Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 7 (1.7.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/10279732-10279738-10021733--668-3981388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Friedhof zu Kraskau o.-S. Von Studienrat a. D. Dr. Willy Cohn, Breslau. Neben ehrwürdigen Synagogen sind es vor allem Friedhöfe, die von unserer Vergangenheit Kunde geben. Und es ist zu begrüßen, daß man sich Mühe gibt, die historischen Dokumente, die diese Friedhöfe darstellen, durch systematische Aufnahmen festzuhalten; denn die Friedhöfe selbst sind nun einmal dem Gesetz des Vergehens unterworfen. Von Kreuzburg aus führt uns ein Auto weit über das Land, die Chausse ist verlassen, und mühsam sucht sich der Wagen durch eine Dorfstraße und dann auf einem Feldweg seine Bahn, bis wir mitten im flachen Lande vor einem jüdischen Friedhofe halten. Wie kommt ein Friedhof hier weitab von der nächsten Stadt mitten in das obersclilesische Land? Nur die Geschichte kann Antwort geben. Lange bevor die größeren Gemeinden entstanden sind, wahrscheinlich schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, haben Juden in den kleinen oberschlesischen Orten, auf Dörfer verstreut, gewohnt, und nachdem sie einmal festen Fuß gefaßt haben, war das erste die Anlage eines Friedhofes. Man mag Kraskau deswegen gewählt haben, weil der Friedhof die Toten verschiedener Orte zu bergen hatte. Eine alte Urkunde vom 22. Februar 1765 berichtet, daß 55 Quadratellen für diesen 'Begräbnisplatz unter folgenden Bedingungen angekauft wurden: „Sofortiger Kaufpreis i species Dukaten, ein Reichsthaler für jedes Begräbnis, 6 gute Schnäuztüchel für den Herrn Commendator und 6 dergleichen für den Herrn heiligen Pfarrer von Kuhnau pro Jahr.“ Die alten Baulichkeiten, die damals auf dem Friedhof errichtet sein mögen, stehen heute nicht mehr, sie sind einem Brande zum Opfer gefallen. Kraskau selbst besaß eine Synagoge, aber als später die Juden sich mehr nach dem größeren Kreuzburg zusammenzogen, hat man dort eine eigene Gemeinde gegründet. In früherer Zeit, als das Wohnrecht in den Städten noch nicht gegeben war, wohnte man wenigstens in der Nähe, um den Geschäften in der Stadt nachgehen zu können. Bis in die.Mitte des 19. Jahrhunderts blieb der Friedhof in Kraskau die einzige Begräbnisstätte im ganzen Kreise. Es ist still und ruhig auf diesem Friedhof. Die Kreuzburger Gemeinde hat sich später einen eigenen Friedhof geschaffen, so daß nur noch vor längerer Zeit verstorbene Menschen hier ruhen, und so sind es nur wenig Besucher, die den weiten Weg heraus machen, um hier in einer Stunde der Selbstbesinnung die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart zu schlagen. Manche Reihen, die früher belegt gewesen sein müssen, sind als Gräberreihen nicht mehr erkennbar. Die Grabsteine sind verschwunden, aber hier und da steigen auch noch aus dem ältesten Teile fehlster |0d. Kreise, alt Bensllfl*, Mete 14 (U* lende In« und Aus« hndsebcTcrtindimfcii. ■errat alt fnter Brittens oder Eigen veraOfen Mete Mi Ehekspitri, seit» fealfte Einheiraten. Berlin, Itnehenther Strmfle 33 714771 Elf, Anrisafeglri. i ElsnB, Oester rd4, '3dl weis iBfcmaliBMie EfeeaihafeMH SONJA »ESNIKOW Berlin »Cfcatlottenbo rf, DiUsneattilt 1 96»» SerM»cn.iaUTldoeBtBe«belt«nf Ulli Neisser-Jacobius Stfamxk nad Sllbergerlt Aaa*ad>cr Strrte 2J. Telefon i 241744 Alias für Photos »a ftri» May. Oerton ■**.«. Mi «mariB»./S11111 Apparate etc Elf Photo* erta-Ver*. prompt stimmungsvolle Steine empor, oft ganz bedeckt von alten Bäumen, wie überhaupt die Fruchtbarkeit der Natur diesen Friedhof schirmend behütet Wir versuchen, die Inschriften auf den alten Grabsteinen zu lesen. Selbstverständlich sind sie durchweg Hebräisch. Sie künden von der Frömmigkeit der Menschen, zu deren Ehren die Steine errichtet sind, und sie zeigen, wie die Familien, so wie sie auch im Leben nebeneinander gewohnt haben mögen, nun nebeneinander rohen. Wir begegnen so manchem Namen, der später in der jüdischen Geschichte eine Rolle gespielt hat; denn das oberschlesische Jndentum hat immer tüchtige Menschen aus der Enge der Heimat entlassen. Vielleicht, daß dieses herbe Land, das die Menschen zu harter Arbeit zwang, Verweichlichung nicht aufkommen ließ. Wo mögen die Nachfahren aller dieser Menschen heute sein und was mögen sie noch wissen von der Stätte, von der ihre Ureltern einst ausgingen? Der Friedhof dämmert durch die Zeiten, der Frühling hat über ihn ein duftendes Kleid gelegt. Bleibt aber nicht die Hauptsache, und damit verscheuchen wir alle melancholischen Gedanken, die uns zu umfangen drohen, daß der alte Stamm, wo auch immer er über die Erde verstreut ist, den Menschen, die hier ruhen, Ehre macht? Unser Auto fäihrt langsam den Weg zurück. Am Abend sprechen wir zu den Juden der Gegenwart und versuchen ihonen zn sagen, welche Anforderungen an ihre innere Bereitschaft diese Zeit stellt. Chronik des jüdischen Lebens Die großen Linien, durch die die jüdische Gesamtlage zur Zeit bestimmt wird, haben sich seit der vor einem Monat an dieser Stelle gegebenen Kennzeichnung nicht geändert; eine grundsätzliche Darstellung würde eine Wiederholung sein müssen, und es genügt daher die allerdings sehr zu betonende Feststellung, daß bei an - sich gleichgebliebener Situation eine Verschärfung der Spannung eingetreten ist. Was insbesondere Palästina (oder muß man sagen: England?) anbelangt, so können wir hier unmöglich jede einzelne Meldung oder — richtiger — jedes einzelne Gerücht wiedergeben, das üher die englischen Pläne für die zukünftige Gestaltung Palästinas in Umlauf gesetzt ist. Nachrichten widersprechendsten Inhaltes lösen einander ab. „Teilnngsplan aufgegeben — Teilung Palästinas so gut wie sicher“ war die Überschrift, durch die in diesen Tagen eine Pressekorrespondenz die Situation treffend kennzeichnete. Und es ist auch richtig, was im Rahmen eines in Prag gehaltenen Vortrages Dr. Emil Margnlies ausgeführt hat: England könne uns wohl zwingen, die Teilung hii^zunehmen, f aber solch ein durch Teilung entstehender Miniaturstaat mit 1 höchstens einer Million Juden, eine Mustersiegiung mit einer - Universität, sei keine Lösung der Judenfrage Judenno!. Der Bericht der Royal Commission, der naeh den Vorsitzenden der Kommission, Lord Peel, sogenannte Peel-Bericht ist, wie in der zweiten Juhi-Hälfte in London amtlich mitgeteiit wurde, ZEIGT WELTMODE IN DAMENSCHUHEN Kurfürstmdamm 216» ui Tau*ntzl*n«trqB*11 (<m U-trtnliof UMa«4riraß«)awrI>n ** (andBrOadäöitiiitkirdiB) t&SO&emskuk T&r Mk «S, PMdMt Shili US M — ftgilll Amu—Hoboratorim» an VmaidwiMHi I Xrzte | fanMhsBi ■»rtri N4, Tachrlchlm <Stcrbcklclder> ad Vendrlll | lelfaui. ff—Hrr LV. Damen« and Herrenwlaohc. lilfllilllv llitllltilf! la Teztflwarea Jeder An, sowie Koofcfafoo Käftw. 4. mmnu, WUkelss^tr. 4, 52 «73