Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-10-01 · 10 (1.10.1937) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
15 (1937)
Issue
10 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/10279739-10021754-10021737--046-3981439
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15. JhrgyNr. 10 Jod. Gemetnddblatt f. d. SynaR.-Ggtn. In Preußen/Norddeotscfahmd_1. Oktober 1937 in Amsterdam eine Predigt Manasse .ben Israels, des Rembrandt-Freandes und Spinoza-Lehrers, in Begleitung des prinzlichen Statthalters Friedrich Heinrich besticht hatte. Etwas ungeschickt ist die Haltung des Arms, die H9nde sind nach dem Vorgang Van Dycks, der dafür besondere Modelle nahm, ▼on einer schematischen Schönheit, noch nicht charakteristisches Merkmal der Porträtierten, aber ein Ring ist auf der 7K zu hyt cm großen Miniatur (Slg. Morgan, New York) nicht vergessen. Das Gesicht der Königin verherrlichte der Dichter Waller 1625 in Versen, die ich im Versmaß des englischen Originals wie folgt verdeutscht habe: „Welch ein Gesicht! Wie hold dies Auge . strahlt! Und wie unfaßbar ist des Mundes Witz! Wie anmutsvoll bewegt sich die Gestalt! Wie neidet man uns ihres Ruhmes Blitz!“ Hoskins Porträt hält sich von solcher .Schmeichelei fern;. die Pfalzgräfin Sophie, ihre Nichte, von der die hannoveranische Linie des englischen Königshauses abstammt, wäre danach nicht bei einem Besuch ihrer Tante, die eine Tochter Heinrichs IV. von Frankreich und der Maria von Medici war, so enttäuscht gewesen, daß sie nicht die schöne Frau war, wie sie es sich nach dem Gemälde Van Dycks vorgestellt hatte. Von der Meisterschaft des großen Flamen übernahm John Hoskins wohl die Befreiung -der Miniaturmalerei aus der kleinlichen Itlüminatorenart ihrer Vorgänger, aber von - seinen Schmeichelkünsten, die noch die rassische Schönheit der englischen Aristokratie übertrieb, hielt er sich fern. Eine persönliche Note, die Familienerbteil wurde. Jene seelendeutende Tiefe aber, auf die wir auch in Werken seiner Neffen stoßen, mag wohl ein jüdisches Erbe sein, ein Erleben- - können aus dem Unterbewußten ihrer Vergangenheit, ein inneres Einfühlungsvermögen aus verwandter Schicksalhaftigkeit. So entsteht, wenn der siebenundzwanzigiährige Alexander Cooper den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz (Deutsches Museum, Berlin), den „Winterkönig“ von Böhmen, in dessen Todesjahr (1632) malt, nachdem er von Land zu Land fliehen mußte, bis ihm die Gastfreundschaft des Hauses Nassau ein Exil im Haag gewährte, eine jener vorbestimmten Begegnungen von Meister und Modell, aus der die Schöpfungswunder der Kunst hervorgeben. Am schönsten sind ihm auf der Medaillonkette die Kinder des unglücklichen Gehetzten gelungen, auf die Hofmannsthals Verse passen: „Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen, die von nichts wissen, wachsen auf und sterben . . Sie haben in der Tat einige Geschwister jung verloren, und ihnen allen eignet ein nachdenklicher frühreifer Blick jungen Leids. (Neben dem „Winterkönig* der spätere Pfalzgraf Karl Ludwig, der Spinoza an die Universität Heidelberg ziehen wollte. - Abb. 4.) Noch bedeutender als Beispiel jüdischer Disoosition für die ■ Gestaltung schicksalsgereichneteT Wesen ist Samuel Coopers Portr^tminiatur der fünfzehnjährigen Prinzessin Elisabeth'Sammlung des engl .Königs zu Windsor, - Abb. 1) die alle Hoffnungen und Enttäuschungen der Wechselfälle von Karls I. Schicksal miterlebte und ihren Vater noch einmal am Tage vor seiner Hinrichtung snrach. Ein ergreifendes Mädchenbildnis, bei dessen Anblick man Schuberts Melodie vom Tod und dem Mädchen vernimmt. Sie hat den Tod in den Augen, ein frühgealtertes leidendes Menschenkind. Der Maler hielt auf dieser erhabenen Darstellung aufgeschlossener Mädchenhaftigkeit nicht allein die Entschlossenheit fest, mH der sie ihrem Bruder, dem spSteren König Jakob IT. zur Flucht verhalf, die Gefaßtheit, mit der sie die kurze Erzählung über ihre letzte Begegnung mH dem Vater niederschrieb, er entriß dem Schicksal während seiner Arbeit auch das Geheimnis, daß Kummer binnen kurzem die Prinzessin von der Erde hinwegraffen würde. Aus Samuel Coopers viertem Lebensjahrzehnt stammt auch der Kopf der Elisabeth Gedl (Slg. Exeter zuBurleigh-Abb.2). der schon seine berühmt gewordene Haarbehandlung;Abb. 3 zeigt, während das Übrige von Hoskins ist — mit seiner damals neuen Art, - Draperien zu malen und Hintergründe zu arrangieren, welche die bis dahin übliche bläuliche Bemalung zum Zwecke des Sich-besser-abhebens der Köpfe ablöste. Und ein Unbekannter aus r\tx>. v dem Haag (Sammlnng der Königin der Niederlande), der jetzt allgemein als das Werk Samuel Coopers gilt, ist ein gutes Beispiel für ein Meisterwerk, daß man auch John Hoskins. zutraute. Offene Auslandsstellen (Genehmigt durch das Landesarbeitsamt Brandenburg.) Für einen Kindergarten in Ungarn, ca. 20 Kinder, wird eine jüdische G e h i I f i-n im Alter von 16 bis 20 Jahren gesucht. Das junge Mädchen soll sich nachmittags außerdem mit den Kindern der Leiterin beschäftigen. Sie erhält freie Station und 15 Pengö netto. Familienanschluß wird gewährt. Für Schweden wird für einen orthodoxen Haushalt eine erfahrene jüdische Hausgehilfin mit Kenntnissen in Kochen, Backen und allen vorkomraenden Hausarbeiten gesucht. Alter 20 bis 25 Jahre. (Wiederholung.) Gesucht wird für eine Wirkwarenfabrik (Rundstühle) ein jüdischer Rundstuhlmeister, erstklassige Kraft, der in Kettenstühlen wie auch Interlockmaschinen, gewandt ist Für Cali, Columbien, wird ein jüdischer Schleifer für Spiegel und Kristallglas gesucht. Bewerber, die gleichzeitig Kenntnisse im Bilder rahmen haben, werden bevorzugt' In Frage kommen nur ledige Bewerber, im Alter von 20 lus SO Jahren. Für Rom wird eine jüdische Säuglings- oder K i n d e r p f 1 e g e r 1 n oder ein Kinderfräulein gesucht Es ist hauptsächlich für einen Säugling und ein dreijähriges Kind zu ' sorgen, doch sind. drei schulpflichtige Kinder mitxubetreuen. (Körperpflege, Instandhaltung der Sachen usw.), Hauspersonal vorhanden. Nur erfahrene, umsichtige Kräfte kommen in Frage. Die Arbeitsgenehmigung wird besorgt. Die Reisekosten werden bezahlt. Für Stockholm wird ein junges, gebildete Mädchen für Haus und Küche gesucht (Arzthaushalt). Für Columbien wird ein jüdischer Uhrmachergehilfe gesucht. In Frage kommt nur ein tüchtiger Fachmann. Anfangsgehalt 100—1Ü0 Pesos. Reisekosten werden nicht vergütet. Für Paris wird ein jüdischer, journalistisch begabter Zoologe gesucht, der schon praktisch journalistisch tätig war. Da möglichst eigene Aufnahmen zu machen sind, wären fotografische Kenntnisse erwünscht, aber nicht Bedingung. Nach Tanger, Marocco, wird eine jüdische Erzieherin zu 3 Kindern von 6, 4 und einem Jahr gesucht. Sie muß französisch und englisch sprechen können und die Schul- und Klävieraufgaben des äl- ~~' testen Kindes überwachen. Das einjährige Kind ist mit zu übernehmen. Alter der Bewerberinnen nicht unter 25—30 Jahren. Gehalt 500 franz. Francs. Bei zweijährigem Vertrag bezahlte Hin- und Rückreise. Für Schweden wird für einen orthodoxen Haushalt eine erfahrene jüdische Hausgehilfin mit Kenntnissen im Kochen, Backen und allen vorkommenden Hausarbeiten gesucht. Alter 20—25 Jahre. Für Argentinien werden jüdische Oboisten mit Nebeninstrument Englisch Horn, Fagottisten und Hornisten für tiefes Horn bei festem Monatsgehalt und späterer Pensionsberechtigung gesucht. Es kommen nur Bewerber in Frage, die diese Instrumente beherrschen. Für Ecuador wird ein gut ausgebildeter jüdischer Konditor zu folgenden Bedingungen gesucht: 6 Arbeitsstunden, Anfangs-Monatsgehal! 120 Sucres, hei freier Station. Für Budapest wird zu 2 Mädchen von 7 und 9 Jahren ein jüdisches Kinderfräulein, ca. 25—30 Jahre alt, gesucht, die das Kinderzimmer und die Kindersachen in Ordnung halten muß. Bei freier Station wird ein Gehalt von 40 Pengö geboten. Französische oder englische Sprachkenntnisse erwünscht. Für eine Übersiedlung nach Istanbul wird eine gebildete Stütze gesucht für einen 2-Personenhaushalt. Der nicht rituelle Haushalt ist zu führen und für die leidende Hausfrau ist zu sorgen, vegetarische Küche. 40—50 Mk. Gehalt. Reise- und Rückreisekosten werden nach 2 . Jahren übernommen. Ausführliche Bewerbungen, nur auf Luf tpostdünnpapier, Zeugnisabschriften, Lebenslauf, sowie Paßfoto werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW 19, Lindenstr. 48/50. Bewerbungen auf gewöhnlichem Postpapier werden nicht mit Luftpost befördert- Gute Berufaauaslehteu für Mädchen. Die Gesundheitsverwaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teilt mH: Junge Mädchen, die sich körperlich und nach ihrer Bildung zum Beruf der Krankenschwester eignen, finden zum 1, Oktober 1937 Aufnahme als Lehrschwester im Verein für jüdische Krankenpflegerinnen Berlin N 66, Iranische Straße 4. Handalsfdiula dir |Bdisctian Qamatnde zu Bariin Wie' in den letzten Jahren eröffnet die Handelsschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am 1. Oktober 1937 eine neue Sprach et) - Masse. Diese ist besonders für diejenigen bestimmt, die die Absicht haben, in absehbarer Zeit auszuwandem und sich vorher eine eingehende Kenntnis der Weltsprachen Englisch und Spanisch verschaffen wollen. Der Intensivunterricht soll die . Teilnehmer der Sprachenklasse, die außerdem einen Un- 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.