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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-12-01 · 12 (1.12.1937) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
15 (1937)
Issue
12 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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15. JlvgyNr. 12 1. Dezember 1937 Jöd. Gemeindeblatt f. d. Synag.-Gem. in Preaßen/Norddeatscbland überall die Feier beim Einzug des Festes abzuhalten: am ersten Abend der Festgottesdienst in der Synagoge und anschließend die häusliche Feier. Ist das aber zweckmäßig? Die Menora mit den acht Armen und nur einem Licht sieht ein bißchen schief und unvollständig aus; aber vor allem: die sieben folgenden Abende — da haben die Kinder ihre Geschenke weg, und selbst die Erwachsenen (wenn sie nicht ganz in der alten Tradition leben) empfinden das allabendliche Zusammensein und Singen ein wenig als erzwungen — mancher hat manchmal was Wichtigeres vor — und, Hand aufs Herz, am letzten Abend atmen sie ein bissei auf, daß es überstanden . . . Wie gesagt: die nach der strengsten Observanz leben, sind hier ausgenommen. Das alles aber könnte ganz anders sein, wenn wir . . . unsere Halacha nach Hillel gestalten, wenn wir den letzten Abend zur Abhaltung der Feier "ehmen wollten. Am ersten Abend ein Licnt, jeden Abend eins mehr, die Stimmung hält an, die Spannung wächst . . . jedes Familienmitglied muß jeden Abend dabei sein; weh dem, der auch nur einmal „was Wichtigeres“ vorhätte! Denn wer auch nur an einem der sieben Abende gefehlt hat, der bekommt am achten nichts geschenkt . . . endlich ist es so weit: alle acht Kerzen strahlen, die Spannung löst sich; jeder hat sich gemüht, die andern zu erfreuen; jeder freut sich ... — Es gab in einer ostdeutschen Stadt einen Rabbiner, der hatte es in seiner Gemeinde so eingeführt. Und einer seiner .Schüler, der sich an diese Tradition hält, pflegt sogar an diesem achten Abend wieder den dritten Segensspruch zu sagen, das Schehechejjonu, das doch eigentlich nur am ersten Abend gesagt wird. Nun, das mag eine „Reform“ sein, die zu weit geht. Aber das andere? Wir möchten diese Neuanwendung des alten Hillelgrundsatzes hier zur Debatte stellen. (Ob auch der Festgottesdienst in der Synagoge auf den letzten Chanukka-Abend gelegt werden soll, bleibe zunächst dahingestellt.) Ein Chanukkabrief Von Frieda*Mehler. Delports-Hope, Süd-Afrika. Liebe Mutterl Wie die Zeit fliegt! Ich habe mir eben ausgerechnet, daß in 5 Wochen Chanukka ist und Du meinen Brief gerade zur Zeit bekommst, wenn ich ihn heute schreibe. Es ist Dun das zweite Mal, daß ich zu Chanukka nicht daheim .bin. Im vergangenen Jahre war ich noch ganz unter dem Eindruck des Abschiedes, der Trennung von Dir und allen lieben Freunden, und wenn ich es damals auch nicht schrieb, heute kann ich es wohl eingestehen: es war das trübseligste Chanukkafest, das ich je erlebt habe. Aber heute kann ich es sagen, weil ich ganz drüber weg bin. Und ich möchte es allen denen, die in diesem Jahre fortgehen, zurufen können: Die Chanukkalichte, die uns brennen, die wir uns entzünden, wo auch immer wir sein mögen, sind mehr, viel mehr als nur ein Erinnern an das Heldentum der Vergangenheit, als eine Tradition, als ein Zeichen des Zusammenhaltens und der Gemeinschaft, sie sind ein Aufruf zum Vorwärtsschauen, sie sind uns jungen Menschen Garantie einer Zukunft. Ich bin felsenfest überzeugt davon, daß unsere Gemeinschaft nicht zugrunde gehen kann, daß wir leben werden und neu aufbauen wie viele Generationen vor uns und nach uns. Ich freue mich schon, was meine boys für Gesichter machen werden, wenn ich die Lichte anstecken und an das Fenster meiner „fürstlichen“ Wohnung stellen werde, und ich werde ihnen im schönsten Africaan’s auseinandersetzen, was sie bedeuten. Aber nun will ich Dich erst mit dieser, meiner Wohnung bekannt machen, denn mein letzter Brief kam noch aus Kymberley. Delports- Hope ist ein Dorf, in dem nur Diamantensucher wohnen. Jeder einzelne zieht täglich mit dem Gedanken hinaus: heute kommt der große Schlag für mich, kommt mein Diamant. Sie leben in einem Fieber der Hoffnung, und wer einmal nach Diamanten gegraben hat, kommt nicht mehr davon los. Sie bauen sich primitive Häuser aus Lehm und finden sie nichts, so ziehen sie weiter. Juden sind unter diesen Nomaden der Hoffnung nicht. Ich wohne in dem einzigen Steinhaus bei der einzigen *«igltwhe«i Familie in einem sogenannten Boarding-House. Es ist wie ein altes Farmbaus gebaut, alle Zimmer liegen nach der Veranda; ich habe da« beste, und Chanukkaleuchter (17. Jahrh.l Besitzer Dir. Horowitz iFot. Abraham) bis auf ein großes Loch in der Decke und eines im Fußboden ist es ganz komfortabel. Elektrisch und Gas sind unbekannte Träume; wir brennen Kerzen und man zündet am Schabbath nur eine mehr an. Alle großen und kleinen Dinge des Lebens, die man im Leben eines kultivierten Menschen voraussetzt, fehlen hier. Wenn ich baden will, schleppt der boy einen Waschbottich in mein Zimmer und viel heißes Wasser, und ich bemühe mich, meine Glieder einzurollen wie ein Schlangenmensch, daß sie in dem Bottich Platz haben. Konzert, Theater, Radio sind unbekannte Genüsse; es ist vieles, sehr vieles, was fehlt, aber ich habe eines, die Lust an meiner Arbeit und die Fähigkeit und Möglichkeit zu . arbeiten. Ich stehe früh um 5 Uhr auf und bin um 7 Uhr bei meinen boys und meinen Maschinen im Kalkbergwerk, bin der „Herr Ingenieur“, und wenn ich abends um 7 Uhr nach Haus komme, bin ich wundervoll müde und habe noch den Gesang der Maschinen im Ohr. Sie singen mir täglich dasselbe Lied und täglich tönt es mir lauter: „Arbeite, mein Junge, arbeite und freue Dich an Deiner Arbeit. Es geht vorwärts. Obers Jahr wirst Du Dir ein Haus bauen können und es einrichten, und noch ein Jahr, dann wirst Du Deine Mutter im Hafen von Cape-town in Empfang nehmen können.“ Siehst Du, Mutter, das ist es, was mir die Arbeit beflügelt, was mir die frohe Zuversicht gibt Und das ist es, was ich der Jugend dort, die auf da.3 Hinausgehen wartet, sagen möchte: Alles, was Euch daheim so wichtig und notwendig erscheint, ist hier draußen so klein und unwichtig. Wir werden im Alleinsein mit der Natur und mit den einfachen Menschen hier anders. Wir lernen Augen und Ohren offenhalten für Stimmen und Gesichte, die uns im Lärm der Großstadt nie ungerührt haben. Wir werden unkomplizierter und frömmer; es wächst in uns (ich bin gewiß nicht der einzige, der so fühlt) eine starke Zuversicht, ein felsenfestes Vertrauen zu Gott, ein Gefühl des Dankes, zu dem wir früher niemals Zeit und Ruhe gefunden haben. Wir lernen die alte Religion unserer Vorväter verstehen. Wir werden Menschen und wir werden wieder Juden. Jeder von uns ist wie der Schammes an dem Chanukkaleuchter, ein Diener des Ganzen, der Allgemeinheit. So kommt mein Chanukkabrief zu Dir, und wenn die Zeit da ist, werde ich an jedem Tag, wenn ich ein neues Licht anzünde, wissen, jetzt denkt meine Mutter an mich, jetzt treffen sich unsere Gedanken, wir sind beieinander, es gibt gar keine Trennung. So sollst Du mit mir Chanukka feiern, fröhlich in dem Bewußtsein, daß wir miteinander leben, wenn auch Welten und Meere zwischen uns sind und daß der Gott, der Wunder getan hat an unserem Volke und unseren Vätern, auch an uns Wunder tun wird und uns vorwärts führen wird in eine bessere Zukunft. Bald schreibe ich wieder. Herzliche Grüße Dein Fritz. Erfolgreiche jüdische Bücher Ein Bericht aus den Statistiken der Wanderbücherei des Preußischeh Landesverbandes jüdischer Gemeinden. In der Stunde, da der jüdische Buchhandel sich als Vermittler des jüdischen Buches aufs neue empfiehlt,-erscheint es lohnend, aus der dreijährigen Erfahrung der Wanderbücherei des Preußischen Landesverbandes einen Blick auf die Leseinteressen unseres Publikums zu tun. Bücher entleihen und Bücher kaufen, Bücher besitzen, sind keinesfalls notwendige Gegensätze, wie noch heute viele Menschen glauben. Mag die Bücherei dort als ein dauernder Ersatz für den Bücherbesitz notwendig sein, wo wirtschaftliche oder räumliche Verhältnisse diesen nicht zulassen: daneben wird sie aber in vielen Fällen nicht nur den Anreiz zum Eigenbesitz oder zum Schenken von Büchern bilden, sie wird sogar viele Menschen, die sich von der Welt der Bücher im Alltagsleben weit entfernt hatten, erst wieder mit ihr in Berührung bringen. In dieser Art haben wir unsere Büchereiarbeit, welche von Anfang an einen — im besten Sinne des Wortes — volkstümlichen Charakter trug, nicht als eine Konkurrenz für den Buchbesitz, sondern als ein Mittel zur Orientierung und als eine Anregung zu dauerndem innigem Verkehr mit dem jüdischen Buche angesehen. So soll auch der erste Einblick, den wir in dreijähriger Arlieit mit Mittel- und Kleingemeinden gewannen, nicht mehr als eine Anregung sein, eine Begegnung mit diesen Wilh Alm tm vacc#% Uff B«rlln-R«lnlck«ndorf-0*t,l ■ ■ IO® ®W y Markstr. 10-11 Sammel-Nr. 49 09 171 Inkak^P IL4 #. I kJ J i a “ w i m Inhaber M. & J. Peyser M. d. J. 6. Möbeltransport m Spedition ■ Lagerhäuser Vertrags-Spediteur des Palästina-Amtes IslasJi Aaslaad, Okeraee 6

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