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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-11-01 · 11 (1.11.1937) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
15 (1937)
Issue
11 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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15. Jhrff /Nr. f 1 Jöd. GcmeindeWatt f. d SynaR.-Gem. In Preaßen/Norddeuts Aland i. November f 93® Personen, die bekanntlich bei den Statistiken der Meldestelle der Auswanderung xugerechnet werden. Unter Berücksichtigung des Unsicherheitsfaktors, der hierin liegt, andererseits im Hinblick darauf, daB auch bei dem jetzigen Stand des Meldewesens nur etwa 86 bis 90 % der Gesamtauswanderung erfa&t sind, kann man die Gesamtauswanderung rm Berichtsquartal auf rund 5600 bis 6000 Personbn schätzen. Der Umfang der Auswanderung bleibt also, wie schon in den letzten Quartalsberichten festgestetlt, ziemlich stabil und rechtfertigt nach wie Vor die Annahme einer Jahresauswanderung von etwa 25 000 Personen. Die Verteilung der Auswanderung nach der Herkunft aus den einzelnen deutschen Provinzen und Ländern ergibt sich aus Tabelle 1. 1. Auswanderung aus den einzelnen Ländern (Provinzen) Gablet z Auswc in. Ml Br ahl di »ndere r r 1937 in. Ui Jul % m!li Os’preuBen 51 91 142 1.4 1.8 Brandenburg 32 40 72 0.7 1.5 Pommern 4P 43 92 0.9 1.3 Grenzmark 12 5 17 0.2 0.6 Nledendiles. o. Breslau 25 17 42 0,4 } 2.8 Obersdilesten 97 126 223 24 Prov. Sachsen 58 42* 100 1,0 1.4 Schleswig-Holstein 17 12 29 0.3 }3.1 Prov. Hannover 106 116 222 22 Westfalen* 151 183 334 3.2 3.7 Heuen-Nassau, Bezirk Kassel 164 180 344 3,3 Hessen-Nassau. Bezirk Wiesbaden ohne Frankfurt |M 82 130 212 Z0 \v Rheinprovfnz ohne Köln, Düueldorf. Essen 2B5 278 563 5,4 5.6 Preufien ohne GroBgem. 1129 1263 2392 23,2 25,9 Berlin 1234 1062* 2296 223 31,9 Frankfurt/M 665 712 1377 13,3 5,2 Bresiou 177 234 411 4.0 4.0 Köln 35B 305 663 6,4 3.0 Düsseldorf 102 63 185 13 1,0 Euen 59 53 112 U 0.9 GroBgem. in PreuBen 2595 2449 5044 48,9 46,0 PreuBen gesamt 3724 3712 7436 72,1 71.9 Saargebiet und PreuBen angesdil. Verbände 64 96 160 1.5 2.6 Land Hessen 215 355 570 5,6 3.6 Hamburg 233 24» 482 4.7 3.4 land Sachten 96 9» 197 1.9 4,1 Baden 205 293 49B 4.8 4.1 Bayern Württemberg 394 396 790 7,7 8,3 166 20* 188 1,8 2.0 Landschulheime _ 3 ioail 3 100 100 Ha<h»d>orahu. sonstige A'.sblldungsstellen — 27 27 - - Insgesamt 5101* 5250* 18351 - - 1 Die Meldungen aut Magdeburg sind erst nodi Abschluß der Quottaliauszählung eingegangen und werden Im nächsten Quartal berücksichtigt werden. > Ohne Dortmund, das aut technischen GiOnden das Meldeweaen nldit durchführen kann. * Ohne zahlreiche Noditrogtmeldungen, die erat Im nächsten Quartal berOdcstiditlgt werden können. * Unvollständig, da nldit rechtzeitig eingegangen. Die fehlenden Meldungen werden las nächsten Quartal berOcksIdiflgt. 5 Darin 340 Nadtträge aus vorigem Quartal. * w 188 „ „ früheren Quartalen. Der in den letzten beiden Spalten angestellte Vergleich des Anteils an der Auswanderung mit dem Anteil an der jüdischen Gesamtbevölkerung nach der Volkszählung von 1035 ist zwar insofern nicht ganz richtig, als die Verteilung der jüdischen Bevölkerung mit 1983 infolge der Aus- und Binnenwanderung eine gewisse Veränderung erfahren hat Immerhin läßt dieser Vergleich doch erkennen, welch« gebiete besonders stark von der Auswandertfeig betroffen sind. An erster Stelle steht hier Frankfurt/Main, das an der Auswanderung fast dreimal so stark beteiligt ist, wie es seiner jüdischen Bevölkerung entspricht Das Hgaaptiuterease richtet sich naturgemäfi auf die Auswanderungsziele. -Die in Tabelle 2 gegebene Übersicht über die Ergebnisse der ersten beiden Quartale zeigt deutlich, wie in immer stärkerem Mafie Nord- und Südamerika die führende- Stelle in der Auswanderung einnehmen. — Im ganzen ist es durch ständige Verbesserung der Kontrollmethoden und Erfassung gerade auch der kleineren Gemeinden gelungen, einen Einblick in die Verteilung der Auswanderung zu erhalten, der auch für internationale Erörterungen des jüdischen Wanderungsproblems und die planende Arbeit auf diesem Gebiet richtungweisend sein kann. Ist es doch bisher nicht möglich gewesen, aus den wichtigsten jüdischen Auswanderungsländern wie Polen etc. entsprechende Unterlagen zu erhalten. In welchem MaBe die bei uns gewonnenen Zahlen heute als vollständig und maßgebend angesehen werden können, läßt sich an einigen Beispielen erweisen. 2. Auswanderungsziele Januar bis April bis Januar bis Auswanderungsziel März 1937 Juni 1997 Juni 1937 Pers. f» Pers ft Pers. •U Westeuropa 772 18.6 716 160 1488 17,4 Mittelu, Nordeuropa 425 10,2 XI 5,9 726 82 (Oateirutdk. Mottun, U»eom, Sdiwebi ItdMdmlovokoi. Skandinavien) Ostu. SOdosteuropa 134 3.2 113 %i 247 2.9 Palästina 687 16,5 664 152 1351 1SJJ Sonstiges Asien 9 02 13 02 22 0.3 Südafrika 238 6,7 72 1/ 310 3.6 Sonstiges Afrika 22 05 12 0,3 34 0.4 Ver. Staaten v Amerika 1081 260 1606 967 2687 31,5 Argentinien 259 6.3 249 5,7 508 6.0 Brasilien 257 52 270 62 527 5.2 Columbien ^239 so 84 1*9 l 555 5,5 Sonstiges Amerika ) 220 52 J Aistrollen und sonstige 0 oersee 35 0.8 45 1.0 B0 0.9 4158 100 4377 100 8535 100 Auslandshachscharah — — 104 — 104 — „unbekannt" oder „auf Reiten" abgemeldet 943 — 769 — 1712 Insgesamt 5101 - 5750 10351 - Die offizielle palästinensische Einwander angsstatistik weist für das 1. Quartal 1937 845 jüdische Einwanderer aus Deutschland aus (für das 2. Quartal sind die Zahlen bisher nicht veröffentlicht). Berücksichtigt man, daB hierin auch diejenigen Einwanderer enthalten sind, die nicht direkt aus Deutschland nach Palästina gekommen sind, so zeigt sich, daB mit 687 von der Meldestelle ausgewiesenen Einwanderern tatsächlich beinahe die gesamte Palästina-Einwanderung' in dem betreffenden Quartal erfaßt worden ist. —- Das von Hicem herausgegebene Bulletin dTnformation veröffentlicht in seiner Nr. 14 brasilianische Einwanderungszahlen, die offenbar amtlichen Charakter tragen. Danach sind im 1. Halbjahr 1937 621 jüdische Einwanderer direkt aus Deutschland gekommen. Die Meldestelle hat für dieses Halbjahr 527 jüdische Auswanderer nach Brasilien erfaßt, das sind also 85 % der obigen Zahl. Da den Zahlen der Meldestelle ein entsprechender Teil der „unbekannt“ abgemeldeten Personen zugerechnet werden muß, erhöht sich noch diese Quote. — Interessant ist schließlich ein Vergleich mit den amtlichen Zahlen über die überseeische Auswanderung aus Deutschland im 2. Quartal 1937. Danach sind in diesem Zeitraum 3833 Reichsdeutsche und 1703 Ausländer, zusammen 5536 Personen, nach Ubersee ausgewandert. Die Ergebnisse der Meldestelle für das gleiche Quartal weisen rund 4000 jüdische Auswanderer nach Übersee aus. Da von den jüdischen Auswanderern durchschnittlich etwa 80 % Reichsdeutsche und 20 % Ausländer sind) (vgL Tabelle 6), würden rund 3200 deutsche Reichsangehörige ca. 86 % der reichsdeutschen Auswanderer nach Über- ’ see Juden sein; von den ausländischen Überseewanderern stellen die Jnden -nur knapp die Hälfte. Die soziale Struktur der Auswanderung ergibt sich aus Tabelle 3. Der Vergleich gegenüber dem vorigen Quartal zeigt, daß im allgemeinen mit einer 3. Berufsgliederung der Auswanderung Berufsgnippe |s«i»)Mjb Kavfteute, selbstdg. Angestellte Handwerker GahlHen Arbaitar Ärzte Sonttlga fralaBarufe Hausangestellte Landwirtschaft Scholar u. Studan'on Ehefrauen o. Beruf Kinder unter6Jahr.\ Sonttlga o. Beruf / Ohne Angabe Insgesamt 1 Davon 386 f 193 ■., 193 w.) In Bagleitung dar Eltern oder einet Eltamtalls. ' davon 846 In Begleitung das Mannas. -BnlUl 984 31 284 168 495.105 799.17.0 2598 21 271 5101 - 27622 gewissen Reständigkeit in dem Anteil der verschiedenen Berufsgruppen an der Auswanderung gerechnet werden kann. Zu beachten ist die Steigerung der landwirtschaftlichen Gruppe. Die hohe Quote der mit dem Mann auswandernden Ehefrauen sowie der Kinder unter 6 Jahren und der Schüler deutet auf die verstärkte Bedeutung der Famiiienwanderung hin, die sich auch aus Tabelle 4 in der Steigerung des Anteils der Verheirateten ergibt. 4. Familienstand der Auswanderer Januar bis April bis Familienstand März 1937 Juni 1937 Pers. •» Pers. PU Ledig 2500 52.1 2674 517 Verheiratet 2039 40,9 2172 42.8 Verwitwet 224 45 199 3.9 Gesdileden oder getrennt 125 2.5 78 1.6 4988 IX 5073 IX Ohne Angabe 113 — 177 Insgesamt 5101 - 5250 - Die in Tabelle 5 5. Altersgliederung der Auswanderung Januar bis April bis Alter März 1937 Juni 1937 Pers. % Pers. * unter 20 Jahre 1018 21,1 1135 22.9 20-29 Jahre 1293 26,8 1296 264 30-39 Jahre 981 20,4 1X1 20,8 40—49 Jahre 716 149 675 13.6 50 Jahre und mehr 806 16.8 816 164 4816 IX 4953 IX ohne Angabe 285 — 297 — Insgesamt 5101 - 5250 - gegebene Altersgliederung bestätigt, daß der Anteil der verschiedenen Altersgruppen nahezu gleichbleibt. Danach entfallen rund 60 % der Auswanderung auf die für das Erwerbsleben in erster Reihe in Betracht kommenden Jahrgänge zwischen 20 und 60. Da diese Jahrgänge innerhalb der jüdischen Gesamtbevölkerung in Deutschland nur rund 35 % ausmachen, wird also gerade diese wichtigste Gruppe*am stärksten von der Auswanderung betroffen. 6. Staatsangehörigkeit der Auswanderer Januar bis April bis Staatsangehörigkeit März 1937 Juni 1937 Pers. *U Pen. fs Deutsche 3625 77* 3806 814 Polen 488 104 489 104 Staatenlose 246 54 199 44 Sonstige Ausländer 300 6* 172 3.7 4659 IX 4666 IX ahne Angabe 442 — ' 584 — Insgesamt 5101 - 5250 - Tabelle 6 zeigt schließlich eine gewisse Erhöhung des Anteils der Auswanderer deutscher Staatsangehörigkeit bei unveränderter Auswanderung der polnischen Staatsange-, hörigen. -3

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