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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-10-01 · 10 (1.10.1937) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
15 (1937)
Issue
10 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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15. JhrgyNr. 10 JöcL Genetndeblatt f. d. Synag.-Gem. in Preufien/Norddeatsddand 1. Oktober 1937 — -- -- ■ ■ - ■ - - ■ - - ’ bassa, der vor allem Importand EXportzwecken dient. Die Ausfuhr ist nicht unbedeutend und hat insbesondere im letzten Jahre beträchtlich zugenommen. Sie deckt beinahe die notwendige Einfuhr der Kolbnie. Exportiert werden hauptsächlich die oben schon genannten landwirtschaftlichen Produkte (außer Weizen und Kartoffeln), außerdem Tierfelle und Wolle. Die gesetzgebende Versammlung von Kenya hat kürzlich eine Ausdehnung un d systematische Förderung europäischer Siedlungen beschlossen. Man ist namentlich bemüht, eine größere Anzahl von Kleinsiedlem ins Land zu ziehen. Da heute kein Zweifel mehr darüber besteht, daß das ungeteilte wie das geteilte Palästina nicht alle zur Auswanderung gezwungenen Juden Ost- und Mitteleuropas aufzunehmen vermag, wird die Schaffung jüdischer Massensiedlungen in Ländern, in denen für eine zu Landwirten und Siedlern ausgebildete jüdische Jugend Raum und befriedigende Lebensmöglichkeiten vorhanden sind, mehr und mehr das weitgesteckte Ziel jüdischer Aufbauarbeit sein müssen. Große leere Territorien, auf denen noch Tausende von Siedlern Platz haben und ihr Brot finden können, sind, wie die angeführten Beispiele zeigen, auch heute noch zu finden. Dr. H. N. Aus unserer Fundgrube Vorstandswahlen ln alter Zeit An dem Tage der Wahl gingen die Parnassim, die Gemeindevorsteher mit den Rabbinern, zwei Gelehrten und fünf Gemeindemitgliedern, die über sechzig Jahre alt waren, in die Gemeindestube. Die Türen wurden geschlossen und die Parnassim überreichten dem Rabbiner den Schlüssel zum Zeichen, daß sie mit dieser Handlung ihr bisheriges Amt niederlegen. Darauf gingen die Vorsteher mit drei Gemeindemitgliedern in ein besonderes Zimmer, schrieben die Namen aller Gemeindemitglieder auf, die ein Vermögen von 1000 fl. und mehr hatten, über zwanzig Jahre alt, seit drei Jahren verheiratet und schuldenfrei waren. Jeder Name kam auf einen besonderen Zette). Bei den Gelehrten, den Talmide Chachamim über funfundvierzig Jahren spielte der Geldpunkt keine Rolle. Sobald alle, die in Betracht kamen, aufgeschrieben waren, wurden die Zettel in eine besondere Büchse geworfen. Der Rabbiner drehte sich um, kehrte den Anwesenden den Rücken und zog, ohne hinzusehen, einen Zettel aus der Büchse heraus, versicherte sich, daß der Gezogene in keinerlei verwandtschaftlichen Beziehungen zu den bisherigen Parnassim stand, zeigte den Zettel den Anwesenden und übergab ihn dem Gemeindediener. Dieser ging sofort in Begleitung von zwei Gemeindemitgliedern zu dem Gewählten. Auf diesem Wege durfte kein Wort gesprochen werden, und ebenso stumm wurde der Gewählte in die Gemeindestube geführt Darauf wurde er in der Synagoge, mit einem besonderen Eide vereidigt. MH dem Rücken gegen die Anwesenden mußte er alsdann in der Gemeindestube an einem besonderen Tisch die Namen von zwölf Persönlichkeiten aufschreiben, die er für das Amt des Parnass geeignet hielt. Dieser Zettel wurde in eine zweite Büchse geworfen und der Schreiber in ein anderes Zimmer gebracht. Nun wurde aus der ersten Büchse wiederum ein Name gezogen, der Gewählte in derselben Weise in seinem Hause abgeholt und vereidigt wie der erste, und auch er mußte zwölf Namen auf sch reiben. Dieser Vorgang wiederholte' sich zwanzig mal. Während dieser Wahl mußte sich die ganze Bevölkerung in ihren Wohnungen aufhalten;-nicht selten dauerte die Förmlichkeit vierundzwanstg Stunden. Sobald alle zwanzig Zettel auagezählt waren, wurden die neuen Parnassim mit Stimmenmehrheit gewählt. Während der Feststellung der Zahl der Stirn-, men umstanden die zwanzig Gemeindemit- Um die Jahrhundertwende entdeckte der maßgebende Erforscher der englischen Porträt-Miniaturen, George C. Williamson, eine Einwohnerliste von Stockholm aus dem Jahre 1646, in welcher der Hofmaler der Königin Christine von Schweden mit beiden Vornamen und als Jude bezeichnet wird. Dieser. Abraham Alexander Cooper war der Bruder des bedeutendsten Bildnisminiaturitten aller Zeiten und eines der größten Meister der englischen Kunstgeschichte überhaupt', des Hofmalers Karls II. von England und Schöpfers des besten Cromwell-Bildnisses, Samuel Cooper. Samuel Coopers Cromwell-Bildnis stammt aus dem Jahre 1656, dem gleichen Jahre, in dem Manasse ben Israel bei dem Lord-Protektor um Wiederzulassung der Juden in England vorstellig .wurde, ein früheres bereits aus dem Jahre 1647. So ergibt sich von selbst die Frage: wie kamen denn vor dieser Zeit Juden nach England? Neuere jüdische Forschung hat festgestellt, daß sich bereits Gemeinden von Marannen, aus Portugal geflüchteten Scheinchristen, in England befunden haben. (Einer von ihnen war jener Dr. Ruy Lopez, der Leibarzt Leicesters, Walsinghams und der Königin Elisabeth, der infolge eines Justizmordes dem politischen Gegensatz zwischen Essex und Burleigh zum Opfer fiel.) Solch einer marannischen Abkunft muß auch John Hoskins gewesen sein, von dem die Quellen nur berichten, daß er in der Bedfordstreet wohnte, die Porträts Karls I. und der Königin Maria Henriette schuf und der Lehrer seiner Neffen Alexander und Samuel Cooper war, die seinen Ruhm überflügeln sollten. Weder die allgemeine noch die jüdische Kunstgeschichte hat aus der nachgewiesenen Zugehörigkeit Alexander Abraham Coopers zum Judentum Folgerungen im Falle Hoskins gesogen. Ich bin geneigt anzunehmen, daß Hoskins, weil er einer verborgenen - Marannengeraeinde angehörte, absichtlich alle Spuren seiner Biographie verwischthatte, ehe er Hofmaler König Karls wurde. Denn über seine Vorgänger wissen wir gut Bescheid,- über Isaak Olivier, den Sohn nach England eingewanderter Hugenotten, der Goldschmied und Zinngießer war, wie über dessen Lehrer Nicholas Hilliard, des Goldschmieds und Juweliers, den Sohn des Sheriffs von Exeter; ganz zu schweigen von Hans Holbein dem Jüngeren — und sogar von dem Genier Lucas Horenbout, beidem dieser die Miniaturmalerei lernte, weil sie in England ein begehrter Artikel war; die Vorliebe für Miniaturen blieb bei Heinrich VIII. und Elisabeth, Jakob I. und Karl I. traditionell. Die Brüder Cooper konnten von ihrem Oheim, von dem im Britischen Museum einige Rezepte seiner von ihm selbst hergestellten Farben erhalten sind — aber seine chemischen Versuche haben eine gewisse Brüchigkeit seiner Farben nicht verhindern können —, viel lernen: unter dem Einfluß Van Dycks hatte Hoskins mit der schattenlosen Modellierung des Mittelalters gebrochen, die sich noch auf Holbeins Porträts findet, den ausgeglichenen Gesamteindruck im Gegensatz zu seinem Vorgänger Hilliard, der die stofflichen Reize der Kleidung und die Sorgfalt des Beiwerks übertrieb, die Auflichtung des Hintergrunds und die würdige Haltung der Modelle. Das Kolorit seiner Gesichter ist ein wenig fahl, was wohl nicht nur auf das Ausbleichen seiner Farben zuglieder, Welche die Zettel ausgefüllt hatten, den Tisch der Auszählenden. (Nach Schudt: Jüdische Merkwürdigkeiten) Dr. Hilde Ottenheimer. rückzuführen ist, und seine Schatten sind stets etwas ziegelrot Endlich findet sich auf seinem Buckingham-Porträt zum ersten Male jene Teilung des Hintergrunds durch einen Vorhang, deren eine Hälfte Raum für Wolkenbildung und Landschaften oder für Attribute mit Bezug auf das Leben des Modells freilassen. Beide Neffen haben das von ihrem Oheim und Lehrer übernommen, z. B. Samuel Coo- Abb. 1 per auf der Miniatur Karls II. (Sammlung Richmond) und Alexander Cooper auf der des De la Gardie, seines Gönners und des Günstlings der Königin Christine (Göteborg, Museum). Aber er hat auch mit der Kunst seiner Schüler etwas Unerlernbares gemeinsam, eine gewisse Familieneigentümlichkeit, eine Eigenart, die eher auf eine Gemeinsamkeit des Blutes schließen läßt als auf die an sich vorhandene Möglichkeit, daß John Hoskins nicht selbst Jude gewesen war, sondern nur eine Jüdin, beziehungsweise Marannin, geheiratet hatte. Diesem frühen Liebermann-Zug begegnen wir auf Hoskins Porträt König Karls 1. von England im Haag (Sammlung der Königin der Niederlande). Ein intimes, charakterdeutendes Porträt: der zweite Stuart-König auf dem englischen Thron, dessen starres Gottesgnadentum die englische Revolution und seine Hinrichtung verschuldete, ist auf dieser Miniatur nicht mehr der überlegene Kavalier wie auf Van Dycks Bildnis, vielmehr drücken die aufgerissenen Augen Erstaunen über sein Schicksal aus, die Frage eines persönlich Integren, ein bitterer Zug spielt um seinen Mund, aber ein Schimmer von Hoheit ist allen Verwüstungen zum Trotz geblieben — man traut ihm zu, daß er königlich zu sterben wußte. (Abb. 3) Hoskins hat auch Karls Gattin Marie Henriette porträtiert, die anläßlich ihres Besuchs 5 Der Hofmaler Karls I. Von Dr. Lutz Weltmann.

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