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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-11-01 · 11 (1.11.1937) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
15 (1937)
Issue
11 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Jäd. Gemetodeblatt t d. Synag.-Gem. tn Preußen/Norddeatsdiland 1. Novodier Jaffa nach'Jerusalem oder Ton Setzungen dienten alt Quellen. Die Werke de« Flario» Josephus, Talmud und Midrasch fanden weitgehende Berflcksichtigung. Trotsdem war es unerläßlich, zur Ergänzung des in manchen Punkten lückenhaften Materials die Geschichte der benachbarten Völker heranzuziehen. Daneben schien es bei der Stabilität der wirtschaftlichen Zustände im alten Orient angebracht, Reisebeschreibnngen sowie Forschungsergebnisse der noch beute lebenden Naturvölker zu benutzen, da sie oft ein getreues Abbild von dem liefern, was schon vor Jahrtausenden bestanden hat Die Arbeit richtet sich in erster Reihe an die Jüdische Jugend. Sie soll daraus entnehmen, was die Geschichte unseres Volkes unsallen aufbewahrt hat Vielleicht könnte sie aber auch dem jüdischen Pädagogen nicht von der Hand zu weisendes Material zur Verlebendigung des biblischen Unterrichtsstoffes geben. * Wenn ich diese Arbeit mit einem persönlichen Erlebnis abschließe, so geschieht das aus der Erwägung heraus, eine Verbindung der geschichtlichen Darstellung mit der Gegenwart zu schaffen. Ich hatte Gelegenheit, im Presseauto der Kampfspielleitung dem Marathonlauf . der IL Makkabiah beizuwohnen und diesen gigantischen Kampf der besten jüdischen Langstreckenläufer der Welt von Anfang bis zu Ende zu verfolgen. Da ergaben, sich manche Vergleichspunkte, die uns urplötzlich ein Bild brachten, das so recht imstande war, uns in eine Situation, wie sie vor einigen Jahrtausenden des öfteren stattgefunden hat, zurückzuversetzen. (JOdisdi-devtsdier Braifspfsgel. 17. Jahrhundert) Man soll kein Kind nackt liegen lassen; man soll eine Windel überdecken, damit es nicht von einem „bösen Auge“ angesehen wird oder sich erkältet nnd wegen der Fliegen und „Gewürmlich“, die es stechen könnten. Die Kinder meinen sonst auch, wenn sie älter werden, es schadet nichts, wenn man nackt gebt und werden sieb nicht schämen vor den Menschen. Außerdem möchte sie bei Tag die Sonne verbrennen und bei Nacht die „lewono“ (der Mond) auf sie scheinen; davon kommt oft viel Schaden. Sitzen Leute am Tisch und essen und die Kinder sind klein und machen sich unrein oder essen nicht manierlich, da soll man sie nicht am Tisch sitzen lassen. Man soll die Kinder auch gewöhnen, daß sie von Jugend £.n Vater und Mntter und alten Leuten die Hand geben, dann werden sie sie auch im Alter ehren. Will sich ein Kind nicht an gute Worte kehren, schlägt man es mit einer kleinen Rute, ist das Kind größer, nimmt man eine größere Rute. Man macht den Kindern ganze Kleider und gewöhnt sie daran, daß sie die Kleider reinlich halten. Aber nicht in neue, sondern in alte Kleider soll man sie kleiden, denn sie wachsen sie bald aus. Macht man ihnen in der- Jugend neue Kleider, so wollen sie es auch so haben, wenn sie älter werden, auch wenn man es sich gar nicht leisten kann. Davon kann viel böses kommen. Und wenn man die Kinder an Silber und Gold gewöhnt, wer kann wissen, wie lange der Reichtum währt Man soll die Kinder daran gewöhnen, Jede» Tag um dieselbe Zeit zu essen, sich dabei nicht zu benehmen wie ein „behemo“. Sie sollen nicht naschen; man soll ihnen nur geben, was für sie gesund ist und nicht za viel. Sie sollen reinlich essen, nicht zu große Bissen machen, und wenn sie essen, Die Marathonläufer hatten das Makkabiahstadion verlassen und in kurzer Zeit die Straßen Tel Avivs durchquert, um dann bald die von blühenden Orangengärten nmsänmte Chaussee nach Jerusalem zu erreichen. Hier ging es schnurgerade auf tadelloser Straße entlang. Das Feld hatte sich schon mächtig auseinandergezogen. Bei Mikweh Israel, also nach etwa 10 km, führte ein einsamer Läufer mit ziemlichem Vorsprung. Leicht beschwingt ohne das Zeichen einer Anstrengung nnd in gleichmäßigem Tempo zog'er die Straße entlang, den Blick nach vorwärts gerichtet, William Steiner aus New York lag an der Spitze. Da tauchten am Firmament einige Kamele auf — es war keine Halluzination.—, eine Karawane zog uns auf der Straße entgegen, von einigen Beduinen geführt, die in ihrer malerischen Tracht in den Sätteln'der Tiere einen hoheitsvollen Eindruck hinterließen. Jetzt begegnete» sich beide Gruppen — Steiner aus New York wandte wohl seinen Kopf etwas zur Seite, es war wohl das erstemal in seiner Laufbahn, daß er ein derartiges Zusammentreffen hatte. Die Kamele verhielten sich Jedoch ganz uninteressiert. Hoch erhobenen Hauptes zogen sie vorbei, als wollten sie sagen: Das ist uns nichts Neues. — Auf uns aber, die wir, im modernen Verkehrsmittel sitzend, Zeuge dieser Begegnung waren, machte' dieser Vorfall einen tiefen Eindruck. Waren wir nicht eben Zeugen eines Vorganges geworden, der sich vor Jahrtausenden in der gleichen Form abgespielt hat? Fast blitzartig kam uns der Gedanke, wie oft sind hier, ja vielleicht auf der gleichen Straße, jüdische Meldeläufer einhergezogen, die Nachrichten von der Hafenstadt sollen sie anderen Leuten auch etwas geben, damit sie an Gastfreundschaft gewöhnt werden. Alles, was man ihnen gibt, sollen sie gern essen und nicht sagen, ich will das nicht haben oder das mag ich nicht essen. Mädchen sollen züchtig sein. Wenn fremde Leute kommen, so verbergen sie sich und stellen sich ihnen nicht ins „ponim“ und „glotzen“ Urnen ins Gesicht. Wenn man sie anredet, schlagen sie die Augen nieder. Zu Hause sollen sie zu aller Arbeit greifen und helfen. Sie sollen sich nicht „ausklauben“, was sie essen wollen. Sie sollen das Essen nicht tadeln: das ist versalzen, das stinkt nach Rauch, dos ist angebrannt, das sollte eingesotten sein, das ist zu trocken, das ist nicht genug gewürzt, da gehörte Essig hinein. Wollen sie haben, daß das Essen besser gekocht ist, so mögen sie seihst in die Küche gehen. Alsf-Bsth-Kinder (Aus dsr Vorred* einer jOdlsdi - deutsdien Grommotik des 17. Johrhunderls.) Wenn das Kind in die Schule kommt, muß der Melammed, der Lehrer, sehr liebreich mit ihm sein und ihm von Zeit zu Zeit etwas schenken. Einige Tage lang soll das Kind spielen; von Lernen darf keine Rede sein. Inzwischen setzt der Melammed ein Kind, das das Alef-Beth schon kennt, neben den neuen Schüler und klebt auf ein kleines Brettchen ein Alef und gibtes dem Kinde. Dann klebt er auf ein anderes Brettchen ein Beth und gibt es dem anderen Kinde und sagt, wenn beide Kinder beides kennen, bekommen sie etwas als Gesthenk. Wenn sich das Alef-Beth-Kind mit dem Brettchen, auf das die Buchstaben geklebt sind, nicht mehr begnügt, gibt man ihm eine kleine Schachtel, in deren Deckel ein Alef und auf deren Boden ein Beth geklebt ist Auf diese Weise lernen die Kinder das Alef- Beth und die Vokale. Man setzt dk Kinder so, daß sie in Gesellschaft lernen, daan hört das Spielen allmählich von selber auf. Denn ein Kind ereifert sich an dem anderen. Dr. Hüde Ottenheim er. nach Jaffa brachten? Was vor Jahrtausenden eine alltägliche Erscheinung war, es wurde mit einem Male wieder lebendig.— — Ein Bild aus der Antike war neu erschaffen. Vtriahdshatkritk tth Zimt Tod* Palix Warburgs. Der Vizepräsident _des Preußischen Landesverbandes, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, hat an den Bruder des verstorbenen Fein Warburg, Max Warburg in Hamburg, folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Tieferschüttert über die unerwartete Nachricht vom Tode Ihres Bruders spreche ich Ihnen im Namen des Preußischen Landesverbandes und der ihm angeschlossenen Gemeinden unser tiefempfundenes Mitgefühl aus. Unser Volk verliert mit Felix Warburg den führenden Philanthropen, den genialen Organisator aller Hilfe, den warmherzigen Freund und tatkräftigen Förderer des Palästina-Aufbaus. Auch die jüdischen Gemeinden in Deutschland fühlen in dieser Stunde tiefste Dankbarkeit für das Lebenswerk dieses einzigartigen Mannes. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Dr, Alfred Klee. Staatlich» Abschlußprüfung an dar jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berlin. Nachdem bereits im September 1996 der erste zur Entlassung gekommene . Jahrgang der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berlin, die vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden unterhalten wird, die erste Lehrerprüfung vor einer staatlichen Prüfungskommission abgelegt hat, ist durch Erlaß dies Herrn Reichserziehungsministers vom 26. Februar 1937 auch für den nächsten-Jahrgang die Abnahme der ersten Lehrerprüfung durch eine staatliche Prüfungskommission angeordnet worden. Diese Prüfung, der sich 24 Studierende der obersten Klasse der Lehrerbildungsanstalt unterzogen haben, hat im Laufe des Monats September stattgefonden. 23 Prüflinge haben die Prüfung, die sich auf alle Lehrgebiste erstreckte, bestanden. Das von der staatlichen Prüfungskommission ausgestellte Zeugnis berechtigt zur Anstellung an jüdischen Volksschulen. Synagogen -Jubiläum Die Synagoge in Stralsund besteht 150 Jahre. Unter Teilnahme von Vertretern der Nachbargemeinden fand eine Feier statt Die Festpredigt hielt Bezirksrabbiner Dr. Richter- Stettin, der auch die Grüße und Glückwünsche des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden überbrachte. Rabbiner-Jubiläum Am 16. Oktober (Schabbat Lech L’cho) waren vierzig Jahre vergangen, seitdem Rabbiner Dr. Rosenthal sein Amt in der Synagogengemeinde Köln angetreten hat. In diesen Jahren hat Dr. Rosehthal in Synagoge und Schule, Ritual- und Sozial-Bereich seines Amtes belehrend Und ermahnend, tröstend im Leid und teilnehmend in der Freude in hingebungsvoller Weise zum Segen seiner Gemeinde gewirkt; bei allem unbeirrbar«! Festhalten an seinen Grundsätzen immer nur vermittelnd und versöhnend, ausgleichend und aufbauend. Nach außen hin ist seine. Stellung gekennzeichnet durch seine Zugehörigkeit zum Vorstand des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland, zum Verbandstag wie zum Rate des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden (in den ersten 6 Jahren war er Vorsitzender der konservativen . Unterrichtskommission des Landesverbandes), sowie zur Leitung des, nunmehr liquidierten, Verbands der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur tn Deutschland. Aus unserer Fundgrube Anstandsregeln 5

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