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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-11-01 · 11 (1.11.1937) · p. Seite 4

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15. Jhrg./Nr. 11 1. November 1937 Jfld. Gemeindeblatt f. d. Synag.-Gem. in Preußen/Norddentsdihnd Für das jüdische Buch Die Jude» keiften wohl das Volk des Baehes, weil das eine grofte Buch, die Bibel, ihre ganze geistige Tradition geschaffen hat. Aber wenn von dem ganzen Erlebnis der letzten Generation irgend etwas hei ihnen dauernd wirksam bleiben wird, so gewift die Ausdehnung ihrer Ehrfurcht and Liebe auf das Bach überhaupt als den Träger des menschlichen Geistes, den Vermittler alles seelischen und geistigen Wachstums. Die Bücher, die Juden schreiben und drucken, fruchtbar zu machen und lebensfähig zu erhalten — and das helft! kurz gesagt: sie zu kaufen — wird unbedingt eine Ehrenpflicht gerade des jüdischen ‘Menschen bleiben. Jnlins Bab. * Durch die Jahrtausende seiner Wanderung ist das Buch den Jaden ein treuer Begleiter geblieben. Ein Volk ohne Staat und Land wie das jüdische konnte nur durch sein geistiges Erbe seine Lebenskraft erhalten, das Buch war ihm die „portative Heimat“. In Net und Finsternis war ein Jnde nie verlassen, sein Buch oder seine Bücher waren ihm Stab und Stütze. Professor Dr. Ismar Eibogen. Die Beschäftigung mit Büchern ist eine Eigenart der Juden, so daft man sie das „Volk des Buches“ genannt hat. Wenn je eine Zeit uns mahnt, uns dieses Ehrentitels würdig zu erweisen, so ist es die nnsrige. Bei der zunehmenden Sorge am das tägliche Brot droht ans die Gefahr, auch geistig zu verarmen. Not und Elend bedeuten nicht immer eine StSrknng der sittlichen Kraft; nur dann können aneh sie uns zum Segen werden, wenn in uns ein tief religiös sittlicher Grand vorhanden ist, der uns die Kraft gibt, auch das Schwerste zu überwinden. Dieser tief religiös sittliche Grand kann nur durch Kenntnis and Wissen gestützt werden. Wort and Bach sind die Mittel zur Verbreitung von Kenntnis nnd Wissen. Das Wort kann nur einem Teil unserer jüdischen Gesamtheit gekündet werden, das Buch kann nnd mnft in alle jüdischen Hluser kommen. Darum soll es für alle Jaden eine heilige Pflicht sein, das jüdische Buch zu kaufen und zu lesen. Eine Fülle von jüdischen Büchern liegt vor uns, die uns über jüdische Existenz, über jüdisches Leben in Vergangenheit and Gegenwart belehren. Qianuhhah ist ein Fest des Sehenkens geworden. Schenkt euch nnd euren Kindern jüdische Bücher, die euch stärken in dem Glauben an den Gott der Vlter and euch eine Botschaft zu neuem Aufbau bedeuten! Rabbiner Dr. Jnlins Galliner. * Man sollte denken, daft, wer sich zum Volke der Bibel, — des Baches schlechthin — bekennt, dem auch die „mündliche Lehre“ längst zum Buche, ja zu einer fast unübersehbaren Literatur wurde, nicht erst auf die Bedeutung des Buches hinge¬ 4 wiesen zu werden brauchte. Durchschnittlich hat denn auch der Jude mehr als alles andere das Buch als solches geschützt, ja zuweilen überschätzt. Was wir Juden aber seit hundert nnd mehr Jahren sträflich vernachlässigt haben, ist die Pflege unseres eignen Schrifttums. Wie beschämend klein ist die Zahl der jüdischen Bücher' in den Büehersammlungen auch der meisten glaubenstrenen Juden! Jüdische Verleger in Deutschland verstehen die Sprache der Zeit und schenken es uns neu mit seinem schier unerschöpflichen Reichtum, in seiner bunten, allen wahrhaft seelischen Bedürfnissen Rechnung tragenden Mannigfaltigkeit, dazu in einer vornehmen Ausstattung und zu einem Preis, der auch für den weniger Bemittelten erschwinglich ist. Laftt uns uns selber aufhelfen, indem wir dem jüdischen Buche aufhelfen! Erwerbt nnd verbreitet, lest nnd studiert es, steigt hinab zu den Urquellen, zu den Müttern, damit ■»« zum unverlierbaren Besitztum werde, was wir von den Vätern ererbt haben. Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, Frankfurt a. M. * Wir haben in früheren Jahren die Bedeutung „allgemeiner Bildung“, den Wert des „Geistes“ vielfach überschätzt. Man bat nicht mit Unrecht von einer Hypertrophie des Intellektualismus gesprochen. Eine neue Entwicklung hat uns erkennen lassen, daft im einzelnen Menschen und in unserem Volksganzen eine harmonische Gleichgewichtslage der Anlagen, Begabungen, Tätigkeiten nnd Möglichkeiten anzustreben ist. Deshalb ist der Pflog und der Schraubstock gleichberechtigt neben das Buch’getreten. Mir scheint, daft wir in Gefahr sind, in einer gewissen Übertreibung das Pendel nach dem entgegengesetzten Extrem aasschlagen zu lassen. Den Söhnen und Töchtern eines Volkes, das nicht sieh selbst, sondern dem die Geschichte den Ehrennamen eines „Volkes des Buches“ gegeben hat, darf das Buch nicht fremd werden. Eh mnft Gemeingut aller bleiben; auch wer am Schraubstock steht, bedarf seiner. Und wenn wir heute, in veränderter geistiger Haltung, das Buch pflegen, so nicht nur wegen seiner allgemeinen Werte und Lehren, sondern der „Lehre“ wegen, um des jüdischen Inhalts und der jüdischen Erziehung willen. Das jüdische Buch wollen wir fest in unseren Händen und in unseren Herzen halten. Dr. Alfred Klee. * Immer wenn ieh zur Thora auf gerufen werde, empfinde ich, vor dem ältesten und grftftten, aber auch vor dem an dramatischen Ereignissen reichsten Buche zu stehen. So häufig ieh die Abschnitte gehört und gelesen habe, für mich verlieren sie den Zauber der Einmaligen eigentlieh niemals. Deshalb bin ich der Ansicht, daft die Bibel als die Thom für das jüdische Hans in keinem Haushalt unserer Gemeinde fehlen dürfte, hierin ist auch der Grund zu sehen, weshalb die Gemeinde die sogenannte Torezyner-Bibel selbst herausgegeben hat Das jüdische Buch ist nicht nur die Thora. Wir verfügen aus allen Zeiten unserer Geschichte über bedeutende Werke. Die Neuzeit ist besonders reich an wissenschaftlichen und künstlerischen Publikationen. Ich erinnere an Hermann Cohen nnd Moritz Lazarus, an Steinschneider und Abraham Berliner, an Ludwig Geiger und Ismar Elbogen, mit einem gewissen Abstand von diesen auch an Gustav Karpetes und Karl Emil Franzos. Auch nach 1933 hat uns das jüdische Buch unser Leben heller und weiter gestalten helfen. Ausgezeichnete Autoren haben uns beachtenswerte Werke geschenkt. Nur müssen wir sie kaufen und lesen. Was nützt das beste Buch, wenn es nicht gekauft wird? Wir sind einsam, um uns ist es still geworden. Da Ist das Buch der rechte Begleiter, am zu uns von der jüdischen Welt und von. der Welt des Juden zu sprechen. Die jüdischen Autoren nnd die jüdischen Buchhändler sind emsig am Werke, möge es auch der jüdische ßüeherkäufer sein. Wir fragen uns, was wir den Menschen, denen wir eine Freude bereiten wollen, zu Chanukkah schenken. Schenken wir ihnen ein jüdisches Bach. & wird'immer Freude und Wohlbehagen, jüdischen Geist and Kultur in das jüdische Haus bringen. Heinrich Stahl Der jüdische Läufer Unter dem Titel „Der jüdische Läufer“ hat Felix Pinczower ehrte Broschüre erscheinen lassen, die zwischen der heutigen Sportbegeisterung und den Lebensverhältnissen der biblischen Tage neue, bisher ungekannte Beziehungen aufdeckt. Besser als eine Buchbesprechung von anderer Hand vermögen Vorwort und Schlußwort des Verfassers dem Leser einen Eindruck von dieser eigenartigen Veröffentlichung zu vermitteln. Wir bringen deshalb — mit gütiger Erlaubnis des „Be rt hol d Le v g — Jüdischer Bachverlag“ Anfang und Schluß hier zum Abdruck. Die Redaktion. Ich muß Dich, lieber Leser, gleich um Entschuldigung bitten. Wenn Du glaubst, Du durch die Lektüre dieses Buches Kenntnisse über die jüdischen Lauf-Champions der Gegenwart zu verschaffen oder ihre Trainingsgeheimnisse zu erfahren, so wird die Enttäuschung nicht ausbleiben. Ich führe Dich heute ganz andere Wege, zurück in das Reich der Bibel, in das Gebiet der jüdischen Melde- und Vorläufer. Aber die Geschichten, die ich Dir zu erzählen habe, werden Dich sicherlich trösten. Du wirst ganz unmerklich zu der Erkenntnis gelangen, daß der jüdische Läufer im Altertum mit seinen Erlebnissen und Leistungen ebenso interessant sein kann, wie ein grandios hingelegter 400 m-Lauf oder ein rasanter Sprint. Diese „andere Seite" des jüdischen Läufers darzustellen und einmal in geschichtlicher Reihenfolge vor Augen zu führen, ist der Zweck und die Aufgabe des von inir herausgegebenen Buches, das sich an keine bestimmte Vorlage anschließen konnte. Es galt, das Leben und Wesen des jüdischen Läufers im Altertum festzusteilen und ihn vor allen Dingen namentlich zu erfassen. Die Bibel nebst ihren Kommentaren und ältesten Ober-

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