Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 8 (1.8.1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE SYNAGOGEN - GEMEINDEN IN $_ Nr. 8 Berlin, 1. August 1937 15. Jahrgang PREUSSEN UND NORDDEUTSCHLAND Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reidisministers für Volksauf klärung undPropaganda betr. Überwachung der geistig und kuiiturell tätigen Juden im deutschen Relcfaagebiet. Herausgeber( Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Die Erfüllung Gis. Siebzig Jahre hatten die Juden in Babylon auf die Heimkehr gehofft, als aber der Perserkönig Kyros nach seinem siegreichen Einzug in Babel den Juden ihre Freiheit wiedergab, da wurden die Rückkehrer unter Serubabel ihres Tuns nimmer froh, tiefe Enttäuschung kennzeichnet Leben und Schrifttum der jüdischen Epoche, die bestimmt gewesen wäre, Erfüllung der jesajanischen Verheißungen zu bringen, die alte Herrlichkeit und zugleich ein Leben in sozialer Gerechtigkeit heraufzuführen. Und diesmal? Siebzig Generationen haben das ״ ובא’[לציוןןגואלKommen wird für Zion der Erlöser“ gebetet, dann brachte die Geschichte Balfour-Deklaration und Völkerbundsmandat, aber schon vorher waren Menschen ins Land gegangen, jüdische Rückkehrer gleich denen unter Serubabel; eine besondere Bewegung hätte sich geformt, um den jüdischen Staat und durch ihn das jüdische Volk neu zu bauen; ihre wegweisende Kraft und die Ereignisse in der Welt ließen den Strom der Rückkehrer in ungeahntem Maße anschwellen; alter und neuer Jischuw sowie ein ganzes jüdisches Geschlecht stehen in ungebrochener Einsatzbereitschaft, das Land zu bauen; aber nun, da es an die formgerechte Erfüllung all der in Gebeten und in Opfern — in Opfern von Schicksalen und Leben — eingesetzten Hoffnungen geht, scheint wiederum Enttäuschung das Kennzeichen der Erfüllung zu sein; der Judenstaat, wie er nun, nach siebzig Generationen des Betens und nach vierzig Jahren der Arbeit, Wirklichkeit zu werden droht, entspricht in keiner Weise dem Bilde der Verheißungen — weder denen der Propheten von einst, noch denen der Politiker von jetzt. Mit Recht hat Professor Selig Brodetsky, das bekannte Exekutivmitglied der Jewish Agency, auf einer großen Kundgebung in Leeds darauf hingewiesen, daß die vorgeschlagenen Grenzen von keinem Volk mit Selbstachtung akzeptiert werden können. Mit Recht heben ferner die Vormänner des Zionismus in Deutschland auf den bisher abgehaltenen Massenversammlungen hervor, daß ein jüdischer Zwergstaat, der durch seinen miniaturhaften Umfang unfähig wird, der brennenden Auswanderungsnot der Golah wirksam zu begegnen, dem Zionismus eine Schranke setzt, jenseits deren er aufhören würde, als nationale Erneuerungsbewegung des jüdischen Volkes gelten zu können. Und doch — auch hierin sei der Vergleich mit den Rückkehrern unter Serubabel weitergeführt — heute wie damals darf und wird die Enttäuschung nicht das letzte Wort sein. Nicht einmal unser Protest darf das letzte Wort sein. Daß es an derartigen Protesten nicht fehlt, geht schon allein aus den eben zitierten Äußerungen Brodetskys und der Zionisten in Deutschland hervor; jüdische und insbesondere zionistische Persönlichkeiten und Körperschaften aller Lager und aller Länder haben ihren Widerspruch von der schroffsten bis zur gemäßigtsten Tonart hören lassen; und es ist bemerkenswert genug, daß es diesmal nicht die Revisionisten unter Jab o t i n s k y allein sind, die die schrillste Melodie pfeifen, sondern daß Töne von mindestens der gleichen Schärfe auch von Vormännem großer zionistischer Organisationen und Gliederungen gehört wurden, z. B. von dem bekannten amerikanischen Rabbi Stephen W i s e (״Wir sind betrogen worden!“) und von dem für die zionistische Gesamtbewegung sicherlich noch repräsentativeren Ussischkin, der auf der ״Konferenz der Nein-Sager“ die Eröffnungsansprache halten und einen rücksichtslosen Kampf gegen die Teilung unter Mobilisierung aller verfügbaren Kräfte aufnehmen will. — Aber: wir Juden sollen nicht vergessen, daß wir mit diesen Protesten nicht allein stehen; bekanntlich wird auch im Lager der Araber — aus entgegengesetzten Gründen, aber mit mindestens der gleichen Leidenschaftlichkeit wie hei uns.— gegen den englischen Plan protestiert. Und, dies vielleicht das Wichtigste, auch aus englischen .Kreisen selbst wird schärfster Widerspruch laut. Diese Widersprüche sind einmal’ wirtschaftlicher Art: angesehene englische Wirtschaftszeitschriften wie z. B. ״Economist“ und ״Statist“ haben die Durchführbarkeit des Planes auf das äußerste angezweifelt; daß außerdem die tiefgreifendsten politischen Einwände gegen den Plan erhoben werden, haben die Debatten in Ober-"und Unterhaus gezeigt. Indessen gerade diese Parlamentsberatungen haben auch deutlich gemacht, was von einsichtigen Zionisten unmittelbar nach Veröffentlichung des Planes gesagt worden ist: daß Worte — und Proteste, so notwendig sie sind, sind Worte — nicht das geeignete Mittel darstellen, um eine Wendung herbeizuführen. Die englische Regierung, so hat der parlamentarische Sekretär des Kolonienministeriums, Marquis of Dufferin and Avä, während der Oberhaussitzung erklärt, ist nicht geneigt, auf umfassende Änderungsvorschläge einzugehen; von ihrem Teilungsplan werde sie nur absehen, wenn ihr von Juden und Arabern gemeinsam ein Gegenvorschlag unterbreitet wird. Das deckt sich genau mit einem Passus jener ״ersten kritischen Würdigung“,die die״JüdischeRundschau“bereits am 10. Juli veröffentlichte: ״Wir stehen vor einer Übergangszeit, die” mindestens drei Jahre umfassen wird, und während dieser Zeit könnte man zweifellos noch zu einer Revision .... kommen, wenn wichtige neue Tatsachen geschaffen werden. Als solche neue Tatsache käme vor allem eine Einigung von Juden und Arabern über eine gemeinsame Politik in einem ungeteilten Palästina in Frage.“ Manche halten Gemeinde - Mitteilungen: Magdeburg . Halle . . . . »12 Duisburg. 13 ״ . . . . Koblenz. 13 ״ . . . . Thüringen. .1s Bremen. ■ . » 14• Tilsit . . . . . » 15 Stettin . .16