Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 6 (1.6.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Duisburg, Halle, Bremen, Nordwestdeutschland, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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unbewußt, nach festen, kraftvoll durchgeführten Kompositionsgesetzen geformt. Im Ausdruck ist das persönliche Erleben des Heranwachsenden so gehalten, daß es aufs natürlichste in die religiöse Stimmung einer Gemeinschaft mündet. Wir haben in den letzten Jahren kaum ein Bild gesehen, das ein jüdisches Thema so aus tiefer künstlerischer Anschauung behandelt, ohne alle direkten äußerlichen Hinweise, die ja billig sind, vielmehr ganz und gar Jemenitischer Thoraschreiber Fot. Abraham von Prof. Erich Wolfsfeld aus Malerei geboren und daruili auch in ihrem jüdischen Element echt und überzeugend. Beatrice Lion hat ferner ein großes Früchte-Stilleben gemalt, mit der gleichen Beherrschung des Raumes aufgebaut und in den Einzelformen ausgeglichen, überdies in ganz freien, kräftig leuchtenden Farben, die in wohlerwogenen Kontrastierungen ihr Spiel und Gegenspiel treiben. Das sind zwei Überraschungen, wie man sie nicht auf jeder Ausstellung erlebt, und die darum allein schon den Eindruck des Ganzen heben. Aber sie stehen nicht allein. Andere Leistungen von Wert gliedern sich an. Arno Nadel hat seine interessante selbsterfundene Technik mit der hohen Geistigkeit seines Künstlertums niemals schöner in Einklang gebracht als in dem tief erfaßten Bilde eines jüdischen Philosophen, das er diesmal ausstellt. Wie reichhaltig der Vorrat an jüdischen Talenten ist, über die wir verfügen, zeigt sich an dem Nebeneinander von Nadel und den Berliner Schülern Arthur Segals, die den denkbar stärksten Gegensatz zu ihm bedeuten. Diese „Neuen Naturalisten“ geben nicht viel auf Intuition und unmittelbares Erfassen seelischer Werte, sie lieben mehr das andachtsvolle Studium der Natur in ihren feinsten Wirklichkeilszügen. Anneliese Ratkowski-Braun und Max >11 e i m a n n sind die hauptsächlichsten Vertreter dieser Gruppe. Sie sind bei ihrem Bemühen immer ein wenig in Gefahr, ins Trockene, Allzusachliche auszugleiten, aber die ernsthafte Versenkung in den Ausschnitt der Umwelt, den sie vornehmen, sei es ein Porträt, sei es ein Stilleben, sei es die Abbildung, besser Nachbildung eines einzelnen Gegenstandes, gleicht alles aus und hat eine ansteckende Intensität. Wieder anders sind die aus dem Impresisonismus hervorgegangenen Begabungen. So Adele Reifenberg-Rosenbaum, die mit echter Maleranschauung, mit einem gesunden Gefühl für Raum, Luft und Licht namentlich von ihren frohen Augenerlebnissen am Gardasee Köstliches zu berichten weiß, wie jetzt vom Hafen von Torbole. So Kurt Bialostotzky, der sich durch flotte und helle Farbengebung auszeichnet und dadurch hervorsticht, weil bei jüdischen Künstlern im allgemeinen doch immer noch ein bißchen die Neigung zu düsterem Kolorit mitspricht. So Hans Michaelson, Minna L e w i, Eugen H e r s c h , Julie W olfthorn. So auch Gertrud Bursch-Dreyfuß, die gleichfalls zu den Jüngern Segäls gehört, aber sich von seiner strengen Systematik losgelöst hat. Früher spielten bei jüdischen Ausstellungen die Porträts immer eine Hauptrolle. Man übte sich gern in der charakterisierenden Ergründung von Köpfen und Menschen. Das erschien fast als eine jüdische Besonderheit und ging oft bis zu wunderlicher Einseitigkeit. Diesmal ist davon keine Rede. Viel mehr als vordem beschäftigen sich jüdische Künstler heute mit der Land ■ schaft, mit figürlichen Vorwürfen. Darum fehlen aber tüchtige Bildnisse keineswegs, wobei auch ein bisher wenig genannter Künstler wie Gerhard Graetz mit einer prächtigen Arbeit Aufmerksamkeit weckt. Auch Emme Frankenberg sei hier genannt, wiederum eine von den Berliner Künstlerinnen, die stetig und erfreulich vorwärtskommen. In dem breiten Gang des Jüdischen Museums sind die Aquarelle, Handzeichnungen und Graphiken vereinigt. Ein wahrer Schatz an vorzüglichen und entzückenden Einzeldingen, ja an meisterlichen kleinen Sachen ist hier zu finden! Wo das schwere, zähe öl nicht überwunden zu werden braucht und die Künstlerhand sich leicht bewegen kann, kommt oft die gute Malerlaune am allerschönsten zur Geltung. Die bunteste Mannigfaltigkeit empfängt den Besucher, das persönlichste Spiel von Form und Farbe hält ihn fest. Es kann hier nicht entfernt der Versuch gemacht werden, einen Überblick über diese Abteilung zu geben. Die besten Kräfte, die unser Kreis in Berlin besitzt, haben sich eingefunden, wie Ludwig Schwerin, Isidor Asch heim (aus Breslau, der demnächst wiederum als Zeichenlehrer in Berlin tätig sein wird), Käthe Schuftan, eine der originellsten undfgeistvollsten Beherrscherinnen des Aquarell. Hervorheben möchte ich jedoch noch zwei Namen: Bethold Not h mann, von Beruf durchaus kein Künstler, sondern Kaufmann, aber.seit Jahren leidenschaftlicher Kunstfreund und Förderer zumal moderner Begabungen, der auf einmal ganz reizende eigene Aquarelle A. > - : v * Jüdischer Philosoph Fot. Abrohom Gemälde von Arno Nadel zeigt, auf Reisen entstanden, anspruchslos gemeint, und doch Zeugnisse eines liebenswürdigen „Dilettantismus“ im eigentlichsten Sinne des an sich so freundlichen Wortes — und Georg W o 1 f f , der Beamter der Berliner Jüdischen Gemeinde ist und auf einmal mit wunderhübschen alt- 6