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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-11-01 · 11 (1.11.1937) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
15 (1937)
Issue
11 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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15. JhrgyNr. 11 1. November 1937 JöcL Gemeindeblatt f. d. Synag.-Getn. in Freu ßen/Norddeatsddand Salman Schocken zum 60. Geburtstage am .10. Oktober 1937. Ein erfülltes Leben. Von Hans Lamm. Eine reizvolle Aufgabe ist es an sich, den Lebensgang eines Mannes zu zeichnen, dessen Gestalt — anders als sein Werk! — der Öffentlichkeit unbekannt blieb; verlockend ist es also zunächst, darzustellen, wieviele und wesentliche Schöpfungen mit Salman Schocken, dessen 60. Geburtstag nahe ist, verknüpft sind. Aber andererseits beschleicht den Chronisten das Gefühl, der I-eser könnte — erstaunt 'ob der Fülle dessen, was von dieser Persönlichkeit zu berichten ist — meinen, daß anläßlich des Jubiläums Dinge zusammengetragen worden seien, mit denen Schocken wenig oder nicht verbunden sei, — einzig und allein, um den Jubilar mit vielen Prädikaten des Lobes und Ruhmes versehen zu kpnnen. Der Verdacht ist in der Tat höchst unbegründet: im Gegenteil, wenn man nur eine Seite von Salman Schockens Tätigkeit herausgreifen wollte, wönn man etwa nur den Kaufherrn oder den Verleger, den Zionisten oder den Wissenschaftler betrachten wollte, — dann täte man ihm unrecht, dann würde inan dieser recht einmaligen Erscheinung nicht gerecht, die sich all ihren, oft recht verschiedenen Aufgaben mit gleicher Hingabe und demselben Ernst widmet und so unwillkürlich an den Chassid erinnert, den seine Schüler fragten, was ihm das Wichtigste sei und er antwortete, das, was er eben tue. Salman Schocken, der in Margonin, in der früheren Provinz Posen geboren wurde, ist zuerst als Mitbegründer und -besitzer des Warenhauskonzems Schockcn-Söhne-AG. bekannt geworden. Annähernd 20 Häuser umfaßte allmählich das Unternehmen, das sich in manchen Eigenheiten wesentlich und vorteilhaft von anderen Warenhaus-Betrieben unterscheidet. Dafür entscheidend war wohl die Tatsache, daß S. Schocken seinen Beruf nicht nur als Erwerbsunternehmen betrieb, sondern mit eigenen und ausgebildeten wissenschaftlichen Methoden. Seine Warenhaus-Theorien hat er in zahlreichen, auf Tagungen gehaltenen Referaten, sowie auch in Broschüren dargestellt. Statistische Büros, Untersuchungslaboratorien u. ä., die er seinen Betrieben angliederte, das Bestreben preiswerte und einfache Gebrauchsware auf den Markt zu bringen und — last not least — auch den billigsten Artikel in künstlerisch und handwerklich gediegener Ausführung zu erzeugen (womit Schocken wesentlich zur Geschmacksbildung beitrug) — dies alles wirkte zusammen, um den Konzern der Schockenschen Warenhäuser groß werden zu lassen. Einzelne, meist von Erich Mendelsohn gebaute Gebäude von Schockenschen Häusern sind auch aus städtearchitektonischen Gründen in guter Erinnerung. Daß das erste Bändchen, das den Namen S. Schockens als Verleger (und hier auch als Herausgeber, der die inhaltliche Auswahl besorgte) trug, dem Andenken Goethes gewidmet war („Leben und Welt“ 1931) ist kein Zufall: denn Schocken, der vielbeschäftigte Kaufhausbesitzer und nimmermüde Förderer jüdischen Geisteslebens, hat sich auch in der Weltkultur (vor allem in Philosophie und Literatur) gediegene Kenntnisse erarbeitet. Wir gedenken heute aber nur mehr seiner jüdischen Arbeit: Hier ist der breiten Öffentlichkeit vor allem der Berliner Schocken-Verlag bekannt, die wunderbare Bücherei, die er herausbrachte, die dort lückenlos herausgegebenen Werke Bubers, Rosenzweigs u. a. und die Tatsache, daß er zu einer der wesentlichsten hebräischen Verlage in der Galut wurde, der außer Agnon und manch anderem Wesentlichen unserer ~ Zeit auch die Schätze der Vergangenheit birgt. Kleiner schon ist der Kreis derer, die von dem „Forschungsinstitut für hebräische Dichtung“ wissen, das Schock«» in Jerusalem schuf, und das Prof. Ch. Brody, der frühere Oberrabbiner von Prag, leitet. Kostbare, meist völlig verschollene Proben liturgischer und weltlicher Poesie des jüdischen Altertums und Mittelalters werden hier wissenschaftlich neu herausgegeben. In unmittelbarer Nähe dieser Stätte gelehrter Arbeit ragt nun der Neubau von S. Schockens eigener Bibliothek empor. 20 000 Bände hat der Bibliophile Schocken hier zusammengetragen, meist aus den Gebieten „Jüdische Moral“, „Liturgie", „Chassidismus“ und „Literatur des 19. Jahrhunderts“. Sie ist nicht nur die reichhaltigste Sammlung der seltenen jüdischen Wiegendrucke, sondern enthält auch darüber hinaus so zahlreiche und erlesene Köstlichkeiten, daß sie wohl zu den wertvollsten jüdischen Privatbibliotheken, die es überhaupt gibt, zu zählen ist. S. Schocken ist nicht nur einer der ersten Freunde und Förderer des jüdischen Geistes, die tatkräftige Hilfe, die er praktischer Aufbau-Arbeit in stetig steigendem Maß gewährt, sei über dem Bücher-Sammler und -Verleger nicht vergessen. Der Musterschulungsbetrieb X Salman Schocken Fot. Scnnenfeld des Gutes Winkel in Spreenhagen ist Besitz der. Familie Schocken und erfreut sich der großzügigen Förderung durch den Jubilar: 100 Chaluzim finden zur Stunde dort ihre Ausbildung für Erez Israel. S. Schocken selbst hat schon vor Jahren seinen Wohnsitz nach Palästina verlegt und damit, arbeitet er doch bald ein Lebensalter aktiv in der zionistischen Bewegung, seinen alten Traum verwirklicht. 1913, auf dem XI. Zionisten- Kongreß in Wien, vertrat Salman Schocken die Zionisten des Landes Sachsen, 1923 wurde er in die Leitung des KKL berufen, in die er wiederholt neu gewählt wurde. Auch seine zionistische Arbeit war planvoll und eindringlich; seine besondere Aufmerksamkeit fand das Projekt der Haifa-Bai und das der Hule-Konzession, welche beide durch Schockens Hingabe entscheidend gefördert wurden. Wenn die National- und Universitäts-Bibliothek Jerusalem Schocken zu ihrem Schatzmeister berief, dann nicht aus Gründen der Repräsentation, sondern vielmehr weil er seit langem mit der bewundernswerten Schwungkraft und Organisationsgabe, die ihn auszeichnet, ihr und der Universität auf dem Skopus überhaupt sich zur Mitarbeit zur Verfügung gestellt bat. Mit der Haggadah fast zu sprechen, ist man verleitet, wenn man Salman Schockens Gesamtwerk betrachtet. „Wäre er nur Kaufherr geworden“, es wäre genug; „hätte er nur den Warenhausbetrieb zur Wissenschaft gemacht“, es wäre genug gewesen; „hätte er nur seine Bibliothek zusammengetragen“, es wäre mehr als genug gewesen; „hätte er nur den Schocken-Verlag geschaffen“, es wäre genug gewesen, „hätte er nur für den Zionismus, für den KKL, für die Universität gewirkt“, es wäre genug geweäen. Schocken hat dies alles getan und wird noch viel leisten: ein erfülltes und gesegnetes Leben, ein zum tätigen Leben, nicht zum Jubilieren geschaffener Sechziger: ein Mann, auf den die Juden stolz sein dürfen . . . Unser Glückwunsch sei Dank. Festschrift Dr. Jakob Freimaan zum 70. Geburtstag. Zur Würdigung der besonders hohen Verdienste seines Rabbiners bzw. seines Dozenten für jüdische Geschichte und Literatur haben die Jüdische Gemeinde zu Berlin und das Berliner Rabbiner-Seminar anläßlich des 70. Geburtstages des Herrn Dr. Jakob Freimann eine Freimann-Festschrift herausgebracht, die in der Festschriften-Literatur durch - die Mittarbeit namhafter jüdischer Gelehrter au« allen Teilen der Welt wie durch die Fülle des gebotenen Materials einen hervorragenden Platz einnimmt Die Festschrift gliedert sich in einen umfangreichen deutschen und ebenso umfangreichen hebräischen Teil. Eingeleitet wird sie mit einer Biographie Freimanns von Harry Levy und einer Zusammenstellung der literarischen Arbeiten des Jubilars von seinem Sohne Alfred Freimann und Daniel Lewin. Kurt Klappholz. Offene Auslandsstellen (genehmigt durch das Landesarbeitsamt Brandenburg.) Für U. S. A. wird ein erstklassiger jüdischer Bandagist zur Herstellung von Prothesen, nur selbständig arbeitender Fachmann, gesucht. Für Lima/P e r u wird für eine Goldminen-Gesellschaft ein tüchtiger jüdischer Chemiker gesucht, der firm in Gold- Silberuntersuchungen sein muß, aber auch alle sonst vorkommenden Metallanalysen beherrscht. Die Mine liegt ca. 3 500 m hoch in gesundem Klima. Gehalt 600.— Soles, ca. Dollar 150.— und freie Unterkunft. . Für Litauen wird eine jüdische Erzieherin zu einem 5jährigen Jungen gesucht. Da das Kind mutterlos ist, kommt nur eine kinderliebe, intelligente Kraft in Frage, die mit moderner Erziehuagsweise vertraut ist. Sprachkenntnisse und Musikkenntnisse sind erwünscht. Für Ungarn wird für-einen 14jährigen Sohn, Schüler, ein junger, jüdischer «S t u - d e n t im Alter von 18 bis 22 Jahren gesucht, mit den Hauptfächern deutsch und französisch. Neben der perfekten Erlernung beider Sprachen wird Wert auf die Vermittlung einer guten Allgemeinbildung gelegt. Der Student hätte alle Aufgaben eines Erziehers zu erfüllen. Für die Tschechoslowakei wird ein jüngerer jüdischer Ingenieur oder Techniker aus der Auto- oder Wagenbaubranche gesucht. Ausführliche Bewerbungen, nur auf Dünnluftpostpapier sowie Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Paßfoto werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW 19, Lindenstr. 48/50. Bewerbungen auf gewöhnlichem Papier werden nicht mit „Luftpost“ befördert 6

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