Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 7 (1.7.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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des American Joint längst zu diesem System übergegangen. Mit der Tendenz zur Produktivierung der Sozialarbeit müßte eine Vereinfachung des Sozialapparates Hand in Hand gehen. Welche Maßnahmen in dieser Beziehung am besten getroffen werden können, soll der Entscheidung des von der Reichevertretung und den Gemeinden eigens dafür eingesetzten Fachausschusses Vorbehalten bleiben. Nur unter Anspannung der letzten Kräfte wird es möglich sein, wenigstens den dringendsten Sozialaufgaben gerecht zu werden. Der Leser dieser Zeilen wird «ich vielleicht fragen, ob es denn beute noch Juden gibt, die ihre sozialen Pflichten nicht erfüllen. Er wird vielleicht mit leicht gekränkter Miene .an seine hoben Gemeindesteuern und seine Spenden für die Winterhilfe oder an jüdische Vereinsbeiträge denken und sich von jedem Tadel frei wissen. Diese Einstellung des Gebenden bedeutet die Gefährdung des jüdischen Sosialwerks von innen. Es genügt in dieser Situation nicht mehr, daß jeder das von der Gemeinschaft vorgeschriebene (Minimum an Pflichten erfüllt, jeder muß wirkliche Opfer bringen. Kant sagt einmal, das Gute oder das Wohltun fängt erst dort an, wo es einen schmerzt. Aus der Fülle zu geben ist danach keine Guttat. In diesem Sinne bleibt für jeden von uns noch viel zu tun. Die Sozialgesinnung der Gebenden darf sich nicht in den festgesetzten Beiträgen erschöpfen, sie muß zu einer ständigen Einsatzbereitschaft für die Verwirklichung des Sozialwerks führen. Nicht minder wichtig ist die Läuterung der Sozialgesinming beim Nehmenden. Nicht selten begegnen einem in der Sozialaibeit Menschen, die die öffentlichen Mittel h> Anspruch nehmen woHen, um ihre — wenn auch bescheidenen — Mittel oder die ihrer Angehörigen zu schonen. Diese Menschen glauben geradezu ein Recht auf Unterstützung in jeder Beziehung zu haben, sie wollen sich dieses „Rechtes" auf keinen Fall begeben, denn sie „werden doch der Gemeinde nichts schenken“. — Die Selbsthilfe — darunter ist auch die Hilfe der nächsten Verwandten oder Freunde zu verstehen — muß der Unterstützung aus dem „großen Topf“ stets vorangehen. Für einige Berufsgruppen ist dieser Gedanke stets, verwirklicht worden. Die jüdischen Hochschullehrer, Rechtsanwälte, Arzte und Apotheker haben ihre beschäftigungslosen Berufskollegen durch Sammlungen in eigenen Reihen unterstützt. Die Solidaritätsaktion des Hechaluz, die auch die armen Berufsumschichtler zu einer gewissen Beitragsleistung anhielt, um dadurch neue Plätze zu schaffen, gehört hierher. Der gleiche sozialpädagogische Gedanke liegt der Aktion der „blauen Beitragskarte“ zugrunde. Durch die monatliche Baitragsstaffelung von RM. 6,25 bis RM. 5.— soll möglichst jeder Jude zur regelmäßigen Unterstützung des Hilfs- und Aufbauwerks herangezogen werden. Die gesteigerten Bemühungen der Bleibenden werden ohne die tatkräftige Unterstützung der Gehenden nichts fruchten. Dr. Otto Hirsch hat auf der letzten Kundgebung der Reichsvertretung den beherzigenswerten Vorschlag gemacht, daß die begüterten Auswanderer auch an die jüdische Gemeinschaft eine ähnliche Abgabe wie die Reichsfluchtsteuer entrichten sollten. Würde diesem Vorschlag entsprochen, so könnte für die erste Zeit zweifellos ein ansehnlicher Ausgleichsfonds für den Ausfall an Steuereinnahmen geschaffen werden. Aber selbst diese Spende dürfte nicht die einzige Hilfstätigkeit des scheidenden Gemeindemitglieds sein. Man kann sich nicht aus der Verantwortung für seine Gemeinschaft loskaufen. Diejenigen, die sich im Ausland eine neue Existenz aufbauen, müßten, sowie sie festen Fuß gefaßt haben, die zuverlässigsten Helfer im Kampf gegen die Not der Zurückgebliebenen werden. Sie müßten versuchen. Verwandte und Ereunde mit Rat nnd Tat zu unterstützen und'sie unter Umständen nachkommen zu lassen. Die Kehilla muß wieder lebendige Wirklichkeit werden. Die russischen und polnischen Juden haben diese Art der sozialen Hilfe eindrucksvoll demonstriert. Ohne das solidarische Füreinandereinstehen wäre es nie möglich gewesen, die Millionenmassen der völlig verarmten russischen und polnischen Juden nach Amerika zu transpprtieren und sie dort wirtschaftlich einzugliedern. Nur wenn es gelingt, diesen Geist tätiger Nächstenliebe zu erfüllen, wild die durch die Auswanderung zunächst entstehende Belastung des jüdischen Sqjzialwerkes in Deutschland einer fühlbaren Entlastung weichen. Dann und nur dann können die jüdischen Sozialarbeiter das Gefühl haben, von einer höheren Warte aus nicht am Abbau sondern tan Dienst von Hilfe und Aufbau tätig zu sein. Nach der Art, in der die Juden in und aus Deutschland ihre historischen sozialen Pflichten erfüllen, wird man dereinst den moralischen Wert unserer Gemeinschaft veranschlagen. Die Berliner Abrabanell-Ausstellung Mehrere Monate sind nun bereits verflossen, seitdem der Preußische Landesverband an die jüdischen Gemeinden im ganzen Reich die Anregung gelangen ließ, in diesem Jahre das 'Andenken des 1437 — vor fünfhundert Jahren -win Lissabon geborenen Don Jizchak AbrabaneH allen unseren Menschen nahezuführen. Eine ähnliche Anregung war vor zwei Jahren anläßlich der 800-Jahr-Feier des Maimonides vom Landesverband ausgegangen und hatte ein außerordentlich lebhaftes Echo gefunden. Trotzdem — und obwohl von diesen beiden „Jubilaren“ Maimonides zweifellos der weitaus größere ist: der Widerhall war in diesem Jahre, das heißt also bei AbrabaneH, noch wesentlich stärker. Vielleicht bietet sich ein andermal Gelegenheit, den Gründen hierfür nachzuspüren, ebenso wie dann versucht werden soll, einen zusammenfassenden Bericht über die zahllosen Gemeinde- und Schulveranstaltungen zu erstatten, durch die man überall in Stadt und Land bemüht war, sich in Werk, Persönlichkeit und Leiben dieses Großen aus Israel einzufühlen. Eine Veranstaltung aber muß heute, als besonders bedeutsam, vom Berichterstatter vorweggenommen werden: die AbrabaneH-AussteUung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die am 13. Juni, in Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten sowie unter Teilnahme mehrerer Nachfahren Abrabanells, feierlich eröffnet wurde. Der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, wies darauf hin, daß die Anregung zur Abhaltung aller dieser so populär gewordenen Abrabanell-Feiem vom Vizepräsidenten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, ausgegangen ist und daß für das MäfKSr . M f X Don Jizchak AbrabaneH Fot. Abraham (Blldnh in dar Abrabannll-AusOniHing dar Barlinar Gamainda) heutige jüdische Geschlecht besonderer Anlaß bestehe, Abrabanells zu gedenken, der in einer Zeit heftigster jüdischer Umpflanzung seinem Volke Vorbild und Helfer gewesen ist. Rabbiner Dr. Max Wiener spann diesen Gedanken weiter, indem er von AbrabaneH, dem Religionsphilosophen und Staatsmann, sowie auch von seiner ganzen Zejit und Kultursphäre ein anschauliches Bild zeichnete. Frau Rahel Wischnitzer-Bernstein, die, unterstützt vom Oberbibliothekar der Gemeinde, Dr. P e s s e n , und einigen anderen Persönlichkeiten, die AussteUung zusammengesteUt hatte, gab in einem kurzen Vortrag die wünschenswerte Einführung und Übersicht Die Ausstellung führt in drei Gruppen die portugiesische, die spanische und die italienische Epoche Abrabanells vor. Photos, Stiche, 3