Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 12 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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15. Jhrg./Nr. 12 Jod. Gemeindeblatt f. d. Synag.-Gcm. in Preußcn/NorddeutsAland 1. Dezember 1937 und ähnlichen Büchern zu suchen. Kein Buch soll dadurch abgeurteilt werden, daß es zufällig nicht in diesem ersten Bilde erscheint. Die Verkaufsstatistik von Buchhändlern und Verlegern kann daneben ganz andere Zahlen bringen, schon deswegen, weil die Aktualität einzelner Bücher für den Gebrauch in der Bdcherei nicht so wichtig ist wie für den Buclihändler. Die Buchauswahl der volkstümlichen Bücherei, einzig und allein vom bildungspfleglichen Werte bestimmt, macht die absolute Bewertung des Buches fast unabhängig von seiner Aktualität. So entsteht bei dieser Liste beliebter Bücher ein — freilich äuüerst lehrreiches und anregendes Gemisch von gutem Neuen und bewährtem Alten. In der Schönen Literatur, die naturgemäfl (mit 72,3% der Gesamtausleihe) am meisten gefragt ist, scheint Karl Emil Franzos der mit Hecht unverwüstlichste Erzähler zu sein. Sein „Pojaz“, die „Judith Trachten? berg“, die „Juden von Barnow“ und „Moschko von Parma“ gehören immer noch zur unbestrittenen Lieblingslektüre der jüdischen Leser. Nur Gerson Sterns „Weg ohne Ende“ kann ähnliche Erfolge verzeichnen. Hier scheint sicli auch das heute besonders stark auflebende Interesse für Historisches zu bekunden, das anderen Geschichtsromanen wie B r o d s „Reubeni“ und den biblischen Romanen von Edmond Fl eg („Salomo"), Felix Salten lind Wladimir Jabotinky (Simson-Romane) ihren Erfolg sichert. Das Bild des noch lebenden Ghettos läfit man sich gern von Mendele Moicher Sfurim in seinen Romanen und von A g n o n und Schmar ja G o r e 1 i k in ihren kleinen Erzählungen und Skizzen vermitteln, die alle heuta schon die klassisch gewordenen Autoren wie Perez und Scholem Alechem überflügeln. Nur Salomon K o h n mit seinen „Prager Ghettobildern“ bewahrt offenbar noch immer se(ne lebendige Kraft. In unserer westlichen Kultur, scheint die herzgewinnende Art von Georg Hermann mit „Jetteben Geberts Geschichte“ und den beiden Romanen von Dr. Herzfeld „Die Nacht“ und „Schnee“ immer noch am stärksten auf die Gemüter — namentlich auf die weiblichen — zu wirken. Wassermanns „Gänsemännchen“ und Werfels große psychologische Romane und Novellen sind ihrer Wirkung allerdings auch noch sicher. Große ältere Dichter wie Heinrich Heine werden gern vom jüdischen Standpunkte her betrachtet. So hat Hugo Biebers Heine-Auswahl unter dem Titel „Bekenntnis zum Judentum“ (Confessio judaica) einen bedeutenden Erfolg. Auch in den Biographien, die neben der eigentlichen Schönen Literatur am meisten gelesen werden, ist Heine- Literatur gesucht. B r o d s Heine-Buch, die Hetne-Memoiren von Eulenberg und die „Gespräche“ werden bevorzugt. Allerdings kaum so sehr wie der aktuellere Shmarya L e v i n, dessen „Kindheit im Exil“ und „Jugend im Aufruhr“ heute die weitaus meistgelesene jüdische Selbslbiographie ist. Andere Biographien aus der älteren jüdischen Kulturgeschichte wie G1 ü c k e 1 von Hameln und der Petschierer Aron I s a k aus Treuenbritzen erreichen doch nicht diese Zahlen. Franz Oppenheimers „Erlebtes, Erstrebtes, Erreichtes“ ist mit Theilhabers „Schicksal und Leistung“ und Zielenzigers „Juden in der deutschen Wirtschaft“ ein Mafistab dafür, dafi die jüdischen Wirtschaftsgrößen das lebhafte Interesse unserer Leserschaft beanspruchen. Daneben findet das Bild eines jüdischen Kriegshelden wie Trumpeldor in seinen „Tagebüchern und Briefen“ begeisterte Verehrer. Beim Studium der Palästinafragen und des Zionismus erwarben sich die plauderhaft geschriebenen, aber zuverlässig' begründeten Bücher Hugo Herrmanns die meisten Freunde. Die reichhaltige Anthologie „J Israel, Volk und Land“, Sokolows „Geschichte des Zionismus“ und Theodor H e r z 1 s „Gesammelte zionistische Schriften“ wurden eifrig studiert. — Von eigentlichen Geschichtswerken ist D u b n o w s „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes“ am stärksten gefragt, und man kann daraus wohl Chanokkaleuchter, Silber m. Brillanten u. Diamanten Avgiberger Arbeit fl& Jahrhundert) Fot. Abraham schon Schlüsse auf den kommenden Erfolg der dreibändigen Fassung seiner großen „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ schließen. Die' innere Erneuerung des jüdisch-religiösen Gedankens hat eine ganze Reihe von Büchern hervorgerufen, von denen Leo H i r s e h s „Praktische Judentumskunde“ und Moritz Zobels „Der Sabbath“ einen dankbaren Leserkreis fanden. Man trieb Bibelstudien mit Hilfe des von Soloweitschik zusammengestellten bibelwissen-, schaftlkhen Sammelwerkes „Vom Buch, das tausend Jahre wuchs“, man griff nach Werken über den Talmud wie Michael G u 11 - mann und B. von Schottenfeld und man ließ sich durch religiöse und aktuelle jüdische Fragen von Emil Bernhard Cohns „Jüdischem ABC“ führen. Mit den ins Deutsche übersetzten „Essays“ von Bialik, mit Cohn-Wieners „Jüdischer Kunst“ und Ostwalds ',,Liebermann-Buch" trat man in' das Gebiet der jüdischen künstlerischen Kultur ein. Türkisch 8 Wir werden in einem künftigen genaueren Bericht über unsere Wanderbücherei aufzeigen, wer die Menschen sind, die diese Bücher lasen. Wir werden einen Kreis umreifien, der sich hoffentlich in Kürze um ein beträchtliches vergrößern wird, wie auch die Zähl der beliebten Bücher wachsen wird, denn wir zweifeln nicht daran, daß die „Entdeckung des jüdischen Buches“ erst beginnt. Dr. Erich Guttmann. Blick auf di« Wirtschaft Eine Anzahl neuer Bestimmungen für die gewerbliche Wirtschaft, die auch für die Industrie, Handwerk und Handel tätigen Juden wichtig sind, sind in letzter Zeit erlassen worden. Beachtung verdient vor allem die Einführung der Buchführungspflicht im Handwerk. Alle Handwerksbetriebe werden vom 1. April 1938 ab rur Führung von Büchern verpflichtet sein. In manchen Handwerkszweigen, so z. B. im Baugewerbe, wird eine Einheitsbuchffihrung vorgeschrieben werden, die auf der sogenannten doppelten Buchführung beruht und dem Handwerksmeister ermöglichen soll, jederzeit die wirtschaftlichen Ergebnisse seines Betriebs zu überprüfen. Für die. Inmmgsmitgtieder werden Buchführungs-Schulungskurse eiügerichtet werden. Die Teilnahme an ihnen soll obligatorisch sein. Die Durchführung der Buchführungspflicht wird sidi aber nicht auf das Handwerk beschränken. Auch für den gesamten Einzelhandel wird in etwa einem Jahre die Führung von ordnungsmäßigen Büchern Vorschrift werden. Sicherlich führt jeder jüdische Kaufmann schon jetzt Ruch über seine Einnahmen und Ausgaben. Künftig aber wird eine richtige kaufmännische Buch- . führung nach bestimmten Regeln und Vorschriften von jedem Einzelhändler verlangt werden. Es ist daher empfehlenswert, daß jeder jüdische Betriefosinhaber im Handel Wie im Handwerk schon jetzt seine Buchführung prüft und sich überlegt, nach welcher Richtung hin sie sich ausgestalten und verbessern läfit, damit sie allen billigen Anforderungen genügt. Bekanntlich sichert eine vorschriftsmäßige kaufmännische Buchführung auch manche Vorteile auf steuerlichem Gebiet. Die bisher zugelassene Bewertungsfreiheit für kurzlebige Wirtschaftsgüter, die es den Gewerbetreibenden und Angehörigen freier Banfe gestattete, Gegenstände dieser Art sogleich nach der Anschaffung abzuschreiben, war beispielsweise an die Bedingung geknüpft, daß ordnungsmäßige Bücher geführt werden sollen. Allerdings kommt diese sofortige Abschreibung nunmehr für alle diejenigen kurzlebigen Anlagegüter, die erst nach dem 30. September d. J. angeschafft worden sind, vorläufig in Wegfall. Für die im nächsten Jahre zu erhebende Bürgersteuer sind Erleichterungen zugunsten der mehr als SO Jahre alten Steuerpflichtigen vorgesehen. Soweit diese einkommensteuerfrei sind, werden sie nur noch mit einem Grundbetrage von 2 RM, soweit AUSRÜSTUNG FÜR PALÄSTINA UND ÜBERSEE SdiriRlkkc Anfri|>i so die Qbcisce»Abtcflaag DAS SPEZIALHAUS fa- St off e . Wäsche Kleidung Teppiche Gardinen Möbel BERLIN C 2, SPANDAUER STRASSE KÖNIGSTRASSE / V «H 1