Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 10 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/10279739-10021754-10021737--047-3981440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ä^?./Nr]lO ~r tarrieht in englischer und »panischer Stenographie und Schreibmaschine erfahren, befähigen, im Anstand eine entsprechende Stellung bekleiden zu können. Diesem Zweck dient auch die Einführung in Kultur und Wirtschaft der Auswanderungsländer, in denen Englisch und Spanisch herrschend ist. Die Schule eröffnet ferner am 1. Oktober 1037 einen Halbjahreskursus, der in gedrängtester Kürze junge Menschen für die praktische kaufmännische Tätigkeit vorbereitet Dabei wird besonderer Wert auf die technische Seite der Ausbildung gelegt (Stenographie und Schreibmaschine). — Auskunft erteilt der Schulleiter, Herr Dipl.-Handelslehrer Berger, Berlin W 16, Joachimsthaler Straße 13. < Chronik des jüdischen Lebens Das Ende des alten und der Beginn des neuen Jahres ist diesmal ein Einschnitt gewesen nur für die religiös gestimmte Seele, nicht aber für unsere Praxis und Wirklichkeit: die gleichen Probleme, die den Schluß des vergangenen Jahres beherrschten, stehen auch jetzt hoch, einen Monat nach Jahresbeginn, im Vordergründe alles Geschehens. Vor allem das brennendste aller Probleme: Palästina. Die letzte unserer „Chroniken“ enthielt den Bericht über die Tagungen des Zionisten-Kongresses und der Jewish Agency in Zürich, deren Hauptverhandlungsthema die Stellungnahme zum englischen Teilungsplan und zur Errichtung des auf Grund dieser Teilung zu gründenden Judenstaates war, Man erinnert sich: zufrieden oder gär glücklich war mit diesem englischen Projekt eigentlich niemand, nicht einmal -die Araber, von denen aber hier nicht gesprochen werden soll; und keine einzige der jüdischen Gruppen und Parteien. Die Frage in Zürich war daher im Grunde genommen nur die: sollte man ein glattes Nein aussprechen, dessen Folgen unberechenbar schienen, oder sollte man ein bedingtes Ja »egen in der Hoffnung, die ärgsten Hätten des Peel-Planes im Laufe der späteren Verhandlungen zu beseitigen? Bekanntlich entschied der Zionisten-Kongreß sich für das bedingte Ja, und die Jewish Agency-Tagung schloß sich mit gewissen Modalitäten diesem Votum an. Die Nein- Säger innerhalb dieser beiden Organisationen stellen die Organisations-Einheit über alles und. üben Disziplin. Aber es gibt neben ihnen die große Zahl der Nein-Sager außerhalb der in Zürich versammelt gewesenen Kreise: die von Jabotinsky geleitete Neuzionistische Organisation (N.Z.O.), von der im Augenblick noch nicht klar zn erkennen Ist, was sie tun wird, und diejenigen Gruppen der Orthodoxie, die in diesem Punkte mit der N.Z.O. Zusammengehen. Das ist vor allem die Agudas Jisroel, die alsbald nach Abschluß der vorerwähnten Züricher Tagungen ihre Welt- Konferenz, die Dritte Keneßio Gedaulo, in Marienbad abhielt. Eine imposante Versammlung, unter deren 3000 Teilnehmern sich die größten TTiora-Gelehrten unserer Zeit, darunter etwa 300 Rabbiner der altehrwürdigsten Gemeinden befanden. In den Reden und Beschlüssen, Soweit sie das Palästina-Projekt iüA. ömdtijeblatt f. cL Synag.-Gem. ln Pieußen/Norddeutsdhland 1. Oktober 1937 betrafen, kam zum Ausdrude, dag die Agudab in dem Aufbau des Heiligen Landes durch die Zionistische Organissüion keine Bürgschaft für die Herrschaft des Gottesgesetzes erblicke, und ferner, daß das Heilige Land in seinem von der. Bibel angegebenen Umfang dem jüdischen Volk zum ewigen .Besitz gegeben worden sei, so daß dem jüdischen Volke nicht gestattet ist, auf auch nur einen Teil des von der Bibel umgrenzten Gebiete» Verzicht zu leisten. Auch bei der Agudab läßt'sich zur Zeit noch nicht klar «skrunen, was sie zur Durchführung ihrer Beschlüsse unternehmen wird; aber ans den veröffentlichten Berichten geht hervor, daß sie auf Grund ihrer Gegnerschaft gegen die Zionistische Organisation und ferner auf Grund ihres absoluten „Nein“-Standpünktes gegenüber dem Peel-Plan eine Einheitsfront mit der Neuzionistischen Organisation zwecks einheitlichen Vorgehens in diesen wichtigsten Fragen hergesteilt haben will. Man sieht an alledem, wie stark die religiösen Faktoren in die politischen Dinge hineinspielen. Inzwischen nimmt die Politik Selbst ihren weiteren Verlauf; die Mandatskommission des Völkerbundes und der Völkerbundsrat haben getagt, und »renn sie auch selbstverständlich zu den Einzelheiten des Peel-Plane« nicht Steilung nehmen konnten, so haben sie sieb doch grundsätzlich für die Teilung ausgesprochen. Freilich wird die praktische Durchführung sehr langsam vor sich gehen. Soweit sich bis jetzt erkennen läßt, wird es wohl zur Einsetzung einer nenen „Königlichen- Kommission“ kommen, die in Palästina mit Juden und Arabern verhandeln soll; man scheint damit zn rechnen, daß bis zur endgültigen Festsetzung der Grenzen undaller Modalitäten drei und bis zur Verwirklichung des ganzen Planes fünf Jahre vergehen werden. Erwähnenswert ist, daß anf der ent- - scheidenden Sitzung des Völkerbund»rate» der polnische Außenminister Beek Polens groß«« Interesse an der Lösung der Palästina- Frage hervorhob; Polen wünsche ans »rirtschaftlichen Gründen, daß Palästina ein gutes Ein wandern ugsgebiet werde. Im jüdischen Seebad Bath Galim Von Dr. Willy C o h n - Breslau. Eben noch hat uns am Kingsway in Haifa das Leben der Großstadt umfangen. Unzählige Autos fahren von dort nach den verschiedensten Orten. Der Staub, der im Bau begriffenen Betonhäuser erfüllt die Luft. Vor den Kaffeehäusern sitzen viele Menschen, hier trifft arabisches und jüdisches Leben in der gleichen Gegend zusammen. Aus all diesem Lärm führt uns der Autobus heraus. An dem jüdischen Friedhof kommen wir vorbei, der nun schon geschlossen ist, durch den Teil Haifas geht die Fahrt, der die deutsche Siedlung umfaßt, -dann über die Bahnlinie hinweg an englischen Soldatenlagern vorbei, an deren Erweiterung jüdische Arbeiter schaffen, und dann hält das Auto an einer schönen gepflegten Allee, die wir langsam zum Meere herunter gehen. Vor uns liegt das Strandkasino von Bath Galim. Und neben ihm ein großes Zelt -mit Liegestühlen, ein Seesteg-geht ins Meer hinaus, die Atmosphäre eines Seebades packt uns, wie »vir sie früher oft im Norden genossen haben. Aber was für ein Landschaftsbild! Auf der einen Seite geht unser Blick weit übers Meer. Draußen sehen »vir einen Dampfer des Lloyd Triestino, wie er langsam und sicher seinen Weg nach der Bucht von Haifa sucht Ruhig und wenig bewegt ist heute das Meer. Am Ufer entlang fahren Fischkutter; aber wenden wir uns nach der Landseite, dann steigt das Karmelgebirge empor. Hoch oben anf ihm das große Kloster. Die Mächtigkeit des Berges im Gegensatz zu der glatten Fläche des Wassers ist von besonderer Wirkung. Es ist ein Landschaftsbild, das an Norwegen erinnert. Ruhig und still liegen wir im Strandstuhl. Nach all den Tagen unendlichen Sehens hi Palästina wollen alle diese Eindrücke geordnet sein, und man genießt bewußt die Ruhe der Stunde. Wie tut diese Sonne, wie tut diese herrliche Wärme unseren Gliedern wohl! Spielerisch lassen wjj: den Sand durch die Finger gleiten, diesen -Sand, den Jahrtausende aus den Steinen gemahlen haben. Was hat diese Küste nicht schon altes gesehenl Ist es nicht, als ob draußen die Flotten der Kreuzfahrer auftanchten? Sieht maö nicht das Banner von Richard Löwenherz? Und weiter in die Jahrtausende geht die Erinnerung zurück in die Zeit, als von diesem Meere ans phönizische Schiffe den Weg nach dem Westen suchten und vielleicht schon Amerika entdeckten. Fährt draußen nicht jenes Schiff vorbei, das den Propheten Jonas an Bord hat? Jenen Jonas, der den Befehl Gottes nicht ausführen wollte? Aber das alles ist nur ein Traum. Die heiße Sonne scheint unsere Phantasie etwa» beflügelt zn haben* und dann sind wir wieder im Jahre 1937,1 reiben uns die Angen und schauen uns ein wenig um. Inzwischen hat sich der Strand gefüllt Mütter mit ihren Kindern sind gekommen 'und genießen die ruhigen Stunden. Sie erzählen von ihrer Eingewöhnung im Lande und von ihrem früheren Leben. Glücklich die Kleinen, die im Sand spielen können und nichts mehr von der Problematik der früheren Generation wissen. Wie leicht gehen ihnen die hebräischen Worte vom Monde, und wie schön klingt das Imah, das Kosewort für Mutter, das hier und da noch zu Imahle sich umbildet Eisverkäufer besuchen den Strand, auch zwischen ihnen und ihren Kunden gehen die Beziehungen inneren Verstehens. Es ist ja schließlich alles eine große Familie, und Standesunterschiede gibt es nicht Neben uns hat sich zufällig jemand gelagert der länge Jahre als hebräischer Lehrer im Lande tätig war. Er, Ostjude von Geburt, spricht mit Hochachtung davon, wie di« Juden ans Deutschland um. die Sprache ■ kämpfen und mit »reicher Intelligenz sie an die Bewältigung der Aufgabe herangehen. Er verkennt nicht die Schwierigkeiten, die es macht, nach BANK DES J00ISCHEN MITTELSTANDES ' - KREDITVEREIN FOR HANDEI UND OCW(tie iS.M.I.H. C 2, ORAN l EN BURGER STRASSE 3