Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 7 (1.7.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Antlitz der neuen Generation Jeder Mensch weiß es, und doch ist es wichtig, es auch einmal zu sehen: wie die veränderte Lebensweise zugleich das Aussehen verändert! Die fünf Gesichter, die "hier gezeigt werden, kennen wir alle und kennen sie auch wieder nicht. In Gedanken oder auch mit einem Blatt Papier decken wir das wenige, was außer den Köpfen auch noch von Körper und Kleidung zu sehen ist, zu, bei den drei Jungens glätten wir vielleicht auch noch ein wenig das Haar, und schon sehen wir fünf junge Menschen vor uns, wie wir sie aus jeder größeren oder kleineren Gemeinde kennen. Wirklich? Ja u n d nein: denn zu dem, was uns an den Gesichtern bekannt erscheint, kommt deutlich etwas hinzu, das neu ist. Vor allem: diese Gesichter, so oft wir sie auch in unsern jüdischen Gemeinzum Lernen — das Wort im weitesten Sinne genommen: jüdische und auch allgemeine Kultur nehmen sie in sich auf. Es ist also nicht so, daß auf ein Zeitalter der Überzüchtung des Intellekts nun ein solches einseitiger Betonung des Körperlichen folgen wird, sondern die zukünftige jüdische Lebensform wird Geist-und Körper in Harmonie vereinigt sehen. Wenn uns das schon die jungen Gesichter sagen, wie viel gewisser ist es also beim Fortschreiten dieser Entwicklung, wenn diese jungen Menschen den gesehen haben mögen' und so sehr sie auch von der Stadt an sich halben mögen (weil die Stadt sie einst geprägt hat), es sind dennoch keine Gesichter von Stadtmenschen mehr! Sie alle sind seit einem Jahr, und zum Teil schon länger, in Umschichtungs- und Vorbereitungslagern, und sind nicht nur äußerlich verändert. Im Gegenteil: dieses veränderte Gesicht ist Ausdruck der veränderten Innerlichkeit, so wie die andersgewordene Tätigkeit auch ihre Interessen geändert hat: auf Befragen erklären sie alle, ihre jetzige Lebensweise sei zwar alles andere als bequem, aber es wolle nicht ein einziger in die Stadt zurück! Wohin sie wollen? Zum Teil nach Palästina, zum Teil in andere Länder jüdischer Einwanderung; sie wissen nicht, wohin die Zukunft,sie verschlagen wird. Aber ihre Ungewißheit darüber macht sie keinen Augenblick unsicher oder zag. -Sie sind voll Optimismus und Lebensmut und voll unerschütterter, ganz selbstverständlicher, naturhafter Zuversicht. Und dabei leben sie keineswegs nur für ihre natürliche, materielle Existenz. Nein, wenn etwas an ihnen bewundernswert ist, dann dies, daß sie nach getaner Feld-, Garten-, Statt- oder auch .Handwerker- Arbeit und neben dem theoretischen Unterricht für ihre neuen Berufe, ausnahmslos auch Zeit und Kraft finden älter geworden sein werden! Seht diese Bilder nur an: diese geistdurchseelten und zugleich lebensfrischen Augen, dazu die eine kraftvoll-feste Hand am Spatenstiel — es ist das Bild des Judentums von morgen. Wir alle sind glücklich, dieses für uns so veränderte ,.Morgen“ hier mit Augen zu sehen. „Jesch tikwah l’acharithäch“ — ruft der Prophet (Jeremia 31, 17) dem Volke Israel zu — „es gibt eine Hoffnung Für deine Zukunft“. % Ratstagung in der Reichsvertretung Rat und Präsidialausschuß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland sind am IS. Juni ds. Jhrs. zu einer Sitzung zusammengetreten, in der Fragen der Organisation und des Aufgabenkreises der Reichsvertretung zur Beratung standen. Den Anlaß zu dieser Tagung hatte der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde gegeben, der sich an die-Reichsvertretung mit dem Verlangen einer grundlegenden Umgestaltung des Aufgabengebietes und der Organisation der Reichsvertretung gewandt hatte. Dieser Forderung lag insbesondere die Auffassung zugrunde, daß die Gemeinden und Landesverbände als die wesentlichen ^Träger jüdischer Arbeit bisher nicht in der' notwendigen ausschlaggebenden Weise in der Reichsvertretung vertreten seien und daß eine bessere 5