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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-08-01 · 8 (1.8.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
15 (1937)
Issue
8 (1.8.1937)
Date
1937-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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15. Jhrg./Nr. 8 1. August 1937 Jüd. Gemeindeblatt f. d. Synag.-Gem. in Preußen/Norddeutschland solche Einigung und gemeinsames Handeln von Juden und Arabern für unmöglich. Um so bedeutsamer scheint deshalb' eine Stimme, die sich gleich weit von all den verschiedenen abgestempelten jüdischen Lagern und Gruppen entfernt hält und doch einer markanten jüdischen Persönlichkeit angehört: der Präsident der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. Judah L. Magnes, hat in der „New York Times“ eine eingehende Äußerung über jüdisch-arabische Einigungsmöglichkeiten veröffentlicht, die stärkster Beachtung wert ist. Mancher der von ihm aufgestellten Programmpunkte wird von jüdischer Seite heiß umkämpft werden — so z. B. daß er aus fast messianisch zu nennenden Gründen die Internationälisierung Jerusalems als der heiligen Stadt aller drei monotheistischen Bekenntnisse fordert — aber sicherlich ist es schon viel, daß er ein solches, bis in Einzelheiten äusgearbeitetes Verständigungsprogramm vorlegt. Alle drei Faktoren in Palästina: Juden, Araber und Engländer haben, so erklärt Dr. Magnes, versagt; am schwersten könnten wir Juden uns mit den Fehlern versöhnen, die wir selbst gemacht haben. Und die uns nach dem Kriege von den Siegerstaaten übertragenen Rechte seien tausendmal weniger wichtig als die Zustimmung der Araber im Lande und der arabischen Völker, die unsere Nachbarn bleiben werden, auch wenn einst der britische Imperialismus einmal nicht mehr bestehen sollte. So ist der Weg gewiesen für das, was in großer und grundsätzlicher Arbeit zu geschehen hat. Diese Arbeit selbst wird den Häuptern des Judentums und den großen Organisationen, vor allem auch dem bevorstehenden Zionistenkongreß und der Tagung des Jewish Agency Council obliegen. Der einzelne Jude aber wird an derartigen grundsätzlichen Richtlinien nicht genug haben; zumal in Deutschland wird jeder Jude und jede Jüdin, Jung und Alt und jedermann sich fragen: was habe ich nun zu tun, ich Einzelner? Die Antwort ist nicht schwer, denn es bleibt genug zu tun, um das Werk zu fördern. Gerade jetzt konnten die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Ali jah und die Reichsvertretung der Juden in Deutschland Bekanntmachungen über neu zur Verfügung gestellte Zertifikate herausgeben. Und darüber hinaus besteht ganz allgemein die Auffassung, daß die Proklamierung eines jüdischen Staates, auch wenn es nicht gelingt, zur Abwendung des Teilungsplanes noch einen Ausweg zu schaffen, in den nächsten Jahren den Einwanderungsstrom verstärken wird. Der Möglichkeiten für den Einzelnen, sich am Palästina-Werk zu beteiligen, sind also außerhalb und innerhalb des Landes nach wie vor überreichlich genug vorhanden. Bedenken erheben sich erst bei der Betrachtung der Einwanderungsmöglichkeiten auf lange Sicht, und diesen Bedenken Rechnung zu tragen, ist nicht mehr Sache der Einzelnen, sondern gehört bereits wieder in das Gebiet der politischen Notwendigkeiten, wie sie hier darzustellen versucht wurden. Und hier wird kein Fehlschlag den Hoffenden und ernsthaft Wollenden beirren. Es ist eine alte Wahrheit: der Bau, den ein Architekt hinstellt, die Brücke, die ein Ingenieur spannt, müssen haargenau mit dem Entwurf, mit Zeichnung und Berechnung übereinstimmen, sonst brechen sie zusammen; bei Bewegungen der Geschichte aber führt die Wirklichkeit meist unvorhersehbare Abweichungen und scheinbare Störungen herbei, die, zu voller Entwicklung und Ausreifung gelangt, oftmals nach Jahren das ursprüngliche Ideal durch eine größere, klarere und schönere Wirklichkeit übertreffen. So werden sich auch jetzt alle Kräfte vereinen, die eine nicht allzu ferne Zeit erkennen lassen werden, daß das jetzige Geschehen ein krauser Abweg gewesen ist, der aber letztlich doch nur den Sinn hatte, an Hindernissen vorbei an das Ziel zu führen, das dann vielleicht nicht in allen Einzelheiten dem erschauten Ideal entsprechen und dennoch das Wort wahrmachen wird: „Kommen wird der Erlöser . . . .“ Auswanderung und Binnenwanderung 3. Bericht der Meldestelle für Binnen- und Auswanderung: Quartal Januar/März 1937. ’ Von Max Birnbaum, Berlin. Mit dem Eintritt in das neue Kalenderjahr hat sich die Arbeit der Meldestelle für Binnen- und Auswanderung beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden entscheidend erweitert. Seit dem 1. Januar 1937 ist das Meldewesen grundsätzlich in allen Teilen Deutschlands von den jüdischen Gemeinden bzw. Landesverbänden eingeführt worden. Auch die Verbände in Süddeutschland haben jetzt die gleichen Einrichtungen wie der Preußenverband getroffen. Im Einvernehmen mit der Statistischen Abteilung der Reichsvertretung werden die vom Preußischen Landesverband nicht direkt erfaßten Meldungen gesammelt am Ende eines jeden Quartals von den übrigen Verbänden der Meldestelle eingereicht, sodaß von ihr jetzt eine Gesamtauswertung für ganz Deutschland erfolgen kann. In Bezug auf die Methodik der Quartalsstatistiken, die regelmäßig in diesem Blatt veröffentlicht werden, 'vorab zwei Bemerkungen: Die Meldestelle bemüht sich, in jedem Quartal nur die tatsächlich in diesem Quartal erfolgten Wegzüge zu erfassen. Da aber vielfach, besonders in den Großgemeinden, die Meldungen teilweise erst sehr verspätet erfolgen, läßt sich dieses Prinzip nicht restlos, durchführen, d. h. es laufen nach Beendigung der statistischen Abschlußarbeiten immer noch Meldungen für das abgeschlossene Quartal ein. Da im allgemeinen damit gerechnet werden kann, daß diese Nachträge in den einzelnen Vierteljahren ungefähr den gleichen, nicht allzu großen Umfang behalten werden, werden von dem vorliegenden Bericht ab diese Nachträge in die Meldungen für das neue Quartal hineingenommen. Die 2. Vorbemerkung betrifft den Umfang der Veröffentlichungen. In diesem Blatt sollen fortlaufend nur die Gesamtergebnisse in gleichbleibender Tabellenform mitgeteilt werden. Das durch die statistische Auszählung gewonnene Material ist wesentlich umfangreicher und gestattet für jedes Teilgebiet einen Spezialnachweis. Zum Teil werden diese besonderen Angaben in den entsprechenden örtlichen jüdischen Blättern auch bekanntgegeben. Soweit dies aber nicht geschieht, steht es selbstverständlich jeder größeren Gemeinde und jedem Provinzialverband frei, die Meldestelle um regelmäßige Auszüge aus dem vorliegenden Material zu ersuchen. Das erste Kalenderviertcljahr ist für die Binnenwanderung von besonderer Bedeutung. Der Jahresschluß bedeutet vielfach Beendigung von Mietsverhältnissen, Verträgen usw., die für eine Verlegung des Wohnsitzes von Wichtigkeit sind. Ferner fällt in dieses Vierteljahr der Schulschluß, der gleichfalls, wie wir weiter unten sehen werden, nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Binnenwanderung hat. Andererseits pflegt die Auswanderung aus klimatischen Gründen im allgemeinen im ersten .Jahresquartal nicht sehr groß zu sein. Diesen Erfahrungen entsprechen auch die Ergebnisse für das Vierteljahr Januar/'März 1937. Die Gesamtzahl der Wegzüge ist auf 7924 gestiegen. Berücksichtigt man aber, daß hierin Baden, Bayern und Württemberg mit 1162 Wegzügen enthalten sind, so ergibt sich gegenüber dem letzten Quartal mit 7543 Wegzügen ein etwa zehnprozentiger Rückgang. Dagegen ist die Binnenwanderung allein mit 2823 Wegzügen — und ohne Baden, Bayern und Württemberg mit 2428 Wegzügen — gegenüber dem letzten Quartal (2282) gestiegen. Entsprechend ist die Auswanderung auf 5101 Wegzüge (ohne die 3 süddeutschen Länder 4334) gegenüber 5261 Auswanderungen im letzten Quartal gesunken. Binnenwanderung Die folgende Übersicht über die Binnenwanderung gestattet zum ersten Mal einen gewissen Einblick in die Bedeutung der Binnenwanderüng für die Struktur der

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