüdischen Schulwerks, das der Landesverband in enger Zusammenarbeit mit der Reirhsvertretung aufbaue. Von den 26 000 jüdischen Schulkindern im Gebiete des Landesverbandes sind 18 000 in jüdischen Schulen. In der Sorge um die Zukunft unserer Kinder finden alle jüdischen Einzelfragen ihren gemeinsamen Gipfelpunkt. Vierzig jüdische Lehrer werden zur Zeit an der Lehrerbildungsanstalt des Landesverbandes herimgebildet, und so habe der Landesverband neben dem Schulwerk auch die Heranbildung geeigneter Lehrer übernommen. Die Art und Weise, wie sieh die von den beiden ersten Rednern geschilderte Arbeit nun in den Gemeinden selber auswirkt, wurde von den nächsten zwei Rednern dargestellt. Bezirksrabbiner Dr. Seligsohn (Bonn) sprach in seinem Referat „Unser Landesverband nnd die Kleingemeinden“ hauptsächlich von der Tätigkeit der-Be« zirksrabbiner; wieviel der l andre1 verband den vereinsamten Menschen in den Kleingemeinden dadurch gebe, daß er sieh das Ziel gesteckt habe, kein Jude dürfe ohne rabbinisehe Betreuung bleiben. Nicht *■ „schöne“ Predigten und Vorträge käme e* an, sondern auf den persönlichen Kontakt und darauf, daß der einielne Mensch sich in seinen persönlichen Angelegenheiten und Empfindungen vom Rabbiner an gesprochen fühle. Auch komme der Rabbiner zu dem Juden der Kleingemeinde nicht nur bei außergewöhnlichen' Anlässen des Lebens, wie Barmizwa, Hochzeit, Tran erteil uaw„ vielmehr spreche der Jude der Kleingemeinde seinen Rabbiner mehrmals im Jahre privatim und als Freund. Diese durch die vom law

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